Logo des Dossiers Urheberrecht, eine Waage mit Symbolen

Deutsche Verwertungsgesellschaften

1.10.2013
Zwölf Verwertungsgesellschaften nehmen die Rechte der Urheber in Deutschland war. Die drei wichtigsten holten 2011 zusammen mehr als eine Milliarde Euro ein.

Fakten



Erträge aus Rechten und Ausschüttungen in Millionen Euro 2011Erträge aus Rechten und Ausschüttungen in Millionen Euro 2011 Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de

Geht es um Urheberrechte in Deutschland, nehmen die Verwertungsgesellschaften eine wichtige Position ein. Im Auftrag des Urhebers nehmen sie dessen Rechte wahr und vergüten diese. Am Beispiel der drei wichtigen Verwertungsgesellschaften GEMA (Komponisten, Musiker und Musikverleger), VG Bild-Kunst (Bildende Künstler, Fotografen, Designer, Karikaturisten, Pressezeichner, Bildagenturen, Filmproduzenten, Regisseure, Kameraleute, Choreografen und weitere Berufsgruppen) und VG Wort (Autoren, Übersetzer, Verleger von journalistischen, wissenschaftlichen oder belletristischer Lektüre) kann die Entwicklung des Urhebermarktes in Deutschland ungefähr abgeschätzt werden.

Zunächst muss der Abstand zwischen Ertrag und Ausschüttung erklärt werden: Neben Personal- und Verwaltungskosten schlagen hier etwa Gerichtskosten für die Mitglieder der Gesellschaft zu Buche, sowie Rückstellungen – denn nicht alle in einem Jahr eingenommenen Gelder werden auch im gleichen Jahr ausgeschüttet. Ausschüttungen können auch für Ansprüche aus weiter zurückliegenden Jahren erfolgen. Die Verwertungsgesellschaften veröffentlichen in der Regel jährlich ihre Geschäftsberichte auf ihren Webseiten.

Im Vergleich zu den Zahlen von 2006, als die GEMA trotz der zurückgehenden Umsätze der Musikindustrie zwischen 1997 und 2006 ihre Erträge kontinuierlich steigern konnte (von 730 Millionen Euro 1997 auf 874 Millionen 2006), sind seitdem leichte Rückgänge im Kerngeschäft zu verzeichnen. 2011 betrugen die Einkünfte aus Nutzungs- und Verwertungsrechten 825,5 Millionen Euro. Den größten Anteil an Einnahmen machten 2011 Aufführungs-, Vorführungs-, Sende- und Wiedergaberechte mit 424 Millionen Euro aus, gefolgt von Vervielfältigungsrechten (also Datenträgern) mit 176,4 und Inkassomandaten mit 175,8 Millionen Euro. Ausgeschüttet wurden rund 702,3 Millionen Euro, dazu kamen noch einmal 41,6 Millionen Euro an Sozialleistungen. Die Verwaltung kostet bei der GEMA 123,2 Millionen Euro, das ist ein Kostensatz von 14,9 Prozent.

Bei der VG Wort stiegen die Erlöse von 1997 bis 2011 um rund 65 Millionen auf rund 120 Millionen Euro. Allerdings erhöhten sich die Ausschüttungsempfänger von rund 100.000 im Jahr 1999 auf knapp 150.000 im Jahr 2011 – eine Erhöhung um rund 50 Prozent. Größte Erlösquelle ist die Geräte- und Speichermedienvergütung mit etwa 69,5 Millionen Euro. Es folgt die Bibliothekstantieme mit 11,1 Millionen, Hörfunk- und Fernsehrechte 7,8 Millionen, die Pressespiegelvergütung mit 3,7 Millionen und die Auslandserlöse mit 8,4. Ausgeschüttet wurden 2011 knapp 110 Millionen Euro. Dazu kamen 6,8 Millionen soziale und kulturelle Zuwendungen an das Autorenversorgungswerk, den Sozialfonds und den Förderungs- und Beihilfefonds Wissenschaft. Die Verwaltungskosten der VG Wort betrugen im Jahr 2011 9,2 Millionen Euro, was einem Kostensatz von .

