Beleuchteter Reichstag

Alles andere als ausgeforscht. Aktuelle Erweiterungen der DDR-Forschung


11.1.2016
Welchen Sinn und Zweck hat die DDR-Forschung heute? Diese Frage diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Seminar auf der 39. Konferenz der amerikanischen German Studies Association (GSA) im Oktober 2015 in Washington. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Verortung der DDR im 20. Jahrhundert, auf transnationalen Perspektiven sowie auf der Frage der "instabilen Stabilität" des SED-Regimes in den 1970er und 1980er Jahren.

Ein Stück der Berliner Mauer vor der Deutschen Botschaft in Washington DCEin Stück der Berliner Mauer vor der Deutschen Botschaft in Washington DC, übergeben durch Bundespräsident Gauck im Oktober 2015 (© picture alliance / dpa )
Die DDR-Forschung ist von einem Kuriosum geprägt: In unregelmäßigen Abständen taucht die Behauptung auf, die Geschichte der DDR sei in Gänze erforscht und die Historikerzunft solle sich auf zu neuen thematischen Ufern machen. Die betroffenen Wissenschaftler wehren sich nur selten mit dem Hinweis auf die Absurdität der Behauptung, sondern versuchen stattdessen akribisch, Desiderata nachzuweisen. Doch warum erscheint die DDR-Geschichte ihren Kritikern so irrelevant, dass sie sich von ihrer weiteren Erforschung kaum Erkenntnisgewinne versprechen? Ein zentraler Grund mag die bereits im Jahr 2003 von Jürgen Kocka befürchtete Verinselung und Provinzialisierung einer DDR-Geschichte sein, die aufgrund einer mangelhaften Rezeption nicht-deutschsprachiger Publikationen und einer rein nationalen Kontextualisierung ihrer Befunde allein um sich selbst kreise und so Gefahr laufe, den Anschluss an die internationale Forschung zu verlieren.[1] Kocka hatte anlässlich des 75. Geburtstags von Hermann Weber eine kritische Bilanz der DDR-Forschung gezogen und mit seinem Befund eine hitzige Debatte ausgelöst.[2]

Als gleichzeitig der DDR-Alltag in Form von Filmen, Fernsehshows, Partys und Soundtracks zum Medien- und Konsumphänomen avancierte, merkten erste Beobachter an, dass zwischen der teils wissenschaftlichen, oft aber eher geschichtspolitisch motivierten Erzählung vom "Unrechtsstaat" und der familiären Erzählung vom "Wohlfahrtsstaat" eine Lücke klaffe, die insbesondere im Schulunterricht Probleme bereite.[3] Eine kurz darauf von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die historische Aufarbeitung häufig "die Interaktion von Herrschaft und Gesellschaft übergeht" und "die Selbstwahrnehmung breiter Schichten der früheren DDR-Bevölkerung und ihrer nachwachsenden Generationen nicht angemessen erfassen" würde.[4] Die Empfehlung der Kommission, auch dem Alltag in der DDR Aufmerksamkeit zu schenken, erfuhr zum Teil vehemente Kritik[5], wird heutzutage allerdings mehr und mehr von der Forschung sowie in der musealen Darstellung aufgegriffen.

Im Osten nichts Neues?

Während die genannten Debatten in den folgenden Jahren zahlreiche Studien zur Erinnerungskultur inspirierten[6], blieb die von Kocka geforderte Perspektivenerweiterung der DDR-Forschung weiterhin hinter den formulierten Ansprüchen zurück. So griff Thomas Lindenberger jüngst die damals genannten Kritikpunkte auf und konstatierte, es gäbe im Grunde keine "Forschungslücken" mehr, sondern nur mehr den Bedarf an neuen Fragestellungen. Die DDR sei als Forschungsgegenstand "uninteressant", so Lindenberger resümierend, "solange man den Blick starr und ausschließlich auf die DDR heftet, nicht rechts und nicht links schaut, und solange dieser Blick in erster Linie durch die gebetsmühlenartig wiederholte Bekräftigung des mittlerweile allgemein Anerkannten, nämlich des Diktaturcharakters der DDR, motiviert ist“.[7] Andrew Port kam zu einer ähnlich kritischen Einschätzung und bezeichnete insbesondere die deutschsprachige DDR-Geschichte als "comfort food for those most interested in moralistic postures".[8] Er sprach daher provokant von den "Banalitäten" der DDR-Forschung, denen er stärker kulturgeschichtlich inspirierte Ansätze aus den anglo-amerikanischen German Studies entgegensetzte.

Wenngleich dieser Gegensatz etwas übertrieben sein mag, so birgt die transatlantische Perspektivenerweiterung doch das Potenzial, die festgefahrene deutsche Debatte zur DDR-Forschung auf produktive Weise aufzubrechen. Inspiriert durch die genannten Kritikpunkte setzte sich ein Seminar auf der 39. Konferenz der amerikanischen German Studies Association (GSA) das Ziel, nach innovativen Fragen zu suchen. An drei Tagen stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und den USA neue Forschungsprojekte vor und diskutierten verschiedene Ansätze und Perspektiven auf dem Gebiet der DDR-Forschung. Dabei entwickelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine dreifache Perspektivenerweiterung, die im Folgenden vorgestellt wird. So fragte das Seminar 1.) nach dem Platz der DDR im 20. Jahrhundert, 2.) nach dem spezifischen Ort der DDR in transnationaler Perspektive und 3.) nach den gesellschaftlichen Herausforderungen und der scheinbaren "Normalität" der 1970er/1980er Jahre, die als Phase der "instabilen Stabilität" bezeichnet werden kann und den Blick schärft für den historischen Wandel innerhalb der vierzigjährigen SED-Diktatur.

