Dossierbild Geschichte im Fluss

27.8.2012

Die Oder im Lauf der Geschichte

Die Provinz Schlesien im Deutschen Reich erstreckt sich rechts und links der Oder.Die Provinz Schlesien im Deutschen Reich erstreckt sich rechts und links der Oder. (© Wikimedia)
1842: Erste Eisenbahnlinie im Oderraum von Berlin nach Stettin, vier Jahre später wird die Breslauer Bahn eingeweiht.

1846: Die ersten Schleppdampfer verkehren auf der Oder.

1848: Märzrevolution. Berliner Aufständische befreien den polnischen Revolutionär Ludwik Mierosławski.

1862: Bismarck wird preußischer Ministerpräsident. Beginn des Kulturkampfes im Posener Land.

1874: Gründung der Oderstrombauverwaltung des Deutschen Reiches mit Sitz in Breslau.

1889: Wettbewerb für ein der Oder angemessenes Schiff. Es gewinnt der sogenannte Oder- oder Breslauer Maßkahn.

1890-1914: Verlängerung des Klodnitzkanals von Cosel bis Gleiwitz. Verbindung der Oder mit dem Oberschlesischen Revier.

1890-1933: Regulierung der Oder zwischen Cosel und Dyherrnfurth. 26 Staustufen werden gebaut. Zwischen Dyhernfurth und Hohensaaten bleibt die Oder freifließend.

1905 bis 1923: Ausbau des Großschifffahrtswegs Berlin-Stettin. Zu den Baumaßnahmen gehörten der Bau des Hohenzollernkanals zwischen Oranienburg und Niederfinow (heute Oder-Havel-Kanal) sowie der Bau des Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße.

1918: Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt der polnische Staat auf die europäische Landkarte zurück. Oderstädte wie Frankfurt oder Breslau werden zu "Bollwerken" gegen das Slawentum erklärt.

1921: Schlesische Aufstände. Oberschlesien wird nach einer Volksabstimmung geteilt: Der Westteil kommt zu Deutschland. Der östliche Teil mit Kattowitz gehört fortan zu Polen.

1925: Beginn des Baus der Oderstellung am linken Oderufer als Verteidigungs- und Angriffslinie gegen den polnischen Staat.

1939: Deutscher Überfall auf Polen. Beginn der Vertreibungen polnischer Bürger aus dem sogenannten Warthegau ins "Generalgouvernement".

1945: Auf der Potsdamer Konferenz wird die Westverschiebung der polnischen Grenzen beschlossen. Oder und Lausitzer Neiße werden zu Grenzflüssen.

1944-47: Vertreibungen von Polen aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebiete Ostpolens und der Deutschen aus den an Polen gefallenen Ostgebieten Deutschlands. Neubesiedlung der polnischen Westgebiete als "wiedergewonnene Gebiete".

1950 Anerkennung der polnischen Westgrenze durch die DDR im Görlitzer Vertrag.

1965: Beginn der Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen auf Initiative polnischer Bischöfe: In einem Brief heißt es: Wir vergeben und bitten um Vergebung

1970: Warschauer Verträge zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen.

1972-1980: Öffnung der Grenze zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen. Erste Begegnungen zwischen ehemaligen deutschen und polnischen Vertriebenen östlich der Oder. Wunder an der Oder.

1990: Endgültige Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze.

1991: Öffnung der deutsch-polnischen Grenze für den visafreien Reiseverkehr.

1994: Wiedergründung der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Ein Drittel der Studenten kommt aus Polen.

1997: Hochwasserkatastrophe an der Oder. In Tschechien und Polen sterben bis zu 100 Menschen.

2001: Verabschiedung des polnischen Regierungsprogramms Oder 2006 zur Verstärkung des Hochwasserschutzes und Ausbau der Oder. Auf der deutschen Seite soll die Wasserstraße Berlin-Stettin ausgebaut werden.

2004: Beitritt Polens zur Europäischen Union.

2006: 500-Jahr-Feier der Viadrina in Frankfurt (Oder).

2007: Beitritt Polens zum Schengenverbund. Die Grenzkontrollen an der Oder gehören der Vergangenheit an.


Zum Weiterlesen

Die Oder

  • Uwe Rada: Die Oder. Lebenslauf eines Flusses. Siedler Verlag (2009). Die erste Biografie des Stromes, der Deutsche und Polen verbindet und nicht mehr trennt. "Dieses Buch ist längst fällig gewesen" (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

  • Karl Schlögel/Beata Halicka (Hg.): Oder-Odra. Blicke auf einen europäischen Strom. Peter Lang Verlag (2007). Autoren aus Tschechien, Polen und Deutschland über die Rekonstruktion des Kulturraums Oder. "Das Buch ist mehr als nur ein Konferenzband." (Inter Finitimos)

  • Wolfgang Tschechne: Große Oder, großer Strom. Bergstadt Verlag Wilhelm Gottlieb Korn (2006). Eine Reise entlang des Stroms von der Quelle bis zur Mündung.

  • Institut für angewandte Geschichte (Hg.): Terra Transoderana. Zwischen Neumark und Ziemia Lubuska. Bebra Verlag (2008). Ein Almanach zu einer Brückenregion, deren Geschichte wieder entdeckt wird. "Und der Reiz dieses Buches nun liegt auch darin, die Widersprüchlichkeit aufzuzeigen und nach Wegen zu suchen, um zwei zumeist getrennt bestehenden Perspektiven zu verbinden." (Kulturradio)