Gay pride parade in Miami Beach, Florida am 18. April 2009.
22.2.2018 | Von:
Beate Küpper
Ulrich Klocke

"Homophobie": Abwertung von lesbischen, schwulen und bisexuellen Personen

Beate Küpper und Ulrich Klocke geben einen Überblick über die Akzeptanz von gleichgeschlechtlich liebenden Personen in Deutschland und berichten, wie Betroffene Diskriminierung erleben.

Teilnehmer der traditionellen Parade anlässlich des Christopher Street Day stehen am 15.07.2017 mit Plakaten gegen Homophobie vor dem Alten Rathaus in München (Bayern).Teilnehmer der traditionellen Parade anlässlich des Christopher Street Day stehen am 15.07.2017 mit Plakaten gegen Homophobie vor dem Alten Rathaus in München (Bayern). (© picture-alliance/dpa)

Die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare, die der Deutsche Bundestag im Sommer 2017 als eines der letzten Parlamente der Europäischen Union beschloss, war ein wichtiger weiterer Schritt auf dem Weg zur vollständigen rechtlichen Gleichstellung homosexueller Personen. Vorausgegangen sind Jahrzehnte des Kampfes um gesellschaftliche Anerkennung und gleiche Rechte. Dazu gehört insbesondere die Abschaffung des § 175, der männliche Homosexualität in der Bundesrepublik Deutschland noch bis 1994 unter Strafe stellte. Frauen wurde lange Zeit ohnehin keine eigenständige Sexualität unabhängig von einem Mann zugebilligt,[1] sodass auch ihre sexuelle Orientierung weniger Aufmerksamkeit erhielt. Erst zu Beginn der 1990er Jahre wurde Homosexualität endgültig aus den psychologischen und psychiatrischen Diagnosekatalogen gestrichen, im Jahr 2008 ein Mahnmal für die Personen errichtet, die in der Zeit des Nationalsozialismus wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt, in die sexuelle Konformität getrieben, in Lager eingesperrt und ermordet wurden. Der jährliche gefeierte Christopher Street Day ist ein wichtiges Signal der Emanzipation, des gewonnenen Selbstbewusstseins und der Sichtbarkeit von Lesben, Schwulen und Bisexuellen im öffentlichen Raum.[2]

Gleichstellung: Was denkt die breite Bevölkerung?

Die Frage ist, inwieweit sich die Anerkennung und rechtliche Gleichstellung auch in den Einstellungen der breiten Bevölkerung spiegelt. Die Verbreitung ablehnender Einstellungen der Mehrheitsbevölkerung gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Personen wird öffentlich kaum thematisiert. Wenn, dann werden diese vor allem mit Blick auf muslimische, eingewanderte oder geflüchtete Bevölkerungsgruppen diskutiert, denen eine homophobe Einstellung vorgeworfen wird. Nicht zuletzt die jüngsten Wahlerfolge der Partei Alternative für Deutschland (AfD), die in ihrem Grundsatzprogramm[3] mit der expliziten Ablehnung von Anstrengungen zur Gleichwertigkeit und Gleichstellung homosexueller Personen für sich wirbt –, indem sie beispielsweise die Thematisierung sexueller Vielfalt in der Schule ablehnt –, zeigen jedoch, dass homophobe Einstellungen nach wie vor auch in der deutschen Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte auf Resonanz stoßen.

Überblick und Diskriminierungserleben

Dieser Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die Akzeptanz von Homosexualität bzw. gleichgeschlechtlich liebenden Personen in Deutschland.[4] Aktuelle Informationen darüber liefert insbesondere eine repräsentative Bevölkerungsumfrage mit 2.013 telefonisch Befragten zu Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in 2016 in deren Themenjahr zur Sexuellen Vielfalt durchgeführt wurde (im Folgenden als ADS-Studie bezeichnet).[5] Ergänzend wird über das Erleben von Diskriminierung im Alltag aus Sicht homosexueller Personen berichtet, von dem heterosexuelle Personen oft wenig mitbekommen oder Vorfälle als nicht so gravierend einstufen, weil sie selbst nicht betroffen sind.[6]

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Bevölkerungsumfrage "Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland"

  • Telefonische Befragung von 2.013 Personen ab 16 Jahren in Privathaushalten in Deutschland (bevölkerungsrepräsentative Stichprobe)
  • Erhebung im Herbst 2016 durch das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum GmbH in Duisburg (SUZ)
  • Dual-Frame-Ansatz im Verhältnis 72 zu 28 Prozent (Kombination von Festnetz- und Mo-bilfunknummern, um auch Personen zu erreichen, die nur ein Mobiltelefon haben)
  • Zur Umfrage

Homophobie – ein umstrittener Begriff

Wir sprechen im Folgenden von Homophobie und meinen damit abwertende Einstellungen gegenüber homo- und bisexuellen Personen im Sinne eines sozialen Vorurteils. Nach sozialpsychologischem Verständnis enthält dieses eine affektive (z. B. unangenehme Gefühle, wenn sich zwei Männer in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigen), kognitive (z .B. die Ablehnung gleicher Rechte) und ggf. auch verhaltensbezogene Komponenten (z. B. die Vermeidung von Kontakt). Der Begriff ist umstritten, weil er eine tatsächliche oder vermeintliche „Phobie“, also Angst vor Homosexualität unterstellt,[7] obwohl die Ablehnung nicht nur ängstliche, sondern auch feindselige oder angewiderte Reaktionen beinhalten kann. Allerdings haben alternative Begrifflichkeiten wie Homofeindlichkeit oder sexuelle Vorurteile jeweils andere Vor- und Nachteile im Begriffsverständnis, weil sie zum Beispiel nicht allgemein verständlich sind oder den Aspekt der Feindlichkeit betonen, die wiederum auch nicht immer im Vordergrund stehen muss.

