30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Junge im Sonnenuntergang in Kobane im Irak

27.10.2017 | Von:
Marguerite Seidel

Übersicht der Mitwirkenden

In "Life on the border" führten Kinder und Jugendliche Regie, die in syrischen und irakischen Geflüchtetenlagern leben. Sie entwickelten zudem die Drehbücher, standen hinter und auch vor der Kamera. In diesem Hintergrund stellen wir die Mitwirkenden aus dem Film kurz vor.

Birhat (”Sindschars Geliebte”)
BirhatBirhat (© eksystent distribution filmverleih )


Birhat ist 13 Jahre alt und lebt in einem Flüchtlingscamp in der Region Sindschar im Nordirak. Zusammen mit seiner jüngeren Schwester und Großmutter hat er hier Schutz vor der Gewalt der Milizionäre des ”Islamischen Staates“ (IS) gefunden, die seine Heimat eingenommen und die Eltern verschleppt haben. Während die Großmutter auf die Rückkehr der Eltern hofft, spricht Birhats Schwester seit ihrer kurzen Gefangenschaft beim IS kein Wort mehr und wird von Albträumen geplagt. Birhat weiß nicht, was mit ihr passiert ist. Aber um Trinkwasser, Schmerztabletten und die bedrohlichen Flugzeuge am Himmel kann er sich kümmern.

Besameh Soleiman (”Auf der Suche nach der Wahrheit”)
Besameh SoleimanBesameh Soleiman (© eksystent distribution filmverleih )


Auf der Flucht vor den Kämpfern des ”Islamischen Staates“ durch die Sindschar-Berge hat Besameh ihre linke Hand bei der Explosion einer Landmine verloren. Ihre Schwester wurde gefangen genommen. Besameh hingegen konnte entkommen. Nach einem mühevollen Fußmarsch lebt sie nun in einer Flüchtlingsunterkunft im Nordirak. Sie will Filmemacherin werden, um der Welt von den Verfolgungen und Tötungen jesidischer Frauen und Mädchen durch den IS zu erzählen.

Sami Hossein (”Brot und Joghurt”)
Sami HosseinSami Hossein (© eksystent distribution filmverleih )


Sami, 14 Jahre alt, kommt ebenfalls aus dem irakischen Sindschar. Mit seiner Mutter und seinem Vater teilt er sich ein Zelt in einem Flüchtlingscamp im Norden des Landes. Sami pflegt die Beinprothese des Vaters und geht Brot holen. Im Fernsehen laufen ununterbrochen Nachrichten, in denen von der Verfolgung und Tötung von Kurden und Jesiden durch die IS-Miliz berichtet wird. Albträume und Ängste um Samis verschleppte große Schwester beherrschen den Alltag der Familie.

Diar Omar (”Papas Augen”)
Diar OmarDiar Omar (© eksystent distribution filmverleih )


Der 13-jährige Diar stammt aus dem vorwiegend kurdisch besiedelten Kobanê im Norden Syriens und lebt in einem der Flüchtlingscamps nahe der Stadt. Das Haus seiner Familie ist während der Kämpfe zwischen dem einrückenden ”Islamischen Staat“ und dem kurdisch-syrischen Verteidigungsbündnis abgebrannt. Sein Gesicht ist seither von Brandwunden gekennzeichnet. Im Film kümmert er sich um den schwerverletzten bettlägerigen Vater. Um eine passende Brille für ihn zu finden, setzt er alle Hebel in Gang.

Delovan Kekha (”Himmel und Medikation”)
Delovan Kekha („Himmel und Medikation”)Delovan Kekha (© eksystent distribution filmverleih )


In einer Zeltstadt warten die aus der umkämpften Stadt Kobanê geflüchteten Menschen auf Flugzeuge, die neue Medikamente bringen – darunter auch der 13-jährige Delovan. Er soll für seinen kranken Vater Tabletten besorgen. Erst danach kann er zurück zu den anderen Kindern und weiter Fußball spielen.


Mahmod Ahmad (”Richtung Heimat”)
Mahmod AhmadMahmod Ahmad (© eksystent distribution filmverleih )


Mahmod ist 13 Jahre alt, als seine vom IS belagerte Heimatstadt Kobanê durch das Bündnis kurdischer und syrischer Verteidigungseinheiten befreit wird. Er selbst lebt in einem Flüchtlingscamp nahe der Stadt. In seinem Film macht Mahmod sich zusammen mit seiner Schwester auf den Weg ins zerbombte Zentrum der Stadt. Sie suchen ihr altes Haus und hoffen auf Neuigkeiten vom Vater und der großen Schwester, die sich den Kämpferinnen und Kämpfern zur Verteidigung ihrer Stadt mit angeschlossen hatten.

Zohur Saeid (”Serenade der Berge”)
Zohur SaeidZohur Saeid (© eksystent distribution filmverleih )


Nachdem Zohur ihre Eltern im Kampf gegen den ”Islamischen Staat“ verloren hat, leben sie und ihre Geschwister mit ihrer Tante in einem der Flüchtlingscamps im Norden des Irak. Von ihrem Vater hat die Zwölfjährige das Singen gelernt. Im ganzen Camp ist sie für ihre außergewöhnlich schöne Stimme bekannt. Doch seit dem Tod der Eltern singt Zohur nicht mehr. Auch als eine Gruppe Musiker dem Leid der Geflüchteten in Sindschar mittels eines Liedes international Gehör verschaffen will und Zohur bittet, mitzusingen, bleibt sie stumm.


Forschen mit GrafStat

Wie bin ich geworden, wer ich bin?

Krisenerfahrungen sind ein bedeutender Bestandteil der Sozialisation und damit Teil des menschlichen Entwicklungsprozesses. Das Projekt „Wie bin ich geworden, wer ich bin?“ der Reihe "Forschen mit GrafStat" möchte sich mit Verarbeitungsprozessen von sozialen, gesellschaftlichen und geschichtlichen Ereignissen im Lebensverlauf auseinandersetzen.

Mehr lesen

Dossier Geschichte und Erinnerung

Gedächtnis-Formen

Unser Gedächtnis ist eine gigantische Sammlung von Daten. An manches erinnern wir uns ein Leben lang, anderes vergessen wir wieder. Woran liegt das? Wird unser Gedächtnis in Zeiten der Medienkultur schlechter? Haben wir alle ein Google-Gedächtnis?

Mehr lesen

David Zimmermann

"Fluchterfahrungen sind immer schwer belastend" – Zum Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen im Schulalltag

Die Kultusministerkonferenz geht davon aus, dass allein 2014 und 2015 rund 325.000 Flüchtlinge im schulpflichtigen Alter nach Deutschland gekommen sind. Sie bringen ihre lebensgeschichtlichen Belastungen in den Schulalltag ein.

Mehr lesen

Anna Huber, Claudia Lechner

Die Situation unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter in Deutschland

Knapp 50.000 unbegleitete Flüchtlinge leben Anfang 2017 in Deutschland. Aus welchen Ländern kommen sie? Welche Rechte haben sie hier und wo werden sie untergebracht?

Mehr lesen