Koffer

1.5.2010 | Von:
Susanne Worb

Überblick zur Entwicklung von Integrationsmonitorings

Die Kommunen in Deutschland, vor allem die Großstädte, haben bei der Entwicklung von Indikatoren- und Monitoringsystemen zur Integration eine Vorreiterrolle gespielt. So hat die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden bereits im Jahr 2003 ein indikatorengestütztes Berichtswesen initiiert, das seitdem jährlich fortgeschrieben wird.

Du'a Zeitun, Vertreterin der Islamischen Gemeinde, kocht am 25.06.2013 in Wallenhorst (Niedersachsen) im WABE-Zentrum der Hochschule Osnabrück im Rahmen des Schulungsangebotes zum «Interreligiösen Kochen». Dabei geht es um die Beachtung religiöser Speisevorschriften bei der Schulverpflegung. Foto: Friso Gentsch/dpaTeilnehmerInnen eines Kurses "Interreligiöses Kochen" an der Hochschule Osnabrück. (© picture-alliance/dpa)

Das Wiesbadener Monitoring ist Teil des 2004 beschlossenen städtischen Integrationskonzepts und hat als Vorbild für viele andere Kommunen gewirkt, so zum Beispiel für Wuppertal [1]. Es gibt jedoch durchaus Unterschiede im Detail, was die Ausgestaltung und Umsetzung von kommunalen Monitorings betrifft, sodass hier inzwischen eine beträchtliche Vielfalt vorhanden ist. Sowohl größere als auch kleinere deutsche Städte entwickeln und erproben entsprechende Ansätze. Als Orientierungspunkt dienen dabei unter anderem Empfehlungen für die Integrationsmessung, die von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) im Jahr 2006 und von der Bertelsmann Stiftung im Jahr 2008 veröffentlicht wurden.

Bund und Länder haben das Thema Integrationsmonitoring erst später aufgegriffen, obwohl es bereits in den 1980er-Jahren Ansätze einer Sozialberichterstattung über Migranten in Deutschland gab [2]. Ein wesentlicher Schub ging dabei von den neuen Datenanalysemöglichkeiten aus, die der Mikrozensus ab dem Erhebungsjahr 2005 mit dem Konzept "Personen mit Migrationshintergrund" bietet [3]. Damit sind erstmals flächendeckende Integrationsdaten nicht nur für Ausländer, sondern auch für Zuwanderer mit deutscher Staatsangehörigkeit und deren Nachfahren verfügbar. Der Mikrozensus ist dementsprechend eine wichtige Datenquelle für die Monitoringansätze, die sich seitdem auf Länder- und Bundesebene entwickelt haben. Dies gilt beispielsweise für den 2008 vorgelegten "1. Integrationsbericht" der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen [4] und ein im Aufbau befindliches, gemeinsames Integrationsmonitoring der Bundesländer [5]. Auch das Indikatorenset und der darauf aufbauende, 2009 erschienene Bericht für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration [6] orientieren sich stark am Mikrozensus. Einen eigenen Ansatz der Integrationsberichterstattung verfolgt seit 2008 das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mit seinem "Integrationsreport" [7], der detaillierte Analysen von Teilbereichen vornimmt, aber nicht mit vorab definierten Indikatoren arbeitet.

Neben den bisher genannten staatlichen Akteuren sind seit einiger Zeit auch Stiftungen und private Forschungsinstitute im Feld des Integrationsmonitorings aktiv. Bereits erwähnt wurde die Bertelsmann Stiftung mit ihren "Kernkennzahlen Integration" als Empfehlung für die kommunale Integrationsmessung. Sie betreibt daneben auch ein Internetportal, das für Kommunen mit über 5.000 Einwohnern ausgewählte Integrationsdaten direkt bereitstellt [8]. Der Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen für Integration und Migration will im Frühjahr 2010 erstmals ein "Integrationsbarometer" als Teil seines Jahresberichtes vorlegen. Hierbei sollen mittels einer repräsentativen Umfrage subjektive Erfahrungen, Einstellungen und Erwartungen der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund in den Bereichen Migration und Integration ermittelt werden, inklusive einer Bewertung der entsprechenden Politiken. Die Befragung soll jedes Jahr wiederholt werden, wobei einige der Fragen konstant bleiben, andere gemäß aktuellen Schwerpunktsetzungen variiert werden [9].

Schließlich ist noch auf zwei im Jahr 2009 erschienene Studien von Forschungsinstituten zu verweisen, die ebenfalls den Anspruch eines "Integrationsmonitorings" (im Sinne einer angekündigten wiederholten Durchführung) haben. Die Untersuchung "Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung [10] hat große mediale Aufmerksamkeit erregt, unter anderem, weil sie als neues Element die Berechnung von "Gesamtwerten" der Integration enthält. Darauf aufbauend wurden Ranglisten von Migrantengruppen, Bundesländern und Städten erstellt. Der "IW-Integrationsmonitor" des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln [11] nimmt ebenfalls ein Ranking der Bundesländer vor, allerdings auf einer anderen Datenbasis und mit anderer Vorgehensweise als das Berlin-Institut.

Damit befindet sich das Integrationsmonitoring in Deutschland zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Kurzdossiers im Frühjahr 2010 in einer besonders interessanten Phase. Mit einer Vielzahl teils ähnlicher, teils konkurrierender Ansätze soll gemessen werden, wie gut Integration bisher verlaufen ist. Im folgenden Abschnitt wird eingehender betrachtet, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausgewählte Monitorings aufweisen.

Fußnoten

1.
Stadt Wuppertal (2008).
2.
Worbs/Friedrich (2008: 255ff.).
3.
Der Mikrozensus ist die jährliche amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland mit einem Auswahlsatz von 1% der Bevölkerung. Insgesamt nehmen rund 390.000 Haushalte mit 830.000 Personen am Mikrozensus teil. Die Erhebung wird gemeinschaftlich vom Statistischen Bundesamt und den Statistischen Ämtern der Länder durchgeführt. Die Definition von "Migrationshintergrund" lautet in diesem Rahmen wie folgt: Einen solchen haben "alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil" (Statistisches Bundesamt 2007: 6).
4.
Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration (2008).
5.
Länderoffene Arbeitsgruppe (2009). Im März 2010 ist der Bericht zur Pilotstudie erschienen, der jedoch für dieses Kurzdossier nicht mehr berücksichtigt werden konnte. Er ist (war, Anm. der Red.) verfügbar unter http://www.mgffi.nrw.de/integration/5__IntMK/Konferenz_2010/index.php
6.
ISG/WZB (2009).
7.
Siehe http://www.bamf.de/SharedDocs/Projekte/DE/DasBAMF/Forschung/Integration/integrationsreport.html. Das Projekt des BAMF beinhaltet zudem eine im Internet verfügbare Datenbank, erreichbar unter http://integrationsreport.bamf.de.
8.
Siehe http://www.wegweiser-kommune.de/themenkonzepte/integration/daten/IntegrationsDaten.action?.
9.
Siehe http://www.svr-migration.de/?page_id=25.
10.
Woellert et al. (2009).
11.
Riesen (2009).

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