kulturelle Bildung
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Länderbeispiel Südkorea: Kulturelle Bildung auf vielen Ebenen stärken


20.5.2011
Südkorea setzt seit 2004 verstärkt auf kulturelle Bildung, um die Lebensqualität in der gesamten Gesellschaft zu verbessern und die kulturellen Ressourcen der Nation zu stärken. Dazu wurde die Regierungseinrichtung KACES gegründet, die kulturelle Bildung in Korea auf verschiedenen Ebenen fördert.

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    Projekt: "Jeder spielt ein Instrument" in der kleinen Ban-chun-Grundschule in Ulsan, Korea, Foto: artEzine, KacesProjekt: "Jeder spielt ein Instrument" in der kleinen Ban-chun-Grundschule in Ulsan, Korea (© artEzine, Kaces)

    Entwicklung und Zielausrichtung der kulturellen Bildung in Korea



    In der Republik Korea (Südkorea) ist seit Ende der 1990er-Jahre mit der umfassenden Einführung der lokalen Selbstverwaltung die Zahl der Kultureinrichtungen wie Bibliotheken, Museen und Galerien deutlich angestiegen. Seit dieser Zeit wurden die kulturpolitischen Maßnahmen weiter ausgedehnt, so dass heute die Kultureinrichtungen vor Ort als Vermittler agieren und Initiativen von Künstlern sowie von Kunst- und Kulturorganisationen mit voranbringen konnten.

    Dennoch konzentriert sich das Interesse an Kunst und Kultur auf die überdurchschnittlich gebildete und materiell besser gestellte Oberschicht, die in der Hauptstadt Seoul angesiedelt ist. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Kulturpolitik meist nur ausgewählte Bevölkerungssegmente und nicht die breite Öffentlichkeit erreicht und dass kulturelle Bildung zwar in der Schule, aber nicht im Alltag ihren Platz hat, richtet die koreanische Regierung seit 2003 den Kurs der Bildungspolitik in Bezug auf Kunst und Kultur neu aus. Das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus sowie das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technik gaben im Jahr 2004 ein "Grundkonzept zur Förderung der künstlerischen Bildung" bekannt, und im Februar 2005 wurde KACES, der "Koreanische Dienst für künstlerische und kulturelle Bildung" gegründet. Diese Regierungsbehörde hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf Grundlage des zuvor verabschiedeten Gesetzes zur Förderung der Künste Projekte zur kulturellen Bildung ins Leben zu rufen und voranzubringen.

    Das Konzept der "künstlerischen und kulturellen Bildung" zielt darauf ab, die auf den Schulunterricht fokussierte fragmentarische und rein funktional ausgerichtete musische Erziehung mehr durch selbstbestimmtes und kreatives Lernen zu ersetzen. "Verbesserung der Qualität des kulturellen Lebens in der ganzen Gesellschaft" und "Stärkung der kulturellen Ressourcen der Nation" gelten als Ziele der kulturellen Bildung im Sinne des Gesetzes zur Förderung der Künste. Die Lebensqualität soll eher auf gesamtgesellschaftlicher Ebene durch Kunst und Kultur aufgewertet werden, anstatt auf diesem Gebiet nur Fachleute auszubilden. Das Gesetz betont auch, dass eine jede Person, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Position, Zugang zu musischer und kultureller Bildung haben sollte. Die koreanische Regierung will also ein Umfeld schaffen, das eine harmonische Persönlichkeitsentwicklung begünstigt und die Menschen für Kultur sensibilisiert, und in dem breite Gesellschaftsschichten aller Altersstufen in den Genuss musischer und kultureller Bildung kommen können. KACES-Projekte, die nach solchen Maßgaben betrieben werden, lassen sich grob einteilen in Bildung in Schulen und Gemeinden, Berufsausbildung, Forschung und Entwicklung, Öffentlichkeitsarbeit und internationale Zusammenarbeit.

    Kulturelle Bildung in der Schule



    Kulturelle Bildung gibt es in der Vorschule, Grundschule und Mittelschule sowie im Gymnasium. Im Jahr 2011 unterrichten 4.164 Kunstpädagogen an 5.772 Schulen der genannten Schularten im ganzen Land, auch in entlegenen Gebieten. KACES stellt Fördermittel für die außerschulische Bildung in acht Bereichen bereit: Handwerk, Gukak (traditionelle koreanische Musik), Comic und Animation, Tanz, Fotografie, Theater und Film. In diesem Jahr werden auch Literatur- und Musikerziehungsprogramme neu konzipiert. Da Fächer wie Kunsterziehung und Musik auf den Lehrplänen der Schulen stehen, werden entsprechend ausgebildete Lehrkräfte in den Schulen eingesetzt, während in den acht von KACES geförderten Fächern Kunsterzieher tätig werden, die unter Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt werden, die einen einschlägigen Hochschulabschluss haben und die über gewisse praktische Erfahrungen verfügen. Jährlich bietet KACES in jeder Schule etwa 200 Stunden kulturelle Bildung an. Das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus sowie 16 Stadt- und Provinzverwaltungen stellen die finanziellen Mittel bereit. Auch Lehrmaterialien und Ausrüstung wie Kameras und Camcorder werden in den Schulen für die Kunstpädagogen zur Verfügung gestellt.

    Außerdem hat KACES 25 kleinere Grundschulen mit weniger als 400 Schülern landesweit zu Pilotschulen für die kulturelle Bildung gekürt, an denen alle Schülerinnen und Schüler am Programm zur künstlerischen und kulturellen Bildung teilnehmen können. Mit dieser Maßnahme sollen Schulen in die Lage versetzt werden, ihre eigenen Pläne zur kulturellen Bildung zu erstellen, wodurch wiederum Ressourcen für musische und kulturelle Bildung geschaffen werden.


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1982 hatte Lutz Dammbeck mit der Arbeit am Herkakles-Konzept als Szenarium für einen Experimentalfilm begonnen; nach der Ablehnung durch die DEFA entwarf er es als Rauminszenierung und Mediencollage neu. Mit seinen auf der Grundlage dieses Konzeptes entwickelten multimedialen Inszenierungen „La Sarraz“, „Herakles“ und „Realfilm“ näherte sich Dammbeck der deutschen Vergangenheit und der politischen und sozialen Realität in der DDR. Er wandte sich „dem Thema Faschismus“ zu, weil er für seine Generation die Möglichkeit sah, „unbelastet und scheinbar naiv nach beunruhigenden Phänomenen zu fragen. Fragen zum Beispiel nach Ursachen für die Fazination des Nazismus, nach der Wirkung der von ihm geweckten Bilder und Emotionen, bis in die Gegenwart hinein“. (L. D.)Dossier

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