I. Der Platz der DDR im 20. Jahrhundert



Eine diachrone Perspektive ermöglicht eine stärkere historische Kontextualisierung der DDR. Stefanie Eisenhuth (Humboldt-Universität zu Berlin) sprach einleitend über historische Kontinuitäten, die über die Zäsuren von 1933, 1945/49 und 1989/90 hinausweisen.[9] Als eine Möglichkeit der Verortung wurde der vor allem in den 1990er Jahren viel diskutierte und dann zunehmend diskreditierte Diktaturvergleich erörtert. Ausgehend von strukturellen Analogien sowie Unterschieden zwischen der NS- und der SED-Diktatur wurde dafür plädiert, auch das Selbstverständnis der kommunistischen Akteure ernst zu nehmen und zu fragen, warum diese trotz ihres so konträren Weltbildes und Wertehorizonts dennoch ein System errichteten, das einen Vergleich zum Nationalsozialismus partiell zulässt. Insbesondere vor dem Hintergrund aktueller medialer Debatten zu vermeintlichen historischen "Erblasten" der DDR[10] wäre es generell wichtig, Kontinuitäten auch im Hinblick auf kulturelle sowie mentale Dispositionen im Rahmen der Transitionsforschung näher zu untersuchen, um den oft pauschalen Behauptungen mit fundierten Forschungsergebnisse begegnen zu können.

Darüber hinaus lohnt sich ein frischer, von moralischen Urteilen befreiter und kulturgeschichtlich inspirierter Blick auf die DDR als sowjetischen Satellitenstaat. Im Hinblick auf institutionelle Strukturen und kulturelle Praktiken des Staats- und Parteiapparats würde sich zeigen lassen, dass einzelne Einrichtungen zum Teil bis 1989 stalinistische beziehungsweise sowjetische Charakteristika aufwiesen – von den Parteisäuberungsverfahren über das tschekistische Selbstverständnis des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) bis hin zu Einrichtungen wie dem Subbotnik. Moskau war stets ein Vetorecht vorbehalten, wie nicht zuletzt das Ringen um den Bonn-Besuch Erich Honeckers 1987 noch einmal zeigte. Allerdings muss zugleich berücksichtigt werden, dass die von Moskau angestrebte "Sowjetisierung" der DDR-Gesellschaft nie erreicht wurde.[11]

Die DDR als alternative Moderne

Großes Erkenntnispotenzial verspricht der Versuch, den "Sozialismus in den Farben der DDR" als eine "alternative Moderne"[12] zu verstehen, dessen politische Leitbilder auf die deutsche Arbeiterbewegung zurückgingen und der versuchte, eigene Antworten auf die drängenden Fragen des 20. Jahrhunderts zu finden. In diesem Licht erscheint die DDR als das Nachleben einer sozialen "Totalutopie",[13] deren Fortschrittsbegeisterung und euphorische Zukunftsgewissheit im Angesicht nationaler wie globaler Entwicklungen zunehmend einer pragmatischen Moderne wichen. Das einst so schwungvolle und leidenschaftliche rhetorische Pathos, mit dem das soziale Paradies auf Erden stets in der greifbaren Zukunft verortet worden war, verblasste zunehmend, und es blieb lediglich der ritualisierte Glaube an eine gesetzmäßige historische Entwicklung, die irgendwann für den finalen Sieg des Kommunismus sorgen würde. Diese so unterschiedlichen Erklärungsansätze und Perspektiven auf die DDR-Geschichte gilt es zu verbinden, um der Herausforderung begegnen zu können, den komplexen Charakter eines Systems zu erklären, das Modernisierung mit Unterdrückung verband und so die Ambivalenz der Moderne[14] noch einmal unter Beweis stellte.

Biografische Prägungen

Weitere Erkenntnisse im Hinblick auf das Selbstverständnis der Akteure und die Prägekraft ihrer Sozialisierung versprechen biografische Zugänge zur DDR-Geschichte. Martin Sabrows Überlegungen zu einer Biografie Erich Honeckers[15] verdeutlichten, dass zum Kernbestand des Erfahrungshorizonts der politischen Elite der DDR das Erleben von Leid, Not und versagter Kindheit in der Zwischenkriegszeit zählten. Die Gewalthaftigkeit der politischen Auseinandersetzung in der Weimarer Republik, die Selbstbehauptung gegenüber politischem Verrat und eigener Schwäche in der NS-Zeit und schließlich die Kraft der Erlösungshoffnung einer sozialistischen Zukunft prägten diese Generation und erklären den Willen zur radikalen und notfalls auch rücksichtslosen Umgestaltung der Verhältnisse.

Honecker teilte mit seinen Genossen das manchmal paternalistisch gedämpfte und doch nie ganz versiegende Misstrauen gegenüber dem eigenen Volk. Die Schlüsse, die er aus den bitteren Erfahrungen der NS-Zeit zog, wiederholten Rousseaus Unterscheidung zwischen der richtungweisenden "volonté générale" und der flatterhaften "volonté de tous": Sein Verständnis politischer Verantwortung speiste sich nach 1945 fester denn je aus einem Avantgardebewusstsein, das den spontan artikulierten Volkswillen wahlweise als willkommene Bestätigung, hilfreiche Orientierung oder politische Bedrohung gewichtete, aber keinesfalls als Richter über die Entscheidungen der politischen Führung akzeptierte. Das "Volk" war und blieb für Honecker eine unzuverlässige Masse, die der ständigen Aufklärung und der richtigen Lenkung bedurfte. Das war die eigentliche Lehre seines Lebens vor 1945, die Honecker in die neue Zeit mitnahm und die seinen bis auf die Kommandohöhen des Weltkommunismus führenden Weg vom ersten bis zum letzten Tag bestimmen sollte.

Proletarische Traditionen

Scott Krause (Uiversity of North Carolina at Chapel Hill) zeigte anhand der Feierlichkeiten zum 1. Mai 1950 in Berlin, wie in der Nachkriegszeit aktiv um das Erbe der Arbeiterbewegung gestritten wurde: Sowohl die Ost-Berliner SED, als auch die West-Berliner SPD organisierten Massenveranstaltungen, die die jeweiligen Parteien als legitime Repräsentanten der Berliner Arbeiterschicht inszenierten. Der geschilderte Kampf um Deutungshoheit sowie die aufgezeigten Interaktionen zwischen den beiden Parteien verdeutlichten noch einmal die "Offenheit" der Geschichte in jenen Jahren und zeigten, wie gewinnbringend es sein kann, die SED als Teil der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung zu verstehen.

