Dossier Frauenbewegung
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Auferstanden aus Ruinen

Die Frauenbewegung in der DDR


8.9.2008
In der späteren DDR entstanden politisch aktive Frauenausschüsse, die sich hier zum Demokratischen Frauenbund Deutschlands (DFD) zusammenschlossen. Der DFD wurde später zur DDR-Massenorganisation der Frau.

Impressionen vom ersten Bundeskongress des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) 1948. Der DFD wollte die Frauen politisieren und verstand sich als politische "Vorschule" für Frauen.Impressionen vom ersten Bundeskongress des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD) 1948. Der DFD wollte die Frauen politisieren und verstand sich als politische "Vorschule" für Frauen.Bildnachweis (© AddR (Bild 15))

Ausgehend von der marxistischen Theorie, nach der die "Frauenfrage" als Teil der "sozialen Frage" gelöst und die Unterdrückung der Frauen mit der Abschaffung der kapitalistischen Verhältnisse überwunden werden sollte, beanspruchte die Deutsche Demokratische Republik (DDR) als eine ihrer bedeutenden Errungenschaften, im Rahmen der Etablierung des Sozialismus die Gleichberechtigung der Frauen verwirklicht zu haben. So drängt sich die Frage auf, welche Rolle eine Frauenbewegung in der SBZ/DDR spielen konnte und – etwas zugespitzt formuliert – ob der Demokratische Frauenbund Deutschland (DFD), der 1947 als einzige offiziell anerkannte Frauenorganisation der SBZ (später der DDR) gegründet werden durfte, überhaupt als solche gelten kann. Zumindest dürfen Aufgabe und Aktion der "Frauenbewegung" in der SBZ/DDR nicht losgelöst von der (Frauen-)Politik der Partei der Arbeiterklasse bzw. des sozialistischen Staates betrachtet werden.

Gründungsphase des DFD



Schon kurz nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands entstanden in allen Besatzungszonen verschiedene Frauenzusammenschlüsse, die die schwierige Nachkriegssituation meistern und die verstärkte Teilnahme der Frauen am öffentlichen Leben fördern wollten. In der SBZ wurde die Schaffung antifaschistischer Frauenausschüsse und deren Einbindung in die kommunalen, später zonalen Verwaltungen "von oben" forciert. Neben Sozialarbeit und Bewältigung der Alltagsprobleme (beispielsweise durch die Schaffung von Nähstuben, die Durchführung von Sammelaktionen und die Mitarbeit in Versorgungskommissionen) setzten sich diese Frauenausschüsse für die berufliche und politische Gleichstellung der Frauen ein.

Die Kommunistinnen, die von Anfang an zu den aktivsten Mitgliedern zählten und sich der Unterstützung der sowjetischen Militäradministration sicher sein konnten, legten besonderen Wert auf das Überparteilichkeitsprinzip und also auf die Zusammenarbeit mit Frauen aus der Sozialdemokratischen Partei, aus den "bürgerlichen" Parteien (Christlich Demokratische Union und Liberal-Demokratische Partei) sowie mit "Parteilosen". Dies entsprach der "Volksfrontstrategie" der KPD bzw. der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, im April 1946 aus der Zwangsfusion von KPD und SPD entstanden), die die Phase der "antifaschistisch-demokratischen Umwälzung" in den Jahren 1945 bis 1947 prägte: Es ging darum, alle Kräfte, die zum Fall des Nationalsozialismus beigetragen hatten, für eine breite Front zu gewinnen, die einen demokratischen Aufbau anregen sollte und unter anderem die Umerziehung ehemaliger NS-MitläuferInnen zum Ziel hatte.

