Koffer

1.5.2010 | Von:
Susanne Worb

Ansätze des Integrationsmonitorings in Deutschland

Die sich dem Ende zuneigende Dekade 2000 bis 2010 war in Deutschland von tief greifenden politischen, gesetzgeberischen und institutionellen Veränderungen auf dem Gebiet der Integrationspolitik gekennzeichnet. Dazu zählen zum Beispiel die im Jahr 2000 in Kraft getretene Reform des Staatsangehörigkeitsrechts.

Islamischer Religionsunterricht an einer Schule in Stuttgart.Islamischer Religionsunterricht an einer Schule in Stuttgart. (© AP)

Die sich dem Ende zuneigende Dekade 2000 bis 2010 war in Deutschland von tief greifenden politischen, gesetzgeberischen und institutionellen Veränderungen auf dem Gebiet der Integrationspolitik gekennzeichnet [1].

Dazu zählen zum Beispiel die im Jahr 2000 in Kraft getretene Reform des Staatsangehörigkeitsrechts, die Einführung bundesweiter Integrationskurse mit dem Zuwanderungsgesetz (2005), und die Verabschiedung des Nationalen Integrationsplans (2007). In diesem Rahmen stellt sich zunehmend auch die Frage, ob und wie sich (Miss-)Erfolge von Integrationspolitik feststellen lassen. Beispielhaft hierfür ist in der Erklärung des Bundes zum Nationalen Integrationsplan formuliert, dass sich "erfolgreiche Integrationspolitik an klaren Indikatoren messen lassen [muss] ... Diese müssen fortentwickelt und zur Grundlage einer regelmäßigen Berichterstattung und Evaluation werden"[2] .

Damit ist das Thema dieses Kurzdossiers angesprochen, die Entwicklung sogenannter "Integrationsmonitorings", die in den letzten Jahren einen regelrechten Boom in Deutschland erfahren haben. Dabei handelt es sich um den Versuch, Stand und Veränderung der Integration von Migranten mit regelmäßig erhobenen statistischen Kenngrößen (Indikatoren) abzubilden [3]. Der folgende Abschnitt gibt zunächst einen kurzen Überblick über die Entwicklung von Integrationsmonitorings in Deutschland. Daran anschließend werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausgewählter Ansätze analysiert. Inwieweit eine Messung von Integration als Zustand bzw. Prozess auch Aussagen über die Wirksamkeit von Integrationspolitik erlaubt, ist eine der zentralen Fragen, die im Fazit aufgegriffen wird. Insgesamt soll das Kurzdossier damit zu einer Einschätzung beitragen, welche Potenziale, aber auch welche Grenzen Integrationsmonitorings derzeit haben.

Nicht thematisiert werden in diesem Beitrag entsprechende Entwicklungen in anderen Ländern und auf europäischer Ebene, obgleich sie wichtige Referenzpunkte für Deutschland darstellen. Im Dezember 2009 hat die schwedische EU-Ratspräsidentschaft erstmals konkrete Vorschläge für gemeinsame europäische Integrationsindikatoren in den Bereichen Beschäftigung, Bildung, soziale Inklusion und aktive Bürgerschaft vorgelegt [4]. Schon weiter entwickelt sind hingegen Indikatorensysteme, mit denen eine normative Bewertung der Integrationspolitik und der rechtlichen Rahmenbedingungen in (vorwiegend) europäischen Staaten vorgenommen wird, die aber nicht die eigentliche Integration messen [5].

Fußnoten

1.
Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Der Beitrag gibt ausschließlich ihre persönliche Sichtweise wieder
2.
Bundesregierung (2007: 15).
3.
Vgl. Ohliger (2007: 20).
4.
Vgl. Swedish Presidency (2009) und als Hintergrundpapier dazu Niessen et al. (2009). Dem vorausgegangen ist eine Reihe von einschlägigen politischen Statements, Ratsbeschlu¨ssen und konzeptionellen Vorarbeiten, zu finden unter anderem bei Council of Europe (1997), Entzinger/Biezeveld (2003) und Niessen/Schibel (2005). Auch mehrere EU-geförderte Forschungsprojekte mit deutscher Beteiligung haben sich in den letzten Jahren mit der Entwicklung von Integrationsindikatoren befasst, siehe z. B. Beauftragter des Senats von Berlin (2007) und Berliner Institut fu¨r Vergleichende Sozialforschung (2007).
5.
Zum Beispiel der European Civic Citizenship and Inclusion Index (Geddes et al. 2005) und der daraus hervorgegangene Migrant Integration Policy Index (Niessen et al. 2007), kurz MIPEX.

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