Die vieldiskutierten Potenziale der Emotionsgeschichte verdeutlichte Till Großmann (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) auch für die deutsch-deutsche Zeitgeschichte. Im Mittelpunkt seiner Studie stehen Leserbriefe an den DDR-Sozialhygieniker Rudolf Neubert (dessen "Neues Ehebuch" in über 20 Auflagen erschien), die im Hinblick auf sich wandelnde Selbstwahrnehmungen, Werte und Moralhaushalte der Ratsuchenden und auf daraus erwachsende Handlungsmöglichkeiten untersucht werden. Großmann versteht die Leserbriefe als "Zwischenöffentlichkeit" und zeigt, wie DDR-Bürger sowohl über Generationen tradierte als auch vom SED-Regime kommunizierte Vorstellungen von Liebe und Geschlechterrollen hinterfragten und eigene Vorstellungen von Politik und Privatheit entwickelten – teils mit genuin ostdeutschen Zügen, teils in Anlehnung an Entwicklungen in Westeuropa und den USA. Auch dieses Projekt macht somit deutlich, dass die DDR neben einer diachronen Kontextualisierung auch synchron vergleichend untersucht werden muss.

II. Die DDR in transnationaler Perspektive



Eine transnationale Perspektive auf die DDR hat zwei Dimensionen: Zum einen fragt sie nach historischen Verflechtungen, zum anderen ermöglicht sie einen Blick von außen, indem sie Forschungen aus dem nichtdeutschsprachigen Ausland einbezieht. In dieser Hinsicht wies Konrad H. Jarausch (University of North Carolina at Chapel Hill) darauf hin, dass die DDR in der anglo-amerikanischen Forschung vor 1989 weitgehend unbekannt und unerforscht blieb, weil interne Quellen weitgehend unzugänglich waren.[16] Einerseits wurde die DDR in den amerikanischen German Studies lange von der größeren und erfolgreicheren Bundesrepublik überschattet, andererseits wurde sie als langweiligster Satellit der Sowjetunion betrachtet, der den Anweisungen aus Moskau besonders willig gehorchte. Institutionell betrachtet lag die DDR auf der Scheidelinie zwischen den Centers for West European Studies und den Centers for Slavic Studies, was ihre Erforschung dadurch behinderte, dass die einen Spezialisten wenig Russisch, die anderen kaum Deutsch konnten. Erst mit dem Mauerfall gewannen etablierte Kollegen wie Charles S. Maier oder Mary Fulbrook ein größeres Interesse an der DDR als Forschungsgegenstand und brachten eine neue Kohorte von Doktoranden und mit ihnen eine große Zahl von interessanten Dissertationen hervor.[17]

Aus transatlantischer Sicht hatte die DDR eine besondere Stellung im Ostblock inne, die sie trotz mancher vergleichbarer Entwicklungen erheblich von ihren Nachbarn unterschied. Dazu gehörte als Folge der verbrecherischen NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges die Teilung der Nation, die aus der gemeinsamen Vergangenheit unterschiedliche Versionen der Gegenwart mit konkurrierenden Zukunftsvorstellungen hervorbrachte. Gleichzeitig lag die DDR an der Frontlinie des Kalten Krieges und war somit von den Konjunkturen des Verhältnisses zwischen den beiden Supermächten direkter betroffen und den konfligierenden Einflüssen der Sowjetisierung und der Amerikanisierung unmittelbarer ausgesetzt als andere Ostblockstaaten.[18] Gleichzeitig war die SED-Diktatur durch ihre ideologische Rivalität eng mit der Bundesrepublik verflochten, da sie zumindest anfangs behauptete, das "bessere Deutschland" zu sein, das sich im Gegensatz zur Restauration im Westen als antifaschistisches Vorbild verstand.

Globale Verflechtungen

Trotz ihrer Abgrenzung vom Westen war die DDR als moderner Industriestaat in vielfältiger Weise in transnationale Entwicklungen eingebettet, die die Lebenswirklichkeit nachhaltig beeinflussten. So ließ sich der Einfluss von westlicher Konsum- und Populärkultur auch nicht durch den Eisernen Vorhang aufhalten. Obwohl die Währung nicht frei konvertierbar war und der Handel zwischen den Mitgliedern des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zu weiten Teilen auf Tausch beruhte, übte die ökonomische Globalisierung durch die Verlagerung der Massenproduktion nach Asien einen erheblichen Druck auf die DDR aus, die unter größten Anstrengungen versuchte, durch Forschungen auf dem Gebiet der Mikroelektronik mit der internationalen Entwicklung Schritt zu halten. In anderer Hinsicht – wie der Ausweitung höherer Bildung oder dem Versuch der beruflichen Gleichstellung von Frauen – zeigte sich eine gewisse Konvergenz von Industriegesellschaften, in der die DDR in einigen Bereichen sogar führend war. Besonders während der Kampagne um die internationale Anerkennung der DDR bemühte sich das SED-Regime darum, sozialistische Solidarität mit Befreiungsbewegungen in Afrika, Lateinamerika und Asien zu zeigen, um sich auf diese Weise konkrete ökonomische Vorteile zu sichern. Schließlich war die DDR stark von politischen Entwicklungen in anderen sozialistischen Staaten abhängig, und die Einführung von Glasnost und Perestroika oder das Aufkommen von Oppositionsbewegungen in Polen, Ungarn und der ÇSSR bedrohten ihre eigene Stabilität.[19]

Ein gutes Beispiel für die Spannung zwischen Eigenständigkeit und Transnationalität ist die von Julie Ault (University of Utah) vorgestellte Untersuchung der Umweltbewegung in der DDR.[20] Einerseits war die Umweltverschmutzung nach der Reduzierung sowjetischer Öllieferungen wegen der daraus resultierenden verstärkten Ausbeutung schadstoffreicher Braunkohlevorkommen besonders stark, andererseits wurden auch westliche Abgase durch den Wind nach Osten getrieben, was die lokale Luftverpestung noch vergrößerte. Umgekehrt flossen die Salze des Kalibergbaus und die Rückstände des sogenannten Chemiedreiecks unbehandelt durch die Elbe und die Weser bis nach Westdeutschland. Da der Staat keine effektive Lösung für die Umweltproblematik fand, entwickelte sich im Rahmen der Evangelischen Kirche eine Protestbewegung, die sich auf organisatorische Vorbilder sowie Informationen aus Polen und der Bundesrepublik stützte. Ironischerweise war es die auf den Zusammenbruch der Planwirtschaft folgende Deindustrialisierung, die nach 1990 für die Beseitigung der Schäden ebenso wichtig war wie die westdeutsche Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen oder die schärferen Umweltrichtlinien der EU.

