Dossier Frauenbewegung
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Clara Zetkin


13.1.2009
Clara Zetkin (1857 - 1933) war Politikerin, Publizistin, Theoretikerin, Agitatorin und leidenschaftliche Rednerin. Sie prägte ein halbes Jahrhundert lang die deutsche wie die internationale proletarische Frauenbewegung mit.

Porträtzeichnung von Clara ZetkinPorträtzeichnung von Clara Zetkin (© Bundesarchiv, Plak 102-070-052, Grafiker: Damm-Fiedler, Jutta; Gruppe Plus / Drucker/Verlag: III/6/46; DEWAG Leipzig)
Geboren wurde sie als Clara Eißner am 5. Juli 1857 in Wiederau, einem sächsischen Dorf am Fuße des Erzgebirges. 1872 zog die Familie nach Leipzig. Der Kontakt ihrer Mutter zu Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt, den beiden wichtigsten Pionierinnen der frühen bürgerlichen Frauenbewegung Deutschlands, ermöglichten Clara Eißner von 1874 bis 1878 den Besuch des dortigen renommierten, von Auguste Schmidt geleiteten Lehrerinnenseminars. Es war die einzige standesgemäße Berufsausbildung, die bürgerlichen Mädchen damals offen stand.

Eintritt in die sozialdemokratische Partei



Durch ihre Lehrerin Auguste Schmidt kam die überaus begabte Clara Eißner mit den Gedanken der bürgerlichen Frauenbewegung in Berührung. Gleichzeitig wurde die politisch wache und sozial engagierte junge Frau aber auch mit sozialistischen Ideen konfrontiert, denn Leipzig war zu dieser Zeit nicht nur eines der wichtigsten Zentren der Frauenbewegung, sondern auch der Arbeiterbewegung. Clara Eißner hörte im Arbeiterbildungsverein Vorträge u.a. von August Bebel und Wilhelm Liebknecht und diskutierte in einem russischen Studentenzirkel über sozialistische Ideen und bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten. 1878 trat sie der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) bei, die 1890 als Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) neu konstituiert wurde.

Dieser Parteieintritt sowie ihre Beziehung zu dem sieben Jahre älteren ukrainischen Sozialrevolutionär Ossip Zetkin, den sie in dem russischen Studentenzirkel kennen gelernt hatte, führten zum Bruch sowohl mit ihrer Mentorin Auguste Schmidt als auch mit ihren Eltern. Auch ihr beruflicher Weg wurde dadurch blockiert, denn das gerade erlassene Sozialistengesetz (1878-1890) des Reichskanzlers Bismarck verwehrte ihr als Parteimitglied den Zugang zum sächsischen Schuldienst. Clara Eißner nahm deshalb von 1878 bis 1882 mehrere Stellen als Hauslehrerin in Sachsen, Österreich und schließlich in der Schweiz an.

Beginn des internationalen politischen Engagements und der Beschäftigung mit Frauenfragen



In Zürich traf sie Ossip Zetkin wieder, der 1880 verhaftet und aus Deutschland ausgewiesen worden war. Er emigrierte schließlich nach Paris, und Clara Eißner folgte ihm Ende 1882 in das damalige Zentrum der internationalen sozialistischen Bewegung. Dort nahm sie seinen Namen an, heiratete ihn jedoch nicht – in erster Linie um ihre deutsche Staatsbürgerschaft nicht zu verlieren. In Paris kamen ihre beiden Söhne Maxim (geb. 1883) und Konstantin (geb. 1885) zur Welt. Die Familie lebte am Rande des Existenzminimums, und als ihr Lebensgefährte nach langer, schwerer Krankheit 1889 starb, musste Clara Zetkin als Journalistin und Übersetzerin alleine für den Unterhalt aufkommen.

Ihre Trauer kompensierte sie mit verstärktem Engagement für den Sozialismus. Sie knüpfte vielfältige Kontakte zu führenden Persönlichkeiten der europäischen Arbeiterbewegung und wurde zur überzeugten Internationalistin. Darüber hinaus begann sie nun auch, sich mit Frauenfragen zu beschäftigen, was bald zu ihrem wichtigsten Betätigungsfeld werden sollte.

Erstmals trat Clara Zetkin mit ihren Anschauungen zur Frauenfrage auf dem Gründungskongress der II. Internationale 1889 in Paris vor eine größere Öffentlichkeit. Als nur eine von sechs Teilnehmerinnen unter 400 Delegierten hielt sie dort eine an den Vorarbeiten von Bebel und Engels orientierte, programmatische Rede. Diese wurde unter dem Titel "Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart" publiziert und zur Grundlage der Frauenemanzipationstheorie der Partei. Clara Zetkin vertrat darin die These, dass jede Klasse ihre eigene Frauenfrage habe. Diese Rede trug wesentlich dazu bei, dass sich die Partei verpflichtete, die Einbeziehung der Frauen und Mädchen in die sozialistische Bewegung durchzusetzen.

Einflussreiche Redakteurin der Frauenzeitschrift "Die Gleichheit" und Initiatorin des Internationalen Frauentages



Nach der Aufhebung der Sozialistengesetze im Jahr 1890 kehrte Clara Zetkin mit ihren beiden Söhnen nach Deutschland zurück und ging hier noch einmal eine enge und unkonventionelle Verbindung mit einem Mann ein: 1889 heiratete sie 42-jährig den 24-jährigen Kunstmaler Friedrich Zundel.


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