Im März 1947 ging der Demokratische Frauenbund aus den antifaschistischen Frauenausschüssen hervor – die jedoch wegen des Protestes der bürgerlichen Frauen, die einen noch stärkeren Einfluss der SED im neuen organisatorischen Rahmen befürchteten, erst einige Monate später endgültig aufgelöst werden konnten. Zur Strategie der Mobilisierung breiter Frauenschichten durch die SED gehörte der offizielle Diskurs über die "einheitliche Frauenbewegung", die der DFD verkörpern und durch welche die frühere "verhängnisvolle" Spaltung in bürgerliche und proletarische Frauenverbände überwunden werden sollte. Zwar konnten bürgerliche Frauen und Parteilose für die weitere Zusammenarbeit an der Basis und in den Führungsgremien gewonnen werden, bald aber wurden die Schlüsselpositionen durch SED-Funktionärinnen besetzt.

Ab Anfang der 1950er Jahre verstand sich der DFD nicht mehr als Frauenbewegung sondern als Massenorganisation der Partei.Ab Anfang der 1950er Jahre verstand sich der DFD nicht mehr als Frauenbewegung sondern als Massenorganisation der Partei.Bildnachweis (© AddF (Bild 16))
Im Kontext der Gründung der DDR im Jahr 1949 bekam der DFD neue Aufgaben zugewiesen. Diese sollten im Rahmen der "Nationalen Front des demokratischen Deutschlands" erfüllt werden, die als Zusammenschluss aller Parteien und Organisationen der DDR zu einem Agitationsinstrument der SED wurde. Ab Anfang der 1950er Jahre definierte sich der DFD nicht mehr als "Frauenbewegung", sondern als "Massenorganisation", die die Millionengrenze bereits überschritten hatte, immer mehr parteilose Frauen versammeln sollte und den Führungsanspruch der SED anerkannte. Schon in den Statuten von 1952 ist nicht mehr die Rede von der Verteidigung der "Fraueninteressen". In den Vordergrund rückten "Liebe, Treue und Stolz" (Satzungen, DFD-Archiv (SAPMO-BArch)) dem sozialistischen Staat gegenüber, der die Gleichberechtigung der Frauen garantiere.

Frauenpolitik von Staat/Partei und "Frauenbewegung"



Angesichts der frühen Einflussnahme durch die SED ist es kaum möglich, den DFD als unabhängige Frauenvertretung zu definieren, die sich erst im Laufe der Zeit in einen "Transmissionsriemen" der Partei verwandelt hätte. Innerhalb der begrenzten politischen Partizipationsmöglichkeiten von DDR-BürgerInnen wurde der Frauenorganisation allerdings ein gewisses "Mitsprache- und Mitwirkungsrecht" zuerkannt.

Dies gilt auch für die Betriebsfrauenausschüsse, die 1952 als Frauenvertretungen in der sozialistischen Wirtschaft gegründet wurden. Diese Ausschüsse, die ab 1965 dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) untergeordnet wurden, konnten zumindest im ersten Jahrzehnt ihrer Existenz Forderungen nach einer Verbesserung der realen Arbeitsbedingungen und der praktischen Umsetzung der frauenspezifischen gesetzlichen Regelungen erheben.

Das Wirkungsfeld der DFD-Gruppen, die sich ab 1949 nur noch in den Wohngebieten und nicht mehr in den Betrieben konstituieren durften, blieb – in einer von der außerhäuslichen Arbeit dominierten Gesellschaft – eher begrenzt. DFD-Gruppen beteiligten sich beispielsweise an der Ausarbeitung des "Gesetzes über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau" vom 27. September 1950, das die Weichen für die Verwirklichung des in der DDR-Verfassung verankerten Gleichberechtigungsprinzips stellte. So kann von der "Zwitterstellung" gesprochen werden, die der DFD innehatte "zwischen der Funktion, Mitgliederinteressen zu artikulieren, und der Funktion, Parteibeschlüsse und die marxistisch-leninistische Weitsicht bei den Mitgliedern zu propagieren, die zum größten Teil keine SED-Mitglieder waren."[1]


Fußnoten

1.
Nave-Herz, Rosemarie, Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, Hannover, 1997, S. 64.
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