kulturelle Bildung

Jerzy Mozkowicz: Die Erschaffung des Menschen

29.3.2006
Anders als bei den klassischen Schulfächern gehe es bei der Kunst- und Kulturerziehung nicht um Stoffvermittlung, meint Jerzy Moszkowicz. Erst kulturelle Bildung erreiche die Schaffung des Menschen.

Anders als bei den klassischen Schulfächern gehe es bei der Kunst- und Kulturerziehung nicht um Stoffvermittlung, meint Jerzy Moszkowicz. Erst kulturelle Bildung erreiche die Schaffung des Menschen. (© 2005 Bundeszentrale für politische Bildung)

  • Englische Textversion



    Ich denke, dass wir das Wort "Bildung" im Zusammenhang mit Kunst falsch benutzen. "Bildung" ist Mathematik, Bilologie – Kunst ist etwas anderes. Kultur ist etwas anderes. Wir benutzen diesen Ausdruck, weil wir keinen besseren besitzen, aber es geht hier nicht ums Lernen, auch nicht ums Unterrichten, sondern eher darum, sie in Kontakt mit Kultur und Künsten zu bringen. Das bringt vielfachen Nutzen. Natürlich ist es schwer, das in einfachen Worten zu beschreiben, denn es handelt sich hier nicht um direkten, meßbaren Nutzen. Kultur nützt dem ganzen Leben, das ist das entscheidende. Man hat also manchmal Probelem, wenn man über kulturelle Bildung in der Schule redet, den kulturelle Bildung ist ein wenig andere als der Rest der schulischen Bildung. Ich glaube, dass die kulturelle Bildung der wichtigste Teil der schulischen Bildung sein sollte. Unglücklicherweise ist sie es noch nicht, aber sie sollte es sein, wenn man über eine moderne Schule nachdenkt, die keine reine Lehranstalt ist, sondern auch Fenster für die Zukunft öffnet.

    Aber auch etwas anderes ist wichtig, besonders wichtig: Die Erschaffung des Menschen. Menschen können nicht ohne Kunst und Kultur leben, das beweist die Geschichte der Menscheit und ich glaube, dass gerade Kunst und Kultur es sind, die uns von anderen Lebewesen unterscheiden. Menschen haben die Kunst, sie sind Teil ihrer Menschlichkeit. Gefährlich ist im Moment, dass die Kunst verflacht. Unser Anliegen ist, dass sie nicht an der Oberfläche dümpelt, sondern tief im Menschentum verankert ist. Das ist eine Aufgabe für die Schule.

    In meinem Projekt drehen Kinde einen Film. Zwar gibt es eine ganze Reihe solcher Projekte, das besondere hier ist allerdings, dass wir Wert darauf legen, dass die Kinder oder jungen Leute den ganzen Film machen – Schritt für Schritt. Beim ersten Treffen geht es darum, warum wir den Film machen. Dieses "warum" meint: "Was ist unsere Botschaft?" Mit der Botschaft fangen wir an. Es geht also nicht nur darum Spaß zu haben, sondern auch darum, dass die Kinder das sagen haben beim ganzen Prozess: dem Schreiben des Drehbuchs, Vorbereitung der Dreharbeiten, Dreharbeiten usw. bis zur Erstaufführung. Unser Ziel ist, aus ihnen Menschen zu machen. Das zweite Ziel ist, sie zu weiseren Konsumenten der Kultur zu machen – vor allem der Popkultur, die der Weisheit des Konsumenten bedarf.

    Redaktion: Tatjana Brode
    Kamera: Eileen Kühne
    Schnitt: Oliver Plata
    Das Interview entstand auf dem europäischen Kongress "Lernen aus der Praxis" vom 22.-24. September 2005.



     
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    „La Sarraz“ – Mediencollage von Lutz Dammbeck, Kulturhaus „Nationale Front“, Leipzig, 24. Juni 1984 (Szene, Ablaufplan, Regie: L. Dammbeck; Tanz: Fine; Filme: Teile von „Hommage à La Sarraz“, eine Collage alter deutscher Heimfilme, 16mm Fassung der Videoaufzeichnung der Herakles-Proben; Kamera: Thomas Plenert; Regie/Schnitt: L. Dammbeck; Diamaterial: L. Dammbeck; Musik: Life Jazz Lothar Fiedler, Hansi Noack, Gottfried Rößler, Thomas Hertel; Aufbau/Kaschur/Malaktion: Olaf Wegewitz, Hans Hendrik Grimmling, L. Dammbeck; Projektion: Dietrich Oltmanns, Norbert Wagenbrett), Foto: Karin Plessing
1982 hatte Lutz Dammbeck mit der Arbeit am Herkakles-Konzept als Szenarium für einen Experimentalfilm begonnen; nach der Ablehnung durch die DEFA entwarf er es als Rauminszenierung und Mediencollage neu. Mit seinen auf der Grundlage dieses Konzeptes entwickelten multimedialen Inszenierungen „La Sarraz“, „Herakles“ und „Realfilm“ näherte sich Dammbeck der deutschen Vergangenheit und der politischen und sozialen Realität in der DDR. Er wandte sich „dem Thema Faschismus“ zu, weil er für seine Generation die Möglichkeit sah, „unbelastet und scheinbar naiv nach beunruhigenden Phänomenen zu fragen. Fragen zum Beispiel nach Ursachen für die Fazination des Nazismus, nach der Wirkung der von ihm geweckten Bilder und Emotionen, bis in die Gegenwart hinein“. (L. D.)Dossier

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    Kaum eine Kunstentwicklung - die offizielle wie die unabhängige Ausstellungskultur - ist so ausführlich und gründlich dokumentiert worden wie die der DDR. Das Dossier widmet sich einigen wichtigen Ausstellungsräumen, Projekten und Initiativen sowie den Vermittlern und Protagonisten. Weiter...