Dossierkopf Geheimsache Ghettofilm

Geheimsache Ghettofilm

Im Mai 1942 dreht ein NS-Filmteam im Warschauer Ghetto – wenige Wochen bevor dort die Deportationen und der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung beginnen. Das Filmmaterial scheint das Leben im Ghetto abzubilden. Doch die Szenen sind gestellt, die Bilder Propaganda. Die israelische Regisseurin Yael Hersonski hat die Aufnahmen aus dem Warschauer Ghetto zum Gegenstand ihres Films "Geheimsache Ghettofilm" gemacht. Darin erzählt sie von den Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung im Ghetto und den propagandistischen Zielen des NS-Regimes. Nicht zuletzt berührt sie auch die Frage nach der Authentizität der Bilder der Täter: Wie sollte NS-Filmmaterial heute genutzt werden?

Die bpb veröffentlicht den Film ergänzt um Informationen zu seiner Entstehung und zur Geschichte des Warschauer Ghettos - darunter Kommentare und Analysen von Historikern, Filmexperten und Archivaren sowie Bildergalerien und Zeitzeugenberichte. Außerdem finden Lehrkräfte didaktisches Material für die Schule, in dem zentrale Aspekte des Films aufgegriffen und für den Unterricht aufbereitet werden.

(© 2013 Belfilms LTD. / bpb)

»FSK« ab 12 freigegeben. Die bpb empfiehlt den Film erst ab einem Alter von 14 Jahren.

     

Geschichte des Warschauer Ghettos in Film und Bild

Mai 1941: Ein Angehöriger der Ghettopolizei regelt im Warschauer Ghetto den Verkehr. Am 16. November 1940 wurde das Ghetto abgeriegelt. Fortan waren die Juden Warschaus gezwungen innerhalb der Ghettomauern zu leben. Auch Juden aus dem restlichen Polen oder auch aus Deutschland wurden im Ghetto von den deutschen Besatzern eingesperrt -– die Enge war erdrückend. Der Fotograf Ludwig Knobloch war Mitglied einer Propagandakompanie der Wehrmacht. (© Bundesarchiv, 101I-134-0796-30)

Andrea Löw

Das Warschauer Ghetto

Bis 1939 befand sich in Warschau die größte jüdische Gemeinde Europas – die Stadt war eine pulsierende Metropole auch des jüdischen Lebens. Nach dem deutschen Überfall auf Polen und während der Besatzung wurde im Herbst 1940 das Warschauer Ghetto errichtet: 400.000 Menschen wurden eingeschlossen und überwacht. Es folgte eine Politik der Unterversorgung, der Diskriminierung und Gewalt. Im Juli 1942 begannen die ersten Deportationen von Juden aus dem Ghetto in das Vernichtungslager Treblinka. Weiter...

Deutsche Einheiten errichteten während des Zweiten Weltkriegs über 1.000 Ghettos im deutschen Herrschaftsgebiet. Allein in Polen waren es rund 600. Die Ghettos waren Durchgangsstationen in die Vernichtungslager, sie dienten als Arbeitskräftereservoir und Produktionsstätten für die Rüstung, so der Historiker Wolfgang Benz. Der Fotograf Albert Cusian, Mitglied einer Propagandakompanie der Wehrmacht, machte das Bild 1941 im Warschauer Ghetto. 
 (© Bundesarchiv, 101I-134-0780-02)

Wolfgang Benz

Ghettos in Osteuropa — Definitionen, Strukturen, Funktionen

Mindestens die Hälfte aller ermordeten Juden Europas musste eine Zeitlang in einem Ghetto leben – der Kontrolle und dem Terror des deutschen Regimes ausgesetzt. Den Ghettos kam im Geschehen des Holocausts eine zentrale Bedeutung zu, zeitweise wurden sie zu Wartesälen der Vernichtung. Wolfgang Benz, einer der renommiertesten deutschen Holocaust-Forscher, skizziert Funktion und Strukturen der Ghettos. Weiter...

Yael Hersonski

Interview mit Yael Hersonski

Was passierte "außerhalb" der Filmaufnahmen?

