Dossier Frauenbewegung
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Bubikopf und kurze Röcke

In der Weimarer Republik veränderten sich die Frauenrollen und die Frauenbewegung kam in die Jahre


8.9.2008
Die Weimarer Republik brachte das lange ersehnte Frauenwahlrecht. Trotz dieses Erfolges brachen aber keine rosigen Zeiten für die Frauenbewegungen an, denn der Nachwuchs blieb aus und die Gesellschaft bewegte sich immer stärker in Richtung Diktatur.

Parlamentarierinnen aus allen im Parlament vertretenen Parteien aus der Wahlperiode 1924-1928. BildnachweisParlamentarierinnen aus allen im Parlament vertretenen Parteien aus der Wahlperiode 1924-1928. Bildnachweis (© AddF - Archiv der deutschen Frauenbewegung)



Nationalversammlung und Weimarer Verfassung



Im November 1918, wenige Wochen nach dem Sturz der Monarchie, verabschiedete der Rat der Volksbeauftragten das Gesetz über die Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung. Dieses Gesetz führte nicht nur ein striktes Verhältniswahlrecht ein, sondern erteilte allen Bürgerinnen und Bürgern ab 21 Jahren das aktive und passive Wahlrecht. Damit war der Weg frei für das Frauenwahlrecht. Die lokale Basis der Frauenbewegung dünnte allerdings aus: Etliche Frauenvereine lösten sich um 1920 auf, entweder weil sie ihr wichtigstes Ziel erreicht sahen oder weil sie in der Nachkriegs- und Inflationszeit ihre Finanzierung nicht mehr sichern konnten; zudem wurden jetzt viele Aufgaben der Frauenwohltätigkeitsvereine und Frauenbildungsvereine von den Kommunen übernommen. Andere Frauenvereine wie die Berufsverbände, aber auch der Reichsverband Deutscher Hausfrauenvereine, verzeichneten dagegen Mitgliederzuwächse.

Wieder andere benannten sich im Laufe der 1920er Jahre um – so wurde aus dem Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF) der Deutsche Staatsbürgerinnenverband. Diese Umbenennung reflektierte durchaus das neue Selbstverständnis eines großen Teils der Frauenbewegung. Alle Frauenverbände der neuen Republik, von der proletarischen Frauenbewegung über den Bund deutscher Frauenvereine (BDF) bis hin zu den konfessionellen Verbänden, riefen im Vorfeld der Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung ihre Mitglieder zu einer regen Wahlbeteiligung auf, um das Schicksal der neuen Republik mitzubestimmen.

Tatsächlich beteiligten sich im Januar 1919 fast 90 Prozent der Wählerinnen an den Wahlen, weitaus mehr als bei entsprechenden Wahlen im internationalen Vergleich. Als die verfassungsgebende Versammlung am 6. Februar 1919 in Weimar eröffnet wurde, waren daher beinahe 10 Prozent der Abgeordneten Frauen, ein Anteil, der erst wieder im deutschen Bundestag von 1983 erreicht wurde. Unter den 41 weiblichen Abgeordneten befanden sich prominente Vertreterinnen der proletarischen Frauenbewegung wie Luise Zietz, die für die unabhängige Sozialdemokratie einzog, und SPD-Vorstandsmitglied Marie Juchacz, die am 19. Februar 1919 als erste Frau vor einem deutschen Parlament sprach. Viele Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung sahen ihre politische Heimat in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), für die Gertrud Bäumer, Marie-Elisabeth Lüders und Marie Baum erfolgreich kandidiert hatten. Auch das Zentrum, die Deutsche Volkspartei (DVP) und die Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP) waren durch weibliche Abgeordnete vertreten.

