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kulturelle Bildung

6.1.2010 | Von:
Viola Kelb
Tom Braun

Bildungspartnerschaften im Querschnitt Jugend, Kultur und Schule

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Kooperationen zwischen Schulen und Trägern der kulturellen Bildung entstanden. Sie nutzen die Potenziale von kultureller Bildung in der Schule, um Räume zu öffnen, die für alle Beteiligten neue Bildungserfahrungen möglich machen. Drei Beispiele machen dies besonders deutlich.

Eines von vielen erfolgreichen Kooperationsprojekten: Klangwelten 2009 © BKJ.Eines von vielen erfolgreichen Kooperationsprojekten: Klangwelten 2009 © BKJ.


"Hochkonjunktur" wird der kulturellen Bildung in Zusammenhang mit Schulen, insbesondere mit Ganztagsschulen, gerne bescheinigt. Anlass dazu geben Medienereignisse wie "Rhythm is it!" [1] ebenso wie zahlreiche erfolgreiche Kulturkooperationen, die über Wettbewerbe wie "Mixed Up" [2] und "Kinder zum Olymp!" [3] bekannt geworden sind. Einzelne Bundesländer unterstützen kulturelle Bildungsangebote in allgemein bildenden Schulen mittlerweile mit Förderprogrammen wie "Kultur und Schule" [4] in Nordrhein-Westfalen oder dem Programm "Pilotschule Kultur" [5] in Hamburg. Insgesamt hat das Themenfeld "Kulturelle Bildung in der Schule" deutlich an Dynamik gewonnen. Angesichts ihrer Potenziale für zeitgemäße Lehr- und Lernformen, für umfassende Kompetenzentwicklung und für die Förderung von Teilhabegerechtigkeit nimmt kulturelle Bildung einen zentralen Stellenwert ein, wenn es um vernetzte Bildungsangebote und Schulkooperationen geht.


Noch vor einigen Jahren stellte diese Form der "Hochkonjunktur" keine Selbstverständlichkeit dar. Als nach den für das deutsche Bildungssystem ernüchternd ausfallenden PISA-Ergebnissen mit dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" 2003 der bundesweite Ganztagsschulausbau begann, setzten die Umbrüche in den Ländern und Kommunen auch für außerschulische Träger und Einrichtungen neue Bewegungen in Gang. Für kulturelle Kinder- und Jugendbildung bedeuteten die Bildungs- und jugendpolitischen Neuerungen Veränderungsprozesse mit weitreichenden Folgen. Die Kooperationen mit den neuen Ganztagsschulen gingen zumeist deutlich über die in langer Tradition gepflegte, zeitlich begrenzte und projektbezogene Zusammenarbeit der bisherigen Praxis hinaus. Angestrebt wurde die Schaffung eines "gemeinsamen Dritten". Für zahlreiche außerschulische Fachkräfte galt das erklärte Ziel, an einer Schulreform mitzuwirken und die Bildungswirkungen von Schule und Jugendkulturarbeit unter dem Dach eines "neuen Hauses des Lernens" zusammenzuführen [6].


Eine große Stärke der Kooperationen zwischen Kultur und Schule liegt in der Heterogenität des Themenfeldes. Gleichzeitig stellt diese eine zentrale Herausforderung dar, die sich alleine aus der Vielseitigkeit der Kooperationspartner ergibt: Vereine, Verbände, Einrichtungen, Institutionen in freier oder öffentlicher Trägerschaft vom Spielmobil bis zum Konzerthaus, ebenso einzelne Pädagogen/-innen, wie Tanz- oder Theaterpädagogen/-innen, und freischaffende Künstler/-innen aus allen Kunst- und Kultursparten treffen auf offene, teilweise gebundene und gebundene Ganztagsschulformen in wahlweise additivem, integrativem oder kooperativem System. Gleichzeitig bietet der schulische Kooperationspartner im föderalen Deutschland nicht weniger als 16 unterschiedliche Ganztagsschulkonzepte und damit unterschiedlichste bildungspolitische Voraussetzungen und Bedingungen für Kooperationen [7].

Bis heute ist das Handlungsfeld "Kultur und Schule" von unterschiedlichsten Dynamiken geprägt: Die Spannweite der bundesweiten Entwicklungen reicht von Nichtvorhandensein in einigen (häufig ländlichen) Regionen über zahlreiche gut funktionierende Einzelprojekte bis hin zu ersten Strukturfördermaßnahmen in einzelnen Ländern und Kommunen sowie der Entstehung von sogenannten Kulturschulen. Mit ihrem Netzwerk für Kooperationen "Kultur macht Schule" [8] begleitet die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung seit 2004 den Ausbau und die Qualitätsentwicklung von Kooperationen zwischen kultureller Bildung und allgemein bildenden Schulen. Ein wichtiges Instrument stellt in diesem Zusammenhang der Wettbewerb "MIXED UP" dar. Bereits seit 2005 lobt die BKJ diesen Kulturpreis aus. Jahr für Jahr präsentiert sich der Wettbewerb seither als Spiegelbild einer bundesweiten Kooperationspraxis, die sich stetig weiterentwickelt und bis heute stark verändert hat. Was mit überschaubaren Wettbewerbsbeiträgen, bestehend aus zumeist bilateral und zeitlich begrenzt angelegten Kooperationsprojekten, begann, wuchs mit den Jahren zu einer Bewerberschaft heran, die sich zunehmend durch umfassende lokale Netzwerkstrukturen auszeichnet. Nicht selten beteiligen sich mehrere Schulen an den Projekten, unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler, Vereine und Institutionen: Das Stadttheater arbeitet zusammen mit dem soziokulturellen Zentrum, hinzu kommt eine freischaffende Künstlerin, die örtliche Musikschule, das Gymnasium und die integrative Förderschule.

Fußnoten

1.
Dokumentarfilm aus dem Jahr 2004 von Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch.
2.
MIXED UP – der Wettbewerb für Kooperationen zwischen Kultur und Schule: www.mixed-up-wettbewerb.de.
3.
KINDER ZUM OLYMP! - Die Bildungsinitiative der Kulturstiftung der Länder: www.kinderzumolymp.de
4.
NRW Landesprogramm "Kultur und Schule": www.kultur.nrw.de.
5.
Förderprogramm "Pilotschule Kultur" der Behörde für Schule und Berufsbildung und der Behörde für Kultur, Sport und Medien: www.hamburg.de.
6.
Vgl. Becker 2007, S. 77.
7.
Vgl. Kelb 2007, S. 56.
8.
Kultur macht Schule – das Netzwerk für Kooperationen der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V.: www.kultur-macht-schule.de.
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