Ravensbrück

16 Überlebende – 16 Lebensgeschichten

Über 140.000 Frauen, Jugendliche, Kinder und Männer waren im Frauen-KZ Ravensbrück und im Jugend-KZ Uckermark inhaftiert. Zehntausende haben die Freiheit nicht mehr erlebt. Von 16 Überlebenden finden Sie hier die Biografien, die sehr unterschiedliche Schicksale schildern, die jedoch alle von Rechtlosigkeit und Grausamkeit handeln. Die Frauen kamen aus Deutschland, Österreich, Polen, der Ukraine, Ungarn, der Tschechoslowakei, Bulgarien und Belgien nach Ravensbrück. Sie waren jung, studierten, waren verliebt oder gerade Mutter geworden, als sich ihr Leben so unumkehrbar veränderte. Am helllichten Tag oder auch mitten in der Nacht wurden sie verhaftet, von ihren Familien getrennt und deportiert. Teils haben die Überlebenden ihre Biografien selbst geschrieben, teils sind die Lebensgeschichten aus Interviews hervorgegangen.

Rosa D.

Rosa D.

"Zusammengepfercht, wie die Heringe in der Büchse."

Ab 1944 beginnt auch in Ungarn die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Rosa lebt mit ihrer Familie in Budapest. Am 9. November 1944 wird die 18-Jährige zu Hause abgeholt – sie kommt nach Ravensbrück. Nach einer Selektion wird sie von ihrer Freundin getrennt. Sie sehen sich nie wieder – Rosas Freundin überlebt die Qualen nicht. Weiter...

Philomena Franz

Philomena Franz

"Das Blut stockte. Die Seele war kaputt."

Philomena wächst in einer renommierten Musikerfamilie auf, einer Sinti-Familie. Im März 1943 wird sie von der Gestapo verhaftet. Über Auschwitz kommt sie nach Ravensbrück, wo sie ihre Schwester trifft. Zurück in Auschwitz entkommt Philomena nur mit Glück dem Tod in der Gaskammer. Weiter...

Kató Gyulai

Kató Gyulai

"Jeder Tag dort war wie die Unendlichkeit."

Kató wird 1919 in Budapest in einer jüdischen Familie geboren. Spätestens mit der deutschen Besetzung Ungarns 1944 ändert sich alles. Kató und ihre Schwester werden deportiert – sie kommen nach Ravensbrück. Als Kató zur Zwangsarbeit in Spandau selektiert wird, bleibt ihre Schwester zurück. Die beiden sehen sich nie mehr wieder. Weiter...

Ilse Heinrich

Ilse Heinrich

"Das hieß arbeitsscheu."

Ilse wird 1924 bei Wismar geboren. Schon früh muss sie bei der Feldarbeit mithelfen – die Stiefmutter hat nur wenig für Ilse übrig. Ilse reißt immer wieder aus und wird deshalb als "arbeitsscheu" klassifiziert. 1943 wird sie ins Arbeitshaus im Schloss Güstrow eingeliefert, im August 1944 wird Ilse nach Ravensbrück überstellt. Weiter...

Lisl Jäger

Lisl Jäger

"Es gibt zwei Gerüche, die ich nie vergessen werde: Das ist Chlor und wie es riecht, wenn Fleisch brennt."

Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich leisten Lisl und ihre Familie Widerstand gegen den Faschismus. Lisl ist im Kommunistischen Jugendverband aktiv. Am 3. Juli 1941 wird sie von ihrem Arbeitsplatz von der Gestapo weggeholt. Sie ist 17 Jahre alt. Weiter...

Anita Köcke

Anita Köcke

"Die machen Dich mürbe. Das ist ja die Strafe, die wollen Dich mürbe machen."

1925 wird Anita als uneheliches Kind geboren – sie wächst bei Pflegeeltern, bei Onkel und Tante auf. Sie versucht auszureißen. Doch Anita kommt ins Mädchenheim, ins Gefängnis und wieder ins Mädchenheim. Im Frühjar 1943 wird sie in das "Jugendschutzlager" Uckermark gebracht. Weiter...

Irmgard Konrad

Irmgard Konrad

"Ich weiß nicht, wie viel Tausende Frauen wir waren."

Irmgard wächst in Breslau auf. Ihr Vater ist jüdischer Herkunft. Sie ist politisch aktiv und schließt sich dem Sozialistischen Jugendverband an. Ab 1941 muss Irmgard den Judenstern tragen und Zwangsarbeit leisten. Zwei Jahre später wird sie nach Ravensbrück deportiert und muss im April 1945 mit auf den "Todesmarsch" gehen. Weiter...

Elisabeth Kunesch

Elisabeth Kunesch

"Wir waren ja keine Menschen für die SS."

Die Eltern von Elisabeth gehören beide der KPD an, und auch Elisabeth ist politisch aktiv. Bei den Pionieren klebt sie Flugblätter und nimmt an Kundgebungen teil. Sie bringt zwei Kinder zur Welt, doch 1940 wird die 21-Jährige mitten in der Nacht abgeholt. Es folgen Verhöre und Haft, bevor sie 1941 nach Ravensbrück kommt. Weiter...

