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8.5.2013 | Von:
Wolfgang Benz

Ghettos in Osteuropa — Definitionen, Strukturen, Funktionen

Mindestens die Hälfte aller ermordeten Juden Europas musste eine Zeitlang in einem Ghetto leben – der Kontrolle und dem Terror des deutschen Regimes ausgesetzt. Den Ghettos kam im Geschehen des Holocausts eine zentrale Bedeutung zu, zeitweise wurden sie zu Wartesälen der Vernichtung. Wolfgang Benz, einer der renommiertesten deutschen Holocaust-Forscher, skizziert Funktion und Strukturen der Ghettos.

Deutsche Einheiten errichteten während des Zweiten Weltkriegs über 1.000 Ghettos im deutschen Herrschaftsgebiet. Allein in Polen waren es rund 600. Die Ghettos waren Durchgangsstationen in die Vernichtungslager, sie dienten als Arbeitskräftereservoir und Produktionsstätten für die Rüstung, so der Historiker Wolfgang Benz. Der Fotograf Albert Cusian, Mitglied einer Propagandakompanie der Wehrmacht, machte das Bild 1941 im Warschauer Ghetto. 
 (© Bundesarchiv, 101I-134-0780-02)Deutsche Einheiten errichteten während des Zweiten Weltkriegs über 1.000 Ghettos im deutschen Herrschaftsgebiet. Allein in Polen waren es rund 600. Die Ghettos waren Durchgangsstationen in die Vernichtungslager, sie dienten als Arbeitskräftereservoir und Produktionsstätten für die Rüstung, so der Historiker Wolfgang Benz. Der Fotograf Albert Cusian, Mitglied einer Propagandakompanie der Wehrmacht, machte das Bild 1941 im Warschauer Ghetto. (© Bundesarchiv, Bild 101I-134-0780-02 Foto: Cusian, Albert / 1941 Sommer)

Der Begriff "Ghetto" weckt Assoziationen an spätmittelalterliche und frühneuzeitliche jüdische Wohnquartiere in Städten, wie zum Beispiel 1516 in Venedig errichtet. Die Ghettos verschwanden im Zuge der Emanzipationsdebatten Ende des 18. Jahrhunderts in ganz Europa mit einer Ausnahme, dem päpstlichen Rom, wo der jüdische Bezirk bis 1870 abgetrennt blieb. Eine andere Assoziation meint die ostjüdischen Stetl, Siedlungen mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil in Osteuropa, die aber keine Ghettos im Sinne erzwungenen Aufenthalts für Juden waren. Beide Vorstellungen trüben den Blick auf die Realität nationalsozialistischer Judenpolitik: Die Ghettos wurden zuerst in der rudimentären Gestalt der "Judenhäuser" im Deutschen Reich, dann als Orte der Konzentration jüdischer Bevölkerung im eroberten Polen errichtet. Die Ghettos unter nationalsozialistischer Regie im Zweiten Weltkrieg hatten kein Vorbild, sie dienten der Internierung, Ausbeutung und Vernichtung und waren oft Plätze von Massakern. Die Ghettos waren Durchgangsstationen in die Vernichtungslager, sie waren Arbeitskräftereservoir und Produktionsstätten für die Rüstung.

Die Ghettos hatten unterschiedliche Strukturen, doch alle waren geprägt von Ausbeutung und Vernichtung

Die Ghettos hatten keine einheitliche Struktur, sie unterstanden nicht wie die Konzentrationslager einer zentralen Leitung, sie waren lokalen Dienststellen der Schutzstaffel (SS) und der Polizei untergeordnet, sie hatten regional unterschiedliche Erscheinungsformen und folgten keiner erkennbaren politischen und administrativen Logik. Zur Definition gehört auch die "Selbstverwaltung" durch "Judenälteste" und "Judenrat", die freilich von der SS eingesetzt und absolut weisungsgebunden waren. Zur Definition gehört die Absicht, Juden zu manipulieren durch die Einweisung in keineswegs selbstgewählte Wohnbezirke, durch Zwangsarbeit und Hunger. Soziale Segregation, Diskriminierung und Kontrolle waren Ziele der Ghettoisierung.

