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Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

2.5.2013 | Von:
Julie Vullnetari

Charakteristika aktueller Migrationsbewegungen

Erstens gibt es heute weniger irreguläre Migranten als in den 1990er Jahren. Dies ist primär das Ergebnis der Regularisierungen in Griechenland (1998, 2001, 2005, 2007) und Italien (1995, 1997, 2002), im Zuge derer eine beträchtliche Zahl an Albanern eine Aufenthaltsgenehmigung erhielt. Familiennachzug folgte in großem Umfang.

Zweitens haben sich die Zielländer der Migration diversifiziert: Zwar bleiben Griechenland und Italien weiterhin die wichtigsten Aufnahmeländer im Hinblick auf den Umfang der dort lebenden albanischen Bevölkerung; die Zahl albanischer Neuzuwanderer hat daneben aber in anderen Ländern wie dem Vereinigten Königreich und den USA zugenommen (vgl. Tabelle 1).

Drittens hat sich die Zusammensetzung der Abwandernden verändert. Waren es früher überwiegend junge Männer, die migrierten, so sind heute Familien eher die Norm als die Ausnahme. Viele albanische Migranten haben sich fest im Ausland niedergelassen und in die Aufnahmegesellschaft integriert.[1] Es gibt bereits eine starke zweite Generation, die ihren Lebensmittelpunkt außerhalb Albaniens hat.[2] Viertens hat ein signifikanter Verlust intellektuellen Potenzials (brain drain) stattgefunden: Während der 1990er Jahre verließen etwa die Hälfte der Akademiker und Wissenschaftler das Land. Es ist unklar, wie viele der an Universitäten im Ausland studierenden Albanerinnen und Albaner wieder in ihr Heimatland zurückkehren werden.[3] Der Großteil der Auswanderer hat sich zwar in den jeweiligen Aufnahmeländern dauerhaft niedergelassen, gleichzeitig gibt es aber temporäre Saison- und Rückkehrmigration, insbesondere nach und aus Griechenland.

Fußnoten

1.
Vgl. v.a. King et al. (2011).
2.
Vathi (2011).
3.
Laut Gedeshi et al. (1999).
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Autor: Julie Vullnetari für bpb.de
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