Dossier Frauenbewegung

13.1.2009 | Von:
Dr. Mechthilde Vahsen

Louise Otto-Peters

Louise Otto-Peters (1819 - 1895) gilt als Initiatorin der ersten deutschen Frauenbewegung und prägte diese wie keine andere zwischen 1865 und 1895.

Louise Otto-PetersLouise Otto-Peters. Bildnachweis (© AddF (Bild 20))
"Die Teilnahme der Frau an den Interessen des Staates ist nicht allein ein Recht, sie ist eine Pflicht der Frauen." Louise Otto wurde am 26. März 1819 in Meißen geboren. Sie wuchs zusammen mit drei Schwestern in einem liberalen, gutbürgerlichen Elternhaus auf. Der Vater war Gerichtsdirektor, die Mutter kümmerte sich um die Kinder. Doch trotz Schulbesuch und privatem Unterricht in Naturwissenschaften, Malerei, Philosophie und Französisch blieb den Mädchen die höhere Bildung verwehrt. Zeit ihres Lebens bildete sich Louise Otto daher autodidaktisch fort und betrieb private Studien.

Bereits im Jahr 1835 starben ihre Eltern, dank des Erbes war die 16-Jährige nun finanziell unabhängig. Durch den Tod ihres Verlobten 1841 konzentrierte sich Louise Otto auf ihren eigentlichen Berufswunsch: Schriftstellerin. Doch die politischen Ereignisse in Deutschland ab 1830 – zunehmende Armut der Bevölkerung, politische Zensur, Verhaftungen – führten dazu, dass sich die liberal erzogene Frau gesellschaftlich einmischte.


Bereits ihr Gedicht "Die Klöpplerinnen", in dem sie über die armseligen Arbeitsbedingungen der Heimarbeiterinnen im Erzgebirge berichtete, die sie während einer Reise erlebt hatte, erregte Aufsehen. Sie hatte in den politisch unruhigen 1840er Jahren weitere Erfolge mit ihren journalistischen Artikeln, die sie zum Teil unter Pseudonym – wie z. B. Otto Stern – veröffentlichte. In ihren Beiträgen trat sie für die soziale Frage ein und setzte sich für Frauen und deren Rechte ein ("Antwort eines sächsischen Mädchens", 1843). Doch die junge Frau nutzte nicht nur die Presse für ihre politische Überzeugung, sondern publizierte auch erste sozialkritische Romane, die den Zensurbehörden auffielen. In Leipzig erlebte sie die blutige Niederschlagung eines Aufstandes, den sie in ihrem Roman "Schloß und Fabrik" (1846) verarbeitete. Teil zwei und drei des Romans durften zensurbedingt erst nach Überarbeitung ein Jahr später erscheinen.

Louise Otto war durch ihre Publikationen nun endgültig zu einer öffentlichen Person geworden. Ihre 1847 folgende Gedichtsammlung "Lieder eines deutschen Mädchens" trug ihr den Namen "Lerche des Vorfrühlings" ein und brachte ihr Anerkennung in demokratischen und Arbeiterkreisen. Wieder ein Jahr später mischte sie sich erneut öffentlich ein mit ihrer "Adresse an den hochverehrten Minister Oberländer". Darin hieß es:

"Meine Herren! Im Namen der Moralität, im Namen des Vaterlandes, im Namen der Humanität fordere ich Sie auf: Vergessen Sie bei der Organisation der Arbeit die Frauen nicht!" (Otto-Peters, Das Recht der Frauen auf Erwerb, 1997, S. 118; Hervorhebung im Original)

Louise Ottos Forderung lautete: für die zu besetzende Arbeiterkommission auch Frauen zu benennen, was damals als Skandal empfunden wurde. Trotzdem bat man sie um Vorschläge in dieser Frage. Sie organisierte Versammlungen zur Aufklärung über die Lage der Arbeiterinnen, war Mitbegründerin eines Vaterlandsvereins und stand in regem Austausch mit den sich zunehmend organisierenden Arbeiterinnen und Arbeitern.

Durch all diese politischen Aktionen und ihre Artikel und Bücher war die Regierung Sachsens längst auf sie aufmerksam geworden. Ihr Verlobter August Peters wurde aufgrund seiner Beteiligung an den revolutionären Kämpfen inhaftiert. Doch die engagierte Frau ließ sich nicht einschüchtern. Trotz der Niederschlagung der demokratischen Bewegung, deren Ziele sie vertrat, widmete sie sich einem neuen Projekt: Sie gab von 1849 bis 1853 eine Frauen-Zeitung heraus, die das Motto trug: "Dem Reich der Freiheit werb ich Bürgerinnen".

Der Tenor der Zeitung war radikal: "Wohl auf denn, meine Schwestern, vereinigt Euch mit mir, damit wir nicht zurückbleiben, wo Alle und Alles um uns und neben uns vorwärts drängt und kämpft. Wir wollen auch unser Theil fordern und verdienen an der großen Welt-Erlösung, welche der ganzen Menschheit, deren eine Hälfte wir sind, endlich werden muss."

Die Zeitung setzte sich nicht nur mit aktuellen Themen auseinander, sondern brachte auch Berichte über Frauen aus anderen europäischen Ländern, berichtete über Vereinsgründungen und andere wichtige Aktivitäten einzelner Frauen. Dazu gehörte auch die Hamburger Hochschule für Frauen, an der Malwida von Meysenbug, eine Freundin von Louise Otto, als Lehrerin arbeitete. Louise Otto schrieb aber auch Frauengeschichte, indem sie Vorgängerinnen und historische Frauen vorstellte.

Aber die sächsische Regierung versuchte auch dieses Projekt zu stoppen. Mit der "Lex Otto", die extra für diesen Fall geschaffen und nach Louise Otto benannt wurde, wurde Frauen 1850 die Herausgabe von Zeitungen in Sachsen verboten, ein eindeutiges Berufsverbot. Die Herausgeberin wich nach Gera aus, verlor dadurch aber einigen Einfluss auf die Zeitung, bis diese schließlich 1853 eingestellt wurde.

In den folgenden, politisch reaktionären Jahren ab 1848 veröffentlichte sie weiter Artikel zu Musik und Theater sowie historische Romane, Novellen und Gedichte, machte Reisen und kümmerte sich um ihren inhaftierten Verlobten. Ihre politischen Ziele verlor sie aber all die Jahre nicht aus den Augen.

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