Mit "Geheimsache Ghettofilm" untersucht die israelische Regisseurin Yael Hersonski filmisch die Propaganda-Aufnahmen aus dem Warschauer Ghetto. Ihr Film wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Interview mit bpb.de spricht die Filmemacherin über ihre Spurensuche und die Besonderheiten von "Geheimsache Ghettofilm". Weiter...

Samuel D. Kassow

Interview mit Samuel D. Kassow

Die Wahrheit soll leben – das Untergrundarchiv im Warschauer Ghetto

Bis heute ist das geheime Archiv des Warschauer Ghettos eine bedeutsame Quelle. Auch der Film "Geheimsache Ghettofilm" greift auf das Material zurück. Der Historiker Samuel D. Kassow hat in seinem international anerkannten Buch die Geschichte des Archivs aufgeschrieben. bpb.de sprach mit Kassow über die mutigen Männer und Frauen hinter dem Archiv. Weiter...

Während der Propagandaaufnahmen im Warschauer Ghetto im Jahr 1942 wurden diverse Einstellungen inszeniert. "Luxus" sollte "Elend" gegenübergestellt werden, wie diese Szene aus dem Filmmaterial zeigt. Doch es war die Mehrheit der Bevölkerung, die infolge der Ghettoisierung Armut und Hunger ertragen musste. (© Bundesarchiv-Filmarchiv und Transit Film)

Anja Horstmann

Das Filmfragment "Ghetto" – erzwungene Realität und vorgeformte Bilder

Über die Filmaufnahmen im Warschauer Ghetto 1942 ist nur wenig bekannt, der Film wurde nie fertiggestellt. Die Bilder zeigen den Versuch, die dramatischen Zustände im Ghetto dem nationalsozialistischen Propagandabild "des Juden" anzupassen. Die Historikern Anja Horstmann liefert Hintergründe zu den Filmarbeiten und analysiert das Filmfragment – dabei legt sie die propagandistischen Absichten des Regimes offen. Weiter...

Adolf Hitler und Joseph Goebbels besuchen am 4. Januar 1935 den Filmkonzern UfA in Potsdam-Babelsberg. Bereits 1933 hatte die UfA ihre jüdischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Die verstaatlichte Filmindustrie wurde zu einem wichtigen Propagandainstrument der NS-Führung. (© Bundesarchiv, Bild 183-1990-1002-500)

Filmportal.de

Film im NS-Staat

Für die Propaganda im Nationalsozialismus spielte der Film eine zentrale Rolle. Das Regime bediente sich der Suggestivkraft der Bilder zur Mobilisierung und Indoktrination. Es entstanden propagandistische Unterhaltungsfilme, ebenso hetzerische Pseudo-Dokumentarfilme. Die Redaktion von Filmportal.de skizziert die Filmpropaganda im NS-Staat und macht deutlich, dass es wichtig ist, bei den Arbeiten zu differenzieren. Weiter...

Blocks und Schulbücher

Für den Unterricht

Didaktisches Material

Der Dokumentarfilm "Geheimsache Ghettofilm" problematisiert den Umgang mit Bildmaterial der Täter und zeigt, dass es unerlässlich ist, historische Filmquellen in ihrem historisch-politischen Zusammenhang zu betrachten. Zugleich wirft der Film auch medienethische Fragen auf. Die bpb hat deshalb ergänzend zum Dokumentarfilm didaktisches Material erstellt, das sich vor allem an Lerngruppen der Sekundarstufe II wendet. Das Material umfasst drei Module, die für je zwei Unterrichtseinheiten konzipiert sind und unterschiedliche thematische Schwerpunkte haben. Sie bauen aufeinander auf, können aber auch einzeln im Unterricht verwendet werden. Jedes Modul enthält eine Unterrichtsskizze und Arbeitsmaterialien. Lehrende können die Arbeitsaufgaben individuell anpassen - es handelt sich um freie Bildungsmaterialien! Weiter...

