Beleuchteter Reichstag

Macht-Räume in der DDR

Das komplexe Herrschaftssystem der DDR wurde nicht nur durch den Partei- und Staatsapparat aufrecht erhalten, auch im informellen Bereich gelang es, überall Machtstrukturen zu manifestieren. Dieser Schwerpunkt blickt auf die räumliche Reichweite von Macht in der DDR in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Er beleuchtet aber auch den "Eigen-Sinn" einiger lokaler Akteure: im kulturellen Bereich, in der Schule, im Alltag oder in der Kommunal- und Wohnungspolitik. Dabei kommen Autoren zu Wort, die im Rahmen einer gleichnamigen Konferenz der Historischen Forschungsstelle des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) 2015 ihre Forschungsthemen vorgestellt haben.

Abfertigung der West-Berliner Besucher am Grenzübergang Bahnhof Friedrichstrasse, 1964

Christoph Bernhardt, Oliver Werner

"Macht-Räume in der DDR" – Plädoyer für eine raumbezogene Analyse des sozialistischen Herrschaftssystems

Christoph Bernhardt und Oliver Werner schlagen vor, die sozialistischen Herrschaftsverhältnisse unter einem auf die räumlichen Dimensionen von Macht und Herrschaft gerichteten, topologischen Blickwinkel zu betrachten. Dieser Ansatz spiegelt sich auch in den Texten des Themenschwerpunktes "Macht-Räume in der DDR" wider. Weiter...

Einschulung in Berlin-Marzahn, 1980

Eli Rubin

Amnesiopolis: Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin

Die Zustände in den ostdeutschen Mietwohnungen und die Wohnungsnot erinnerten manche DDR-Bürger noch in den 1970er Jahren an die "kapitalistische Ära". Dem versuchte die SED-Führung durch ein ambitioniertes Neubauprogramm entgegenzuwirken. Eli Rubin beschreibt dessen Ambitionen und die Wirklichkeit und beleuchtet dabei auch eine "andere Seite" der Plattenbausiedlungen. Weiter...

Am deutsch-deutschen Grenzübergang Herleshausen Hessen/Thüringen im August 1973

Thomas Lindenberger

Das Land der begrenzten Möglichkeiten. Machträume und Eigen-Sinn der DDR-Gesellschaft

Der SED-Staat strebte danach, seinen umfassenden Herrschaftsanspruch durch vielfach gesicherte Grenzen zu festigen. Das schränkte die Handlungsräume, in denen DDR-Bürger die Chance hatten, ihr Leben selbst zu bestimmen, enorm ein – dennoch konnte in den Grenzen dieser Diktatur für einige Jahrzehnte ein stillschweigender Minimalkonsens zwischen Regime und Bevölkerung praktiziert werden. Weiter...

Anfang der 1950er Jahre wurde in Eisenhüttenstadt die erste "sozialistische Stadt" der DDR (seit 1953 "Stalinstadt") errichtet.

Lena Kuhl

Regionale Macht-Räume im Zentralismus? Die "Eigenverantwortung" der örtlichen Organe der DDR

Funktionäre und Fachplaner waren in der DDR politischen Programmen und Planvorgaben verpflichtet, die für die drängenden Probleme in ihren Städten und Gemeinden oftmals keine adäquaten Lösungen boten. Lena Kuhl verfolgt in ihrem Beitrag die Frage, inwieweit solche Konstellationen zur Entwicklung von "Macht-Räumen" in den Handlungsbereichen der Regionalpolitik beitrugen und was das für das politische System bedeutete. Interviews mit ehemaligen Funktionären geben Aufschluss über informelle Vorgänge und deren Deutung. Weiter...

Der Eingang der "Wilhelm-Pieck-Schule" in Berlin-Pankow, April 1955

Emmanuel Droit

Wie Schulräume politisiert wurden. Strategien und Grenzen der DDR-Erziehungsdiktatur in den frühen 1950er Jahren

Schulräume der DDR dienten seit den 1950er Jahren auch der politisch-ideologischen Prägung der Schüler. Mithilfe des trialektischen Raumkonzepts von Henri Lefebvre lassen sich die Schulräume der DDR auf drei verschiedenen Ebenen analysieren: So kann ein Spannungsfeld zwischen dem konzipierten, dem wahrgenommenen und dem gelebten Raum aufgezeigt werden. Es verdeutlicht die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der politisch-ideologischen Durchdringung des schulischen Raumes während der Nachkriegszeit in der DDR. Weiter...

Einstufungsveranstaltung der Leipziger Punk-Gruppe "Wutanfall", 1983

Florian Lipp

"Keinerlei Textverständlichkeit" – "Keyboard oft nicht rhythmisch"

Die DDR-Kulturpolitik bewegte sich in einem Spannungsfeld zwischen Liberalisierungstendenzen, die der Befriedigung popkultureller Bedürfnisse der Menschen dienen sollten, und dem allgegenwärtigen Kontrollzwang eines umfassenden Partei- und Staatsapparates. Florian Lipp zeigt, wie widersprüchlich dieses Spannungsfeld durch die Einstufungskommissionen für Amateurkünstler gehandhabt wurde. Weiter...

Sitzung des Staatsrates der DDR am 16. April 1970 unter Vorsitz von Walter Ulbricht

Christian Rau

"Eigenverantwortung" im demokratischen Zentralismus? Kommunalpolitische Kontroversen in der DDR (1965-1973)

Kommunalpolitik in der DDR auf eine Propagandaformel zu reduzieren, wird dem Thema nicht gerecht. Hinter der Renaissance des Begriffes stand im staatsrechtlichen Diskurs ein Ansatz, der auf ein Mehr an lokalen Gestaltungsmöglichkeiten abzielte, ohne freilich an den Grundfesten des demokratischen Zentralismus zu rütteln. Weiter...

Fassade eines leerstehenden Hauses in Ost-Berlin

Udo Grashoff

Schwarzwohnen als subversive und zugleich systemstabilisierende Praxis

Welchen Effekt hatten Wohnungsbesetzungen in der SED-Fürsorgediktatur? Hat Schwarzwohnen den Staatsapparat destabilisiert, hat es eher geholfen, das System am Laufen zu halten, oder hat es beide Effekte miteinander verschränkt? Weiter...

 

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Der Band enthält eine Auswahl der wichtigsten Artikel, die im Jahr 2014 erschienen sind.

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Deutschland Archiv 2013

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