Ähnliche Widersprüche zeigt die von Andrew Kloiber (McMaster University in Hamilton) analysierte Kaffeekrise der DDR in den späten 1970er Jahren. Besonders infolge der Erfahrungen mit schlecht schmeckenden Substituten wie Malz oder Zichorie während und nach dem Zweiten Weltkrieg war das Trinken von echtem Bohnenkaffee ein wichtiger Bestandteil von ostdeutscher Modernität, der einen gehobenen Lebensstandard signalisierte.[21] Der vierfache Preisanstieg für Rohkaffee 1976/77 traf die SED besonders empfindlich, denn die dadurch notwendige "Verwässerung" des Getränks durch knapp 50 Prozent Fremdstoffe wie geröstete Erbsen, Roggen und Gerste verärgerte die DDR-Bürger so sehr, dass sie ihrem Unmut in etwa zehntausend Eingaben beim Ministerrat Luft machten. Das Regime versuchte daher, erneute Krisen durch langfristige Verträge mit Angola, Äthiopien, Laos und Vietnam zu vermeiden, denen es im Tausch für Kaffee seinerseits Waffen und Entwicklungshilfe anbot. Die „Solidarität“ mit der Dritten Welt zielte in diesem Fall also auf die Erfüllung ostdeutscher Konsumwünsche.

Transnationale Herausforderungen

Auch der von Kyrill Kunakhovich (College of William & Mary, Virginia) vorgenommene Vergleich der lokalen Kulturpolitik von Leipzig und Krakau ergibt bei aller Ähnlichkeit der Parteidominanz einen unterschiedlichen Grad an Liberalität, der die relative Härte der SED bestätigt.[22] Während in Polen immer wieder religiöse, arbeiterliche oder intellektuelle Proteste aufflammten, blieb die ostdeutsche Bevölkerung weitgehend passiv. Gegen die neue Verfassung von 1974, die die DDR nicht mehr als deutschen, sondern als sozialistischen Staat definierte, gab es kaum Widerspruch, während die ein Jahr später vorgenommene polnische Verfassungsreform starke Kritik auslöste. Die von Honecker anfangs geduldete größere kulturelle Freiheit endete abrupt mit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann im Jahre 1976, die zwar von zahlreichen Künstlern bedauert, aber vom Regime nicht rückgängig gemacht wurde. In Polen hingegen führten staatliche Repressionen im selben Jahr zur Gründung des intellektuellen Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR); in der ÇSSR brachten sie die Gruppe Charta 77 hervor. Im Hinblick auf die Parteikontrolle ging die DDR-Führung weiter als ihre Blocknachbarn. Dabei machte sich die SED die deutsche Teilung zunutze: Wegen der Ausweisung von Regimegegnern in die Bundesrepublik dauerte es in der DDR länger, bis sich hier eine Opposition herausbilden konnte.

Der Einfluss der Globalisierung auf den abgeschotteten Ostblock wird anhand der von Ned Richardson-Little (University of Exeter, UK) analysierten Ölpolitik deutlich. So war die DDR indirekt auch von den von der OPEC dekretierten Preissteigerungen betroffen. Nach dem Bau der "Freundschafts-Pipeline" lieferte die Sowjetunion zu vergünstigten Preisen Rohöl, das durch die DDR in veredelter Form in den Westen weiterverkauft wurde und dadurch wichtige Devisen einbrachte. Die Reduzierung russischer Lieferungen Anfang der 1980er Jahre und der damit einhergehende Preisanstieg verhinderten jedoch den Weiterverkauf und brachten die DDR in große ökonomische und ökologische Schwierigkeiten. Auf dem Gebiet der Menschenrechte zeigten sich ähnliche ungeahnte und unerwünschte Wechselwirkungen, da die ostdeutsche Unterstützung für antiimperialistische Befreiungsbewegungen zwar die diplomatische Anerkennung der DDR beförderte, die eigenen Bürger jedoch das westliche Verständnis von "human rights" vorzogen, indem sie zunehmend traditionelle Werte wie Rede-, Versammlungs- und Reisefreiheit verlangten.[23] In all diesen Fällen erwiesen sich die DDR-Regierungen als unfähig, auf komplexe transnationale Einflüsse zu reagieren.

Trotz der gespaltenen Gegenwart konnte die DDR weder der gesamtdeutschen Vergangenheit noch den Anforderungen der internationalen Zukunft entkommen. Die von Christian Rau (Institut für Zeitgeschichte München-Berlin) untersuchten Beziehungen zwischen der Deutschen Bücherei in Leipzig und der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt zeigten bei aller ideologischen Gegnerschaft und institutionellen Konkurrenz ein gewisses Verantwortungsbewusstsein für die gemeinsame deutsche Kultur. So wurde der Bücheraustausch als nationale Mission fortgesetzt. Die Kooperation untergrub zwar die Abgrenzungspolitik der DDR, hielt aber wenigstens auf kulturellem Gebiet die Verbindung zwischen Ost und West aufrecht.[24]

