Zweiter Korb
Neues Recht für neue Zeiten
"Zweiter Korb" – dieser Begriff geisterte unlängst durch alle Medien. Voll ausgeschrieben heißt er "Zweites Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft" – und ist die jüngste Reform des deutschen Urheberrechts. Aber was steckt dahinter?"Zweiter Korb" – dieser Begriff geistert seit einiger Zeit durch alle Medien. Aber was steckt dahinter? Grob gesagt: Eine Reform des deutschen Urheberrechtsgesetzes. Eigentlich heißt der Zweite Korb "Zweites Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft". Der sperrige Titel verheißt einiges, nämlich dass das bestehende Urheberrecht optimiert und an die Bedürfnisse der Gegenwart und Zukunft angepasst werden soll.
Bild: dieSachbearbeiter.de, cc by-nc-nd/2.0/de Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb, Bild: dieSachbearbeiter.de, cc by-nc-nd/2.0/de
)Der zweite Korb wurde im Juli 2007 vom Bundestag verabschiedet und trat am 1. Januar 2008 in Kraft. Welche Regelungen des Urheberrechts genau geändert wurden und was sich dadurch verändert, wird im Folgenden beschrieben.
Privatkopie und Schutz technischer Maßnahmen
Bild: dieSachbearbeiter.de, cc by-nc-nd/2.0/de Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (© bpb, Bild: dieSachbearbeiter.de, cc by-nc-nd/2.0/de
)Bereits im Ersten Korb wurde viel über die Privatkopieschranke debattiert. Konkret ging es darum, ob diese Regelung für digitale Kopien überhaupt gelten, und wenn ja, ob sie nicht eingeschränkt werden sollte. Besonders die Musikindustrie hatte gefordert, die Privatkopie im digitalen Bereich ganz abzuschaffen, jedenfalls aber erheblich zu begrenzen. Als Grund führte sie an, dass nachweislich immer weniger Tonträger (also mit Musik bespielte CDs und DVDs) verkauft werden. Das sollte, nach Ansicht der Plattenfirmen, daran liegen, dass Tonträger zu privaten Zwecken gebrannt werden dürfen. Eine kopierte CD ist für die Musikindustrie eine nicht verkaufte CD. Dass das nicht unbedingt und immer richtig sein wird, liegt auf der Hand. Klar ist aber auch, dass digitale Kopien – anders als analoge Aufnahmen auf einer Leerkassette – ohne Qualitätsverlust hergestellt werden können. Der Anreiz, geliehene CDs zu brennen, statt sie für viel Geld zu kaufen, ist groß.
Der Gesetzgeber hat sich nach langen Debatten letztlich nicht dafür entschieden, die digitale Privatkopie massiv einzuschränken oder gar abzuschaffen. Denn die Privatkopieregelung bringt den Inhabern von Urheber- und Nutzungsrechten Geld über die so genannte Kopiervergütung. Würde man sie abschaffen, könnten die Verwertungsgesellschaften (wie die GEMA oder die VG WORT) kein Geld mehr aus den Verkäufen von CD-Brennern oder Rohlingen für die Urheber einsammeln. Da trotz eines Verbotes absehbar weiterhin viel kopiert werden würde (denn so ein Verbot wäre kaum zu kontrollieren), gingen die Künstler und Musiker leer aus.
Der Bundestag ist den Rechteinhabern (so nennt man Unternehmen, die geschützte Werke vertreiben, also zum Beispiel Plattenfirmen) jedoch insofern entgegen gekommen, als bereits im Ersten Korb ein Schutz technischer Maßnahmen eingeführt wurde. Ist zum Beispiel eine Musik-CD oder Film-DVD kopiergeschützt, darf sie nicht – auch nicht zu rein privaten Zwecken – kopiert werden, wenn hierfür der Kopierschutz umgangen werden muss. DVDs (die nahezu immer kopiergeschützt sind) zu "rippen" ist daher unzulässig, egal, ob man sich von seinem gekauften Silberling eine Sicherungskopie machen oder den in der Videothek geliehenen Film gern in sein Archiv stellen möchte.
Publikationen zum Thema

Urheberrecht im Alltag
Was muss ich beim Download von CDs beachten? Welche Rechte habe ich an meinen Filmen, Texten oder Mu...

Wissen und Eigentum
Besitzen Autoren ihre Werke? Ist Wissen ohne rechtlichen Schutz vermarktbar, verwertbar oder wertlos...

Freie Software - zwischen Privat- und Gemeineigentum
Freie Software (wie z.B. das Betriebssystem GNU/Linux) ist eines der verblüffendsten Wissensphänom...

Dark Fiber
Den "Freigeist des Internets" retten, lautet das Ziel vieler engagierter Nutzerinnen und Nutzer. Wie...

Good Copy Bad Copy
Kaum etwas erhitzt im Internet zurzeit mehr die Gemüter als das Urheberrecht. Wie könnte ein Urheb...

