Der Berliner Reichstag

Über die Chronik


1.6.2000

Zielsetzungen



Die Chronik vermittelt Daten, Zusammenhänge und Entwicklungen zur Zeitgeschichte und Politik in Deutschland über die letzten fünfeinhalb Jahrzehnte. Sie beginnt mit der bedingungslosen Kapitulation nach dem Zweiten Weltkrieg am 8. Mai 1945, und sie endet 55 Jahre später Ende Mai 2000. Redaktionsschluss war daher am 1. Juni 2000.

Zu den Hypotheken des Zweiten Weltkriegs gehören die Teilung Deutschlands und die Entstehung zweier deutscher Staaten. Zwar gibt es zusammenfassende Bücher über die Bundesrepublik Deutschland (BRD), über die Deutsche Demokratische Republik (DDR), teilweise auch über Deutschland als Ganzes nach 1945, doch fehlte bisher ein vergleichbarer informierender datenorientierter Gesamtüberblick, der die Entwicklung der beiden deutschen Staaten getrennt darstellt, sie jedoch zugleich integriert. Diese Chronik spannt daher den Bogen von der Vorgeschichte der beiden deutschen Staaten bis zu ihrer Nachgeschichte seit dem Beitritt der DDR zur BRD. Damit werden Daten, Zusammenhänge und Entwicklungen erfasst und dokumentiert, die von den Anfängen der Teilung Deutschlands bis zu ihrer Überwindung reichen - bis zur Wiederherstellung der staatlichen Einheit und zum Teil auch bereits inneren Einheit Deutschlands.

Konzeption



In Chroniken werden üblicherweise Daten und Informationen chronologisch aufgeführt und aneinander gereiht, aber nicht systematisch nach inhaltlichen Bezügen geordnet. Die Deutschland-Chronik macht eine Ausnahme von dieser Regel. Sie erleichtert es, Informationen gezielt nachzuschlagen oder zu vermitteln, indem sie Daten chronologisch nach übergreifenden Sachthemen ordnet, so Zusammenhänge aufzeigt und Entwicklungen offen legt.

Diese Chronik neuen Stils verbindet daher Chronologie mit Systematik. Sie gliedert den Stoff systematisch-inhaltlich nach Kapiteln und innerhalb der durchnummerierten Abschnitte bzw. Unterabschnitte nach Daten in zeitlicher Reihenfolge. So entsteht ein Wegweiser, der eine Orientierunghilfe zur deutschen Zeitgeschichte und Politik der letzten 55 Jahre bieten soll.

Vorrangig sind sachliche Informationen zur Zeitgeschichte und Politik in Deutschland 1945 - 2000. Dieses Basiswissen soll zu einer fundierten historischen Urteilsbildung befähigen und so zur persönlichen politischen Meinungsbildung beitragen.

Akzente



Daten und Fakten sammeln und vorstellen, heißt Daten und Fakten auswählen, einordnen und bewerten. Der Verfasser ist sich bewusst, dass es ihm daher trotz seines Bestrebens, möglichst sachlich zu informieren, nicht „objektiv“ gelungen sein kann, neutral zu bleiben.

Allerdings: Der Akzent liegt eindeutig - primär - auf der Vermittlung gesicherten Tatsachenwissens; ihm gegenüber treten - sekundär - Interpretationen deutlich zurück. Diese Bewertungen sollen Zusammenhänge aufdecken helfen, also zur Orientierung beitragen, ohne sie zu präjudizieren. Nicht politische Beeinflussung oder gar Schulung, sondern politische Bildung auf der Basis gesicherter Fakten und Grundkenntnisse - das ist das Leitmotiv dieser Chronik.

Je mehr sich die Chronik der Gegenwart nähert, umso dichter werden die Daten, umso umfangreicher die Informationen. Dies liegt nicht nur im Gegenwartsbezug der Chronik begründet, dies rechtfertigen auch die weltpolitischen Veränderungen seit 1989, in die der deutsche Einigungsprozess, seine Folgen und seine Nachwirkungen ein gebettet sind. Wichtige Fakten, Ereignisse und Entwicklungen der Vergangenheit kommen dennoch nicht zu kurz. Sie laden zu einem Rückblick oder zu einer Rückbesinnung auf die letzten 55 Jahre deutscher Zeitgeschichte und Politik ein.

Orientierungen



Die bisher gesammelten ausgewählten Datenmaterialien sind durchgesehen, übernommen, überarbeitet, zum Teil gekürzt und schließlich bis Ende Mai 2000 fortlaufend ergänzt worden. Damit ist die Deutschland-Chronik auf den neuesten Stand gebracht.

Die Auswahl der Daten und Materialien orientiert sich schwerpunktmäßig an folgenden staatlichen Politikfeldern: Regierungssystem und Innenpolitik; Internationale Beziehungen, Außen- und Sicherheitspolitik; Deutschlandpolitik und innerdeutsche Beziehungen; BerlinFrage und Hauptstadtproblem; Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitspolitik; Sozial- und Gesundheitspolitik; Entwicklungs- und Umweltpolitik; Familien-, Jugend- und Bildungspolitik (am Rande).

Der Schwerpunkt der Datenauswahl liegt zwar im staatlich-politischen Bereich, doch wird unter Politik nicht nur Politik von oben verstanden, also staatliche und Regierungspolitik. Daher sind, soweit im begrenzten Umfang dieser Chronik möglich, auch die wichtigsten gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Verände13 Einführungrungen von unten beachtet worden, z.B. bei Parteien, Organisationen, Protestbewegungen, Extremismus oder Terrorismus. Berücksichtigt sind während der Teilung Deutschlands beide deutschen Staaten.

Entsprechend ihrer Bedeutung ist die Bundesrepublik Deutschland bevorzugt dokumentiert, doch ist die DDR nicht vernachlässigt worden. Gehen von der DDR entscheidende Weichenstellungen aus, wie in den Jahren 1989 und 1990 für die deutsche Einheit, dann kehrt sich das Verhältnis um: Daten und Fakten aus der DDR überwiegen bei weitem jene aus der BRD, so z. B. im Kapitel VII.

Die Außen- und Sicherheitspolitik der beiden deutschen Staaten wird nicht nur jeweils bilateral, sondern auch international in ihren mehrstaatlichen Verflechtungen beleuchtet. Soweit zum Verständnis erforderlich, sind daher wichtige Vorgänge der Weltpolitik oder in Nachbarstaaten erwähnt.

Deutschlandpolitik, innerdeutsche Beziehungen und Berlin-Frage haben als besondere Politikfelder eigene Abschnitte erhalten. Die Chronik beschränkt sich in der Regel auf die vertikale Politik des Bundes bzw. der Bundesregierung; doch sind gelegentlich auch horizontale Vorgänge in Bundesländern oder Regionen eingeflochten worden, soweit von ihnen wichtige Impulse auf den Gesamtstaat ausgehen - so z.B. bei Landtagswahlen oder in der Bildungspolitik.

Die Abkürzung BRD für Bundesrepublik Deutschland wird wertneutral neben der Abkürzung DDR für Deutsche Demokratische Republik verwendet.