Frauenfußballerinnen

4.9.2007 | Von:

DFB verbietet seinen Vereinen Damenfußball

Der DFB empört sich

Der DFB indes ist erzürnt ob des Spiels, der positiven Presse und der hohen Zuschauerzahl. In einem Schreiben an den Münchener Oberbürgermeister vom 23.April 1957 empört sich DFB-Funktionär Dr. Georg Xandry: "Der Deutsche Fußballbund hat vor zwei Jahren /.../ das Fußballspiel für Frauen als jeglichem sportlichen Empfinden widersprechend abgelehnt und seinen Vereinen die Auflage erteilt, ihre Sportanlagen für Veranstaltungen solcher Art nicht herzugeben. Wenn auch inzwischen einige wenige Frauenfußballspiele stattgefunden haben, so hätten wir doch von Städten wie jetzt München und Frankfurt erwartet, daß sie unsere Einstellung, die den Sportämtern bekannt war, nicht vollends außer acht gelassen hätten. /.../ Unser Bundesvorstand bedauert deshalb die seitens der Stadt München zum Ausdruck gebrachte Einstellung – dies um so mehr, als daraus auch zu ersehen ist, daß den für den Abschluß des Spiels Verantwortlichen die Unterscheidung zwischen wahrem Sport und Schaustellung abgeht. Mit der in Frage stehenden Veranstaltung sind Sie uns in unserem Kampf gegen den Damenfußball gleichsam in den Rücken gefallen, was dem bisher guten Verhältnis zwischen der Stadt München und uns nicht dienlich sein kann." (Niederschrift über die 3. Sitzung des Ausschusses für Leibesübungen der Landeshauptstadt München vom 6. Juni 1957) In der Niederschrift hält Ausschuss-Vorsitzender Studienrat Meßthaler außerdem fest, dass aufgrund von Damenfußballspielen bereits andernorts "der DFB in Harnisch (kam) und sich benahm in einer Art, die ihm nicht anstand". (ebenda)

Deutscher Städtetag souverän

Auch der Deutsche Städtetag muss sich mit dem Thema Damenfußball befassen. Am 10. und 11.7.1957 diskutiert der Sportausschuss des Deutschen Städtetages in Berlin das Pro und Kontra des weiblichen Kicks. Im Vorbericht vom 24.6.1957 heißt es: "Es ist an die Geschäftsstelle die Frage herangetragen worden, ob nicht der Deutsche Städtetag ebenso wie für Catcher-Veranstaltungen auch für Damenfussballspiele empfehlen sollte, keine städtischen Sport- und Spielplätze zur Verfügung zu stellen." Hintergrund sind Aktivitäten und Drohgebärden des DFB. In der Niederschrift der 12. Sitzung des Sportauschusses wird vermerkt, "dass der Deutsche Fußballbund der Stadt Frankfurt/Main gedroht habe, keine größeren Spiele mehr nach Frankfurt zu legen, wenn nicht ein derzeit angesetztes Damenfußballspiel abgesagt würde." Allerdings denkt man seitens des Sportausschusses recht fortschrittlich und sieht keine Veranlassung, den Städten ein Damenfußball-Verbot zu empfehlen. "Städtetag nicht gegen Damenfußball" verkündet die "Schwäbische Donauzeitung" am 15.7.1957, und die Berliner Zeitung "Der Abend" berichtet: "Auch das Thema Damen-Fußball stand auf dem Programm. Der selbstgefällige DFB hatte offenbar versucht, über dieses kommunalpolitische Gremium die städtischen Plätze für Fußballspiele für Frauen sperren zu lassen. Dazu erklärte Senator Wolters, der Städtetag sei nicht berechtigt, in dieser Frage eine Entscheidung zu fällen. Wenn die Frauen Fußball spielen wollen, so können sie das auch, denn wir haben schließlich die Gleichberechtigung." (Der Abend, 11.7.1957)

DFC München und DFC Bochum

Nach dem Spiel im Dante-Stadion gehen beim Fußballfachblatt "Kicker" zahlreiche Anfragen junger Frauen ein. Die Damen möchten wissen, bei welchem Verein sie sich für "Damenfußball" eintragen lassen können. Nur: Es gibt noch keinen. Doch fußballbegeisterte junge Damen wie die damals 16jährige Hanna Kuplent, geb. Kripp, wissen sich zu helfen. Per Zeitungsanzeige suchen sie nach Gleichgesinnten, und noch im Frühjahr 1957 wird der Damenfußball-Club München gegründet, der bald über rund 20 aktive Spielerinnen verfügt. Trainiert und gekickt wird wöchentlich unter Anleitung eines Trainers auf einer Wiese in Berg am Laim bei Ramersdorf. Meist spielt man untereinander. Es kommt aber auch zu etlichen Spielen gegen österreichische Teams oder gegen die Konkurrenz der TSG Pasing. Als 1960 der DFC München in Rosenheim zu einem Städtespiel gegen Salzburg antritt, sind 20.000 Zuschauer im Stadion. Die Pressekritik danach ist allerdings verheerend, erinnert sich Hanna Kuplent. So verheerend und niederschmetternd, dass die jungen Kickerinnen den Mut verlieren und sich der DFC München auflöst.

Auch in Bochum kommt es 1957 zu einer Vereinsgründung. Imgard Statzner, geb. Lammers, gründet 1957 den Damenfußball-Club Bochum. Die damals 24-jährige kickt bereits seit 1953. Zunächst trainiert sie regelmäßig mit anderen Kickerinnen auf einem Sportplatz in Essen-Karnap. Später spielt sie bei Gruga Essen und ist auch bei den ersten beiden Länderspielen dabei. Per Zeitungsanzeige macht sie sich für Damenfußball in Bochum stark. Doch die Resonanz ist eher verhalten. Oft muss man sich für Spiele gegen andere Damenclubs mit Spielerinnen benachbarter Teams aushelfen. Dennoch tritt der DFC Bochum zu zahlreichen Städtespielen an. Zu einigen Kickerinnen von Herbido Utrecht entwickeln sich sogar enge freundschaftliche Beziehungen. Nach einem Spiel gegen Herbido Utrecht in Bochum-Krümmede 1958 werden die Spielerinnen von ein paar Polizisten in die Kabinen eskortiert, weil Zuschauer die Fußball-Damen mit beleidigenden Sprüchen einschüchtern. Im gleichen Jahr löst sich der DFC Bochum wieder auf.

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-nc-nd/2.0 Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/2.0
Autor: Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza für bpb.de
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Publikation zum Thema

Verlacht, verboten und gefeiert

Verlacht, verboten und gefeiert - Zur Geschichte des Frauenfußballs

Deutschlands Mädchen- und Frauenfußball boomt. Doch dem Erfolg geht eine dornenreiche Geschichte der Fußball-Gleichberechtigung voraus, mit Spott und Häme, Behinderungen und tätlichen Angriffen. Weiter...

Zum Shop

Dossier

Frauenfußball-WM 2011

Deutschland ist in diesem Jahr Gastgeber der Frauenfußball-WM. Die bpb informiert über die Geschichte des Frauenfußballs und berichtet über Hintergründe abseits der üblichen Sportberichterstattung. Außerdem: die wichtigsten Länderdaten zu allen Teilnehmern.

Mehr lesen