kulturelle Bildung

15.8.2010 | Von:
Gabriele König

Ein "Herzstück" für die kulturelle Bildung: die Kinder-Akademie Fulda

Interview mit Dr. Gabriele König

Um was handelt es sich dabei genau?

Die physikalisch-technischen Workshops sind ein wichtiger Bestandteil der Kinder-Akademie Fulda. Den ersten fest installierten Erfinderclub gibt es seit Herbst 1997. Die Kurse richten sich an Kinder ab acht Jahren. Die jungen "Tüftler" lernen auf spielerische Art physikalische Gesetzmäßigkeiten kennen, die sie sogleich ausprobieren können. Gefördert wird dieser Bereich übrigens durch ein Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Einen breiteren Raum nehmen bei Ihnen auch die Kunstschulen ein.

Das ist richtig. Wir sind davon überzeugt, dass kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen zählt. Mit unserem Angebot der Kunstschule laden wir Jungen und Mädchen dazu ein, ihre Fantasie und Kreativität im künstlerischen Schaffen auszuprobieren. Diese Kurse finden wie der Erfinderclub während der Schulzeit statt. Das Besondere ist, dass jährlich ein übergreifendes Thema gewählt wird, an dem alle Kurse arbeiten. In diesem Jahr beschäftigen sie sich mit dem Zusammenhang von Kunst und Literatur. Dies geschieht natürlich auch unter fachlicher Anleitung. Wir arbeiten mit Künstlern unterschiedlicher Gattungen zusammen und setzen auf deren Authentizität.

Warum legen Sie so großen Wert auf den Einsatz der Experten?

Grundsätzlich ist es ein Unterschied, ob jemand Vertreter einer Fachrichtung ist oder sich in ein Thema "nur" eingearbeitet hat. Es geht uns darum, durch die Kooperation mit Experten Horizonte zu öffnen, Kindern und Jugendlichen Einblicke in Themenbereiche zu ermöglichen die ihnen normalerweise eher verschlossen bleiben. Die Kinder und Jugendlichen sollen dadurch ein Gefühl für diese Wissensgebiete entwickeln und sich mit deren Hauptfragen beschäftigen. Dann passiert nämlich etwas in den Köpfen und Herzen der Menschen. Dadurch steigt auch der Respekt und die Ehrfurcht vor dem Vollbrachten. Man erhält so einen anderen, besseren Zugang zu dieser speziellen Welt. Nehmen Sie als Beispiel unsere Ausstellung im vergangenen Jahr mit Werken der Pop-Art. Auf den ersten Blick wirkt diese Kunst schrill und plakativ. Erst auf den zweiten Blick stellt sie sich als ein tiefgründiges und vielschichtiges Kunstwerk dar. Dies im Ansatz zu erkennen, ist eine Aufgabe, die wir im Rahmen der Workshops, der Kunstschule und der Ausstellungen erfüllen möchten.

Sie sind in erster Linie eine außerschulische Einrichtung. Wie sieht es bei der Kooperation mit Schulen aus?

Es gibt zahlreiche Schulen, die ihren Biologieunterricht beim Thema Herz an unser "Begehbares Herz", von dem ich bereits gesprochen habe, verlegen. Außerdem nutzen viele Schulen im Rahmen ihres Kunstunterrichts die Möglichkeit, unsere Kunstausstellungen zu besuchen. Das gilt verstärkt im Grundschulbereich, weil in den weiterführenden Schulen vielfach die Strukturen fehlen, wie dort eigenständig über die Schulzeiten entschieden werden kann, ohne die Lehrpläne durcheinanderzubringen. Deshalb wäre es sehr wünschenswert, wenn an weiterführenden Schulen ein Nachmittag für das "Studium Generale" eingeführt würde, der solche Freiräume ermöglicht.

Im kommenden Jahr feiert die Kinder-Akademie Fulda ihr 20-jähriges Bestehen. Was möchten Sie bis dahin noch erreicht haben?

Unsere Mäzene möchten die Kinder-Akademie Fulda in eine Stiftung umwandeln, um den langfristigen Erhalt zu sichern. Dazu sind wir im Gespräch mit potenziellen Zustiftern. Wenn wir zum 20. Geburtstag hier ein gutes Stück weitergekommen sind, wäre dies das größte Geburtstagsgeschenk.

Das Gespräch führte Online-Redakteur Marcus Pawelczyk.


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