Dossier Frauenbewegung
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Wie alles begann – Frauen um 1800


8.9.2008
Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit hatte die französische Revolution versprochen. Allerdings nicht für Frauen, wie diese recht schnell erkennen mussten. Es blieb ihnen also nichts anderes übrig, als sich selber aufzumachen und um ihre Bürgerinnenrechte zu kämpfen.

Tugend, Sittsamkeit und Fleiß wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu typisch weiblichen Eigenschaften erklärt. Der Ort von Frauen sollte das Haus sein, hier hatten sie für eine gemütliche Häuslichkeit zu sorgen.Tugend, Sittsamkeit und Fleiß wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu typisch weiblichen Eigenschaften erklärt. Der Ort von Frauen sollte das Haus sein, hier hatten sie für eine gemütliche Häuslichkeit zu sorgen. Bildnachweis (© AddF)

Die Französische Revolution



Europa war im 18. Jahrhundert in viele feudalistisch regierte Länder und Staaten zerstückelt. Diese politische und gesellschaftliche Struktur geriet durch die Französische Revolution von 1789 in Auflösung. Die Revolution setzte dabei einen Prozess in Gang, der Menschenrechte, Demokratie-Konzepte und deren Umsetzung zum Ziel hatte. Die alles bestimmenden Schlagworte lauteten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

In dieser Zeit beteiligten sich vermehrt Frauen an den revolutionären Aktionen in Paris und anderswo. So waren sie unter anderem beim Marsch nach Versailles dabei und forderten eine Verbesserung der Lebensmittelsituation. Einige wurden sogar zu Vorkämpferinnen für die Rechte von Frauen: zum Beispiel Olympe de Gouges mit ihrer Erklärung der Rechte der Frauen, Théroigne de Méricourt, die bewaffnete Frauenbataillons einforderte und selbst mitkämpfte, oder Charlotte Corday, die aus politischen Gründen den Revolutionär Marat ermordete. Das boomende Nachrichtenwesen in Form von Zeitungen, Journalen, Leihbibliotheken und Lesezirkeln sorgte dafür, dass die Ereignisse in Frankreich europaweit bekannt wurden. Mit der Krönung Napoleons zum Kaiser endete 1804 die Französische Revolution.

Die Situation von (bürgerlichen) Frauen in Deutschland um 1800



Im Verlauf des 18. Jahrhunderts, das allgemein als das "Zeitalter der Aufklärung" gilt, veränderte sich einiges: Noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts propagierten die Moralischen Wochenschriften das Bild der gelehrten Frau. Dieses Rollenmodell sah eine Frau vor, die gebildet und intellektuell sein sollte – obwohl es zu dieser Zeit keine systematische Mädchenbildung gab. Zum Ende des Jahrhunderts wurde dieses Rollenmodell durch den so genannten "natürlichen Geschlechtscharakter" der Frau abgelöst, der in Philosophie, Theologie, Medizin und anderen Bereichen ausführlich beschrieben wurde. Demnach hatten Frauen keinen Subjekt-Status, waren keine mündigen, autonomen Menschen, sondern benötigten eine Geschlechtsvormundschaft, ausgeübt durch den Vater, den Bruder oder den Ehemann. Aufgrund der ihnen zugewiesenen "natürlichen Geschlechtseigenschaften" wie Tugend, Sittsamkeit und Fleiß war die ihnen nun zugedachte Rolle die der Ehefrau und Mutter. Dieses neue Rollenkonzept sorgte für eine Trennung der gesellschaftlichen Räume: Der Ort von Frauen war das Haus, der Ort von Männern war die Öffentlichkeit.

Dass die Ideologie des "natürlichen Geschlechtscharakters" sich vor allem auf die Frauen des Bürgertums richtete – nicht zuletzt in Abgrenzung zum Adel –, wird vor allem daran deutlich, dass für Frauen der Arbeiterschicht diese Ideologie nicht funktionierte. Ihre Erwerbsarbeit wurde für den Unterhalt der Familie gebraucht, sodass das Konzept der nicht erwerbstätigen (bürgerlichen) Hausfrau und Mutter dieser Realität drastisch entgegenstand.

Das Modell der gesellschaftlich getrennten Geschlechterrollen blieb nicht unwidersprochen. Unter dem Einfluss der Französischen Revolution und den rasanten politischen Veränderungen gerieten seine Vertreterinnen und Vertreter in Erklärungsnöte. Alternative Konzepte wurden entwickelt, wie beispielsweise das so genannte Egalitätskonzept. Es ging davon aus, dass Frauen ebenso wie Männer autonome Subjekte sind. Mit anderen Worten: Frauen und Männer sind gleich. Ein Vertreter dieser Richtung in Deutschland war Theodor Gottlieb von Hippel, der 1792 seine Schrift "Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber" publizierte.

Frauen und der Literaturmarkt



Interessanterweise gab es um 1800 einige Frauen in Deutschland resp. der Schweiz, die sich als Autorinnen und Redakteurinnen, als Zeitungsverlegerinnen und Dramatikerinnen einen Namen machten und mit dieser Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten. Mit Hilfe von Literatur und Medien mischten sich diese Frauen politisch ein, wenn auch nicht immer radikal, sondern durchaus auch im Sinne der bürgerlichen Frauenrolle. Eine Vertreterin dieser Richtung war Sophie von La Roche, die mit ihren zahlreichen Beiträgen zur Mädchenerziehung und ihren Bildungsbüchern ein großes, meist weibliches Lesepublikum gewinnen konnte. Frauen waren bald nicht mehr wegzudenken aus diesem Markt, sie produzierten, verhandelten mit Verlegern um ihr Honorar und professionalisierten sich zusehends.

Deutschland nach 1815



Mit dem Einsetzen der so genannten Befreiungskriege gegen Napoleon wurden in ganz Deutschland zum ersten Mal zahlreiche Frauenvereine gegründet. Ihre Mitglieder arbeiteten in Krankenhäusern, stellten Kleidung für die Soldaten her und beteiligten sich an Sammelaktionen. Auch nach dem Wiener Kongress von 1815 bestanden einige dieser Frauenvereine fort, sie wurden damit zu Vorgängerinnen der späteren politischen Frauenvereine.

1830 geriet Europa durch die Julirevolution in Frankreich erneut in Bewegung. In vielen Ländern gab es ebenfalls Revolutionen, in deren Verlauf Verfassungen und eine neue Gesellschaftsordnung gefordert wurden. Diese Unruhen griffen auch auf Deutschland über: Das Hambacher Fest von 1832 versammelte Menschen, die die Politik verändern wollten zugunsten eines Nationalstaates mit einer liberalen Verfassung. Der Deutsche Bund versuchte, die Reformbewegungen aufzuhalten, was jedoch nicht bzw. kaum gelang. Auch die politische Landschaft differenzierte sich in diesen Jahren aus: Es gründeten sich konservative, sozialistische, demokratische, liberale und katholische Gruppen. Diese Gruppen schlossen sich vorzugsweise in Vereinen zusammen, denn diese neue Form der "Association" bot die Möglichkeit, sich zu vernetzen. Interessant ist, dass in den neuen Vereinen Frauen bis zu 40 Prozent der Mitglieder ausmachten. Vor allem die freireligiösen Gemeinden verzeichneten einen Zuwachs an weiblichen Mitgliedern, die sich rege beteiligten und hier eine Möglichkeit sahen, sich politisch zu engagieren.


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