Diese neuen Forschungen weisen darauf hin, dass die DDR trotz der Abschottung durch die innerdeutsche Grenze und die Berliner Mauer erheblich von transnationalen Entwicklungen beeinflusst wurde. Innerhalb des Ostblocks verhielt sie sich wegen ihrer gefährdeten Grenzlage und der deutschen Teilung meist orthodoxer und repressiver als ihre Nachbarn. Als kleinerer Nachfolgestaat des Dritten Reichs war sie zudem stärker auf die Konkurrenz mit der Bundesrepublik fixiert. Trotz einiger Sympathie unter Gewerkschaftlern, friedensbewegten Kirchenmitgliedern und Linksintellektuellen blieb die DDR im Westen aufgrund ihrer internen Repressionen unbeliebt und unattraktiv. Nur in den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt erwarb sie sich erhebliche Sympathien, obwohl auch hier die Instrumentalisierung der Beziehungen dem grenzübergreifenden Austausch enge Grenzen setzte.[25] In der künftigen DDR-Forschung sollten daher vor allem die nichtstaatlichen transnationalen Einflüsse stärker herausgearbeitet werden.

III. Die Ära Honecker – Stabilisierung und Normalisierung?



Die vierzigjährige Existenz der DDR kann nicht nur mit "sowjetischen Bajonetten" erklärt werden.[26] Die DDR basierte vielmehr auf einem komplexen Geflecht aus repressivem Zwang und partieller Zustimmung. Eine zentrale Herausforderung für die DDR-Historiografie liegt deshalb darin, die innere Stabilisierung und scheinbare "Normalisierung"[27] in den 1970er und 1980er Jahren nachzuvollziehen und zugleich den plötzlichen Zerfall der SED-Herrschaft zu erklären, ohne aber die gesamte DDR-Geschichte aus ihrem Scheitern heraus zu beschreiben. Hanno Hochmuth (ZZF Potsdam) skizzierte in seinem Einführungsvortrag daher das Paradox von Stabilisierung und Destabilisierung in der Ära Honecker als zwei Seiten einer Medaille, denn beide Effekte traten nicht nur zeitgleich auf, sondern kennzeichneten häufig dieselben Entwicklungen.

Instabile Stabilität

Am Bespiel der auch in der DDR weit verbreiteten Westmedien lässt sich zeigen, dass der Empfang des Westfernsehens durchaus eine systemstabilisierende Wirkung entfalten konnte, indem er den DDR-Bürgern allabendlich die Möglichkeit einer "geistigen Ausreise" bot, ohne dass sie das Land tatsächlich verlassen mussten. Im sogenannten "Tal der Ahnungslosen" rund um Dresden, wo bis auf einzelne Initiativen kein Westfernsehen empfangen werden konnte, war die Zahl der Ausreiseanträge folglich am größten. Destabilisierend wirkte sich dagegen aus, dass die Präsenz des Westfernsehens in der DDR eine kritische Ersatzöffentlichkeit bildete, die der ostdeutschen Opposition Schutz- und Entfaltungsräume gewährte und der DDR-Bevölkerung eindrucksvoll die Standards der westlichen Konsumgesellschaft vor Augen führte.[28]

Auch das Wohnungsbauprogramm der 1970er und 1980er Jahre zeitigte sowohl stabilisierende als auch destabilisierende Effekte. Als Resultat des VIII. Parteitages wurden bis 1990 fast zwei Millionen neue Wohnungen in der DDR geschaffen. Dies trug einerseits zur versprochenen "Lösung der Wohnungsfrage" bei und verschaffte dem SED-Regime dringend benötigte Legitimation, erfüllte andererseits aber nicht die Erwartungen der DDR-Bürger. Zudem sorgte die einseitige Privilegierung Ost-Berlins für den Abzug zahlreicher Bauarbeiter und Ressourcen aus den DDR-Bezirken, was für weiteren Unmut sorgte. Dies führte zu eigenmächtigen Initiativen in den ostdeutschen Bezirken, wo selbst öffentliche Gebäude zunehmend "schwarz" errichtet wurden, wie Oliver Werner (Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung Erkner) deutlich machte.[29] Allerdings konnte diese eigensinnige Praxis nicht verhindern, dass viele ostdeutsche Altstädte immer weiter verfielen. Als Teil der von der SED propagierten Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik trug das Neubauprogramm durch seine immensen und volkswirtschaftlich nicht gedeckten Kosten wesentlich zum ökonomischen Ruin der DDR in den 1980er Jahren bei.[30]

Schließlich wohnten auch der neuen Geschichtspolitik der SED seit Mitte der 1970er beide Effekte inne: Das Konzept von Erbe und Tradition, die so genannte "Preußenrenaissance" und die Rehabilitierung Luthers boten der SED angesichts der nachlassenden Bindungskraft des antifaschistischen Gründungsmythos ein breiteres Fundament zur Stabilisierung der eigenen Herrschaft und lockten überdies westliche Besucher mit ihren Divisen ins Land. Andererseits dürfte die neue Wertschätzung nationaler Traditionen die Legitimation des ostdeutschen Teilstaats auf lange Sicht eher ausgehöhlt haben, auch wenn sich hier sicher keine direkte Linie zur deutschen Einheit 1990 ziehen lässt.[31]

Die 1970er kommen

Die Gleichzeitigkeit von Stabilisierung und Destabilisierung wird auch in den neuen Forschungsprojekten von Jon Berndt Olsen (University of Massachussets at Amherst)[32] zum Tourismus und Brian Puaca (Christopher Newport University, Virginia) zur Schule in der DDR thematisiert.[33] Beide betonten die "agency" der Bevölkerung bei gleichzeitig nachlassender Gestaltungsfähigkeit des Regimes. Die neuen Handlungspotenziale konnten sowohl systemstabilisierende als auch destabilisierende Effekte hervorbringen. Genau dieses Paradox macht die Ära Honecker so interessant. Doch es gibt noch weitere Gründe, warum sich der Schwerpunkt der DDR-Forschung in jüngerer Zeit auf die 1970er und 1980er Jahre verschoben hat: Der zunehmende zeitliche Fokus auf die späteren Jahrzehnte ist auch eine Konsequenz der verstärkten Hinwendung zur Alltagsgeschichte der DDR. Solange in der DDR-Forschung die Totalitarismustheorie überwog, lag der Schwerpunkt meist auf der frühen DDR, die viel stärker von offenem stalinistischem Terror geprägt war. In dem Maße, wie die Forschung seit etwa der Jahrtausendwende jedoch begann, differenzierter nach dem Wechselspiel von Herrschaft und Alltag zu fragen, rückten nunmehr die "normaleren" Jahrzehnte seit dem Mauerbau in den Blick, die in den Erinnerungen der meisten Ostdeutschen zudem weitaus präsenter sind.