Die VG Bild-Kunst konnte auf der Ertragsseite deutlich zulegen. Beliefen sich die Erträge im Jahr 2005 auf knapp 38 Millionen Euro, verbuchte die Verwertungsgesellschaft 2011 rund 62,5 Millionen Euro Erträge – das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte. Übertroffen wurde es nur 2009, als wegen einer Nachzahlung das Ergebnis mit 72,1 Millionen außergewöhnlich hoch ausfiel. Seit 1980 steigen ihre Einnahmen, allerdings sind die Ausschüttungen an die Urheber sehr sprunghaft, da es immer wieder zu Nachzahlungen kommt, zum Beispiel für Vergütungen aus der Geräteabgabe. Auch bei der VG Bild-Kunst ist ein starkes und kontinuierliches Mitglieder-Wachstum zu verzeichnen: von rund 3000 im Jahr 1978 auf über 50.000 im Jahr 2011. Die VG Wort hatte 2011 Verwaltungskosten von rund 9,2 Millionen Euro, was knapp 7,5 Prozent der Erlöse ausmacht.

Der wichtigste Einnahme-Posten der VG Bildkunst war 2011 die Fotokopier-Geräteabgabe mit 16,9 Millionen Euro, gefolgt von der Videogeräte- und Leerkassettenabgaben mit knapp 15 Millionen Euro. Die DVD-Brenner- und PC-Abgabe schlug mit 8,4 Millionen Euro zu Buche, die Rechte aus der Kabeleinspeisung Film mit 6,7 Millionen; die Folgerechte der Bildenden Künstler brachten 5,2 Millionen und Reproduktionsrechte von Kunst und Fotografien 5,7 Millionen Euro. Die Ausschüttungen betrugen 2011 etwa 47,4 Millionen Euro, zuzüglich 1,5 Millionen Euro für soziale und kulturelle Zwecke. Die Verwaltungskosten stiegen auf 3,4 Millionen Euro im Jahr 2011 von 3,2 Millionen im Vorjahr, ein Kostensatz von rund 5,5 Prozent.

Datenquellen



  • Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA): Geschäftsbericht 2011. Auf: »www.gema.de«
  • Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort): Bericht des Vorstandes über das Geschäftsjahr 2011 und 2011. Auf: »www.vgwort.de«
  • Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst (VG Bild-Kunst): Geschäftsbericht 2011. Auf: Per E-Mail von der VG Bild-Kunst.

Begriffe, methodische Anmerkungen und Lesehilfen



Neben den in der Grafik gezeigten Erträgen aus Urheberrechten verfügen Verwertungsgesellschaften noch über weitere, jedoch wesentlich kleinere Einnahmequellen, vor allem Zinserträge aus angelegten Geldern. Auch bei der Ausschüttung verhält es sich komplizierter, als es zunächst erscheint: Nach den Satzungen der Gesellschaften wird nicht alles Geld direkt an die Urheber ausgeschüttet. Ein gewisser Prozentsatz geht Sozial- und Kulturwerken und -fonds zu, der hier als „Soziale und kulturelle Zuwendungen“ ausgewiesen wird.

Die Grafik zeigt nur die drei wichtigsten Verwertungsgesellschaften. Laut dem Deutschem Patent- und Markenamt, das die offizielle Aufsicht über Verwertungsgesellschaften innehat, gab es 2013 insgesamt zwölf Verwertungsgesellschaften:

  • GEMA Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte
  • GVL Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH
  • VG-Wort Verwertungsgesellschaft Wort – Rechtsfähiger Verein kraft Verleihung
  • VG Bild-Kunst Verwertungsgesellschaft Bild - Kunst
  • VG Musikedition Verwertungsgesellschaft - Rechtsfähiger Verein kraft Verleihung
  • GÜFA Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten mbH
  • VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH
  • VGF Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken mbH
  • GWFF Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten mbH
  • AGICOA Urheberrechtschutz Gesellschaft mbH
  • VG Media Gesellschaft zur Verwertung der Urheber- und Leistungsschutzrechte von Medienunternehmen mbH
  • VG TWF Verwertungsgesellschaft Treuhandgesellschaft Werbefilm GmbH



    •  

Publikationen zum Thema

Wissen und Eigentum

Wissen und Eigentum

Besitzen Autoren ihre Werke? Ist Wissen ohne rechtlichen Schutz vermarktbar, verwertbar oder wertlos...

Freie Software - zwischen Privat- und Gemeineigentum

Freie Software - zwischen Privat- und Gemeineigentum

Freie Software (wie z.B. das Betriebssystem GNU/Linux) ist eines der verblüffendsten Wissensphänom...

WeiterZurück

Zum Shop