Das Bild des Ghettos ist geprägt durch den hermetischen Abschluss gegen die nichtjüdische Umwelt, wie er in Warschau (weitere Informationen bietet der Hintergrundtext von Andrea Löw "Das Warschauer Ghetto") und Łódź ("Litzmannstadt") gegeben war. Der Typ des "geschlossenen" Ghettos, an dessen Tor bewaffnete Wachen Juden am Verlassen hindern und Nichtjuden den Eintritt verwehren, war aber auf wenige große Städte beschränkt. Die Regel bildeten die "offenen" Ghettos, die nicht von Zaun oder Mauer umgeben, deren Grenzen nur durch Schilder markiert waren. Trotzdem herrschte keine Freizügigkeit und der Zutritt für Nichtjuden war verboten[1].

Die bekanntesten und größten Ghettos bestanden in Litzmannstadt im "Warthegau", in Bialystok auf ebenfalls vom Deutschen Reich annektiertem polnischen Territorium, in Warschau und Lemberg im "Generalgouvernement", in Minsk in Weißrussland, in Saloniki in Griechenland, in Rom und in Budapest, und sie hatten ganz unterschiedliche Strukturen.

Insgesamt existierten im deutschen Herrschaftsgebiet im Zweiten Weltkrieg 1.100 bis 1.200 Ghettos, in denen Juden (in einigen auch Sinti und Roma) Zwangsarbeit verrichteten, auf die Deportation in ein Vernichtungslager warteten oder elend zugrunde gingen. Auf polnischem Boden gab es etwa 600 Ghettos, im Baltikum 130, in der übrigen Sowjetunion 250. In Ungarn und im rumänisch beherrschten Transnistrien existierten ebenfalls Ghettos. Litzmannstadt war von Anfang 1940 bis August 1944 in Betrieb[2]. Warschau, endgültig im Oktober 1940 errichtet, wurde im Mai 1943 liquidiert[3], die Ghettoisierung in Bialystok endete im August 1943, zwei Jahre nach der Gründung wie Warschau in einem Aufstand. Das Ghetto Minsk gab es vom Juli 1941 bis Oktober 1943; die beiden Stätten zwangsweisen Aufenthalts in Budapest, das "Große Ghetto" und das "Internationale Ghetto", bestanden noch im November und Dezember 1944, als die anderen Ghettos im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich längst leergemordet waren. Die Budapester Ghettos hatten auch eher den Charakter geschützter Zonen unter diplomatischem Schirm als die Produktions- und Haftstätten im polnischen Generalgouvernement oder im Baltikum und Weißrussland[4]. So gaben in Budapest schwedische Gesandte Schutzpässe der Botschaft an Juden aus, die von den deutschen Besatzern anerkannt wurden.

In den Ghettos herrschten Ausbeutung, Kontrolle und Terror

Auf dem Territorium der Sowjetunion folgte die deutsche Politik gegen die Juden ab Sommer 1941 mit der Errichtung von Ghettos in den "Reichskommissariaten" Ostland und Ukraine dem "polnischen Modell" von 1939/40, das auf Konzentration, Kennzeichnung, Enteignung und Ausbeutung zielte. Als Provisorien konzipiert, deren wirtschaftliche Nützlichkeit hinter den Erfordernissen der "Endlösung" zurücktrat, waren die jüdischen Zwangsgemeinschaften der Besatzungsmacht bedingungslos ausgeliefert. Ein gestaffeltes System von Ausbeutung, Terror und Kontrolle sorgte dafür, dass die Juden tagtäglich im Schatten des Todes lebten. Infolge geschickter Delegation interner Ghettofunktionen an die Insassen mussten die Opfer Hilfsdienste zu ihrer eigenen Unterdrückung leisten, so dass statt der wahren Urheber oft der Judenrat, die Ghettopolizei oder andere jüdische Instanzen für das Leid im Ghetto verantwortlich schienen.

Mai 1941: Ein Kind liegt bewegungslos auf dem Gehweg im Warschauer Ghetto. Es ist unklar, ob es schläft oder tot ist. Der Fotograf Zermin, Mitglied einer Propagandakompanie der Wehrmacht, machte die Aufnahme. Mindestens die Hälfte aller ermordeten Juden Europas lebte eine Zeitlang in einem Ghetto – unfreiwillig und vom Tod bedroht. (© Bundesarchiv, 101I-134-0771A-38)Mai 1941: Ein Kind liegt bewegungslos auf dem Gehweg im Warschauer Ghetto. Es ist unklar, ob es schläft oder tot ist. Der Fotograf Zermin, Mitglied einer Propagandakompanie der Wehrmacht, machte die Aufnahme. Mindestens die Hälfte aller ermordeten Juden Europas lebte eine Zeitlang in einem Ghetto – unfreiwillig und vom Tod bedroht. (© Bundesarchiv. Bild 101I-134-0771A-38 Foto: Zermin / Mai 1941)

