kulturelle Bildung

15.8.2010 | Von:
Gabriele König

Ein "Herzstück" für die kulturelle Bildung: die Kinder-Akademie Fulda

Interview mit Dr. Gabriele König

Wann hat das Umdenken in der Museumspädagogik dann eingesetzt?

Die ersten Impulse in den traditionellen Museen, sich mit Kinderkultur zu beschäftigen, resultierten aus einer dramatischen Entwicklung. Die Museen litten zunehmend unter Besucherschwund. Immer weniger Menschen fühlten sich von den Ausstellungsthemen und den Präsentationsformen angesprochen. Ähnliche Erfahrungen mussten übrigens auch die Veranstalter von klassischen Konzerten und anderen Kultur-Veranstaltungen machen. Es dauerte, bis sich die Meinung durchsetzte, dass wenn Kinder die Besucher von morgen sein sollen, wir sie heute ernst nehmen müssen. Das bedeutet, dass sie frühzeitig mit kulturellen Orten wie Museen erst vertraut gemacht werden müssen. So etwas kostet natürlich Geld, aber erst nach diesem Umdenken wurde es auch in diesen neu entdeckten Bereich investiert.

Sie bieten sowohl ein Kinder-Museum als auch eine Kinder-Akademie in Fulda an. Wo liegen die Unterschiede?

Wir sind ein sogenanntes Zwei-Sparten-Haus, der Akademiebereich mit Workshops und der Museumsbereich mit Ausstellungen. Im Museum, das jährlich bis zu 50.000 Besucher zählt, finden Ausstellungen statt. In diesem Herbst ist das zum Beispiel die Kunstausstellung "Zu Besuch bei Miró" über den katalanischen Künstler Joan Miró. Schulklassen und Gruppen, aber natürlich auch Eltern können mit ihren Jungen und Mädchen diese Ausstellung besuchen. Der wichtigste Unterschied zu "normalen" Museen besteht darin, dass Ausstellungsbesuche bei uns immer eine Interaktivität beinhalten. Denn vor allem dadurch werden die sonst abstrakten kulturellen Themen im Bewusstsein der jungen Menschen verstanden und verankert.

Können Sie ein Beispiel für diese Interaktivität geben?

Nehmen Sie unser "Begehbares Herz". Auf spielerische Art lernen die Kinder damit die Anatomie des Herzens kennen. Unser "Herzstück" des Museums hat eine 36 Quadratmeter große Grundfläche und ist fünf Meter hoch. Die Besucherinnen und Besucher folgen als "rotes Blutkörperchen" dem Blutstrom durch die Herzkammern und erforschen so den Blutkreislauf. Zusätzlich hören sie ihren eigenen Herzschlag mit echten Stethoskopen ab. Sie sollen dadurch dafür sensibilisiert werden, welche Auswirkungen eine falsche Ernährung auf die Herzkranzgefäße hat. Mit älteren Kindern kann man zusätzlich das Thema Gesundheitsvorsorge behandeln. Wir wissen viel darüber, wie wir uns richtig ernähren sollen. Dennoch machen es nur die wenigsten und wenn doch, dann eher halbherzig. Hier Veränderungen zu bewirken ist eines unserer Anliegen.

Also geht damit auch eine Stärkung der Sozialkompetenz einher?

Ganz genau. Wenn die Jungen und Mädchen bereits in frühen Jahren auf spielerische Art und Weise diesen Themenkomplex kennenlernen, verstehen sie ihn besser. Vor allem kommen sie mit dieser Flut an Informationen, die ihnen später im Erwachsenenleben dazu begegnen wird, viel besser zurecht. Das ist auch für die politische Bildung von erheblichem Vorteil. Mit dieser Bandbreite und emotional-interaktiven Ansprache wollen wir das Interesse von Kindern und Jugendlichen wecken. Da die geführten Ausstellungen bereits ab der ersten Schulklasse veranstaltet werden können, ermöglichen wir so eine erfolgreiche kulturelle Bildung in jungen Jahren.

Und wie sieht es mit dem Akademiebereich aus?

Der Akademiebereich funktioniert so ähnlich wie eine Volkshochschule – nur eben für Kinder. Wir bieten verschiedene Workshops und Kurse an. Kinder und Jugendliche erhalten durch ihre Teilnahme wichtige Impulse zum Konzept des lebenslangen Lernens. In allen hessischen Ferien bieten wir als unseren Beitrag zur verbesserten Vereinbarung von Familie und Beruf einwöchige, ganztägige Workshops an, die von Experten geleitet werden. Besonders stolz sind wir auf unseren Erfinderclub, der während der Schulzeit läuft und wegen großer Nachfrage inzwischen an drei Nachmittagen der Woche stattfindet.


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