Im Positiven umfasst die Akzeptanz sexueller Vielfalt die Betrachtung von Personen verschiedener sexueller Orientierungen als gleichwertig, d. h. lesbischer, schwuler oder bisexueller Personen. Die Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt bezieht sich auf die Gleichwertigkeit von Trans*-und Inter*Personen, also Personen, die sich mit einem anderen als ihrem biologischen Geschlecht identifizieren bzw. zweigeschlechtlich oder intergeschlechtlich sind.[8]

Diskriminierung lesbisch, schwuler und bisexueller Personen

"Frau in U-Bahn homophob beleidigt und geschlagen". "Mann wegen ‚weiblichen Aussehens’ beleidigt und getreten". Polizeimeldungen wie diese veranschaulichen das unverändert hohe Ausmaß von Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung oder nicht geschlechtskonformes Auftreten. Homophobe Übergriffe haben dabei von 2016 auf 2017 um ein Drittel zugenommen. Im ersten Halbjahr 2017 wurden bundesweit 130 Straftaten gegen homo-, bi-, inter- oder transsexuelle Personen registriert – bei fast der Hälfte handelt es sich um Gewaltdelikte. Im gleichen Zeitraum 2016 waren es lediglich nur 102 Fälle, wobei jeweils von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss.[9] Solche Übergriffe tragen dazu bei, dass viele lesbische, schwule oder bisexuelle Personen in der Öffentlichkeit ihre sexuelle Orientierung verbergen und beispielsweise, anders als heterosexuelle Paare, nicht händchenhaltend flanieren. Dabei ist Hasskriminalität nur die letzte und sichtbarste Stufe einer Eskalation der Abwertung, wie schon Gordon Allport dies ähnlich für Vorurteile gegenüber ethnischen Gruppen beschrieb.[10]Sie beginnt bei kleinen, auf den ersten Blick vielleicht harmlosen Witzen und abfälligen Bemerkungen. Es folgen die Vermeidung von Nähe – wenn etwa die oder der gleichgeschlechtliche Partner*innen keine Einladung zur Familienfeier erhält – und die offene Diskriminierung, die sich etwa in der Benachteiligung bei der Suche nach einer Wohnung oder Arbeit zeigt.

Der Prozess kann zur Verfolgung und Vertreibung zum Beispiel aus dem öffentlichen Raum führen und eskaliert im schlimmsten Fall in gewalttätigen Übergriffen oder gar dem Versuch der Vernichtung einer Gruppe (bzw. von Personen, die ihr zugerechnet werden). Im Alltag äußert sich die Abwertung und Ausgrenzung lesbisch, schwuler und bisexueller Personen allerdings oft schon ganz subtil bei Ignoranz, d. h. dass sie schlicht nicht vorkommen – wenn beispielsweise Lehrer*innen Präventionsprojekte gegen Homophobie mit der Begründung ablehnen, an der Schule gäbe es keine schwulen oder lesbischen Schüler*innen oder Kolleg*innen – oder übersehen werden, beispielsweise, weil selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass der Partner oder die Partnerin einer Person ein anderes Geschlecht hat. Dies stellt beispielsweise lesbische, schwule oder bisexuelle Jugendliche auf der ohnehin oft nicht einfachen Suche nach ihrer sexuellen Identität vor besondere Herausforderungen, da sie kein positives Vorbild finden können. Ausgrenzung oder Ignoranz sind aber auch für alte Menschen im Gesundheitswesen ein großes Problem, wenn die Unterstützung durch den Lebenspartner oder die Lebenspartnerin besonders wichtig ist, er oder sie sich aber in der Einrichtung nicht willkommen fühlt. Das grundlegende Problem dabei ist die Besonderung von Homosexualität als Gegenstück zur Selbstverständlichkeit von Heterosexualität – homosexuelle Personen gelten dadurch als auffällig und werden als abweichend vom "Normalen" betrachtet.

