Die "Tagesschau"-Sprecher Manfred Schmidt, Cay Dietrich Voss, Karl-Heinz Köpcke, Martin Thon und Dieter von Sallwitz (v.l.n.r.).

28.8.2017

Distribution und Programmplanung

Die Cutterin Saskia Metten am Schnitt zu "Heißkalte Seele" (SWR/Maran-Film) von Michael Verhoeven. Foto: Saskia MettenDie Cutterin Saskia Metten am Schnitt zu "Heißkalte Seele" (SWR/Maran-Film) von Michael Verhoeven. (© Saskia Metten)

Neben der Produktion steht die Distribution von Medienangeboten. Sie soll hier am Beispiel des privatrechtlichen Fernsehens angesprochen werden. In dem Maße, wie Medienprodukte für die Sendung (Präsentation des Programms) nicht mehr direkt hergestellt, sondern vorproduziert werden (und als gespeicherte Produkte jederzeit einsetzbar sind) bzw. international als vorproduzierte Produktionen eingekauft werden, kommt der Auswahl, Zusammenstellung und Präsentation von Programmen besondere Bedeutung zu. 

Programmplanung der Fernsehunternehmen 

Auch der Weg von der fertigen Produktion zur Ausstrahlung in einem Fernsehprogramm ist bei den großen Sendeunternehmen inzwischen weitgehend standardisiert. Grundlage bildet eine umfangreiche Programmplanung mit einem ausgearbeiteten Programmkonzept, in dem die Zielgruppen anvisiert und die Strategien des Programms festgelegt werden. Die Programmplanung ist das Herzstück des Sendeunternehmens. Sie richtet die eigene Programmgestaltung auf möglichst hohe Zuschauerzahlen in anvisierten Zuschauersegmenten aus und organisiert das Programm in seinen Details. Bei aktuellem Bedarf wird das festgelegte Programmschema verändert. Ziel ist es, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einen audience flow ("Zuschauerfluss", also die Verfolgung eines Programms über mehrere Sendungen hinweg) zu erzeugen. 

Programmfluss ohne Lücken


 
Steht fest, welche Sendungen für einen Tag vorgesehen sind, fügt die Redaktion 'Langablaufplanung' die redaktionellen Sendungen mit den Werbespots, den Trailern für die eigenen Sendungen und sonstigen Elementen der Programmpräsentation zu einer Programmabfolge zusammen. Dazu erstellt sie einen genauen Plan mit den festgelegten Sendeterminen, den von der Programmplanung vorgesehenen, in der Regel bereits vorproduzierten Sendungen und den gebuchten Werbezeiten. Die Produktionsbänder werden dann auf Dauer, technische Qualität etc. überprüft. Nach dem fertig gestellten Langablauf ordnet die Motivdisposition entsprechend dem Werbeplan der gebuchten Werbung die einzelnen Motive (Copy Assignment) den im Schema festgelegten Werbeblöcken zu, während die On-Air-Promotionsplanung mit der Produktion der Trailer für das eigene Programm beginnt, da die Ankündigung weiterer Sendungen innerhalb des Programms zu den wichtigsten Präsentationsformen des Senders gehört. Die Sendeablaufplanung (Kurzablaufplanung) stimmt die einzelnen Bestandteile "frame-genau" (in Schritten von 1/25 Sekunden) ab. Dabei werden auch die Design-Elemente des Programms platziert. 

Arbeit am Programmfluss 

Die Skizze zeigt, welch ein Aufwand nicht nur für die Produktion, sondern auch für die Präsentation von Medienangeboten betrieben wird. Ursache dafür ist nicht nur die Konkurrenz der Sendeunternehmen um die Aufmerksamkeit der Zuschauer, die zu einer derartigen Perfektionierung führt, sondern auch das Bemühen, einen genau aufeinander abgestimmten Programmfluss zu erzeugen. Dieser soll keine 'Lücken' aufweisen und durch ein 'nahtloses' Aneinanderfügen der verschiedenen Angebote ein intensiv verdichtetes Ganzes entstehen lassen. 

Eintauchen in die 'eigene Fernsehwelt' 

Die Perfektion des Programmablaufs lässt die Konstruktion, das 'Gemachte' von Programm und Sendungen in den Hintergrund treten: Der Schein einer 'eigenen Fernsehwelt' soll sich für den Zuschauer 'zwanglos' ergeben. 

