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Open Access

Freies Wissen für alle: Wissenschaftliches Publizieren im digitalen Zeitalter


14.11.2007
Wissenschaft lebt vom Austausch unter Forschern, und wissenschaftliche Publikationen werden zum Großteil aus öffentlicher Hand finanziert. Also sollen sie auch frei im Internet verfügbar sein – fordert die Open Access-Bewegung.

Bild: dieSachbearbeiter.de, cc by-nc-nd/2.0/deBild: dieSachbearbeiter.de, cc by-nc-nd/2.0/de Lizenz: cc by-nc-nd/2.0/de/ (bpb, Bild: dieSachbearbeiter.de, cc by-nc-nd/2.0/de )
Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten als Wissenschaftlerin an einer Universität und veröffentlichen einen Artikel in einer Fachzeitschrift, einem so genannten Scientific Journal. Um Ihren Aufsatz dort zu publizieren, fordert der Verlag, dass Sie alle Verwertungsrechte exklusiv abtreten – eine durchaus übliche Praxis. Sie bedeutet, dass Sie den Aufsatz anschließend nicht mehr selber veröffentlichen dürfen, etwa auf Ihrer eigenen Website oder der des Instituts.

Der Artikel erscheint, und Sie bekommen ein Belegexemplar zugeschickt. Anschließend nehmen Sie ihn ins Curriculum für das kommende Semester auf. Zu Beginn des Semesters berichtet eine Ihrer Studentinnen, dass sie das Journal in der Universitätsbibliothek nicht bekommen hat. Die zuständige Bibliothekarin erklärt Ihnen, dass die Zeitschrift in den vergangenen Jahren um 50 Prozent teurer geworden ist. Die Bibliothek kann sich daher ein Abo nicht mehr leisten (s. Kasten Zeitschriftenkrise). Sie haben also, von der Universität bezahlt, geforscht und über die Ergebnisse einen Aufsatz veröffentlicht. Der steht nun in einem Journal, das sich Ihre Universität nicht leisten kann.

Absurd? Selbstverständlich. Aber kein Einzelfall, sondern im Wissenschaftsbetrieb üblich. Und Grund genug für etliche prominente Wissenschaftler zu versuchen, diese Verhältnisse zu ändern. Der Begriff, den sie dafür geprägt haben: "Open Access (to scientific publications)" – auf Deutsch: freier Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen.

Begriff

Zeitschriftenkrise

Seit den 1990er Jahren sind die Preise für viele wissenschaftliche Fachzeitschriften stark gestiegen, erst nur wenig mehr als die Inflationsrate, später dann um bis zu 30 Prozent pro Jahr. Betroffen sind vor allem die so genannten STM-Disziplinen, also Science, Technology, Medicine (Wissenschaft, Technologie, Medizin). Die meisten Beobachter sehen die Gründe darin, dass nur noch wenige große Verlage den Markt unter sich aufteilen und damit die Preise diktieren können. Wissenschaftler können aber nicht einfach auf Konkurrenzprodukte, also etwa billigere Magazine umsteigen, weil sie auf die Informationen in den bekannten Zeitschriften angewiesen sind. Gleichzeitig stagnieren die Etats der Universitäten und Bibliotheken in vielen Ländern oder haben sich sogar verringert. Das führt dazu, dass sie die Abonnements vieler Fachzeitschriften abbestellen mussten. Eine Studie des britischen Wellcome Trust, einer unabhängigen Wissenschaftsstiftung, liefert eine gute Analyse der Situation: Economic Analysis of Scientific Research Publishing (in englischer Sprache). Auf: »www.wellcome.ac.uk«

Open Access: Gemeingut verfügbar machen



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Der Gedanke dahinter ist, dass es in den Zeiten der Digitalisierung und des Internets eigentlich möglich ist, alle wissenschaftlichen Publikationen online verfügbar zu machen – für die Leser kostenlos und überall abrufbar, wo es einen Netzzugang gibt. Die Idee fand in kurzer Zeit viele Anhänger, vor allem in den so genannten STM-Disziplinen (Science, Technology and Medicine, also Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Medizin).

Bereits 2001 trafen sich führende Vertreter der Idee auf Einladung des Open Society Institute in Budapest und veröffentlichten die "Budapester Erklärung zu Open Access". Ihr erster Satz verdeutlicht, worum es den Beteiligten geht: "Durch das Zusammentreffen einer alten Tradition mit einer neuen Technologie ist ein bisher beispielloses Gemeingut verfügbar geworden."

Mit alter Tradition ist gemeint, dass in den meisten Disziplinen Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse schon immer kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Für ihre Forschung bezahlt haben sie Universitäten und öffentliche Forschungszentren, also die öffentliche Hand – und nicht die Verlage, die dann ihre Ergebnisse veröffentlichten. Die neue Technologie, von der die "Budapester Erklärung" spricht, ist die Digitalisierung in Kombination mit dem Internet. Sie machen es möglich, die Forschungsergebnisse nahezu kostenlos zur Verfügung zu stellen.


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