Eine leuchtende grüne Ampel neben einer roten, die mit dem Wort 'GO' beschriftet ist.

5.1.2007 | Von:
Atul Chitnis

Der Fuchs der Innovationen

Open Source "ebnet das Spielfeld", meint Atul Chitnis. Hier arbeiten indische Programmierer mit Kollegen aus der ganzen Welt auf Augenhöhe, und werden zur gleichberechtigten Konkurrenz.

Atul ChitnisAtul Chitnis (© Atul Chitnis)

Die indische Regierung fördert Open Source Software – warum?

Die meisten denken, es ist das Geld, aber das ist es nicht. Ich weiß das, weil ich in verschiedenen Regierungskommittees sitze. Der Grund ist, dass die Regierung sicherstellen will, dass Leute der wirklichen Technik ausgesetzt werden und sie dadurch verstehen lernen. Bei proprietärer Software geschieht folgendes: Man ist weit entfernt von der tatsächlichen Technik, man hat es nur mit APIs auf sehr hohen, abstrakten Ebenen zu tun und weiß nicht, was auf den unteren Stufen geschieht, sodass das Verständnis der Technologie, mit der man arbeitet, ziemlich gering ist.

Die Regierung fand nun heraus, dass Menschen, die mit proprietärer Software arbeiten, dazu tendieren, etwas weniger von Software zu verstehen als jene, die mit freier und Open-Source-Software arbeiten und von der Basis an allem ausgesetzt sind. Wenn sich also jemand wirklich dafür interessiert, wie etwas funktioniert, hat er jede Möglichkeit, das herauszufinden.

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  • Man könnte es also ein Bildungsprogramm nennen?

    Sozusagen. Ich würde es ein Überlebensprogramm nennen [lacht], aber es gibt natürlich verschiedene Meinungen.

    Können Sie konkrete Projekte nennen?

    In der zentralen Regierung gibt es mehrere Kommittees, die freie und Open-Source-Software auf verschiedenen Ebenen in der Regierung und im Land vorantreiben. Die Regierung selbst ist ziemlich positiv voreingenommen für Open-Source-Software. Auf Wunsch der Community haben wir [Vertreter in den Kommittees] sie darum gebeten, die Open-Source-Community nicht zu begünstigen, sondern nur für ein einheitliches Spielfeld zu sorgen, und das hat sie mit Nachdruck getan.

    Dann gibt es Anstrengungen in der Bildung, die wieder von der zentralen Regierung ausgehen und Projekte unterstützen oder aufbauen, die dabei helfen, freie und Open-Source-Software in Indien zu entwickeln.

    Schliesslich gibt es Initiativen auf Ebende der Bundesländer. Das Land Kerala hat zum Beispiel vor kurzem angekündigt, dass es alle proprietäre Software aus seinem Bildungssystem entfernt hat und in Zukunft nur freie und Open-Source-Software verwenden wird. Initiativen dieser Art gibt es mehrere.


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