Die in Weimar verabschiedete Verfassung – zustande gekommen im Schatten der von vielen als harsch empfundenen Friedensbedingungen – enthielt keineswegs ein konsistentes gesellschaftspolitisches Programm, auch wenn sie in Teilen stark vom bürgerlichen Linksliberalismus und damit nicht zuletzt von Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung geprägt war. Die Weimarer Verfassung verpflichtete den Staat auf den Schutz der Mutterschaft und das Wohlergehen von Kindern und legte erstmals die staatliche Zuständigkeit für Fragen der Wohlfahrtspflege fest. Eine uneingeschränkte rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen, wie sie die Abgeordneten der SPD und der USPD gefordert hatten, war dagegen nicht konsensfähig; Artikel 109 schrieb ihnen lediglich "grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten" zu.

Parlamentarische Arbeit der Frauenbewegung



Von der Einführung des Frauenwahlrechts hatten sich seine Befürworterinnen, nicht nur in Deutschland, eine Verstärkung des gesellschaftlichen Reformimpetus versprochen sowie die Wahl von Politikerinnen, die über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten würden. Zwischen 1920 und 1932 wurden insgesamt 111 weibliche Reichstagsabgeordnete gewählt – viele von ihnen waren jahrelang in den verschiedenen Flügeln der Frauenbewegung aktiv gewesen –, die mehrheitlich linken und linksliberalen Parteien angehörten und sich bei bestimmten Reformfragen tatsächlich über Parteigrenzen hinweg verständigten. Gleichwohl gab es auch unter ihnen wechselnde Koalitionen: So tendierten die liberalen Parlamentarierinnen bei grundsätzlichen Gleichberechtigungsfragen zur Zusammenarbeit mit den Sozialdemokratinnen; bei Gesetzesentwürfen zur Familienpolitik, zu sittlichen oder moralischen Fragen zogen sie Koalitionen mit Frauen der konservativen Parteien vor.

Die Parlamentarierinnen setzten eine Reihe von so genannten "Frauengesetzen" durch, darunter das Jugendwohlfahrtsgesetz (1922), die Zulassung von Frauen als Rechtsanwältinnen und Richterinnen (1922), Mindestlöhne und Sozialversicherung für Heimarbeiterinnen (1924) und die Erweiterung des Mutterschutzes (1927). Das Reichsgesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, an dem alle Parlamentarierinnen mitgewirkt hatten, erfüllte schließlich 1927 eine alte Forderung der Frauenbewegung: Prostitution war nun straffrei, wenn sie nicht gewerbsmäßig betrieben wurde; die Sittenpolizei mit ihren Sonderbefugnissen wurde abgeschafft und bei Verdacht auf Geschlechtskrankheiten konnten sowohl Männer als auch Frauen auf eine ärztliche Behandlung verpflichtet werden. Dagegen gelang es der inoffiziellen "parlamentarischen Frauenkoalition" nicht, die gesetzlichen Bestimmungen für weibliche Beamte zu beseitigen, die bei Heirat oder der Geburt eines unehelichen Kindes gezwungen waren, den Dienst zu quittieren. Dieses "Beamtinnen-Zölibat" blieb in der Weimarer Republik bestehen, nicht zuletzt aufgrund der permanenten finanziellen Engpässe des Staatshaushaltes.

Trotz dieser parlamentarischen Erfolgsgeschichte fällt eine Bilanz der politischen Frauenarbeit in der Weimarer Republik eher unbefriedigend aus. Zum einen führte die Konzentration der Parlamentarierinnen auf Frauenthemen dazu, dass die Debatten in den entsprechenden Ausschüssen und Plenarsitzungen schnell abfällig als "Weiberkram" bezeichnet wurden – vor 1919 waren auch diese Fragen noch "Männersache" gewesen. In der Regel warben männliche Politiker zwar um Wählerinnen und akzeptierten ihre neuen Kolleginnen im Reichstag, machten aber auch unmissverständlich klar, dass Frauen nicht über "wirklich wichtige" politische Fragen zu befinden hatten. So blieb die Wirtschafts- und Finanzpolitik ein Männerressort. Zudem war es für Frauen insbesondere in den bürgerlichen Parteien schwierig, bei Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahlen einen sicheren Listenplatz zu ergattern; unter dem reinen Verhältniswahlrecht der Weimarer Republik hing aber genau davon ein Mandat ab.


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