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kulturelle Bildung

6.1.2010 | Von:
Thomas Busch

Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen – Raum und Zeit für mehr?

Rund ein Fünftel aller deutschen Schulen sind bis heute zu Ganztagsschulen geworden. Sie bieten erweiterte zeitliche und räumliche Möglichkeiten, sich für das schulische Umfeld zu öffnen und andere Professionen langfristig in den Bildungsalltag aufzunehmen. Kulturelle Bildung spielt in diesem Prozess eine wichtige Rolle.

Ganztagsschulen bieten erweiterte zeitliche und räumliche Möglichkeiten, andere Professionen langfristig in den Bildungsalltag aufzunehmen. © ullstein bild - Oberhäuser/CAROGanztagsschulen bieten erweiterte zeitliche und räumliche Möglichkeiten, andere Professionen langfristig in den Bildungsalltag aufzunehmen. © ullstein bild - Oberhäuser/CARO (© Ullstein )


"Die Ganztagsschule öffnet das Zeitgefängnis", prophezeite hoffnungsfroh Wolfgang Edelstein, ehemaliger Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, vor einiger Zeit auf dem Kongress "Kinder zum Olymp" der Kulturstiftung der Länder. Als die rot-grüne Bundesregierung unter Bildungsministerin Edelgard Bulmahn im Jahr 2003 das "Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung" (IZBB) ins Leben rief, um den Ausbau von Ganztagsschulen mit insgesamt vier Milliarden Euro finanziell zu unterstützen, war noch nicht abzusehen, ob Beton tatsächlich der Baustoff werden könnte, der Schule von Grund auf erneuern und der kulturellen Bildung einen zentraleren Platz im schulischen Gefüge einräumen würde. Vergleichsweise schlecht hatte das bundesdeutsche Schulsystem zuvor im ersten PISA-Vergleich der OECD-Staaten in den schulischen Hauptfächern abgeschnitten. Durch die Republik rollte eine Debatte um die Qualität des deutschen Bildungswesens. Vielerorts schaute man ebenso neiderfüllt wie neugierig auf die Schulsysteme Finnlands, Schwedens oder Kanadas, welche im OECD-Ländervergleich deutlich bessere Ergebnisse hatten erzielen können.


Kulturelle Bildung an Ganztagsschulen – Raum und Zeit für mehr?

Im Zuge dieser Debatte bereiteten Akteure in Bund und Ländern einen grundlegenden Vorstoß vor: Die möglichst weitreichende Einführung der Ganztagsschule sollte helfen, den Anschluss der Bundesrepublik an andere OECD-Staaten wiederherzustellen und insbesondere zu mehr Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem beizutragen. Dennoch waren die Zielsetzungen der Akteure durchaus uneinheitlich: Einige Protagonisten wollten zuvorderst einen familienpolitischen Impuls setzen und Eltern durch die Einführung der Ganztagsschule entlasten. Von der verlängerten Betreuungszeit erhofften sie sich, Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern den Zugang zu Bildung zu erleichtern. Andere sahen in den Reformbemühungen die lang ersehnte Gelegenheit für eine grundlegende pädagogische Reform des deutschen Schulsystems.

Bis zum Auslaufen des IZBB-Investitionsprogramms im Dezember 2009 haben Bund und Länder in abgestimmtem Handeln mehr als 13.000 Baumaßnahmen an bestehenden oder werdenden Ganztagsschulen unterstützt. Mit beinahe 7.000 Schulen – überwiegend Grundschulen – sind dabei fast ein Fünftel aller deutschen Schulen zu Ganztagsschulen geworden, ein Drittel davon wiederum allein in Nordrhein-Westfalen. Dabei handelt es sich bei der deutlichen Mehrheit dieser Einrichtungen um "Offene Ganztagsschulen", in denen Nachmittagsangebote freiwillig sind und den herkömmlichen Schulunterricht ergänzen. Nur rund ein Drittel der entstandenen neuen Ganztagsschulen sind teilgebundene oder voll gebundene Einrichtungen, in denen entweder ein Teil der Schüler/-innen oder alle verpflichtend am Ganztagsprogramm teilnehmen.

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