95 Prozent Zustimmung zum Diskriminierungsschutz

Die große Mehrheit von 95 Prozent der Gesamtbevölkerung findet es der ADS-Studie zufolge zunächst "gut, dass homosexuelle Menschen gesetzlich vor Diskriminierung geschützt sind." Zugleich ist vier von fünf Personen in Deutschland bewusst, dass Lesben, Schwule und Bisexuelle nach wie vor diskriminiert werden. Gleichzeitig räumt die Hälfte der Befragten ein, in den vergangenen zwei Jahren Witze oder abfällige Bemerkungen gemacht zu haben, die gegen Lesben, Schwule oder Bisexuelle gerichtet waren, oder über solche Bemerkungen oder Witze gelacht zu haben.[11]

Rund die Hälfte der befragten homosexuellen Personen gibt in großen Studien zum Diskriminierungserleben an, im Laufe des jeweils letzten Jahres Diskriminierung in der einen oder anderen Form erfahren zu haben.[12] Besonders häufig erleben die Betroffenen Diskriminierung in der Öffentlichkeit und Freizeit sowie Diskriminierung am Arbeitsplatz.[13] Dort gehen Diskriminierung und Mobbing vielfach nicht nur von Kolleg*innen, sondern auch von Leitungspersonen aus, die sich zum Beispiel abfällig über Homosexualität äußern oder den Betroffenen nicht zur Seite stehen, wenn andere Mitarbeitende herabwürdigende Bemerkungen fallen lassen.[14] Während lesbische Frauen angeben, etwas häufiger als schwule Männer zu erleben, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz (19 Prozent versus 13 Prozent) oder bei der Wohnungssuche (14 Prozent versus 5 Prozent) benachteiligt zu werden, erleben schwule Männer etwas häufiger als lesbische Frauen ein "Outing" gegen ihren Willen (14 Prozent versus 24 Prozent), Bedrohung (6 Prozent versus 10 Prozent) oder Gewalt (3 Prozent versus 5 Prozent).[15]

Einstellungen zu Lesben, Schwulen und Bisexuellen

Auf der Ebene der Einstellungen hat die Akzeptanz homosexueller Personen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, doch nach wie vor äußert sich noch rund jeder Zehnte offen homophob.[16] So sprachen sich bereits vor der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Sommer 2017 83 Prozent der Deutschen für diesen Schritt aus. Ebenso verurteilt nur noch rund jeder zehnte Befragte Homosexualität als unmoralisch (beides Abbildung 1).[17]

Quellen: 2002 bis 2011 Langzeitstudie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit [18], 2013 ZuGleich-Studie [19], 2014 FES-Mitte-Studie [20], 2016 ADS-Studie [21].

Beim näheren Nachfragen werden zugleich aber durchaus auch ambivalente Einstellungen erkennbar. So lehnt rund ein Viertel der Befragten der ADS-Studie die Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare ab und ein Drittel spricht sich gegen die gleiche Unterstützung bei der künstlichen Befruchtung aus, wie sie Paaren aus Mann und Frau gewährt wird. Rund 20 Prozent der Befragten findet Homosexualität "unnatürlich". Anonym über Fragebögen zum Selbstausfüllen befragt, gaben sogar 40 Prozent im Erhebungsjahr 2016 an, Homosexualität "ekelhaft" zu finden.[22]

Homophobe Einstellungen werden häufig subtil geäußert

Wenn soziale Normen die offene Äußerung von Vorurteilen unterbinden, bahnen sich gelernte Vorurteile häufig trotzdem ihren Weg. Entsprechend werden homophobe Einstellungen heutzutage eher auf eine subtile, indirektere Art und Weise geäußert. Beispielsweise wird Homosexuellen unterstellt, absichtlich zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wobei eben die Selbstverständlichkeit von Heterosexualität übersehen wird, die jede Erwähnung von Homosexualität zur Auffälligkeit macht. 26 Prozent der Befragten der ADS-Studie sind der Ansicht, das Thema Homosexualität nähme in den Medien zu viel Raum ein. 40 Prozent der Befragten meinen "Homosexuelle sollen aufhören so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen". Rund ein Viertel der Befragten möchte mit dem Thema möglichst wenig in Berührung kommen. Die Sichtbarkeit gleichgeschlechtlicher Liebe in der Öffentlichkeit wird dabei deutlicher abgelehnt als die von heterosexuellen Paaren. So finden es nur knapp 11 Prozent unangenehm, wenn sich ein Mann und eine Frau in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigen, z.B. indem sie sich küssen, die Mehrheit der Befragten findet dies sogar eher oder sehr angenehm, rund einem Drittel ist eine solche Situation egal. Handelt es sich aber um ein Paar aus Frau und Frau, finden fast 28 Prozent die Vorstellung der öffentlich gezeigten Zuneigung unangenehm, geht es darum, dass sich zwei Männer in der Öffentlichkeit küssen, ist dies sogar 38 Prozent unangenehm und nur noch einem Viertel egal.

