20. April 2005: Ein Plakat zeigt überlebende des Völkermords.

Aghet – Genozid an den Armeniern

Deportation, Vertreibung, systematische Ermordung: 1915/16 kamen mehr als die Hälfte der 1,5-2 Millionen osmanischen Armenier Kleinasiens ums Leben. Die Überlebenden des Völkermords und ihre Nachkommen leiden seither unter einem doppelten Trauma: der unverjährbaren Last des Erlittenen und der zusätzlichen Bürde durch die Leugnung des Verbrechens.

Spielende Kinder auf dem Hof der alten Schule oder "İhlasiye Madresesi" in Bitlis, Türkei. Laut historischen Archiven war die Bevölkerung von Bitlis vor 1915 halb armenisch.

Manuel Gogos

Aghet – der Völkermord an den Armeniern

In den Jahren 1915/16 ermordeten Soldaten des Osmanischen Reichs gezielt Hundertausende Armenier durch Massaker und Todesmärsche. Der "Genozid vor dem Genozid" wird von den meisten Historikern heute auch als solcher anerkannt. Seine Leugung ist in Frankreich strafbar. Die Türkei hingegen hadert noch heute mit der Geschichte. Und stellt den Völkermord in Abrede. Weiter...

Armenische Massakeropfer in der Provinz Ankara.

Hans-Lukas Kieser

Der jungtürkische Genozid im Ersten Weltkrieg

1915/16 kam mehr als die Hälfte der 1,5-2 Millionen osmanischen Armenier Kleinasiens als Opfer einer Innenpolitik ums Leben, die sich frontal gegen sie richtete. An der Spitze des Osmanischen Reichs stand 1913–18 eine diktatorische jungtürkische Komiteeregierung, die im Ersten Weltkrieg ihre eigene Macht und das wankende Großreich sichern wollte. Im Innern verfolgte sie eine Politik, die nach der neuen Ideologie des Türkismus darauf abzielte, in Kleinasien ein Nationalheim für Türken (Türk Yurdu) zu schaffen. Weiter...

Mitglieder der türkischen Community New Yorks bei einer Gegendemonstration gegen eine Gedächtnisveranstaltung der armenischen Diaspora.

Burak Çopur

100 Jahre türkische Völkermordleugnung

Burak Çopur setzt sich mit den Hauptfaktoren für den jungtürkischen Genozid an den Armeniern auseinander. Von der Türkei fordert er in seinem Essay: Sie muss ihren Gründungsmythos infrage stellen und ihr Nationen- und Minderheitenverständnis überdenken. Nur so könne sie ihre Geschichte aufarbeiten und den Völkermord irgendwann anerkennen. Weiter...

Demonstranten legen am 19. Januar 2012 in Erinnerung an den fünften Jahrestag der Ermordung Hrant Dinks vor dem Agos-Gebäude Schilder und Blumen nieder

Fethiye Çetin

Sie haben Hrant erschossen!

Die Rechtsanwältin, Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Fethiye Çetin war eine gute Freundin von Hrant Dink. Mit ihrem Text erinnert sie nicht nur an den großen Aktivisten, der Opfer eines feigen Mordes wurde. Sie zeigt auch, womit all jene, die seinen Tod wohlwollend hinnahmen, nicht gerechnet hatten: Mit einer Öffentlichkeit, die ein "Jetzt reicht es!" formulierte. Und die begann, die offizielle Erzählung der Geschichte des Genozids und die Diskriminierungspolitik des Staates in Frage zu stellen. Weiter...

Die Genozid-Gedenkstätte auf dem Jerewaner Hügel "Schwalbenburg", der zentrale Gedenkort für den Völkermord an den Armeniern.

Tessa Hofmann

Armenien und der osmanische Genozid

Wie erinnert Armenien heute den Genozid? Wie die armenische Diaspora? Tessa Hofmann zeichnet ein Bild der Erinnerungskultur, in der sie auch Parallelen zum Holocaustgedenken in Israel sieht. Weiter...

Die Postkarte aus dem Ersten Weltkrieg zeigt die Anführer der Mittelmächte (von links): Kaiser Wilhelm II. (Deutsches Reich), Kaiser Franz Joseph I (Österreich-Ungarn), Sultan Mehmed V. (Osmanisches Reich), Zar Ferdinand I. (Bulgarien).

