Dossierbild Geschichte im Fluss

Die Memel

In Deutschland kennt man sie vor allem als "verlorenen Strom Ostpreußens" oder aus der ersten Strophe des Deutschlandlieds. Tatsächlich aber steht die Memel für das Zusammenleben von Weißrussen, Litauern, Polen, Juden und Deutschen in diesem Teil des Kontinents. Autorinnen und Autoren aus zahlreichen Ländern zeichnen den Lauf eines Stromes nach, der heute gleich zweimal die Außengrenze der Europäischen Union bildet – und trotzdem viele Hoffnungen weckt.

MemelBitte klicken Sie auf das Bild, um die interaktive Karte zu öffnen. (bpb, Peter Palm) Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de

Lauf der Geschichte

Leninstatue mit Foto vom Sturz der Statue in Vilnius: Grutas Park in Litauen.

Antanas Gailius

Vom weinenden Schwesterchen

Ich bin an der Memel geboren. Dort habe ich schon als Kind viel gelernt. Zum Beispiel, dass es nicht nur Städte wie Kaunas und Klaipèda gibt, sondern auch solche in Sibirien. Auch wenn ich auf Deutsch schreibe, fällt es mir schwer, die Bezeichnung "die Memel" für den Fluss zu gebrauchen, an dem ich geboren bin. Es handelt sich dabei nicht um nationalistische Vorurteile, sondern um Grammatik Weiter...

Denkmal für den polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz im weißrussischen Nahwahrudak.

Uwe Rada

Strom der Erinnerung

Johannes Bobrowski hat mit seiner Novelle Litauische Claviere die Memel in der deutschen Literatur verewigt. Doch die Literatur an diesem Fluss reicht weit über den einst ostpreußischen Unterlauf hinaus. Eine Erkundung in vier Etappen. Weiter...

Der Hafen von Klaipėda – Litauens "Tor zur Welt".

Nijole Strakauskaitė

Stadt der zwei Namen

Bomben zerstörten 1945 den Körper der Stadt. Mit den Deutschen ging ihre Seele davon. Heute erinnert man sich in Klaipėda wieder an Memel. Weiter...

Katharinenkirche im früheren Arnau

Bert Hoppe

Der Kampf um die Kirchen

Viele Menschen im Kaliningrader Gebiet suchen die Nähe zu Europa. Doch im Land zwischen Pregel und Memel macht sich auch eine Renationalisierung der Erinnerung bemerkbar. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Orthodoxe Kirche. Weiter...

Video

Die Memel

Ein Interview mit dem Historiker Dr. Andreas Kossert

Andreas Kossert spricht über die Memel in Geschichte und Gegenwart und ihre Bedeutung als europäischer Fluss. Weiter...

Blick auf die Memel

Bildergalerie: Grodno

Grodno ist mit 328.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt an der Memel – doch hierzulande kennt kaum einer die Stadt im Westen von Belarus. Dabei ist Grodno eine durch und durch europäische Stadt. Gleichzeitig liegt sie gleich zweimal an der Außengrenze der Europäischen Union. Polen und Litauen sind nur einen Katzensprung entfernt – und dennoch schwer erreichbar. Weiter...

Bootsfahrt auf dem Kurischen Haff

Bildergalerie: Kurische Nehrung

Thomas Mann nannte die Dünen von Nida einmal das "Sahara des Nordens". 1930 bezog der Schriftsteller sein Sommerhaus auf der Kurischen Nehrung und war überwältigt vom "primitiven, elementarischen Charakter" der Landschaft. Das gilt im Grunde bis heute. Die Kurische Nehrung und das Kurische Haff sind das fulminante Finale am Ende des 937 Kilometer langen Laufs der Memel. Weiter...

Hüben und drüben

Das weißrussische Grodno ist nach Kaunas in Litauen die zweitgrößte Stadt an der Memel.

Felix Ackermann

Palimpsest an der Memel

Eine Stadt, viele Vergangenheiten: Grodno, mit 328.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt an der Memel, war ein Ort, an dem Polnisch, Jiddisch und Weißrussisch gesprochen wurde, später Deutsch und Russisch. Engagierte Bürger wollen die verschütteten Schichten der Geschichte wieder freilegen. Weiter...