Ganz ähnlich sieht die Einschätzung aus, wenn es um den Wunsch nach sozialer Distanz geht, ein alt bewährter Indikator für negative Einstellungen gegenüber diversen Gruppen. Hier wird deutlich: Je unmittelbarer die Befragten in ihrem Alltag mit Homosexualität konfrontiert sind, desto unangenehmer finden sie die Vorstellung und desto seltener ist ihnen dies egal. So ist nur rund zwölf Prozent die Vorstellung unangenehm, eine Arbeitskollegin könnte lesbisch bzw. ein Arbeitskollege schwul sein. Die Vorstellung, die Kita-Betreuerin des eigenen Kindes könne lesbisch sein, finden schon fast 20 Prozent unangenehm bzw. sogar 24 Prozent, wenn es um einen schwulen Kita-Betreuer geht. Und rund 40 Prozent finden die Vorstellung die eigene Tochter könne lesbisch bzw. der eigene Sohn schwul sein unangenehm. Dies scheint nicht durch die Sorge vor Diskriminierung des eigenen Kindes motiviert, finden die gleichen Befragten doch zugleich häufiger, die Toleranz gegenüber Lesben und Schwulen werde heutzutage übertrieben. Die Einstellungen gegenüber schwulen Männern sind durchweg noch etwas negativer als gegenüber lesbischen Frauen.

Einstellungsunterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen

Ähnlich wie bei abwertenden Einstellungen gegenüber kulturellen und religiösen Minderheiten unterscheiden sich auch bei Homophobie Bevölkerungsgruppen je nach Alter, Bildung, Geschlecht, Religionszugehörigkeit usw. voneinander. Diese Unterschiede liefern in der Regel selbst keine unmittelbare Erklärung für homophobe Einstellungen und Verhaltensweisen. Vielmehr sind sie ihrerseits mit Faktoren verknüpft, die eine inhaltliche Erklärung bieten.

Im Durchschnitt neigen Männer in der ADS-Studie, wie in vielen anderen Studien belegt,[23] stärker zu homophoben, insbesondere schwulenfeindlichen Einstellungen als Frauen (29 Prozent versus 15 Prozent).[24] Eine Erklärung hierfür lässt sich aus der vielfach empirisch geprüften Theorie der Sozialen Identität bzw. der Selbstkategorisierungstheorie ableiten.[25] Demnach versuchen Menschen die Differenz zwischen ihrer eigenen Gruppe, mit der sie sich selbst identifizieren und aus deren Zugehörigkeit sie Selbstwert schöpfen, zu einer jeweiligen Fremdgruppe, der sie sich selbst nicht zugehörig fühlen, möglichst groß zu machen. Dazu nutzen sie insbesondere solche Merkmale, die ihnen selbst wichtig sind. So dürfte der Wunsch von Männern, die sich heterosexuell identifizieren, nach größtmöglicher Differenzierung zu schwulen Männern eine Rolle spielen, sozusagen als lautstarker Ausdruck gegen den Verdacht, vielleicht selbst auch homosexuelle Neigungen zu haben. Vielen Frauen dürfte die demonstrative Abgrenzung gegenüber lesbischen Frauen weniger notwendig erscheinen, weil hier die tradierte Vorstellung von weiblicher Sexualität nachwirken könnte, die weniger ausgeprägt und schon gar nicht unabhängig von einem Mann vorstellbar sei, zumindest nicht bei einer anständigen Frau.[26] Empirisch bestätigt sich, dass insbesondere solche Personen, die einer starken heterosexuellen Männlichkeitsnorm unterliegen, zu Homophobie neigen.[27] In der ADS-Studie suchen (heterosexuelle) Männer allerdings nicht nur soziale Distanz zu schwulen Männern, sondern fast genauso häufig auch zu lesbischen Frauen.

Alter, Bildung und Migrationshintergrund als Faktoren

Weitere Faktoren sind das Alter, die Bildung und der Migrationshintergrund. Ältere Personen ab 60 Jahren neigen häufiger zu homophoben Einstellungen als jüngere (33 Prozent vs. 14 Prozent der unter 30-Jährigen). Ebenso vertreten Personen mit niedrigerer Schulbildung häufiger homophobe Einstellungen als jene mit mittlerer bzw. höherer Schulbildung (30 Prozent versus 21 Prozent versus 13 Prozent). Zudem teilen Personen mit Migrationshintergrund häufiger homophobe Einstellungen als jene ohne Migrationshintergrund (34 Prozent versus 19 Prozent). Eine größere Verbreitung von Ressentiments gegenüber Lesben und Schwulen lässt sich auch bei Schüler*innen mit Zuwanderungsgeschichte aus der Türkei, arabischen Ländern oder Ländern der früheren Sowjetunion und Ex-Jugoslawiens beobachten. Hier ist allerdings auch das Bildungsniveau bzw. der Schulkontext von Bedeutung: Während vor allem Hauptschüler*innen mit migrantischem Hintergrund aus diesen Ländern zu Homophobie neigen, unterscheiden sich Gymnasiasten mit und ohne migrantischen Hintergrund kaum voneinander.[28] Diese demografischen Faktoren verweisen auf die Bedeutung der Sozialisation in einem spezifischen kulturellen Kontext, geprägt durch Traditionen, Religion und Gewohnheiten. Diese werden über Generationen mehr oder weniger stark weitergetragen, können sich aber dennoch über die Zeit hinweg langsam ändern, sodass beispielsweise jüngere Personen inzwischen weniger homophob sind als ältere. Wenn Personen in Milieus bzw. Kulturen sozialisiert sind, in denen die schon angesprochenen Männlichkeitsnormen und Geschlechterstereotype vorherrschen und in denen Homophobie selbstverständlich ist, ist die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung und Äußerung eigener homophober Einstellungen wahrscheinlicher. Hierbei spielt auch die Religion bzw. genauer die Religiosität eine Rolle. Personen, gleich welcher Religion, die sich selbst als religiös definieren und insbesondere jene, die ein fundamentalistisches Verständnis von Religion haben, d. h. ihre eigene Religion als die einzig wahre betrachten, neigen deutlich häufiger zu homophoben Einstellungen.[29]