Das gewachsene Interesse an den 1970er und 1980er Jahren folgt schließlich auch einer stärker integrierten Perspektive auf die deutsch-deutsche Geschichte, die in Anlehnung an Christoph Kleßmann nunmehr auch von ehemaligen Skeptikern als asymmetrische Parallel- und Verflechtungsgeschichte konzipiert wird.[34] So vollzieht die DDR-Geschichte allgemeine Trends der zeithistorischen Forschung nach. Denn je stärker die 1970er Jahre in den aktuellen Debatten als entscheidende Wendemarke in der Geschichte der Bundesrepublik erscheinen,[35] umso mehr wird auch für die DDR nach den neuen gesellschaftlichen Herausforderungen seit der Ölkrise von 1973 gefragt.[36] Ost- und Westdeutschland teilten in den Folgejahren ähnliche Problemlagen, erwiesen sich jedoch in unterschiedlichem Maße in der Lage, mit den Krisen umzugehen. Das SED-Regime erschien auf administrativer Ebene zwar weitgehend gefestigt, fürchtete jedoch permanent die eigene Labilität, die nicht zuletzt aus den unerwarteten Konsequenzen der Maßnahmen zur Stabilisierung der eigenen Herrschaft resultierte. Vor diesem Hintergrund kann die Ära Honecker als Phase "instabiler Stabilität" bezeichnet werden.

Fazit

Diese hier vorgestellten neuen Forschungen, die nur einen Ausschnitt aus den vielversprechenden gegenwärtigen Arbeiten bieten, machen deutlich, dass die Geschichte der DDR alles andere als ausgeforscht ist. Eine zentrale Voraussetzung für neue Erkenntnisgewinne ist jedoch, die DDR als Forschungsgegenstand aus den polemischen Verkürzungen der tagespolitischen Auseinandersetzungen herauszulösen und sie gleichzeitig in breitere Bezüge einzubetten. Die drei vorgestellten Blickachsen gemeinsamer deutscher Vergangenheit, transnationaler Einflüsse und kommunistischer Systemstabilisierung machen deutlich, dass die SED-Diktatur in viele historische Kontexte eingebunden war, die weiterer Forschung und Diskussion bedürfen.[37]

Im Hinblick auf den Ort der DDR in der deutschen Geschichte sind multiple Kontinuitäten zu berücksichtigen. Da sich die SED-Herrschaft der Niederlage des Nationalsozialismus und des sowjetischen Vorrückens nach Mitteleuropa verdankte, diente ihr ein "verordneter Antifaschismus" als Gründungsideologie. Aber der zweite deutsche Staat war auch ein Versuch, die politischen Vorstellungen des linken Flügels der deutschen Arbeiterbewegung zu realisieren, was seine Ausrichtung auf den Marxismus-Leninismus nach sich zog. Da diese ideologischen Grundlagen nur einen Teil der Intellektuellen und Arbeiter ansprachen, strebte die Staatsführung seit Mitte der 1970er Jahre durch Bezüge auf die preußische Geschichte eine breitere Einbettung in die deutsche Vergangenheit an, die gleichzeitig auch das Bedürfnis nach Verortung in einer regionalen Heimat ansprechen sollte.[38] Aus dieser Perspektive erweist sich die DDR als zeitweiliger Sonderfall der deutschen Geschichte, nicht aber als Fortsetzung des traditionellen Sonderwegs.[39]

Als Mitglied des Ostblocks unterlag die DDR vor allem dem Einfluss der Sowjetunion. Gleichzeitig war sie aber auch asymmetrisch auf den Westen fixiert und reagierte in vielerlei Hinsicht auf Entwicklungen und Initiativen der Bundesrepublik, um selbst als das "bessere Deutschland" erscheinen zu können. Trotz der versuchten Abgrenzung war die DDR auch von blockübergreifenden Entwicklungen der Globalisierung betroffen. Und schließlich sah sie sich als solidarischer Unterstützer sozialistischer und anti-imperialistischer Freiheitsbewegungen der Dritten Welt.[40] Wegen dieser zahlreichen transnationalen Verflechtungen ist es notwendig, die DDR nicht nur diachron, sondern auch synchron zu verorten.

Das Paradox der "instabilen Stabilität" kommunistischer Regime benötigt explizite Untersuchungen ihrer gleichzeitigen Stärke und Schwäche.[41] Der zweite deutsche Staat war ein militärischer, wirtschaftlicher und ideologischer Satellit der Sowjetunion, und der Volksaufstand von 1953 zeigte, dass die DDR letztlich als Vorposten russischer Macht in Mitteleuropa diente. Nicht zuletzt wegen der schrecklichen Erinnerungen an die im Zuge ihres Sieges von der Roten Armee begangenen Gewalttaten blieb die SED-Diktatur während ihrer ganzen Existenz ein Minderheitsregime, das von der Mehrheit der Bevölkerung lediglich toleriert wurde. Auch die marxistisch-leninistische Ideologie war trotz aller Schulungen nicht mehrheitsfähig, da ihr emanzipatorischer Anspruch oft in hohlen Phrasen erstickte. Erst der Mauerbau als "zweite Gründung" der DDR schuf eine Grundlage zur Normalisierung. Doch auch wenn sich viele Ostdeutsche in der Folge auf Dauer in der DDR einzurichten versuchten, wusste die SED-Führung nur allzu gut, dass die Loyalität der Bevölkerung über einen gewissen Opportunismus nicht hinauskam.[42]