Sahara des Nordens. Die Kurische Nehrung hat auch Thomas Mann angezogen.

Lina Motuzienė

Das Thomas-Mann-Haus in Nida

1929 kam Thomas Mann nach Nida/Nidden auf die Kurische Nehrung. In dieser "Sahara des Nordens" ließ er sich ein Sommerhaus mit Blick auf das Haff und das Memeldelta bauen. Der Nobelpreisträger wurde zum Symbol des schwierigen Verhältnisses zwischen Deutschen und Litauern im Memelland. Weiter...

An die Ufer

Die Brücke von Tilsit, heute Sowjetsk

Uwe Rada

Russlands Suche nach der Memel

Seit 1991 bildet die Memel die Grenze zwischen dem Kaliningrader Gebiet und dem unabhängigen Litauen. Doch im Gegensatz zu den Litauern bleibt der Fluss vielen Russen fremd. Das hat auch mit einer Geschichtspolitik zu tun, die das kulturelle Erbe Ostpreußens lange Zeit ignoriert hat. Weiter...

Ein Stein bei Minsk erinnert an den Verlauf der Memel

Siarhei Bohdan

Mit der Memel in den Westen

In Belarus nennen wir die Memel den Vater der Flüsse. Gleich zweimal verbindet uns dieser Fluss mit Europa – historisch und geografisch. Daran konnte weder die sowjetische Herrschaft etwas ändern noch die des Alexander Lukaschenko. Weiter...

Ptolemaios nannte die Memel auch Cronon. In Grodno in Weißrussland erinnert ein Wandgemälde daran.

Chronologie

Die Memel im Lauf der Geschichte

Im Mittelalter war sie die Grenze zwischen dem Deutschordensstaat und den Litauern, später verband sie beide Ufer durch den Handel mit Holz. Nach dem Ersten Weltkrieg kam das vormals ostpreußische Memelland zu Litauen und wurde zum Politikum. Heute liegen drei Staaten an der Memel: Weißrussland, Litauen und das zu Russland gehörende Kaliningrader Gebiet. Weiter...

 
Zum Weiterlesen

Die Memel

  • Uwe Rada: Die Memel. Kulturgeschichte eines europäischen Stromes. Siedler Verlag (2010). Ein Buch, das einen vergessenen Strom im östlichen Mitteleuropa wieder zum Leben erweckt. "Uwe Rada rehabilitiert die Memel als Zukunftsort eines Europas der Völker – nicht der Nationen." (Der Tagesspiegel)

  • Ulla Lachauer: Paradiesstraße. Rowohlt Verlag (2007). Ein wunderbares Porträt der ostpreußischen Bäuerin Lena Grigoleit und mit ihr des Memellandes. "Wer diese Seiten liest, hat eine andere Welt kennengelernt." (Die Zeit)

  • Ulla Lachauer: Die Brücke von Tilsit. Begegnungen mit Preußens Osten und Russlands Westen. Rowohlt (1995). Mit diesem Reiseessay wurde Lachauer zur Pionierin der Wiederentdeckung des ehemaligen Ostpreußen.

  • Martin Rosswog/Ulla Lachauer: Menschen an der Memel. Edition Braus (2009). Einfühlsame Porträts von Menschen im Memelland durch die Autorin Ulla Lachauer und den Fotografen Martin Rosswog.

  • Andreas Kossert: Ostpreußen. Geschichte und Mythos. Pantheon Verlag (2007). Kossert beschreibt Ostpreußen als multikulturelles Grenzland zwischen Polen, Deutschen und Litauern. "Kossert wirft einen ganz neuen und für viele überraschenden Blick auf das Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen." (Die Zeit)

  • Ruth Leiserowitz: Sabbatleuchter und Kriegerverein. Juden in der ostpreußisch-litauischen Grenzregion 1812-1942. Fibre Verlag (2010). Die Autorin, bekannt über ihre Studien zu Ostpreußen und den Wolfskindern, berichtet über den Beginn und das Ende jüdischen Lebens im Memelland.