Gertrud Müller

Gertrud Müller

"Du bist noch so jung. Du darfst noch nicht sterben."

Gertrud ist schon früh politisch aktiv: 1933 wird die 18-Jährige zum ersten Mal verhaftet. Doch Gertrud und ihr Mann Hans leisten weiterhin Widerstand gegen den Faschismus. Im Juni 1942 werden beide verhaftet. Nach verschiedenen Stationen, unter anderem 13 Monaten Einzelhaft, kommt Gertrud im Oktober 1943 nach Ravensbrück. Weiter...

Stella Nikiforova

Stella Nikiforova

"Frauen aller Nationalitäten haben mich versteckt."

Stella kommt mit vier Jahren ins KZ Ravensbrück – gemeinsam mit ihrer Mutter. Doch die Mutter wird im Lager ermordet. Die anderen Häftlingsfrauen kümmern sich um Stella, sie geben ihr Essen und verstecken sie. Stella überlebt und findet 1962 ihren Vater wieder. Weiter...

Genowefa Olejniczak

Genowefa Olejniczak

"Ich habe Angst vor dem Tod gehabt."

Genowefa wird 1923 in Posen geboren. Mit 12 Jahren schließt sie sich den Pfadfindern an: Sie versorgen Menschen, die bereits von den Faschisten verfolgt werden. Genowefa wird verraten. Es folgen Verhaftung, Verhöre und Dunkelhaft. Im Juli 1941 kommt sie in das Frauen-KZ Ravensbrück. Weiter...

Georgia Peet-Taneva

Georgia Peet-Taneva

"Splitternackt und ausgemergelt – zitternd vor Hunger und Angst."

Georgia wird in Südbulgarien geboren. 1929 emigriert sie mit ihrer Mutter nach Warschau. Doch bei einem Bombenangriff 1939 wird die Mutter getötet. Mit 18 Jahren wird Georgia nach München überstellt und muss Zwangsarbeit leisten. Im Herbst 1941 wird sie nach Auschwitz gebracht – im Jahr darauf nach Ravensbrück. Weiter...

Zofia Pocilowska

Zofia Pocilowska

"Da ist ein Gang, wo man reinging und nicht rauskam. Wir hörten die Schüsse."

Zofia wird 1920 in Charkow geboren, später geht die Familie nach Warschau. 1939, bei Kriegsausbruch, studiert Zofia Polonistik – sie ist 19 Jahre alt. Zofia geht in den politischen Widerstand. Doch durch einen Hinweis wird sie im März 1941 von der Gestapo verhaftet. Im September wird sie nach Ravensbrück überstellt. Weiter...

Barbara Reimann

Barbara Reimann

"Die Frauen mussten nackt an dem SS-Mann vorbeigehen."

In Barbaras Familie sind alle politisch aktiv. Im Herbst 1933 wird der Vater verhaftet – drei Tage später ist er tot. Trotzdem engagiert sich auch Barbara. Sie schreibt Anti-Kriegsbriefe an Soldaten, doch ein Spitzel lässt ihre Gruppe auffliegen. Barbara wird verhaftet und 1944 nach Ravensbrück überstellt. Weiter...

Edith Sparmann

Edith Sparmann

"Dann wurdest du kahl geschoren."

Edith wächst in Liberec auf. Mit 14 Jahren wird sie Mitglied der Kommunistischen Jugend. 1941 schließt Edith ihre Friseurlehre ab, doch noch im selben Jahr werden sie und ihre Mutter von der Gestapo verhaftet. Edith wird nach Ravensbrück überstellt: Sie gilt als "Politische" und bekommt die Häftlingsnummer "8291". Weiter...

Schura Terletska

Schura Terletska

"Es gab Berge von Haaren. Man hat uns alle geschoren."

Schura wird 1927 in Odessa geboren. Bei Kriegsbeginn bringen die Eltern Schura und ihren Bruder aufs Land. Doch Schura wird 1942 auf offener Straße verhaftet. Die 15-Jährige wird als Zwangsarbeiterin nach Stuttgart gebracht. Später folgt die Deportation nach Ravensbrück und in das Außenlager Neubrandenburg. Dort erlebt Schura am 29. April 1945 die Befreiung. Weiter...

 

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Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

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Gemeinsame Bezugsrahmen schaffen

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Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum. Weiter... 

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Dossier NS-Zwangsarbeit: Zeitzeugin Helena Bohle-Szacki

Juni 1944: Transport ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, inhaftiert als "asoziale Halbjüdin". Weiter... 

Auschwitz heuteMediathek

Auschwitz heute

Auschwitz – Ort und Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Der Name der südpolnischen Stadt steht für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und Menschen, die nach der NS-Rassenideologie nicht zur „Volksgemeinschaft“ gehörten. Der Bombay Flying Club hat dazu eine Webdocumentary für die bpb umgesetzt. Grundlage sind Fotos von Martin Blume. Weiter...