kulturelle Bildung
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"Integration ist bei uns Alltag"


10.3.2011
Der Kunstbereich der Rosa-Parks-Schule engagiert sich seit vielen Jahren dafür, über gemeinsames künstlerisches Schaffen Barrieren zwischen den aus unterschiedlichen Kulturen stammenden Schülerinnen und Schülern abzubauen. Diese kreative Öffnung setzt sich in einer langfristig angelegten kulturellen Schulentwicklung fort.

Bunt und kreativ gestalten Schülerinnen und Schüler der Rosa-Parks-Gesamtschule "Kunstwege zur Integration". Foto: Ursula Zacher-RenzBunt und kreativ gestalten Schülerinnen und Schüler der Rosa-Parks-Gesamtschule "Kunstwege zur Integration". (© Ursula Zacher-Renz)
Es ist laut, groß und unübersichtlich im Inneren des gewaltigen Schulkomplexes in Herten aus dem Jahr 1976, der sich heute Rosa-Parks-Schule nennt. Die Schule beschreitet seit vielen Jahren "Kunstwege zur Integration", mit künstlerischen Kooperationsprojekten und einer längerfristig angelegten Schul-Profil-Bildung. Herten ist eine der Kommunen im nördlichen Ruhrgebiet, die auf der Suche nach neuen Ressourcen im Strukturwandel auf ambitionierte Bildungs- und Integrationskonzepte setzt. Es ist kurz nach zehn, kleine Pause. Etwa 1.150 Schülerinnen und Schüler besuchen die Rosa-Parks-Schule, mehr als 50 Prozent von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Kinder lachen und rennen durch das Labyrinth aus Räumen, voll von bunten Wänden, Bildern, Geräuschen. Es wird gelernt, gelacht und gestritten - wie in allen anderen Schulen auch.

Gemeinsame Namensfindung



Erst auf den zweiten Blick werden die Besonderheiten dieser Schule sichtbar. Im Jahr 2005 hat die Schule die seit ihrer Gründung durch eine starke soziale und ethnische Heterogenität ihrer Schülerschaft gekennzeichnet ist, angefangen, ein neues Identifikations- und Integrationsmodell zu erarbeiten. "Besonders positiv hier an der Schule ist, dass sich die Schulleitung, gemeinsam mit dem Kollegium und mit der Schülerschaft und Elternschaft auf den Weg gemacht hat, der Schule ein neues Profil zu geben. Schon bei der Namensgebung hat ein breiter Beteiligungsprozess stattgefunden", erklärt Ulrich Stromberg, Fachbereichsleiter für Bildung, Kultur und Sport der Stadt Herten.

Eine Findungskommission, entstanden aus einer Schülerinitiative, wurde damit beauftragt, den neuen Namen zu suchen. Nach einem langen Prozess der Diskussionen und Abstimmungen wurden die Vorschläge in Gremien der Schule und der Stadt Herten vorgestellt und beschlossen. Seit dem Schuljahr 2008/09 trägt die Schule den Namen "Rosa-Parks-Schule: Gesamtschule der Stadt Herten" und stellt sich in die Tradition ihrer Namensgeberin. Rosa Parks (1913 – 2005) widersetzte sich im Jahr 1955 der Willkür der US-amerikanischen Rassentrennungsgesetze, die der afroamerikanischen Bevölkerung das Leben erschwerten. Sie verteidigte mutig den Anspruch auf einen Sitzplatz in einer der vorderen Reihen des Busses, die eigentlich Weißen vorbehalten waren. So wurde sie zu einer Ikone der Bürgerrechtsbewegung und setzte mit ihrem Verhalten ein wichtiges Zeichen gegen die Diskriminierung der farbigen Bevölkerung in den USA.

Kunst als Weg zu Selbstermächtigung und Integration



Schülerinnen und Schüler der Rosa-Parks-Schule haben ihre Bushaltestelle selbst gestaltet. Foto: Ursula Zacher-RenzSchülerinnen und Schüler der Rosa-Parks-Schule haben ihre Bushaltestelle selbst gestaltet. (© Ursula Zacher-Renz)
Raum zur Ermutigung selbstbestimmten Handelns bietet seit dem Jahr 2006 das Schüleratelier an der Rosa-Parks-Schule, in dem die Schülerinnen und Schüler nach dem Unterricht frei arbeiten und sich künstlerisch betätigen können. Derzeit wird das Atelier neu eingerichtet und so auch dem gestiegenen Platzbedarf Rechnung getragen. Doch nicht nur im Inneren der Schule, auch im Außenbereich sind die Neuerungen sichtbar. In der Gestaltung von Bushaltestellen im Umfeld der Schule zum Beispiel wurden Entwürfe von Schülern realisiert.

Weitere "Kunstwege zur Integration", ein Sammelbegriff für viele unterschiedliche Aktionen und Kunstprojekte der letzten Jahre, wurden beschritten. Der Künstler Aloys Cremers realisierte mit Schülerinnen und Schülern zum Beispiel Kunstaktionen in einem leerstehenden Hertener Gefängnis und reflektierte so die Themen "Abschiebung" und "Integration" an diesem besonderen Ort. Ein Schüler berichtet darüber: "Die Kunst hat die Räume deutlich verändert. Aus dem Gefängnis wurde ein künstlerischer Ort, die Motive, die wir benutzt haben, waren mitten aus dem Leben gegriffen."

Mit dem Bildhauer Ernst Barten wurden Modelle gebaut, und es entstanden Skulpturen für den öffentlichen Raum, die auf dem Schulgelände der Rosa-Parks-Schule installiert wurden.

"Integration ist hier an der Gesamtschule gelebte Schulkultur", bringt Sabine Weißenberg, Vertreterin des Kulturamtes der Stadt Herten und Kooperationspartnerin im Projekt "Kunstwege zur Integration", es auf den Punkt. "An vielen Schulen wird kulturelle Bildung gefördert, an anderen nur geduldet", weiß sie aus ihren Arbeitsalltag zu berichten und bedauert, dass die Kultur an einigen Schulen noch immer keinen gleichberechtigten Stellenwert hat.


 


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