Die Lebensbedingungen im Ghetto bildeten kein Unterscheidungsmerkmal zum Konzentrationslager: Die Ghettos im "Reichskommissariat Ostland" (Baltikum und Teile Weißrusslands) wurden durch einen Befehl Heinrich Himmlers, Reichsführer der SS, vom 21. Juni 1943 aufgelöst und teils in Konzentrationslager umgewandelt, was zum Beispiel an den Strukturen der neuen Lager in Kaunas (Litauen) und Riga (Lettland) sowie ihrer Nebenlager nichts änderte. So gehört das KZ Kauen (wie das in Kaunas beziehungsweise Kovno im Spätsommer 1943 vom Ghetto zum Konzentrationslager umgewidmete und im Juli 1944 wieder aufgelöste Lager offiziell hieß) organisationsgeschichtlich in die Schlussphase der Ghettos. Diese Anordnung Himmlers zur Auflösung der Ghettos und Errichtung von Konzentrationslagern im "Reichskommissariat Ostland" bezeichnet einen Punkt in der Geschichte des Holocaust, der das Dilemma nationalsozialistischer Politik zwischen kriegswirtschaftlich gebotener Ausbeutung der Arbeitskraft von Juden und ihrer ideologisch intendierten Vernichtung verdeutlicht.

Doch die Strukturen der KZ, die aus Ghettos hervorgegangen waren, unterschieden sich erheblich vom Typus des Konzentrationslagers. Im KZ Kauen beispielsweise hatte der Übergang der Administration des Ghettos von der Zivilverwaltung auf Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst (SD) zwar Konsequenzen für den Alltag der Insassen, änderte indes wenig am Charakter des Ghettos selbst, zumal bis Frühjahr 1944 Reste der jüdischen "Selbstverwaltung" der SS Hilfsdienste leisten mussten[5]. Auch das KZ Riga-Kaiserwald entspricht nicht dem Muster des Konzentrationslagers, wie es seit Dachau als System organisiert war und funktionierte. Im Frühjahr 1943 errichtet, war Riga-Kaiserwald ganz überwiegend von Juden belegt und setzte die Ära der Ghettos fort[6].

Der deutsche Kontrollapparat arbeitete effizient und umfassend

Das Ghetto als diffuser Übergangsbereich zwischen Terror und Vernichtung war durch eine Vielzahl von Verordnungen, Befehlen und Zwangsmaßnahmen reglementiert, deren Zweck sich oft darin erschöpfte, das Gefühl des Ausgeliefertseins auf Seiten der Betroffenen zu verstärken. Bürokratische Formalismen erzeugten eine Scheinwelt von Ordnung und Korrektheit, während die Realität von Korruption, Raub und Mord geprägt war. Die Ausweglosigkeit der Lage des Ghettos ergab sich nicht nur aus der Rigidität der deutschen Überwachung, sondern auch daraus, dass außerhalb kaum sichere Zuflucht zu finden war. Die nichtjüdische Bevölkerung im Osten Europas verhielt sich insbesondere in der ersten Phase deutscher Besatzung, als ein Sieg der Wehrmacht möglich schien, abweisend: Die Flucht von Juden in entlegene Verstecke — zumeist Wälder oder Sumpfgebiete —, um ebenda zu überleben, stieß gerade dort auf unüberwindliche Schwierigkeiten, wo einheimische Widerstandsgruppen antijüdisch eingestellt waren.

Der deutsche Kontrollapparat erwies sich als effizient genug, um neben den einheimischen Juden ab November 1941 auch noch — wie im Falle der nach Minsk Deportierten — Juden aus dem Reichsgebiet oder anderen Teilen Europas zu erfassen. Waren die Deportationen ein zentral organisiertes Unternehmen, so entschieden deutsche Instanzen vor Ort über das Schicksal der Betroffenen: In Minsk wurden sie, nachdem man durch die Ermordung einheimischer Juden "Platz geschaffen" hatte, zunächst ins Ghetto eingewiesen[7].

