Koffer

1.12.2009 | Von:
Thomas Hummitzsch

Schätzungen

Verlässliche Daten können momentan nicht erhoben werden, weil es keine international anerkannte Definition für das Phänomen der klimabedingten Migration bzw. für Klimamigranten gibt. Außerdem werden Schätzungen dadurch erschwert, dass sich ein Zusammenhang zwischen Klimawandelfolgen und Migration nicht eindeutig nachweisen lässt.

Die beiden Gäste der Klimagerechtigkeitskonferenz (02. und 03.12.) im Klimahaus von Bremerhaven, Yaniah Toloa und seine Schwester Jewel Toloa aus Samoa, schauen sich am Donnerstag (02.12.2010) in der Dauerausstellung ihre nachgebildete Heimatinsel mit Lagune und Langboot an. Auf der Konferenz geht es vor allem darum, die Auswirkungen des Klimawandels mit den zu erwartenden Fluten in Hinblick auf die Inselstaaten in der Südsee zu erörtern. Diesen Regionen, die für den Klimawandel am wenigsten verantwortlich zu machen sind, drohen die ersten und schlimmsten Konsequenzen durch einen steigenden Meeresspiegel. Foto: Ingo Wagner dpa/lniNachbildung der Insel Samoa im Klimahaus von Bremerhaven. (© picture-alliance/dpa)

Mangels solider Prognosen liegt eine Reihe von Schätzungen vor, die teilweise lediglich auf unabgesicherten Annahmen beruhen (sog. guestimates). Je nachdem, welche klimatischen, demografischen und sozialen Werte den Schätzungen zugrunde gelegt werden, variieren die Zahlen. Bei günstigen Rahmenbedingungen kommt es lediglich zu einem leichten Anstieg der aktuellen Migration, aber unter ungünstigen Rahmenbedingungen erscheinen selbst die sehr hohen Schätzzahlen eher als Untergrenze [1].

Das UNHCR, Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, schätzte 2002 die Zahl der zu diesem Zeitpunkt von Hochwasser, Hungersnöten und anderen Umweltfaktoren zur Migration gezwungenen Personen auf 24 Mio. [2] und später allein die Zahl der Binnenvertriebenen durch Naturkatastrophen auf 25 Mio. [3]. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) geht davon aus, dass 10-25 % aller weltweiten Migrationsbewegungen Resultat des Klimawandels und der Klimawandelfolgen sind; das entspräche heute einer absoluten Zahl von 25-60 Mio. Migranten.

Das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der UN-Universität in Bonn (United Nations University – Institute for Environment and Human Security, UNU-EHS) schätzte die Zahl der klimabedingten Migranten bis 2010 auf mindestens 50 Mio. Der Weltklimarat rechnet bis 2050 mit insgesamt bis zu 150 Mio. Migranten infolge des Klimawandels [4]. Der sogenannte Stern-Bericht aus dem Vereinigten Königreich legt seinen Schätzungen zahlreiche Studien und Berechnungen zugrunde und kommt zu dem Schluss, dass es im Jahr 2050 sogar 200 Mio. Klimamigranten geben wird. Weit verbreitet sind auch die Zahlen des Oxford-Professors Norman Myers, der bis 2050 mit mehr als 200 Mio. klimabedingt Wandernden rechnet [5].

Fußnoten

1.
Brown 2008.
2.
UNHCR 2002.
3.
UNHCR 2008b.
4.
Acketoft 2008.
5.
Stern 2006, Graeme 2008.

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