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Die "Tagesschau"-Sprecher Manfred Schmidt, Cay Dietrich Voss, Karl-Heinz Köpcke, Martin Thon und Dieter von Sallwitz (v.l.n.r.).

28.8.2017

Seit 2000

Hannelore Hoger (Kommissarin "Bella Block") in einem Interview anlässlich des 20. Fernsehjubiläums der Serie 2014.Hannelore Hoger (Kommissarin "Bella Block") in einem Interview anlässlich des 20. Fernsehjubiläums der Serie 2014. (© picture-alliance/dpa)

Der Boom an fiktionalen deutschen Fernsehproduktionen erreichte im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts sein Ende. Steigt auch das Angebot an fiktionalen Fernsehfilmen nicht weiter an, so differenziert es sich doch in seinen Formen aus. Qualitativ anspruchsvolle Fernsehfilme sind häufig im Programm vertreten, die alltägliche Geschichte pendelt sich dagegen auf eine Mischung der tradierten Genres ein – mit melodramatischen Beziehungsgeschichten, Krimi-Elementen, familiären Bausteinen. Dominant bleibt eine Spannungsdramaturgie. Die Zahl der weiblichen Hauptfiguren nimmt zu, sie dominieren immer stärker TV-Dramen und Krimireihen (z. B. "Bella Block", ZDF; "Rosa Roth", ZDF; "Unter Verdacht", ZDF, Arte; "Die Kommissarin", Das Erste; "Mord mit Aussicht", Das Erste), weil Kommissarinnen psychologischer ermitteln und weil Frauen das größere Zielpublikum der Fiktion sind. Zudem treten gerade im Kriminalfilm immer wieder Ermittlerfiguren mit einem problematischen familiären und/oder psychischen Background auf.

Vielfalt der Themen

In der Gestaltung der Bildsprache und des filmischen Erzählens indes genießen Regisseure wie Chris Kraus ("Bella Block: Reise nach China", ZDF, 2008) große Freiheiten. Neue Impulse für den "Beziehungsfilm" und für einen neuen Realismus kommen von Daniel Nocke und Stefan Krohmer ("Familienkreise", WDR, 2003), die bei Themen wie Familie und Freundschaft den gelebten Alltag und gesellschaftlichen Horizont nicht aus den Augen verlieren.

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Wichtige Themen des Fernsehfilms sind weiterhin

  • die Zeit des Nationalsozialismus (z. B. "Kinder der Flucht" und "Dresden", ZDF, 2006; "Die Flucht", ARD, 2007; "Die Gustloff", ZDF, 2008; "Das Meer am Morgen", Arte/ARD, 2012; "Unsere Mütter, unserer Väter", ZDF, 2013; "Meine Tochter Anne Frank", ARD, 2015; "Nackt unter Wölfen", MDR, 2015),

  • die Aufarbeitung der DDR-Geschichte ("An die Grenze", ZDF, 2007; "Jenseits der Mauer", ARD, 2009; "Mord in Eberswalde", WDR, 2013; "Bornholmer Straße", ARD, 2014; "Deutschland 83", RTL, 2015; "Tannbach – Schicksal eines Dorfes", ZDF, 2015) und

  • die Migrationsthematik – oft auch beiläufig, indem zum Beispiel der "Tatort" aus Hamburg von 2008 bis 2012 seinen ersten türkischstämmigen Kommissar hatte, dargestellt von Mehmet Kurtulus (ab 2012 dann z. B. Aylin Tezel als "Nora Dalay" im "Tatort" aus Dortmund). Ironisch pointiert wurde das Migrationsthema in Filmen wie "Meine verrückte, türkische Hochzeit" (ProSieben, 2006), politisch brisant setzte es Regisseur Züli Aladag in seinem umstrittenen Film "Wut" (WDR, 2006) um. Ebenfalls ambitioniert sind laut Kritik in letzter Zeit z. B. "Einmal Hans mit scharfer Soße" (NDR, Arte, 2015) und "Leberkäseland" (ARD, 2015).

Auf dem Feld des tradierten Genres bewegt sich die ARD-Tochter Degeto mit Heimatfilmen, die die Kinomotive der 1950er Jahre mit einer Soap-Dramaturgie verbinden. Daneben werden auch Event-Zweiteiler wie "Der Baader Meinhof Komplex" (Das Erste, 2008), "Die Flucht" (Das Erste, 2007) oder "Die Puppenspieler" (Das Erste, 2016) produziert, die die Tradition der historischen Fiktionen wieder aufgreifen. Diese Filme haben sich zu großen Zuschauererfolgen der Gegenwart entwickelt und haben deshalb gute Chancen, auch in Zukunft zu den Angeboten der Fernsehfiktion zu gehören.

Auswahl Sendungsformen 2013 und 2015

In Min./Tag

ARD/Das Erste ZDF RTL Sat.1Pro7
2013201520132015201320152013201520132015
Spielfilm (Kinofilm)1401411221057176156127 257 256
Fernsehfilm/ Reihe166 1829611014 19 24 13 10 7
Fernsehserie242 243 323 314 232 163 212 172 608 689

Quelle: Udo Michael Krüger: Profile deutscher Fernsehprogramme – Tendenzen der Angebotsentwicklung. Programmanalyse 2015 (Teil 1): Sparten und Formen. In: Media Perspektiven 3/2016, S. 172.



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