Frauenfußballerinnen

4.9.2007 | Von:

DFB verbietet seinen Vereinen Damenfußball

Der Westdeutsche Damen-Fußball-Verband wird gegründet

Das DFB-Verbot stößt vielerorts auf Protest. 1956 gründet der Kaufmann Willi Ruppert in Essen den "Westdeutschen Damen-Fußball-Verband e.V.", der wenig später eine "Abteilung Süddeutschland" mit Geschäftsstelle in München ins Leben ruft. Öffentliche Damenfußball-Wettkämpfe werden auf kommunalen Plätzen ausgetragen, wobei Städte und Gemeinden rund 10% der Einnahmen erhalten.

Am 23.9.1956 findet im Essener Mathias-Stinnes-Stadion vor 18.000 Zuschauern das "erste Länderspiel der deutschen Damen-Fussballmannschaft" (Neue Ruhr Zeitung, 24.9.1956) gegen Holland statt. Die Kickerinnen spielen nach FIFA-Regeln bei verkürzter Spielzeit, laufen im schwarz-weißen Dress auf, tragen den Bundesadler auf der Brust und singen die Nationalhymne. Die Printmedien urteilen erstaunlich positiv. "Gute Kombinationen" werden vermeldet, und "daß die Sportart, die in Deutschland bisher nur Männern vorbehalten war, auch für Frauen durchaus möglich ist." (NRZ, 24.9.1956) Die deutschen Frauen gewinnen mit 2:1.

Frauenfußball-Länderspiel Deutschland-Holland in Essen, 21.9.1956. Entstand 2:1

"Die Gleichberechtigung schreitet auch in Fußballstiefeln voran. Essen war Schauplatz des ersten Länderkampfes der deutschen Frauen in Schwarz-Weiß gegen Holland. 18.000 Zuschauer waren Zeugen dieses historischen Tages. Der Name Beckmann wird zweifellos in die Damenfußballgeschichte eingehen, denn die Mittelstürmerin schoß das 1. deutsche Länderspieltor. Wie Herberger Schützlinge zu ihren besten Zeiten, so ziehen die jungen Damen elegant und zu allem entschlossen ihre Kreise. Die Mühe lohnt sich. Ein haarnadelscharfer Schuß der Halblinken, und es steht 2:0. Auch in der 2. Halbzeit zeigen die deutschen Frauen ein geradezu bestrickendes Spiel. Die Holländerinnen erzielen nur einen Gegentreffer. Mit diesem 2:1 Sieg kommt Deutschlands Fußball endlich wieder zu einem schönen Sieg." (Quelle: Neue Deutsche Wochenschau vom 28.9.1956)

Länderspiel in München – DFB wütet im "Kampf gegen Damenfußball"

Auch beim 2. "Fußball-Länderspiel der Damen zwischen Westdeutschland und Westholland" (Kicker, 25.3.1955) im Münchener Dante-Stadion ist das Interesse mit 17.000 Zuschauern groß. Das Spiel endet 4:2 für die deutsche Auswahl. Die Münchener Verkehrsbetriebe müssen ebenso wie die Polizei Sondereinsätze leisten. Der Münchener Merkur spricht von einer "wahren Völkerwanderung" und berichtet von einem Spiel "mit Eifer /.../ ohne unästhetische Gewaltsamkeiten, ohne Rohheiten, ohne unfaire Kniffe und Püffe. Eigentlich war´s also das, was man früher einmal "Sport" nannte. Dabei war andauernd etwas los. Angriff, Kampf und Gegenangriff. /.../ Es knallten haushohe Kopfbälle von Dauerwelle zu Dauerwelle, es wurde gestoppt und gedribbelt, zugespielt und kombiniert". Kurzum: "Das Spiel wurde ein voller Erfolg, für die Fußballerinnen und für die Zuschauer, die ebenso sachkundig wie freundlich gesonnen waren", (Münchener Merkur, 18.3.1957). Selbstverständlich machen sich auch jede Menge sensationslüsterne (männliche) Zuschauer "mit Feldstechern" auf den Weg, die "eher zur Inspektion der westdeutschen und holländischen Hügellandschaften erschienen waren als das fußballerische Kombinationsspiel der Damen zu prüfen." (Münchener Abendzeitung, 18.3.1957) – "Damenfußball" ist eben der "neueste Schrei" (Kicker). Aber quer durch die Presse ist der Tenor einhellig und richtet sich gegen das DFB-Verbot: "Laßt sie doch Fußball spielen!" (Münchener Abendzeitung, 18.3.1957)