Bereits in den ersten Tagen des Krieges legte die Wehrmacht im Verein mit anderen deutschen und einheimischen Kräften das Fundament, auf dem wenig später die Ghettos errichtet wurden. Entlang der vorrückenden Front bildeten antijüdische Bestimmungen einen festen Bestandteil des Besatzungsreglements. Flugblätter, Plakate und Armeebefehle verkündeten, dass die Juden zu kennzeichnen, ihrer Handlungs- und Bewegungsfreiheit zu berauben und die vielfältigen Verbindungen zur restlichen Bevölkerung zu kappen seien. Bestimmungen zur Ghettoisierung ergingen in rascher Folge, ohne inhaltlich wesentlich voneinander abzuweichen. Hauptziel der Ghettoisierung war die Konzentration der Juden in wenigen Städten.
Die Ghettos bildeten eine wichtige Quelle begehrter Arbeitskräfte und steter Einnahmen. Indem man die Ghettobewohner bewusst unterversorgte, zur Zwangsarbeit presste und durch Raubzüge ausplünderte, wurden die letzten Reste verborgenen jüdischen Besitztums den Okkupanten und ihren einheimischen Helfern erschlossen. Je schwieriger sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt angesichts der unersättlichen deutschen Kriegswirtschaft gestaltete, um so größere Bedeutung kam den Ghettos zu.

Doch um den Charakter der Ghettos angemessen zu beschreiben, reichen die Kategorien Erfassung, Konzentration und Ausbeutung nicht aus. Die deutschen Zwangsmaßnahmen zielten letztlich immer auf eine gewaltsame "Lösung der Judenfrage", selbst wenn sich ihre Zweckrationalität oft erst in der Rückschau erschließt. Hinzu kommt, dass die Reglementierung nicht nur die Verhältnisse im Ghetto, sondern auch die nichtjüdische Außenwelt betraf, sei es in Gestalt von Kontaktverboten, Strafbestimmungen oder Belobigungen[8].

Theresienstadt als "Vorzeige-Ghetto"

Ganz einzigartig ist das Ghetto, das 1941 im "Protektorat Böhmen und Mähren" in der spätbarocken Festung Theresienstadt errichtet wurde, zunächst für Juden aus Böhmen und Mähren. Die Deportation nach Theresienstadt wurde prominenten deutschen Juden ab Juni 1942 als Privileg vorgestellt. Das hatte einen mehrfachen Zweck. Einmal sollte der Transport in die Vernichtungslager verschleiert werden, dann sollte die Verbringung Privilegierter und Prominenter an einen "bevorzugten Ort" Interventionen zu deren Gunsten verhindern, schließlich war Theresienstadt für eine kleine Gruppe deutscher Juden tatsächlich privilegierte Endstation — falls sie den hygienischen Zuständen, dem Hunger und der Entwürdigung standhalten konnten.[9]

Eine Szene aus "Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet", der im August und September 1944 im Ghetto Theresienstadt gedreht wurde. Kurz nach einer Reihe von Stadtverschönerungsmaßnahmen und dem Besuch einer Delegation des Roten Kreuzes.Eine Szene aus "Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet", der im August und September 1944 im Ghetto Theresienstadt gedreht wurde. Kurz nach einer Reihe von Stadtverschönerungsmaßnahmen und dem Besuch einer Delegation des Roten Kreuzes. (© U.S. Holocaust Memorial Museum )

Nach der Ankündigung Reinhard Heydrichs, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, auf der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 waren folgende Personengruppen aus dem Gebiet des Deutschen Reichs für das "Altersghetto" Theresienstadt vorgesehen: Über 65 Jahre alte und über 55 Jahre alte gebrechliche Juden mit ihren Ehemännern und -frauen, dann Träger hoher Kriegsauszeichnungen und des Verwundetenabzeichens aus dem Ersten Weltkrieg sowie deren Frauen, ferner jüdische Ehegatten aus nicht mehr bestehenden deutsch-jüdischen Mischehen und schließlich jüdische alleinstehende "Mischlinge", wenn sie nach den herrschenden Vorschriften als Juden galten ("Geltungsjuden").

Theresienstadt diente, anders als die sonstigen Ghettos, auch der nationalsozialistischen Propaganda. Im Juni 1944 wurde es einer Kommission des Roten Kreuzes vorgeführt. Die Illusion einer jüdischen Stadt wurde inszeniert: Fassaden wurden getüncht, Geschäfte eingerichtet, ein Caféhaus hatte zentrale Funktion beim Versuch, das Bild eines heiteren Gemeinwesens zu erzeugen. Der Besuch eines Vertreters des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz fand am 23. Juni 1944 statt. Der Delegierte, Maurice Rossel, war 27 Jahre alt, als er Theresienstadt besuchte. Er war Arzt und sehr naiv. Was man ihm zeigte, glaubte er, auch weil er es glauben wollte[10].

