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kulturelle Bildung
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Spiegelbilder im Monitor

Kunst- und medienpädagogische Arbeit mit Computerspielen


28.9.2011
Kultureller Wandel und moderne politische Bildung sollten Kunst und Neue Medien berücksichtigen. Jugendliche suchen nach Partizipationsmöglichkeiten und finden diese auch im Internet und in Computerspielen. Eine kunst- und medienpädagogische Auseinandersetzung mit Netzaktivitäten erlaubt Einblicke in jugendliche Lebenswelten und bringt kommunikative Angebote mit sich.

Link zum Methodenbeispiel "Mein Avatar und Ich – Identitätsarbeit mittels Computerspielfiguren"

Workshop am 17.09.2010, Heinrich-Herz-Gymnasium ErfurtWorkshop am 17.09.2010, Heinrich-Herz-Gymnasium Erfurt

Politik, Kunst und Neue Medien



"Ich falle tief in ein schwarzes Loch. Und dann sehe ich kauzige Kreaturen." (Alice im Wunderland)

So beschreibt Alice im Wunderland ihre Träume. Ähnlich scheint es vielen zu gehen, die sich hineinwagen in die digitalen Welten der Spieler und Spielerinnen, der Clans und Gilden und jener, die sich in der digitalen Welt auf ihre Art und Weise ausdrücken. Dass das soziale Engagement der Szene sich mitunter als künstlerische und politische Beteiligungen darstellt, ist für viele wohl ebenso schwer vorstellbar wie ein sprechendes Kaninchen.

Was aber haben Politik, Kunst und Neue Medien miteinander gemein? Auf den ersten Blick zeigen sich grundlegendste Unterschiede. Während Politik auf Wissen, Analysen, Schlussfolgerungen und einen möglichst gesamtheitlichen Wertekanon aufbaut, beruht die Kunst auf Individualität, Subjektivität, Ambivalenzen, Unklarheiten und Emotionen. Diese Eigenschaften erlangen zunehmende Bedeutung in einer Gesellschaft die von Komplexität, uneindeutigen Wahrheitsgehalten und Orientierungsproblemen geprägt ist. Daher ist eine kulturelle oder künstlerische Herangehensweise der politischen Bildung vermutlich nicht nur ein möglicher, sondern vielmehr notwendiger Schritt. Jugendkultureller Selbstausdruck, die motivierende und mobilisierende, scheinbar nutzfreie Funktion von Kunst, ihre kommunikativen Eigenschaften und ihre offenen Aussagen, ohne eindeutige Interpretationsmechanismen, erlauben Suchbewegungen und schaffen Proberäume. Trotz vieler Bemühungen scheint es schwierig, künstlerische und kulturelle Ausdrucksweisen in die Bildung gänzlich zu integrieren. "Der Mainstream sucht sein Heil in verbindlichen Standards und entwickelt eine Aversion gegen künstlerische Qualitäten, die sich gängigen Bildanalysen entziehen und die kein Lehrplan formalisieren kann. Gemeint sind Begriffe wie das Widerständige, die Verweigerung, die Langeweile, das Schreckliche, das Verschwinden, das Hässliche, das Unsagbare, die Lust, das Gewalttätige und das Schöne – also genau das, was Kunst auszeichnet und worum es (...) gehen sollte." (Brenne 2008: 33)

Kunst ist ein Ausdrucksmittel ihrer Zeit mit den Mitteln ihrer Zeit. Das schließt auch interaktive Bildmedien ein.

Wer sich kompetent in den neuen virtuellen Räumen bewegt, partizipiert in sich formierenden Sozialsystemen, erlebt und gestaltet Verhaltenspraktiken und durchschaut ggf. kommerzielle Einflussnahme. Politische Bildung muss sich daher den Bildkompetenzen widmen, die die Analyse des Zeichenrepertoires und die symbolischen Formen einer Mediengesellschaft mit einschließt. (vgl. Glas 2008: 66). Wenn sich politische Bildung zur Aufgabe macht, an den subjektiven Lebensweltentwürfen von individuellen und (jugend-) kulturellen Erscheinungen anzusetzen, dann braucht es eine kulturell-politische Bildung, die deren ästhetische Kodes berücksichtigt.