Im größeren Zusammenhang des 20. Jahrhunderts kann man das realsozialistische Experiment als Teil der "sozialistischen Moderne" verstehen, wenn man seinen ideologischen Anspruch ernst nimmt. Der marxistisch-leninistische Versuch der Sowjetunion wollte eine Alternative zu dem liberal-kapitalistischen Weg zur Modernisierung bieten, da die Demokratie westlichen Stils im Ersten Weltkrieg und in der Weltwirtschaftskrise versagt zu haben schien. Der Kommunismus versuchte einen gesellschaftlichen Zukunftsentwurf zu realisieren, der Kriege und Ausbeutung beenden sollte, um dadurch der Menschheit eine bessere Zukunft zu bieten. Teile der Intellektuellen, welche die Umsetzung vorantrieben, und auch Teile der Arbeiterschaft, deren Leben sich deutlich verbesserte, waren insbesondere zu Beginn durchaus bereit, dieses Vorhaben zu unterstützen. Die Industrialisierung Russlands und der Sieg über den Nationalsozialismus schienen die Überlegenheit der sozialistischen Spielart der Moderne zunächst zu beweisen. Aber in der Verwandlung des Kalten Kriegs von der Atomkonfrontation in den friedlichen Wettbewerb unterlag der Staatssozialismus schließlich, weil er weder wirtschaftlich erfolgreich noch politisch attraktiv genug war.[43] Da die DDR ein besonders wichtiger Teil dieser weltweiten Auseinandersetzung war, wird ihre Geschichte auch in Zukunft weitere Forscherinnen und Forscher interessieren.

Zitierweise: Stefanie Eisenhuth, Hanno Hochmuth und Konrad H. Jarausch, Alles andere als ausgeforscht. Aktuelle Erweiterungen der DDR-Forschung, in: Deutschland Archiv, 11.1.2016, Link: www.bpb.de/218370