Wissen und Annahmen über Lesben, Schwule und Bisexuelle

Homophobe Einstellungen sind auch dann wahrscheinlicher, wenn es an faktischem Wissen über Homosexualität und homosexuelle Personen fehlt.[30] Wie die ADS-Studie zeigt, weiß die Mehrheit der Bevölkerung im Einklang mit der gegenwärtigen Forschungslage[31], dass sexuelle Orientierung biologisch beeinflusst wird, z. B. genetisch oder "durch Hormone in der Schwangerschaft" (59%). Allerdings glaubt umgekehrt ein nicht unerheblicher Anteil der Bevölkerung nach wie vor entgegen dem Forschungsstand eine Person sei homosexuell, "weil sie schlechte Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht hat" (30%), verführt worden ist (19%) oder "ihre Eltern sie anders erzogen haben als die meisten Eltern" (14%).[32] Darüber hinaus wissen zwei von drei Personen, dass sich "Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen [genauso gut entwickeln] wie Kinder, die bei Paaren aus Mann und Frau aufwachsen", ein Drittel glaubt dies jedoch trotz der vorhandenen Forschungsbefunde nicht.

Berücksichtigung lesbischer, schwuler und bisexueller Personen in der Schule

Ein wichtiges Feld für die Prävention und Intervention gegen die Abwertung lesbisch, schwuler und bisexueller Personen ist die Schule. Zum einen erreicht die Schule potenziell jeden in der Kindheit und Jugend, also einem Alter, dass für die Herausbildung von Einstellungen besonders wichtig ist. Zum anderen fällt in diese Zeit oft die Selbstfindung der eigenen Sexualität und damit die mögliche Entdeckung der eigenen Bi- oder Homosexualität,[33] sodass Jugendliche in dieser schwierigen Zeit besonders vulnerabel sind, wenn sie Abwertung oder Ignoranz erfahren. Einem Beschluss des Europarats[34] folgend haben in den letzten Jahren viele Bundesländer die Zielsetzung der Akzeptanz oder zumindest Toleranz sexueller Vielfalt in ihre Lehr- und Bildungspläne aufgenommen.[35] Dagegen gab es Widerstand durch christlich-fundamentalistische Gruppen,[36] die "Sexualisierung" und eine "Ideologie des Regenbogens" befürchten.[37] Doch wie stark sind diese Befürchtungen in der Gesamtbevölkerung verbreitet? Ein Viertel der Befragten der ADS-Studie ist der Meinung, beim Thema Liebe und Partnerschaft in der Schule sollten nur heterosexuelle Paare aus Mann und Frau vorkommen, 29 Prozent vermuten, Kinder könnten durch das Ansprechen von sexueller Vielfalt in ihrer Sexualität "verwirrt" werden. Eine große Mehrheit von 85 Prozent spricht sich jedoch dafür aus, verschiedene sexuelle Orientierungen in der Schule zu thematisieren und sogar 90 Prozent unterstützen das Ziel, den Schüler*innen Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Personen zu vermitteln. Bisher werden diese Ziele in der Schule jedoch kaum umgesetzt: Zwei von drei der unter 30-jährigen Befragten, die entweder noch zur Schule gehen bzw. deren Schulzeit noch nicht so lange her ist, berichten, dass ihre Lehrkräfte während der gesamten Schulzeit nicht ein einziges Mal Unterrichtsbeispiele oder Schulmaterialien verwendet hätten, in denen auch lesbische, schwule oder bisexuelle Personen vorkamen.

Weite Verbreitung von Beleidigungen auf dem Schulhof

Auf Schulhöfen sind "Schwuchtel" oder "Lesbe" als Beleidigungen weit verbreitet.[38] Etwa die Hälfte der Sechstklässler*innen lästert über andere Personen, weil diese für lesbisch oder schwul gehalten werden oder sich nicht geschlechtskonform verhalten. Hierbei spielen weniger die eigenen Einstellungen eine Rolle, als vielmehr die Verbreitung solcher Schimpfworte im Freundeskreis und die Reaktion darauf.[39] Jugendliche bevorzugen gruppenbezogene Beleidigungen wie "Spast", "Penner" oder "Schwuchtel" umso mehr, je stärker das auch ihre Freund*innen tun und je wohlwollender diese auf die eigene Verwendung reagieren.[40] Die meisten Lehrkräfte intervenieren nur unregelmäßig gegen homophobe Beschimpfungen und ignorieren das Thema ansonsten.[41] Auch das Leid der Betroffenen bleibt häufig unerkannt: So war es beispielsweise nur elf Prozent der Lehrkräfte in einer Umfrage an Berliner Schulen bewusst, dass Lesben, Schwule und Bisexuelle deutlich häufiger als Heterosexuelle versuchen, ihrem Leben ein Ende zu setzen.[42]