Es sind nicht mehr einzelne Kommunikatoren, die durch ihre Sendungen den Zuschauer ansprechen, hier spricht das Sendeunternehmen mit seinem gesamten Programm als eine Art ideeller 'Gesamtkommunikator', oder anders ausgedrückt: Es etabliert sich dadurch nicht zuletzt eine kulturelle Praxis, das Angebotene weniger als eine intentionale 'Rede' zu verstehen als vielmehr eine eigene Welt der Emotionen, Stimmungen und Haltungen zu erzeugen, in die der Zuschauer 'eintauchen' und die er zu seiner eigenen werden lassen kann.

Daten und Fakten zur Fernsehproduktion in Deutschland 2014

Nach einer Langzeitstudie des Dortmunder FORMATT-Instituts wurden im Jahr 2014 ca. 717.000 Sendeminuten für das deutsche Fernsehen produziert. Im Vergleich zu 2013 (750.000 Min.) bedeutet dies zwar einen Rückgang, generell bewegt sich das Produktionsvolumen im deutschen Fernsehmarkt jedoch auf einem hohen Niveau.

Die Struktur der Produktionsbranche

Insgesamt 864 Produktionsfirmen waren 2014 in Deutschland gemeldet. Die meisten davon waren in Berlin ansässig (196 Firmen), gefolgt von NRW (182), Bayern (181) und Hamburg (92). Die Konzentration der Produktionsbranche auf diese vier Bundesländer ist mit ca. 75 % sehr hoch. Auch wenn sehr viele kleinere Produktionsfirmen existieren, entfiel fast die Hälfte (49,3 %) der gesamten Auftragsproduktion auf die zehn größten Unternehmen der Branche.

Die Verteilung von senderabhängigen und senderunabhängigen Produktionsfirmen zeigt ebenfalls einen eindeutigen Schwerpunkt auf. Während 91 Unternehmen (ca. 10 %) als senderabhängig eingestuft werden, lag die Zahl der unabhängigen Produktionsfirmen mit 773 bei fast 90 %. Als abhängig wurden Firmen eingestuft, an denen Fernsehsender mit mindestens 25 % beteiligt waren. Auch wenn die Anzahl der senderabhängigen Firmen rückläufig ist, produzieren diese jedoch im Durchschnitt viermal so viele Fernsehminuten wie unabhängige Produktionsfirmen. Es erscheint folgerichtig, dass Fernsehsender mehr Aufträge an Unternehmen vergeben, an denen sie beteiligt sind.

Die 10 größten Produktionsgruppen in Deutschland

Produktionsvolumen in Minuten

Firma2014 2013 2010
MME 66.600 82.000 30.500
UFA/RTL-Gruppe 51.300 46.800 60.900
Constantin Film 49.700 38.100 19.400
Studio Hamburg 35.500 32.000 32.000
ITV Studios Prod. 35.300 28.300 21.900
Fernsehmacher30.900 30.200 25.300
Janus TV GmbH 30.500 29.000 30.000
ZDF Enterprises 21.500 20.700 21.500
Bavaria Film 19.100 19.600 23.200
Endemol Deutschland 18.400 15.900 26.800

Anteiliges Produktionsvolumen in Min., gewichtete und anteilige Werte
Quelle: Horst Röper: Fernseh- und Filmproduktion 2013 und 2014. Konzentration und regionale Schwerpunkte der Auftragsproduktionsbranche. In: Mediaperspektiven 10/2016, S. 516.


Entwicklung der Fernsehproduktion nach Genres

Bei der Fernsehproduktion nach Genres waren 2014 relativ kostspielige Fictionproduktionen (Serien, TV-Movies, Comedy) weniger gefragt. Insbesondere die gesunkene Nachfrage nach Serien trug wesentlich dazu bei, dass der Fiction-Anteil erstmals unter 20 % der Gesamtproduktion lag. Dagegen setzte sich der Trend zu kostengünstigen Entertainmentproduktionen (Dokusoaps, Talk- und Gameshows) fort. Hier dominierte vor allem die Herstellung von Dokusoaps.

Der Anteil im Informationsbereich (Nachrichten, Magazine, Dokumentationen, Dokumentarfilme) sank 2014 auf ein Allzeittief. Maßgeblich dafür verantwortlich war ein Rückgang der Nachfrage bei TV-Magazinen. Journalistische Langformate, wie z. B. Dokumentationen, Reportagen, Features und Portraits, konnten jedoch entgegen dem Trend zulegen. Insbesondere die Dritten Programme der ARD und der Sender Arte ließen hier die meisten Sendeminuten produzieren. Der Anteil der öffentlich-rechtlichen Sender bei den Informations-Langformaten lag bei 77 %, was die Bedeutung der Sendergruppe für diesen Bereich unterstreicht.


Materialien zu "Von der Produktion zur Sendung"

PDF-Icon Programmplanung

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