kulturelle Bildung
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UNESCO und die kulturelle Bildung


20.5.2011
Auf UNESCO-Ebene ist die kulturelle Bildung im Aufwind: Nicht zuletzt die Einrichtung von UNESCO-Lehrstühlen und die Veranstaltung zweier Weltkonferenzen innerhalb von vier Jahren zeigen, dass das Thema eine immer wichtigere Rolle spielt.

Kreatives Lernen und Persönlichkeitsentwicklung werden in kulturellen Bildungsprojekten überall auf der Welt gefördert. Auch die globale und regionale Politik hat das Thema kulturelle Bildung entdeckt. Foto: Schüler im Tanzwettbewerb in Kim-Po Stadt, Südkorea © artEzine, Kaces.Kreatives Lernen und Persönlichkeitsentwicklung werden in kulturellen Bildungsprojekten überall auf der Welt gefördert. Auch die globale und regionale Politik hat das Thema kulturelle Bildung entdeckt. (© artEzine, Kaces.)

Warum UNESCO die kulturelle Bildung entdeckt hat



Die verheerenden Erfahrungen von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg führten nicht nur zur Gründung der Vereinten Nationen/UN. Schnell entstand auch der Wunsch nach einer Organisation, die - unter dem Dach der UN - die Durchsetzung der Menschenrechte, die Förderung einer "Kultur des Friedens und der Demokratie" und des Rechts auf Bildung vorantreiben sollte. Die UNESCO, 1945/1946 gegründet, nahm sich dies vor allem in drei Bereichen vor: Bildung, Wissenschaft und Kultur (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization).

Bekannt wurde die UNESCO zunächst vor allem durch die Maßnahmen zum Schutz von Kulturgut, erst durch die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (1954), später durch die Welterbe-Konvention ("Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt", 1972). Doch Schutz von Bedrohtem, Bewahrung von Erhaltenswertem muss immer auch in eine nach vorne, in die Zukunft schauende, sowie eine bildungsorientierte Strategie eingebunden sein. Wie eng der Zusammenhang zwischen Bewahrung objektiven Kulturguts und der Bildung subjektiver Haltungen in der Bevölkerung ist, zeigte sich 2008/2009 in Dresden: Die Mehrheit der Bevölkerung hat sich in einem demokratischen Verfahren für den Bau einer Brücke über die Elbe entschieden und damit nicht nur die Störung der als Welterbe geschützten Kulturlandschaft Dresdner Elbtal in Kauf genommen, sondern zugleich auch die mit der Entscheidung verbundene Aberkennung des Titels "Welterbe". Verkehrsvorteile wogen offensichtlich schwerer als Kultur- und Anerkennungsverlust. War das ein Versagen kultureller Bildung?

Wenn geschützte Kultur darüber hinaus nicht nur bewahrt, sondern auch noch gefördert und weiterentwickelt werden soll, sind entsprechende Bildungsprozesse unabdingbar. So kommt an dieser entscheidenden Stelle, auch unter dem Gesichtspunkt der UNESCO-Ziele, die kulturelle Bildung ins Spiel, die die Scharnierstelle zwischen Kunst/Kultur auf der einen und Bildung/Erziehung auf der anderen Seite darstellt (Analoges gilt auch für die Politische Bildung oder für eine Bildung im Hinblick auf Nachhaltigkeit). Doch für die "ressortübergreifende" kulturelle Bildung wurde selbst bei der UNESCO bislang noch kein systematisch sinnvoller Ort gefunden - wie auch bei fast allen nationalen Regierungen weltweit: Einmal gehört sie zur Kulturabteilung, einmal zur Bildung. Die Schaffung von UNESCO-Lehrstühlen zur kulturellen Bildung bietet hier eine elegante, ressortunabhängige Perspektive. Der weltweit zweite befindet sich seit 2010 in Deutschland, an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Die UNESCO-Weltkonferenz 2006 von Lissabon und die Road Map for Arts Education



Die UNESCO hat schon früh die Bedeutung und das Potenzial von kultureller Bildung erkannt, nicht nur für den sozialen Zusammenhalt von Gesellschaften, sondern auch für eine "Kultur des Friedens". So hat der damalige Generaldirektor Federico Mayor bereits 1999 gefordert: "In einer Zeit, in der sich die Familien und die sozialen Strukturen ändern – häufig mit negativen Konsequenzen für die Kinder, muss die Schule des 21. Jahrhunderts in der Lage sein, die damit entstehenden, neuen Aufgaben zu bewältigen. Dies gelingt am besten, wenn das Unterrichten von künstlerischen Werten und Themen einen besonderen Ort bekommt. Auf diese Weise kann die Kreativität, eine der herausragenden Eigenschaften des Menschen, gefördert werden. Kreativität ist unsere Hoffnung!" [1]


Fußnoten

1.
zitiert nach http://educ.queensu.ca/unesco/arts-and-learning.html
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„La Sarraz“ – Mediencollage von Lutz Dammbeck, Kulturhaus „Nationale Front“, Leipzig, 24. Juni 1984 (Szene, Ablaufplan, Regie: L. Dammbeck; Tanz: Fine; Filme: Teile von „Hommage à La Sarraz“, eine Collage alter deutscher Heimfilme, 16mm Fassung der Videoaufzeichnung der Herakles-Proben; Kamera: Thomas Plenert; Regie/Schnitt: L. Dammbeck; Diamaterial: L. Dammbeck; Musik: Life Jazz Lothar Fiedler, Hansi Noack, Gottfried Rößler, Thomas Hertel; Aufbau/Kaschur/Malaktion: Olaf Wegewitz, Hans Hendrik Grimmling, L. Dammbeck; Projektion: Dietrich Oltmanns, Norbert Wagenbrett), Foto: Karin Plessing
1982 hatte Lutz Dammbeck mit der Arbeit am Herkakles-Konzept als Szenarium für einen Experimentalfilm begonnen; nach der Ablehnung durch die DEFA entwarf er es als Rauminszenierung und Mediencollage neu. Mit seinen auf der Grundlage dieses Konzeptes entwickelten multimedialen Inszenierungen „La Sarraz“, „Herakles“ und „Realfilm“ näherte sich Dammbeck der deutschen Vergangenheit und der politischen und sozialen Realität in der DDR. Er wandte sich „dem Thema Faschismus“ zu, weil er für seine Generation die Möglichkeit sah, „unbelastet und scheinbar naiv nach beunruhigenden Phänomenen zu fragen. Fragen zum Beispiel nach Ursachen für die Fazination des Nazismus, nach der Wirkung der von ihm geweckten Bilder und Emotionen, bis in die Gegenwart hinein“. (L. D.)Dossier

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