Ob die Lehrkräfte sich für lesbische, schwule und bisexuelle Schüler*innen einsetzen, hängt davon ab, ob sie meinen sich mit dem Thema auszukennen und zu wissen, wie sie intervenieren können.[43] Hilfreich sind zudem unterstützende Richtlinien, passende Materialien und das Bewusstsein, dass sehr wahrscheinlich auch einige der eigenen Schüler*innen homo- oder bi-sexuell sind. Fast die Hälfte der unter 30-jährigen Befragten der ADS-Studie sagte, keine*r ihrer Mitschüler*innen sei offen mit einer homosexuellen Orientierung umgegangen, sogar 74 Prozent sagten dies von den Lehrkräften. In vielen Schulen fühlen homosexuelle Schüler*innen und Lehrkräfte offenbar keine ausreichende Akzeptanz für ein Coming-out und haben auch kein positives Vorbild durch die Lehrkräfte bzw. Kolleg*innen.[44]

Homophobie als Indikator einer Ideologie der Ungleichwertigkeit

Homophobie ist in der Regel kein singuläres Phänomen, sondern geht Hand in Hand mit der Zustimmung oder Ablehnung von Gleichwertigkeit diverser sozialer Gruppen bzw. von Personen, die diesen Gruppen anhand von Merkmalen wie der sexuellen Orientierung, des Geschlechts, der ethnisch, kulturellen oder religiösen Herkunft zugewiesen werden. Homophobie ist in diesem Sinne Element eines Syndroms Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, gespeist aus einer Ideologie der Ungleichwertigkeit, die nicht allein lesbische, schwule und bisexuelle Menschen trifft, sondern eine ganze Reihe weiterer sozialer Gruppen, denen Gleichwertigkeit abgesprochen wird. So hängt beispielsweise die Neigung zu Sexismus – also der Befürwortung von Ungleichwertigkeit zwischen Frauen und Männern bzw. von traditionellen Geschlechterrollen, die Ungleichheit zu Lasten von Frauen befördern – deutlich mit Homophobie zusammen: Wer Frauen abwertet, wertet mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auch lesbische, schwule und bisexuelle Personen ab. Gleiches gilt etwa auch für Antisemitismus, Rassismus und die Abwertung von Muslimen, die ebenfalls oft mit homophoben Einstellungen einhergehen.[45] Entsprechend finden sich homophobe Einstellungen häufiger bei Personen, die rechtspopulistisch orientiert sind bzw. eine Partei wie die Alternative für Deutschland (AfD) präferieren, die sich gegen Anstrengungen zur Förderung von Gleichwertigkeit verschiedener sozialer Gruppen ausspricht.[46] Akteur*innen der AfD fallen durch ihre Verhöhnung von "Genderthemen" auf, in ihrem Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2017 lehnt die Partei explizit den Equal Pay Day und die Thematisierung sexueller Vielfalt in der Schule ab und propagiert ein klassisches Familienmodell mit Vater, Mutter und mehreren Kindern.[47]

Homophobie abbauen

Für den Abbau von Homophobie ist zunächst insbesondere die Vermittlung von Wissen von Bedeutung, durch das Ängste und Unsicherheiten abgebaut werden können.[48] Zudem hilft die persönliche oder vermittelte Erfahrung durch Kontakt mit lesbischen, schwulen oder bisexuellen Personen, wie dies die Kontaktforschung auch in Bezug auf andere, z.B. ethnisch markierte Gruppen immer wieder nachweist.[49] Deutschlandweit gibt es daher inzwischen über 50 Aufklärungsprojekte, die ehrenamtlich Schulen und Jugendeinrichtungen besuchen. Hier berichten junge Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Personen von ihren Coming-out-Erfahrungen und stellen sich den (anonymen) Fragen der Jugendlichen.[50] Der Einfluss der Religiosität zeigt, wie wichtig beispielsweise auch in der religiösen Erziehung und Botschaft die Thematisierung von Gleichwertigkeit ist. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist es, rigide Geschlechternormen aufzuweichen, die letztlich nicht nur lesbische, schwule und bisexuelle, sondern alle Menschen in ihren Handlungsmöglichkeiten unnötig einengen. Dies gilt für alle Bevölkerungsgruppen gleich ihres kulturellen oder religiösen Herkunftskontexts.