Fußnoten

1.
Vgl. Jürgen Kocka, Bilanz und Perspektiven der DDR-Forschung, Festvortrag bei der Präsentation der Festschrift aus Anlass des 75. Geburtstages von Prof. Hermann Weber, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, 21. August 2003, abgedruckt in: Deutschland Archiv, 5 (2003), S. 764–769.
2.
Vgl. Henrik Bispinck, Dierk Hoffmann, Michael Schwartz, Peter Skyba, Matthias Uhl und Hermann Wentker, Die Zukunft der DDR-Geschichte. Potentiale und Probleme zeithistorischer Forschung, in: VfZ 4 (2005), S. 547–569; Thomas Lindenberger und Martin Sabrow, Zwischen Verinselung und Europäisierung: Die Zukunft der DDR-Geschichte, in: Frankfurter Rundschau, 12. November 2013.
3.
Vgl. Jens Hüttmann, Ulrich Mählert und Peer Pasternack, Vorwort, in: dies. (Hg.), DDR-Geschichte vermitteln. Ansätze und Erfahrungen in Unterricht, Hochschullehre und politischer Bildung, Berlin 2004, S. 9–15.
4.
Empfehlungen der Expertenkommission zur Schaffung eines Geschichtsverbundes "Aufarbeitung der SED-Diktatur", 15. Mai 2006, »www.bstu.bund.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Archiv/Pressemitteilungen-2006/mai_15_2006_anhang01.html«, letzter Zugriff am 30.12.2015.
5.
Vgl. die Beiträge in Martin Sabrow, Rainer Eckert und Monika Flacke (Hg.), Wohin treibt die DDR-Erinnerung? Dokumentation einer Debatte, Göttingen 2007.
6.
Vgl. etwa Thomas Ahbe, Die ostdeutsche Erinnerung als Eisberg. Soziologische und diskursanalytische Befunde nach 20 Jahren staatlicher Einheit, in: Elisa Goudin-Steinmann und Carola Hähnel-Mesnard (Hg.), Ostdeutsche Erinnerungsdiskurse nach 1989. Narrative kultureller Identität, Berlin 2013, S. 27–58.
7.
Vgl. Thomas Lindenberger, Ist die DDR ausgeforscht? Phasen, Trends und ein optimistischer Ausblick, in: APuZ 24–26 (2014), »www.bpb.de/apuz/185600/ist-die-ddr-ausgeforscht-phasen-trends-und-ein-optimistischer-ausblick?p=all«, letzter Zugriff am 30.12.2015.
8.
Andrew I. Port, The Banalities of East German Historiography, in: Mary Fulbrook und ders. (Hg.), Becoming East German. Socialist Structures and Sensibilities after Hitler, New York/Oxford 2013, S. 14.
9.
Das Impulsreferat basierte auf einem gemeinsam mit Martin Sabrow verfassten Vortrag. Siehe auch: Martin Sabrow, Die DDR in der deutschen Geschichte, in: geschichte für heute. Zeitschrift für historische Bildung 6 (2013), Heft 1, S. 5–13.
10.
Exemplarisch: Klaus Schroeder im Gespräch mit Reinhard Bieck, "Straf- und Gewalttaten von Asylbewerbern werden in den Medien überhaupt nicht erwähnt", Deutschlandfunk, 20.10.2015, »www.deutschlandfunk.de/klaus-schroeder-straf-und-gewalttaten-von-asylbewerbern.694.de.html?dram:article_id=334558«, letzter Zugriff am 30.12.2015.
11.
Vgl. Monika Kaiser, Sowjetischer Einfluss auf die ostdeutsche Politik und Verwaltung 1945–1970, in: Konrad H. Jarausch und Hannes Siegrist (Hg.), Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland 1945–1970, Frankfurt/M. 1997, S. 111–133.
12.
Vgl. Jürgen Kocka, Die DDR – eine moderne Diktatur?, in: Reinhard Rürup u.a. (Hg.), Geschichte und Emanzipation. Festschrift für Reinhard Rürup, Frankfurt/M.–New York 1999, S. 540–550; Katherine Pence und Paul Betts, Introduction, in: dies. (Hg.), Socialist modern. East German everyday culture and politics, Ann Arbor 2007, S. 1–34; Konrad H. Jarausch, Out of Ashes. A New History of Europe in the 20th Century, Princeton 2015.
13.
Paul Nolte, Die Ordnung der deutschen Gesellschaft. Selbstentwurf und Selbstbeschreibung um 20. Jahrhundert, München 2000, S. 28.
14.
Vgl. Christof Dipper, Moderne, in: Docupedia Zeitgeschichte. Begriffe, Methoden und Debatten der zeithistorischen Forschung, 25.8.2010, »http://docupedia.de/zg/Moderne«, letzter Zugriff am 30.12.2015.
15.
Siehe hierzu auch: Martin Sabrow, Der führende Repräsentant. Erich Honecker in generationsbiographischer Perspektive, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 10 (2013), H. 1, S. 61–88.
16.
"Land im Schatten". Amerikanische DDR-Bilder, in: Wolfgang Uwe Friedrich (Hg.), Germany and America: Festschrift für Gerald Kleinfeld, New York 2001; Henry Krisch, The German Democratic Republic: The Search for Identity, Boulder 1985.
17.
Charles S. Maier, Dissolution: The Crisis of Communism and the End of East Germany, Princeton 1997; Mary Fulbrook, Anatomy of a Dictatorship: Inside the GDR, 1949–1989, Oxford 1995.
18.
Jarausch und Siegrist (Hg.), Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland (Anm. 11).
19.
Peter Christian Ludz, Die DDR zwischen Ost und West. Politische Analysen 1961–1976, München 1977.
20.
Julia Elizabeth Ault, Saving East Germany’s Nature: The Struggle between Socialist Environmentalism and Independent Activism, 1968–1990, Diss., University of North Carolina 2015.
21.
Andrew Kloiber, Coffee, East Germans and the Developing World, 1977–1986, MS, McMaster University.
22.
Kyrill Kunakhovich, In Search of Socialist Culture: Art and Politics in Krakow and Leipzig, 1918–1989, Diss. Princeton University 2013.
23.
Ned Richardson-Little, Between Dictatorship and Dissent: Ideology, Legitimacy, and Human Rights in East Germany, 1945–1990, Diss., University of North Carolina 2013.
24.
Christian Rau, Nationalbibliothek im geteilten Land, Dialog mit Bibliotheken. Eine Projektskizze zur Erforschung der Geschichte der Deutschen Bücherei in der SBZ/DDR 1945–1989/90, 2015, Nr. 2.
25.
Lorn Hillaker, Promising a Better Germany: Competing Cultural Diplomacies between West and East Germany, 1949–1989, MS, University of North Carolina 2015.
26.
Zu einer solchen vereinfachenden Einschätzung gelangte Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 5: Bundesrepublik und DDR 1949–1990, München 2008, S. 246.
27.
Zum Konzept der Normalisierung im Sinne einer wachsenden Berechenbarkeit vgl. Mary Fulbrook, Ein ganz normales Leben. Alltag und Gesellschaft in der DDR. Aus dem Englischen von Karl Nicolai, Darmstadt 2008.
28.
Vgl. Hanno Hochmuth, Feindbild und Leitbild. Westfernsehen in der DDR, in: Martin Aust und Daniel Schönpflug (Hg.), Vom Gegner lernen. Feindschaften und Kulturtransfers im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts, Frankfurt/New York 2007, S. 271–292.
29.
Vgl. Oliver Werner, Regionale Konstellationen und Mobilisierungsstrategien im "Dritten Reich" und in der DDR, in: Andreas Kötzing u.a. (Hg.), Vergleich als Herausforderung. Festschrift zum 65. Geburtstag von Günther Heydemann, Göttingen 2015, S. 73–85.
30.
Vgl. Hannsjörg F. Buck, Mit hohem Anspruch gescheitert. Die Wohnungspolitik der DDR, Münster 2004.
31.
Vgl. Edgar Wolfrum, Die Preußen-Renaissance. Geschichtspolitik im deutsch-deutschen Konflikt, in: Martin Sabrow (Hg.), Verwaltete Vergangenheit. Geschichtskultur und Herrschaftslegitimation in der DDR, Leipzig 1997, S. 145–166.
32.
Jon Berndt Olson, Tailoring truth: Politicizing the Past and Negotiating Memory in East Germany, 1945–1990, New York 2015.
33.
Brian M. Puaca, Learning Democracy: Education Reform in West Germany, 1945–1965, New York 2009.
34.
Vgl. Christoph Kleßmann, Konturen einer integrierten Nachkriegsgeschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 55 (2005) H. 18–19, S. 3–11.
35.
Vgl. Konrad H. Jarausch (Hg.), Das Ende der Zuversicht? Die siebziger Jahre als Geschichte, Göttingen 2008; Anselm Doering-Manteuffel und Lutz Raphael, Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Göttingen 2008.
36.
So zuletzt Frank Bösch (Hg.), Geteilte Geschichte. Ost- und Westdeutschland 1970–2000, Göttingen 2015.
37.
Port, Banalities of East German Historiography
38.
Jan Palmowski, Inventing a Socialist Nation: Heimat and the Politics of Everyday Life in the GDR, 1945–1990, Cambridge 2009.
39.
Jürgen Kocka und Martin Sabrow (Hg.), Die DDR als Geschichte. Fragen, Hypothesen, Perspektiven, Berlin 1994.
40.
Timothy S. Brown, „1968“ in East and West: Divided Germany as a Case Study in Transnational History, American Historical Review 114 (2009), S. 659–696.
41.
Sigrid Meuschel, Legitimation und Parteiherrschaft. Zum Paradox von Stabilität und Revolution in der DDR, 1945–1989, Frankfurt 1992.
42.
Andrew I. Port, Conflict and Stability in the German Democratic Republic, Cambridge 2007.
43.
Konrad H. Jarausch, Out of Ashes: A New History of Europe in the 20th Century, Princeton 2015.
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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autoren: Stefanie Eisenhuth, Hanno Hochmuth, Konrad H. Jarausch für bpb.de

 

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