Die Kunst als Weltenöffner – Zugänge zum Verstehen und Ausdrücken



Schon immer war es ein Phänomen des menschlichen Lebens, und insbesondere der Jugend, über die real erfahrbare Welt nach Welten der Möglichkeiten zu suchen (Schmid 2004: 400). Es ist der Wille eines jeden Individuums, an der Gestaltung seiner Welt und seiner Wirklichkeit teilzuhaben und die Macht der Möglichkeit zu besitzen – zu partizipieren.

Dem entgegen erscheint die Alltagswelt mitunter als zunehmend unfassbarer, undurchsichtiger und mittelbarer. So suchen sich Jugendliche die Räume, in denen sie sich als wirksam erleben – interaktive Medien und Kunst. Dies ist mehr als ein Impuls, der sich pädagogisch ausnutzen lässt. Es ist eine Grundlage des Mensch-Seins. Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu formuliert: "Mit Kunst, Literatur oder Theater kann man sich gegen die Verätzungen des Alltags wappnen. (...) Wenn ich Bücher und Stücke lese, Bilder ansehe, Musik höre, dann durchbreche ich die Monotonie. Ich werde offener, durchlässiger" (Zaimoglu 2010: 5). Künstlerische Ausdruckweisen passen in den unvermeidlichen Hedonismus von Jugendlichen. "Kunst und Medien schaffen immer neue Zugänge zum Verstehen des Wirklichen und liefern Beispiele für die Veränderbarkeit des Wirklichen durch gestaltende Eingriffe" (Bildungskommission NRW 1995: 109). Da jedoch Jugendliche im Erzeugen künstlerischer Produkte und Zielstellungen ein hohes Maß an Anspruch entwickeln, reicht bald spontanes Handeln und reiner Spaß nicht mehr aus. Selbstständig und mit Eifer nehmen sie Anstrengungen auf sich, die sie für Schule oder gar Politik nie in Kauf genommen hätten.


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„La Sarraz“ – Mediencollage von Lutz Dammbeck, Kulturhaus „Nationale Front“, Leipzig, 24. Juni 1984 (Szene, Ablaufplan, Regie: L. Dammbeck; Tanz: Fine; Filme: Teile von „Hommage à La Sarraz“, eine Collage alter deutscher Heimfilme, 16mm Fassung der Videoaufzeichnung der Herakles-Proben; Kamera: Thomas Plenert; Regie/Schnitt: L. Dammbeck; Diamaterial: L. Dammbeck; Musik: Life Jazz Lothar Fiedler, Hansi Noack, Gottfried Rößler, Thomas Hertel; Aufbau/Kaschur/Malaktion: Olaf Wegewitz, Hans Hendrik Grimmling, L. Dammbeck; Projektion: Dietrich Oltmanns, Norbert Wagenbrett), Foto: Karin Plessing
1982 hatte Lutz Dammbeck mit der Arbeit am Herkakles-Konzept als Szenarium für einen Experimentalfilm begonnen; nach der Ablehnung durch die DEFA entwarf er es als Rauminszenierung und Mediencollage neu. Mit seinen auf der Grundlage dieses Konzeptes entwickelten multimedialen Inszenierungen „La Sarraz“, „Herakles“ und „Realfilm“ näherte sich Dammbeck der deutschen Vergangenheit und der politischen und sozialen Realität in der DDR. Er wandte sich „dem Thema Faschismus“ zu, weil er für seine Generation die Möglichkeit sah, „unbelastet und scheinbar naiv nach beunruhigenden Phänomenen zu fragen. Fragen zum Beispiel nach Ursachen für die Fazination des Nazismus, nach der Wirkung der von ihm geweckten Bilder und Emotionen, bis in die Gegenwart hinein“. (L. D.)Dossier

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