Es gilt die Verbreitung homophober Einstellungen klar zu benennen, und zwar sowohl mit Blick auf die Mehrheitsbevölkerung als auch Communitys mit Migrationerfahrung. Es sei davor gewarnt, dabei in die Falle der Übergeneralisierung zu tappen, pauschal einer ganzen Bevölkerungsgruppe, wie etwa allen Muslimen, Eingewanderten oder Geflüchteten Homophobie zu unterstellen und damit einen Anlass zur Rechtfertigung von Vorurteilen gegen diese Bevölkerungsgruppen Vorschub zu leisten. Der Fingerzeig auf die jeweils "anderen" dient allzu leicht als willkommene Aufwertung der "eigenen Gruppe" und als Ablenkung von den nach wie vor verbreiteten homophoben Einstellungen auch in der alteingesessenen Bevölkerung. Vielmehr unterstreichen die Befunde noch einmal die Bedeutung der Erziehung zu und Erfahrung von Gleichwertigkeit, die diverse abgewertete soziale Gruppen einschießen muss. Hier ist der Ansatzpunkt für Prävention und Intervention, der alle Bevölkerungsgruppen einer Einwanderungsgesellschaft gleichermaßen einschießt und welche die Gleichwertigkeit aller, unabhängig von sexueller Orientierung, Geschlecht, Religion, Einwanderungshintergrund usw. zum Ziel hat.

