Erinnerungsorte

Gedenkstein/Mahnmal

Erinnerung an die "Euthanasie"-Opfer in Irsee

Bild der Gedenkstätte
Am 1. August 1849 wurde im ehemaligen Benediktiner-Kloster und Reichsstift Irsee in Bayerisch-Schwaben die "Kreis-Irren-Anstalt in Irsee" eröffnet. Im Jahr 1876 wurde sie der neuen "Bayerischen Heilanstalt für Geisteskranke in Kaufbeuren" angegliedert.

Nach der Machtübertragung an die NSDAP 1933 und dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" wurden auch in Irsee Sterilisationen von Patientinnen und Patienten durchgeführt. Der "Gnadentod-Erlass" aus dem Jahr 1939 gab den Psychiatrie-Anstalten die bürokratische Grundlage für die Ermordung von Patienten. Unter der Tarnbezeichnung "Aktion T 4", benannt nach dem Sitz der Berliner Dienststelle in der Tiergartenstraße 4, wurde die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderung geplant und durchgeführt. Auch in Irsee wurden Patienten ermordet bzw. mit den "grauen Bussen" in andere Anstalten gebracht, wo sie ermordet wurden. Nach Abbruch der zentralen Patiententötungen im August 1941 wurden in den einzelnen Heil- und Pflegeanstalten Patienten weiterhin mit Hungerkost oder mittels Überdosen an Medikamenten ermordet; so auch in Kaufbeuren und Irsee.

In der Nachkriegszeit blieb die Irseer Abteilung für psychisch Kranke bis 1972 bestehen. Im Jahr 1974 beschloss der Bezirkstag von Schwaben die Restaurierung der Klosteranlage und die neue Zweckbestimmung als Tagungs- und Bildungszentrum, das 1981 eröffnet wurde. Im gleichen Jahr wurde auf dem ehemaligen Patienten-Friedhof hinter der Irseer Klosterkirche das Mahnmal "Lass mich Deine Leiden singen" des Allgäuer Künstlers Martin Wank eingeweiht. Auf der am Eingang des Friedhofs angebrachten Texttafel ist zu lesen: "Euthanasie-Aktionen in Irsee 1939-1945. Die unmenschliche Rassenideologie des Nationalsozialismus und die daraus folgenden Aktionen zur ‚Vernichtung unwerten Lebens‘ betreffen auch Irsee: Über 2000 Patienten (Erwachsene und Kinder) aus Kaufbeuren/Irsee werden in Vernichtungsanstalten deportiert, sterben nach Verordnung fettloser Hungerkost (E-Kost) oder werden mittels Spritzen und Überdosen von Medikamenten direkt umgebracht. Ein Teil der Opfer liegt auf dem Friedhof, der an dieser Stelle im Krieg errichtet wurde."

Mitte der 1990er Jahre wurde im ehemaligen Leichenhaus der Heil- und Pflegeanstalt Irsee, in der sogenannten Prosektur, eine Gedenkstätte für die Opfer der NS-"Euthanasie" eingerichtet. Im Vorraum ist ein großformatiges Triptychon der Münchener Künstlerin Beate Passow ausgestellt. Sie greift auf von Tätern gefertigte Fotografien zurück und konfrontiert diese mit Auszügen eines Briefwechsels zwischen dem ärztlichen Direktor (1929-1945) von Kaufbeuren-Irsee, Dr. Valentin Faltlhauser, und Dr. Georg Hensel, der von 1939 bis 1946 Oberarzt in der Kinderheilstätte Mittelberg bei Oy im Allgäu war und Tbc-Versuche an behinderten Kindern in Kaufbeuren-Irsee vornahm.

Im Jahr 2009 wurden drei Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig vor dem Kloster Irsee verlegt. Stellvertretend für alle in Irsee ermordeten Patienten wird namentlich erinnert an Maria Rosa Bechter, Anna Brieger und Ernst Lossa.

Kontakt
Schwäbisches Tagungs- und Bildungszentrum Kloster Irsee
Klosterring 4
87660 Irsee
Bundesland Bayern

Tel.: +49 (0)8341 906-00
Fax: +49 (0)8341 906-696

http://www.kloster-irsee.de
info@kloster-irsee.de


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