Die Ghettos waren zentraler Bestandteil des Holocaust

Mindestens die Hälfte aller ermordeten Juden Europas lebte eine Zeitlang in einem Ghetto – unfreiwillig und vom Tod bedroht. Neben den Konzentrationslagern und anderen Zwangsaufenthalten hatten die Ghettos zentrale Bedeutung im Geschehen des Holocaust.

Der erzwungene Aufenthalt in einem Ghetto ist nicht nur Gegenstand historischer Forschung. Die sozialpolitischen Folgen dieses Aspekts nationalsozialistischer Herrschaft sind noch aktuell. Im Juni 2002 verabschiedete der Deutsche Bundestag einstimmig ein "Gesetz zur Zahlbarmachung von Renten aus Beschäftigungen in einem Ghetto". Der Gesetzgeber schloss damit eine spät erkannte Lücke in der Entschädigung von Opfern des Nationalsozialismus. Voraussetzung einer Rentenzahlung ist, dass die rentenpflichtige Arbeit im Ghetto nicht Zwangsarbeit war, da die Entschädigung für Zwangsarbeiter abgeschlossen ist. Seit 2007 gibt es auch noch eine andere Möglichkeit, eine bescheidene "Anerkennungsleistung für Ghetto-Arbeit" zu erlangen. Auf Antrag des berechtigten Personenkreises[11] zahlt das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen eine einmalige "Anerkennungsleistung für Ghetto-Arbeit" in Höhe von 2.000 Euro.
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Fußnoten

1.
Dieter Pohl, Ghettos, in: Wolfgang Benz/Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 9, München 2009, S. 161—191.
2.
Andrea Löw, Juden im Ghetto Litzmannstadt. Lebensbedingungen, Selbstwahrnehmung, Verhalten, Göttingen 2006; Gordon J. Horwitz, Ghettostadt: Lódź and the Making of a Nazi City, Cambridge, Mass. 2008; Peter Klein, Die "Gettoverwaltung Litzmannstadt" 1940—1944. Eine Dienststelle im Spannungsfeld von Kommunalbürokratie und staatlicher Verfolgungspolitik, Hamburg 2009.
3.
Ruta Sakowska, Menschen im Ghetto. Die jüdische Bevölkerung im besetzten Warschau 1939—1943, Osnabrück 1999; Yisrael Gutman, The Jews of Warsaw 1939—1943. Ghetto, Underground, Revolt, Bloomington 1982.
4.
Brigitte Mihok (Hrsg.), Ungarn und der Holocaust. Kollaboration, Rettung und Trauma, Berlin 2005.
5.
Jürgen Matthäus, Kauen (Kaunas) — Stammlager, in: Benz/Distel, Der Ort des Terrors, Bd. 8, München 2008, S. 189—208.
6.
Gertrude Schneider, Reise in den Tod. Deutsche Juden in Riga 1941—1944, Berlin 2006; Franziska Jahn, Riga-Kaiserwald — Stammlager, in: Benz/Distel, Der Ort des Terrors, Bd. 8, München 2008, S. 17—63. Franziska Jahn arbeitet an einer Dissertation über Riga-Kaiserwald an der TU Berlin, s.a. Katrin Reichelt, Lettland unter deutscher Besatzung 1941 — 1944. Der lettische Anteil am Holocaust, Berlin 2011.
7.
Petra Rentrop, Tatorte der "Endlösung". Das Ghetto Minsk und die Vernichtungsstätte von Maly Trostinez, Berlin 2011.
8.
Christoph Dieckmann/Babette Quinkert (Hrsg.), Im Ghetto 1939—1945. Neue Forschungen zu Alltag und Umfeld, Göttingen 2009.
9.
Überblick auf dem Stand der aktuellen Forschung: Wolfgang Benz, Theresienstadt. Eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung, München 2013; s. a. Jiří Kosta, H. G. Adlers Opus magnum über das Ghetto Theresienstadt, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 58 (2010), S. 105—133.
10.
Vojtěch Blodig, Anmerkungen zu Maurice Rossels Bericht, in: Theresienstädter Studien und Dokumente 1996, S. 302—320.
11.
Jürgen Zarusky (Hrsg.), Ghettorenten. Entschädigungspolitik, Rechtsprechung und historische Forschung, München 2010.
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Autor: Wolfgang Benz für bpb.de
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