Fußnoten

1.
De Beauvoir, Simone (1949/2000): Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau (Neuaufl). Hamburg: Rowohlt.
2.
Sigusch, Volkmar (2010): Homosexuelle zwischen Verfolgung und Emanzipation. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 15-16/2016, 3-7. Ein kurzer Abriss der Geschichte der Verfolgung und Diskriminierung homosexueller Personen findet sich auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung [10.10.2017].
3.
AfD-Grundsatzprogramm unter: www.alternativefuer.de; S. 54-55 [28.11.2017].
4.
Einstellungen gegenüber Trans* und Inter*-Personen sind im vorliegenden Beitrag nicht das Thema. Allerdings weisen Studien darauf hin, dass die Abwertung von homosexuellen und von Trans*-Personen eng zusammenhängt und sich grundsätzlich ähnliche Muster abzeichnen, etwa bei Unterschieden zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Zu den Einstellungen gegenüber Trans* und Inter*-Personen liegt bislang in Deutschland aber noch wenig Erkenntnisse vor, hier gibt es einen klaren Nachholbedarf an Forschung.
5.
Küpper, Beate/Klocke, Ulrich/Hoffmann, Lena-Carlotta (2017): Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland. Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage. Hg. v. Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Baden-Baden: Nomos.
6.
Mummendey, Amelie/Otten, Sabine (2004): Aversive discrimination. In M.B. Brewer & M. Hewstone (Hrgs.), Emotion and motivation (S. 298-318). Malden: Blackwell.
7.
Zur Diskussion verschiedener Begrifflichkeiten siehe u.a. Herek, Gregory M. (2004): Beyond "homophobia": Thinking about sexual stigma and prejudice in the twenty-first century. Sexuality Research and Social Policy, 1(2), 6-24.
8.
Dreier, Katrin/Kugler Thomas/Nordt, Stefanie (2012): Glossar zum Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt im Kontext von Antidiskriminierung und Pädagogik. In: Bildungsinitiative Queerformat und Sozialpädagogisches Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Handreichung für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, Berlin 2012. [12.10.2017].
9.
Deutscher Bundestag, Drucksache 18/13255 [8.12.2017], S. 4. Antwort auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Volker Beck zu homo- bzw. transphob motivierten Straftaten im 1. Halbjahr 2017 . [6.3.2017].
10.
Allport, Gordon W. (1954): The nature of prejudice. Reading, MA: Addison-Wesley.
11.
Küpper et al. (2017)
12.
FRA – European Union Agency for Fundamental Rights (2013): European Union lesbian, gay, bisexual and transgender survey: Results at a glance. Luxembourg: Publications Office of the European Union. [12.10.2017]. Beigang, Steffen/Fetz, Karolina/Foroutan, Naika/Kalkum, Dorina/Otto, Magdalena (2016): Diskriminierungserfahrungen in Deutschland – Erste Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung und einer Betroffenenbefragung. Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Berlin. Zugriff am 29.03.2017 [6.10.2017].
13.
Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2017: Diskriminierung in Deutschland. S.230, Abb. 42..
14.
Ebd., S. 254. [12.10.2017].
15.
Kappel, Nadine/Küpper, Beate (2017): "Nur weil man es nicht sieht, heißt es nicht, dass es nicht existiert". Studie zum Diskriminierungserleben und Wohlbefinden aus Sicht betroffener Lesben und Schwuler. Journal Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW, 39, 55-65; ergänzt um eigene Auswertungen für diesen Beitrag.
16.
Zick, Andreas/Küpper, Beate/Krause, Daniela (2016): Gespaltene Mitte - Feindselige Zustände. Rechtextreme Einstellungen in Deutschland 2016. Hrsg. von Melzer, Ralf/Molthagen, Dietmar für die Friedrich-Ebert-Stiftung.
17.
Küpper et al. (2017).
18.
Heitmeyer, Wilhelm (2002-2012): Deutsche Zustände, Folge 1-10. Frankfurt a.M./Berlin: Suhrkamp.
19.
Zick, Andreas/Preuß, Madlen unter Mitarbeit von Berghan, Wilhelm/Bause, Niklas (2014): ZuGleich - Zugehörigkeit und (Un)Gleichwertigkeit. Ein Zwischenbericht. Stiftung Mercator.
20.
Zick, Andreas/Klein, Anna (2014): Fragile Mitte - feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2014. Hrsg. von Melzer, Ralf für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Bonn: Dietz.
21.
Küpper et al. (2017)
22.
Decker, Oliver/Kiess, Johannes/Brähler, Elmar (2016): Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland: die Leipziger „Mitte“-Studie 2016. Gießen: Psychosozial-Verlag. Zugriff am 27.01.2017. Verfügbar unter www.rosalux.de [14.10.2017].
23.
Z.B. weist die Langzeitstudie zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in allen Erhebungsjahren auf eine größere Verbreitung von Homophobie unter Männern als unter Frauen. Küpper, Beate/Zick, Andreas (2011): Geschlecht und Vorurteile. Eine empirische Analyse. In: Birsl, Ursula (Hrsg.): Rechtsextremismus und Geschlecht. Opladen, S. 187-210.
24.
Die Prozentangaben hier und im Folgenden bilden die Zustimmung auf einer Gesamtskala Homophobie ab, in die klassische, moderne und affektive Ausdrucksformen von Homophobie eingeflossen sind (z.B. die Ansicht, Homosexualität sei unmoralisch und die Forderung, Homosexuelle sollten nicht so viel Wirbel um ihre Homosexualität machen). Details zu der Skala finden sich in der ADS-Studie bei Küpper/Klocke/Hoffmann
25.
Tajfel, Henri/Turner, John C. (1986): The social identity theory of intergroup behavior. In: Worchel, Stephen/Austin, William G. (Hrsg.): Psychology of Intergroup Relations. 2. Aufl. Chicago: Nelson-Hall: 7-24.
26.
De Beauvoir, Simone (1949/2000).
27.
Whitley, Bernard E., Jr. (2001): Gender-role variables and attitudes toward homosexuality. Sex Roles, 45, 691-721.
28.
Baier, Dirk/Pfeiffer, Christian (2011): Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt in Berlin. In Landeskommission Berlin gegen Gewalt (Hrsg.), Berliner Forum Gewaltprävention (Bd. 114). Berlin: Druckhaus Berlin – Mitte GmbH. Zugriff am 04.10.2017. [14.10.2017].
29.
Whitley, Bernard E., Jr. (2009): Religiosity and attitudes toward lesbians and gay men: A meta-analysis. International Journal for the Psychology of Religion, 19, 21-38.
30.
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Küpper et al. (2017).
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Krell, Claudia/Oldemeier, Kerstin (2015): Coming-out – und dann...?! Ein DJI-Forschungsprojekt zur Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen. München: Deutsches Jugendinstitut e. V.
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Ministerkomitee des Europarates. (2010). Empfehlung des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten über Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität [29.9.2017]
35.
Eine Zusammenstellung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags findet sich hier [12.10.2017]:
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Kramer, Bernd (2015): Proteste gegen Sexualkunde: Wer sind die "besorgten Eltern"? SPIEGEL ONLINE [5.12.2017].
37.
Stängle, Gabriel (2013): Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens. [29.9.2017].
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Klocke, Ulrich (2012): Akzeptanz sexueller Vielfalt an Berliner Schulen: Eine Befragung zu Verhalten, Einstellungen und Wissen zu LSBT und deren Einflussvariablen. Berlin: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. [6.10.2017].
39.
Poteat, V. Paul (2008): Contextual and Moderating Effects of the Peer Group Climate on Use of Homophobic Epithets. School Psychology Review, 37, 188-201
40.
Klocke, Ulrich/Peschel, J. (2017): „Spast! Schwuchtel! Kanake!“ Gruppenbezogene Beleidigungen unter Jugendlichen: Verbreitung und Einflussfaktoren. Vortrag auf der 16. Tagung der Fachgruppe Sozialpsychologie der DGPs, Ulm.
41.
Küpper et al. (2017).
42.
Klocke (2012).
43.
Klocke, Ulrich., Latz, Sabrina, & Scharmacher, Julian (2016): Schule unterm Regenbogen? Einflüsse auf die Berücksichtigung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt durch Lehrkräfte. Unveröffentlichtes Manuskript, Institut für Psychologie, Humboldt-Universität zu Berlin. Institut für Psychologie. Humboldt-Universität zu Berlin.
44.
Küpper et al. (2017).
45.
Groß, Eva/Zick, Andreas/Krause, Daniela (2012): Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Aus Politik und Zeitgeschichte, 62, 11–18.
46.
Zu homophoben Einstellungen nach Parteienpräferenz s. Küpper et al. (2017), S. 91 und Zick/Küpper/Krause (2016), S.66/67. Zum Zusammenhang zwischen homophoben und rechtspopulistischen Einstellungen ebd., S. 140.
47.
Siehe dazu das Wahlprogramm der Partei für die Bundestagswahl 2017.
48.
Bartoş, Sebastian E./Berger, Israel/Hegarty, Peter (2014): Interventions to reduce sexual prejudice: A study-space analysis and meta-analytic review. Journal of Sex Research, 51(4), 363-382.
49.
Pettigrew, Thomas F./Tropp, Linda R. (2006): A meta-analytic test of intergroup contact theory. Journal of Personality and Social Psychology, 90, 751-783.
50.
www.queere-bildung.de [6.10.2017]
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