Koffer

15.9.2015 | Von:
Franziska Barthelt
Diana Meschter
Friederike Meyer zu Schwabedissen
Andreas Pott

Internationale Studierende: Einleitung

Umfang und Bedeutung der internationalen Migration von Studierenden nehmen zu. Ist ein gewisser Anteil aller Studierenden schon länger international und global mobil, so gewinnt diese Form der Bildungsmigration in der jüngeren Vergangenheit unübersehbar an Dynamik und Aufmerksamkeit.

Studenten bei der gemeinsamen Herstellung von Kimchi, Seoul 2013: Ein gewisser Anteil aller Studierenden ist schon länger international und global mobil.Studenten bei der gemeinsamen Herstellung von Kimchi, Seoul 2013: Ein gewisser Anteil aller Studierenden ist schon länger international und global mobil. (© picture-alliance, Yonhap)
Die Internationalisierung der Hochschulen, die zunehmende Globalisierung der Bildungssysteme und -karrieren, aber auch die wachsende Nachfrage nach hochqualifizierten [1] Arbeitsmigrantinnen und -migranten in den wirtschaftlich prosperierenden Weltregionen mit ihren demographisch alternden Bevölkerungen verändern das Ausmaß und die Perspektiven grenzüberschreitender studentischer Mobilität: Während die Anzahl internationaler und global mobiler Studierender wächst, werden die zunächst zu (Aus-)Bildungszwecken mobilen Studierenden als Angehörige einer neuen globalen Mittelschicht von manchen Ländern bereits aktiv umworben und als zukünftige (Arbeits-)Migranten erkannt. Diese Konstellation trifft nicht nur auf die USA und Großbritannien zu, die schon längere Zeit als attraktive Zielländer internationaler Studierendenmobilität gelten, sondern in zunehmendem Maß auch auf die Europäische Union insgesamt sowie auf verschiedene ihrer Mitgliedstaaten, darunter auch und insbesondere Deutschland.

In Deutschland fallen die wachsenden Zahlen internationaler Studierender mit der viel diskutierten Erwartung eines Fachkräftemangels zusammen, der sich in manchen Branchen und Sparten – z.B. im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) oder in der Pflegebranche – schon heute abzuzeichnen beginnt. Vor dem Hintergrund demographischer Entwicklungen, die sich entscheidend auf das Arbeitskräftepotenzial auswirken, sind sich Politiker und Wirtschaftsexperten darin einig, dass für eine internationale Konkurrenzfähigkeit "jede moderne Wirtschaft [...] dringend auf den Import von Arbeitskräften und Wissen aus dem Ausland und auf den internationalen Austausch von Wissen angewiesen" ist. [2] Dabei müssten zuziehende Migrantinnen und Migranten nicht unbedingt fertig ausgebildet sein, sondern könnten vielmehr diverse Ausbildungs-, Weiterbildungs-, Qualifizierungs- oder Studienmöglichkeiten auch im Zielland in Anspruch nehmen. Ausländische Studierende, die für ein Studium nach Deutschland kommen, sind nach dem erfolgreichen Erwerb des deutschen Hochschulabschlusses bereits mit dem Leben im Land vertraut, haben schon umfangreiche Kenntnisse der deutschen Sprache erworben und haben keine Schwierigkeiten mit der Anerkennung ihrer Bildungsabschlüsse. [3] Daher werden diese Bildungsmigrantinnen und -migranten in Deutschland immer häufiger als ideale Zuwanderergruppe angesehen und gewünscht.

Auch viele der internationalen Studierenden selbst haben großes Interesse an einem Verbleib in Deutschland nach ihrem Studienabschluss. [4] Doch trotz dieses Interesses und obwohl sie nach und mit ihrem qualifizierten deutschen Abschluss prinzipiell problemlos in den Arbeitsmarkt eintreten könnten, belegen erste Forschungen, dass dies vergleichsweise wenigen von ihnen auch gelingt. [5] Zwischen bestehendem Bleibewunsch und tatsächlichem Verbleib besteht eine Diskrepanz. Dies verweist auf Hürden beim Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt. Es ist zu vermuten, dass insbesondere Migrantinnen und Migranten aus Nicht-EU-Staaten davon betroffen sind, da für ihren Aufenthalt und Zugang zum Arbeitsmarkt restriktivere rechtliche Rahmenbedingungen gelten. Dies erschwert den Übergang vom Studium in den Arbeitsmarkt und stellt im Kontext des internationalen Wettbewerbs um qualifizierte Migrantinnen und Migranten und angesichts des in Deutschland erwarteten Fachkräftemangels eine Herausforderung dar. So wird gegenwärtig intensiv diskutiert, wie Deutschland, seine Bundesländer und Hochschulregionen die Attraktivität und die Verbleibswahrscheinlichkeit für internationale Studierende erhöhen könnten. [6]

Vor diesem Hintergrund geht das Kurzdossier zunächst auf Bildungsmigration im Allgemeinen sowie auf internationale Studierende als besondere Gruppe der Bildungsmigrantinnen und -migranten ein. Sodann wird die Situation internationaler Studierender in Deutschland beschrieben, einschließlich der geltenden rechtlichen Bedingungen. Die genauere Betrachtung der in Frage stehenden Mobilitäts- und Orientierungsprozesse zeigt, dass die Universitäten und Fachhochschulen einen erheblichen Einfluss auf die Zuwanderung internationaler Studierender haben können. Diese Organisationen fungieren als Magneten und Motoren der internationalen Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern und bilden darüber hinaus einen wichtigen Rahmen für die folgenden Mobilitäts- oder Bleibeentscheidungen. Als zentrale Akteure in einem komplexen Akteursnetzwerk spielen die Hochschulen eine nicht zu unterschätzende Rolle im Prozess des Übergangs in den (regionalen) Arbeitsmarkt. Ein professionelles Übergangsmanagement könnte diesen Prozess unterstützen und für einen reibungsloseren Ablauf sorgen.

Dieser Text ist Teil des Kurzdossiers Internationale Studierende – aktuelle Entwicklungen und Potentiale der globalen Bildungsmigration.

Fußnoten

1.
Unter "hochqualifiziert" werden in diesem Kurzdossier all diejenigen gefasst, die entweder im Besitz eines Hochschulabschlusses sind oder aber einen Berufsabschluss haben und über entsprechende Berufserfahrungen verfügen.
2.
Angenendt (2008), S. 23.
3.
Vgl. Mayer et al. (2012), S. 2.
4.
Vgl. Hanganu/Heß (2014), S. 8f.
5.
Vgl. Sykes/Ni Chaoimh (2012), S. 52.
6.
Vgl. Roth (2014).
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Franziska Barthelt, Diana Meschter, Friederike Meyer zu Schwabedissen, Andreas Pott für bpb.de

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