Andreas Weinhold, Lehrer und Medienpädagoge

Ausprobiert-Interview: Material-Entwicklung

Lernen, Propaganda zu durchschauen: Interview mit Lehrer Andreas Weinhold

Propaganda wurde nicht von den Nazis erfunden. Das NS-Filmmaterial aus dem Warschauer Ghetto, das die israelische Regisseurin Yael Hersonski mit ihrem Film neu kontextualisierte, bietet jedoch einen besonders geeigneten Anlass, um über die Konstruktion und Dekonstruktion von Propaganda ins Gespräch zu kommen. Lehrer Andreas Weinhold hat für die bpb multimediales Begleitmaterial zum Film "Geheimsache Ghettofilm"mitentwickelt und erläutert hier die Aktualität des Themas. Weiter...

Ein schönes Mikrofon

Ausprobiert-Interview: Material-Entwicklung

Wie entstand das Bildungsmaterial "Geheimsache Ghettofilm"?

Ein Blick hinter die Kulissen der Bundeszentrale für politische Bildung. Sonja Ernst, freie Journalistin und Redakteurin, ist Mitentwicklerin des Unterrichtsmaterials "Geheimsache Ghettofilm" und gibt uns einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Lern-DVD. Im Skype-Interview berichtet sie von der Herangehensweise und den didaktischen Entscheidungen, welche für die Erstellung dieses Lernangebots bestimmend waren. Weiter...

Modul 1

Propaganda und ihre Wirkungsabsichten– zum Entstehungskontext des Filmmaterials aus dem Warschauer Ghetto

Dirk Rupnow

Dirk Rupnow

Unser Umgang mit den Bildern der Täter

Für den Historiker Dirk Rupnow löst der Film "Geheimsache Ghettofilm" nicht das Versprechen ein, die Täterbilder zu durchbrechen. Dabei kritisiert er auch die Machart des Films. Zugleich fordert Rupnow eine breite Diskussion über den Umgang mit Film- und Bildmaterial aus der Nazi-Zeit. Weiter...

Rainer Rother

Rainer Rother

Nationalsozialistische Filmpropaganda – filmisch dekonstruiert

Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, sieht in Hersonskis Arbeit eine gelungene Re-Lektüre der Aufnahmen im Warschauer Ghetto von 1942. Auch indem Yael Hersonski neue Perspektiven auf das Filmmaterial eröffne. Weiter...

Kurzfilm

Geschichte des Warschauer Ghettos

Das Warschauer Ghetto war eines von über tausend Ghettos im deutschen Herrschaftsgebiet. Schätzungsweise 400.000 Menschen wurden dort zwischen 1940 und 1943 eingeschlossen. Die jüdische Gemeinde Warschaus wurde bis auf wenige Überlebende ausgelöscht. Dieser Film skizziert anhand von Archivbildern und Kartenmaterial die Geschichte des Ghettos. Weiter...

Bildergalerie

Leben im Warschauer Ghetto

Nach dem deutschen Überfall auf Polen und während der Besatzung wurde im Herbst 1940 das Warschauer Ghetto errichtet. Der Alltag im Ghetto war geprägt von Hunger und Elend, ebenso von Gewalt und Terror der SS. Im Juli 1942 begannen die ersten Deportationen von Juden aus dem Ghetto in das Vernichtungslager Treblinka. Weiter...

 

Dossier

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 60 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte? Weiter... 

Dossier

Deutsch-polnische Beziehungen

Deutsche und Polen verbindet eine schwierige Beziehung, die noch immer überschattet wird von den deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs. Wie stehen die beiden Staaten heute zueinander? Weiter... 

Familiengeschichte

chotzen.de

Auf der Webseite wird die Geschichte der deutsch-jüdischen Familie Chotzen vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis heute mit vielen Filmen, Bildern und Dokumenten erzählt. Weiter... 

Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte am 1. April 1933. Die Herrschaft der Nationalsozialisten bedeutet für die deutschen Juden von Anfang an eine antisemitische  Politik der Diskriminierung und Verdrängung.Blog

4. Internationale Konferenz zur Holocaustforschung

Die 4. Internationale Konferenz zur Holocaustforschung widmete sich vom 27. bis 29. Januar dem Fokus "Volksgemeinschaft – Ausgrenzungsgemeinschaft. Die Radikalisierung Deutschlands ab 1933". Hier finden Sie die Veranstaltungsdokumentation. Weiter... 

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