Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

Einleitung


7.7.2015
Luxemburg ist Europas Einwanderungsland schlechthin: Rund 45 Prozent seiner Einwohner sind ausländische Staatsangehörige, mehr als 60 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Die Einwanderung ist eng mit dem beispiellosen ökonomischen Aufstieg des Landes der vergangenen Jahrzehnte verknüpft. Als Sitz verschiedener EU-Institutionen und als internationalem Finanzplatz kommt dem kleinen Land große Bedeutung zu.

Blick auf das Europaviertel auf dem Kirchberg-Plateau in Luxemburg. Dem nur 2.500km² großen Luxemburg kommt als Sitz verschiedener EU-Institutionen und als internationalem Finanzplatz europaweite Bedeutung zu.Blick auf das Europaviertel auf dem Kirchberg-Plateau in Luxemburg. Dem nur 2.500km² großen Luxemburg kommt als Sitz verschiedener EU-Institutionen und als internationalem Finanzplatz europaweite Bedeutung zu. (© picture alliance / blickwinkel)
Dem nur 2.500km² großen Luxemburg kommt als Sitz verschiedener EU-Institutionen und als internationalem Finanzplatz europaweite Bedeutung zu. Weniger bekannt ist, dass das zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien gelegene Großherzogtum auch Europas Einwanderungsland schlechthin ist: Rund 45 Prozent seiner Einwohner sind ausländische Staatsangehörige (siehe Abb. 1), mehr als 60 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Die Einwanderung ist eng mit dem beispiellosen ökonomischen Aufstieg des Landes der vergangenen Jahrzehnte verknüpft und hat dazu geführt, dass die Bevölkerung von 315.000 im Jahr 1960 auf heute 550.000 angewachsen ist.

Mit einem durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst von knapp 4.000 Euro führt Luxemburg gemeinsam mit Dänemark die europäischen Einkommensstatistiken an. [1] Dieses Gehaltsniveau – und mehr noch die niedrigen Einkommenssteuersätze bei gleichzeitig hohen sozialstaatlichen Leistungen – verdanken die Bewohner Luxemburgs nicht zuletzt einer Steuerpolitik, die multinationale Konzerne mit Steuersparmodellen ins Land lockt. Diese Praxis ist seit den sogenannten "Lux Leaks" Enthüllungen 2014 einer breiteren Öffentlichkeit bewusst und wird zunehmend deutlich von anderen EU-Staaten kritisiert. Insgesamt deckt Luxemburg einen erheblichen Teil seiner Staatsausgaben mit Steuereinnahmen von Nicht-Einwohnern. Einerseits, indem Unternehmen ihre Gewinne nach Luxemburg verlagern, wo sie mithilfe von – durch die Behörden genehmigten – Steuersparmodellen einem sehr niedrigen realen Steuersatz unterliegen. Anderseits kommt den Verbrauchssteuern auf Tabak, Benzin und Alkohol eine besondere Bedeutung zu. Sie liegen deutlich unter den Sätzen der Nachbarländer, weshalb viele Bewohner der angrenzenden Regionen diese Produkte in Luxemburg erwerben.[2]

Bemerkenswert ist weiterhin die Sprachensituation Luxemburgs, die sowohl aus der wechselvollen Geschichte als auch aus seiner Lage an der Grenze zwischen deutschem und französischem Sprachraum resultiert. Heute gelten in Luxemburg drei Amtssprachen: Französisch, Deutsch und Luxemburgisch – ein moselfränkischer (deutscher) Dialekt mit Anreicherungen aus dem Französischen, der 1984 zur Nationalsprache der Luxemburger erhoben wurde. Jede der Sprachen hat ihre Funktion und Position in Staat und Gesellschaft, wobei sich das Gleichgewicht zwischen ihnen in der Vergangenheit immer wieder verschoben hat. Die komplexe sprachliche Situation ist für Migranten unterschiedlicher Herkunft eine Chance und eine Herausforderung zugleich.[3]

Das Länderprofil befasst sich zunächst mit der Geschichte der Migration nach Luxemburg und aktuellen Zuwanderungsbewegungen. Anschließend setzt es sich mit der Migrationspolitik des Landes und der Zuwandererbevölkerung auseinander und geht auf Aspekte der Integration und des Zusammenlebens in Luxemburg ein. Eine Auseinandersetzung mit den Grundzügen des luxemburgischen Staatsbürgerschaftsrechts, Aspekten zur Asylmigration und irregulären Migration sowie ein Ausblick auf aktuelle und zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen runden den Beitrag ab.

Info

Luxemburg

Hauptstadt: Luxemburg
Landessprachen: Luxemburgisch (National- und Amtssprache), Französisch (Amtssprache), Deutsch (Amtssprache)
Fläche: 2.586 km2
Bevölkerung (2015): 562.958
Bevölkerungsdichte (2015): 217 Einwohner/km2
Bevölkerungswachstum (2013): 2,4%
Ausländeranteil (2015): 45,9%)
Erwerbsbevölkerung (2015): 401.138, davon Grenzpendler: 167.372 (41,7%)
Erwerbstätigenquote (2013): 70,6%*
Arbeitslosenquote (2015): 7,0%
Religionen (2008): Katholiken 68,7%, Protestanten und andere Christen 3,7%, andere 2,6%, ohne Bekenntnis 24,9%

Quellen: www.luxembourg.public.lu und www.statistiques.public.lu
*Bezogen auf die 20- bis 64-Jährigen Einwohner Luxemburgs (ohne Grenzpendler). http://www.statistiques.public.lu/stat/TableViewer/tableView.aspx?ReportId=5231&IF_Language=fra&MainTheme=2&FldrName=3&RFPath=92 (Zugriff: 7.5.2015).


Dieser Text ist Teil des Länderprofils Luxemburg.



Fußnoten

1.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/183571/umfrage/bruttomonatsverdienst-in-der-eu/ (Zugriff: 3.3.2015).
2.
Vgl. hierzu z.B. das Online-Dossier der Zeitschrift forum für Politik, Gesellschaft und Kultur in Luxemburg: http://www.forum.lu/luxembourg-leaks/archiv-zum-thema-tax-ruling-und-steueroptimierung (Zugriff: 7.5.2015).
3.
Siehe zur Sprachensituation: Berg/Milmeister/Weis (2013).
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Autor: Boris Kühn für bpb.de
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