Jürgen Gottschlich

Die Deutschen und der Völkermord

Nicht nur für die Türken, auch für die entscheidenden deutschen Militärs waren die Armenier potentielle Kollaborateure mit dem Feind, schreibt Jürgen Gottschlich. Deshalb glaubte beispielsweise Marineattaché Hans Humann wie sein Freund Enver Pascha, die Armenier würden die Türkei auf Dauer schwächen. Und hielt den Massenmord für "hart, aber nützlich". Schließlich wollte die Reichsregierung keinen Ärger mit der türkischen Führung. Weiter...

Deir ez-Zor (heutiges Syrien) wurde 1915/16 zum Schauplatz von Massakern an den Armeniern

Wolfgang Benz

Aghet und Holocaust

Öffentliche Erinnerung ist Teil der politischen Kultur zivilisierter Gesellschaften. Dazu gehört auch das Erinnern an schlimme Ereignisse – und das Eingeständnis historischer Schuld. Ob Völkermorde vergleichbar sind nach ideologischen Kriterien und phänomenologischen Kategorien, ist allerdings in Deutschland umstritten. Nicht zuletzt aus Gründen einer politischen Ethik. Weiter...

Armenische Schreiner (marangoz) in ihrer Werkstatt, im Zentrum: Garabed Nadjarian.

Armenisches Leben im Osmanischen Reich vor 1915

Weite Teile Armeniens gehörten seit dem 16. Jahrhundert zum Osmanischen Reich. In seiner Spätzeit lebten die Armenier in einem Spannungsfeld zwischen Hoffnung und Gefährdung. Nach den Massakern am Ende des 19. Jahrhunderts und der fortschreitenden Marginalisierung zwang europäischer Druck im Februar 1914 den Osmanischen Staat zu Reformen – die aber durch den Kriegseintritt nie umgesetzt wurden. Für die Armenier begann die Katastrophe: durch Deportation, Ermordung und die Überführung ihres Besitzes und ihrer Wirtschaftsbetriebe in sunnitsch-türkische Hand. Weiter...

Nach dem Überleben in Istanbul, etwa im Jahr 1928

Der Genozid an den Armeniern in der Erinnerung der Zeitzeugen

In den 1970er Jahren setzte sich der Begriff des "Zeitzeugen" durch. Danach wurden auch armenische Überlebende des jungtürkischen Völkermords sichtbar, denn sie hatten gerade in Frankreich die Erfahrungen von Verfolgung, Verschleppung, Zwangsarbeit, Deportation, Kriegsdienst und Résistance geteilt. Als "Überlebende" hatten sich die Armenier aber nie wirklich fühlen können. Sie waren "Exilanten" und "Migranten", "Flüchtlinge" – und vor allem: "Waisen". Weiter...

Die armenische Patriachatskirche Surp Asdvadzadzin in Istanbul.

Mein armenisches Istanbul

Anfang der 1970er Jahren kamen viele Armenier aus verschiedenen Teilen der Türkei nach Istanbul. Damit war der frühere Heimatboden zu einer Arena geworden, auf der sich die Traumata der Opfer wie der Täter eine Schlacht lieferten. Während die eine Seite noch immer trauerte, hielt die andere Seite ihren Hass wach. Das schiere Dasein der Überlebenden erinnerte sie an ihre Taten. Die Schriftstellerin Jaklin Çelik blickt auf ihr armenisches Istanbul. Weiter...

 

Mihran Dabag

Der Genozid an den Armeniern

Wie viele Menschen dem Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs zum Opfer fielen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt - ebenso wenig ist der Genozid in der Türkei aufgearbeitet worden. Gegenstand kritischer Wissenschaft und zivilgesellschaftlicher Aufarbeitung wurden die Ereignisse der Jahre 1915 und 1916 in der Türkei erst in jüngster Zeit. Weiter... 

Kommentar: Die armenisch-russischen Beziehungen aus armenischer Sicht

Die russisch-armenischen Beziehungen sind vielfältig und komplex, und sie beschränken sich nicht auf einen Schwerpunkt. Russland und Armenien vertreten bei vielen außenpolitischen Angelegenheiten verschiedene Positionen, beide Länder bezeichnen sich jedoch konstant gegenseitig als strategische Partner. Weiter...