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Die Farbe der Gerechtigkeit ist weiß

Institutioneller Rassismus im deutschen Strafrechtssystem


10.8.2004
Rassismus ist in den Strukturen öffentlicher und privater Institutionen verankert. Anhand ausgewählter Beispiele soll aufgezeigt werden, wie stark das deutsche Strafrechtssystem davon betroffen ist und wie jeder Einzelne diese Entwicklung verändern kann.

Einleitung



Der folgende Text besteht aus Auszügen, Recherchen und Analysen für meine angehende Masterarbeit über institutionellen Rassismus im deutschen Strafrechtssystem. Mein Ziel ist es, verschiedene Beispiele aus den einzelnen Sektoren des Strafrechtssystems herauszugreifen, um mittels empirischer Daten und theoretischer Analysen herauszufinden, in welchem Ausmaß institutioneller Rassismus juristische und strafrechtliche Strukturen durchdringt und kognitive Strukturen der Handelnden (z.B. Polizisten, Richter) bestimmt.

Da eine Analyse rassistischer Strukturen und deren Reproduktion nicht nur auf Betrachtungen aktionistischen Handelns basieren können, werden die Institutionen und deren Ideologien historisch, ökonomisch und kulturell kontextualisiert. Diese Recherche verbindet erstmals theoretische Ansätze der Rassismusforschung mit Analysen des institutionellen Rassismus in einem deutschen Kontext, mit dem Ziel, die Komplexität des Themas durch Fallbeispiele zu veranschaulichen und dem institutionellen Rassismus somit ein "Gesicht" zu geben.

Begrifflichkeiten



Schwarz

Der Begriff "Schwarz" wird hier nicht als alleinige Referenz für die Hautfarbe verwendet, vielmehr dient er als eine politische Definition für Gruppen, deren Geschichte von Kolonialismus geprägt und deren Gegenwart durch rassistische Erfahrungen strukturiert sind.

Afro-Deutsch

Die Bezeichnungen "afro-deutsch" und "Schwarze Deutsche" entstanden in den 1980er Jahren durch eine verstärkte Politisierung innerhalb der schwarzen Bevölkerung in Deutschland und damit auch dem Bestreben, sich von externen Definierungen als "das Andere" abzugrenzen und sich selbst einen Namen zu geben.

Weißer Diskurs

Als "weißer Diskurs" wird hier ein Machtsystem bezeichnet, dass die Linien von Aus- und Eingrenzung kenntlich macht. Durch die Dekonstruktion des existierenden weißen Diskurses wird "Weiß-Sein" als ein soziales Konstrukt markiert, d.h. "Weiß-Sein" verliert seine scheinbare Objektivität und wird somit sichtbar gemacht und thematisiert.

"Rasse"

Rassentheorien teilten die Menschheit in Höhere (weiße) und Niedrigere (schwarze) 'Rassen' mit Bezug auf so genannte wissenschaftliche Kriterien. Obwohl heute allgemein bekannt ist, dass es keine 'Rassen' gibt und der Begriff hauptsächlich als soziales Konstrukt verstanden wird, sind biologische Aspekte von so genannten 'Rassen' immer noch Teil alltäglicher rassistischer Artikulationen und Stereotypen. Daher erfolgt die Benutzung des Begriffes 'Rasse' fortlaufend in Anführungszeichen, um zu unterstreichen, dass es keine wissenschaftliche Basis für die Existenz von 'Rassen' gibt.

Institutioneller Rassismus

Institutioneller Rassismus wird definiert als Rassismus, der in den Strukturen öffentlicher und privater Institutionen verankert ist. Diese Strukturen haben sich aufgrund historischer und gesellschaftlicher Macht- und Gewaltverhältnisse entwickelt und in dem ökonomischen sowie kulturellen und politischen Aufbau einer Gesellschaft und deren Institutionen manifestiert (institutionalisiert). Unsichtbar in ihrer Wesensart beeinflussen diese Strukturen bewusst und unbewusst das Verhalten, die Sicht- und Denkweise der Individuen in Institutionen. Umgekehrt determinieren auch Individuen das Verhalten der Institutionen, in denen sie arbeiten.



 

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