Selbst das renommierte Fußballmagazin Kicker stimmt in die Fanfare der Fußball-Gleichberechtigung ein. Zwar bescheinigt man der "Kickerei" nur das Niveau eines "mittelmäßgien Schülerspiels", anerkennt aber "erstaunliche Leistungen einzelner Spielerinnen" und "Tore, die das Publikum in Begeisterung versetzten". Erinnernd an die Entscheidung des DFB, "aus grundsätzlichen Erwägungen und ästhetischen Gründen" Damenfußball zu verbieten, urteilt der Kommentator: "Unästhetisch, nein, so wirkte das ganz und gar nicht, was die Mädels im Alter zwischen 17 und 22 Jahren vorführten /.../ Das Münchener Spiel bewies, daß Damen-Fußball durchaus sportlich ist". Kein Wunder, dass sich nach der Demonstration des Damenfußballs in München "die Anrufe junger Mädchen" bei der Kicker-Redaktion häuften: Sie wollten wissen, wo man sich für Damenfußball anmelden kann. (Kicker, 25.3.1955)

Wochenschau-Kommentar zum Damenfußball-Länderspiel Deutschland gegen Holland 4:2, in München am 16.3.1957

"...dafür hat sich aber das zarte Geschlecht den Fußballplatz erobert. In München trafen sich die Amazonen aus Deutschland und Holland. Die zahlreich erschienene Männerwelt lachte skeptisch oder schaute kariert aus der Wäsche. Dann aber sahen sie ein flottes Spiel. Die deutschen Amazonen im weißen Jersey gehen ran. Die solange zu Hause gebliebene Fußballbraut zeigt teilweise sogar bestrickenden Stil. – Tja, jetzt reißen sie Mund und Nase auf, die Herren. Schon hängt das Leder in den Maschen der holländischen Meisjes. Geradezu aus der Luft gehäkelt dieser Ball. Die Umstellung von Haushaltsführung auf Ballführung scheint tatsächlich gelungen zu sein, obwohl die Herren der Schöpfung noch immer lachen. Unser Fußball-Suffragetten tragen keine Blau- sondern Ringelstrümpfe, siegen gegen die Meisjes mit 3:2 (Anmerkung: falsches Ergebnis) und Mutti freut sich." (Quelle: Im Spiegel der Woche / Blick in die Welt, März 1957)


Wochenschau-Kommentar zum Damenfußball-Länderspiel Deutschland gegen Holland 4:2, in München am 16.3.1957

"Sie sehen richtig. 44 Damenbeine in Aktion. 1:0 für Holland. Gegenzug der deutschen Fußballamazonen. 14.000 Zuschauer feuern die Deutschen im Münchener Dante-Stadion an. Und es steht 1:1. Wer allerdings nur aus Gaudi und Sensationslust gekommen war, kam nicht auf seine Kosten. Die Damen spielten fair und zeigten entschiedene gute Kombinationen. Nach dem 2:2 Gleichstand ging Deutschland mit 3:2 in Führung. Das vierte Tor ist eine Meisterleistung: Lattenschuss...Rückzieher und ..Tor! Die deutschen Damen gewannen mit 4:2." (Quelle: Die Stimme der Welt – Fox tönende Wochenschau, März 1957)

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Autor: Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza für bpb.de
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