Eine Frau geht an einer Weltkarte, die aus Kinderporträts besteht, am Freitag (18.06.2010) im JuniorMuseum in Köln vorbei.

26.11.2015 | Von:
Bernd Parusel

Einleitung

Schweden – mit gut zehn Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Skandinaviens – ist heute eine multikulturelle Gesellschaft. In den vergangenen Jahren ist die Einwanderung von Asylsuchenden und Flüchtlingen, Familienangehörigen bereits ansässiger Migranten sowie internationalen Studierenden gestiegen. Darüber hinaus können sich EU-Bürger, Norweger und Isländer frei in Schweden niederlassen und eine Arbeit suchen.

Fußgängerzone in Malmö. Im europäischen Vergleich nimmt Schweden viele Flüchtlinge auf und bemüht sich aktiv um neue Arbeitsmigranten, ungeachtet ihrer Bildungsabschlüsse und Qualifikationen.Fußgängerzone in Malmö. Im europäischen Vergleich nimmt Schweden viele Flüchtlinge auf und bemüht sich aktiv um neue Arbeitsmigranten, ungeachtet ihrer Bildungsabschlüsse und Qualifikationen. (© picture-alliance/dpa, dpaweb)

Während im Jahr 2000 weniger als 60.000 Menschen (ausländische und schwedische Staatsangehörige) nach Schweden einwanderten, liegt die Zahl der Einwanderer seit 2012 jährlich über 100.000. 2014 zogen 127.000 Menschen nach Schweden. Infolge dieser Entwicklung ist der Anteil der im Ausland geborenen Einwohner Schwedens an der Gesamtbevölkerung von rund 11,3 Prozent im Jahr 2000 auf etwa 16,5 Prozent im Jahr 2014 gestiegen.[1]

Offene Einwanderungspolitik

Obwohl seit 2010 die rechtspopulistische Partei der "Schwedendemokraten" (Sverigedemokraterna) im politischen System deutlich an Einfluss gewonnen hat, ist es Schweden bislang gelungen, seine vergleichsweise offene Einwanderungspolitik beizubehalten. In einem Merkblatt zur Einwanderungspolitik betont die Regierung im Jahr 2014 ihr Vorhaben, eine "nachhaltige Migrationspolitik" aufrechtzuerhalten, die "das Recht schützt, Asyl zu suchen und, innerhalb des Rahmens gesteuerter Einwanderung, grenzüberschreitende Mobilität erleichtert, nachfrageorientierte Arbeitsmigration fördert, die Zusammenhänge und Auswirkungen von Migration auf Entwicklung berücksichtigt und nutzt sowie die europäische und internationale Kooperation ausbaut." Zudem bekräftigt die Regierung ihre Überzeugung, dass Einwanderung dabei "hilft, die schwedische Gesellschaft, den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft zu beleben, da Einwanderer neues Wissen und in ihren Herkunftsländern erworbene Erfahrungen mitbringen."[2]

Herausforderungen

Der seit 2012 zunehmend starke Zuzug von Asylsuchenden und die nachfolgende Einwanderung von Familienmitgliedern anerkannter Flüchtlinge stellen Schweden vor einige Herausforderungen. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum für Neuzuwanderer. Zudem ist es für sie schwierig, einen Arbeitsplatz zu finden. Die Arbeitslosenquote unter Einwanderern aus Staaten, die nicht zur EU gehören, ist hoch.[3] Trotz dieser Herausforderungen wird Schwedens Integrationspolitik oft als erfolgreich und sogar vorbildlich bezeichnet. Dies kann teilweise darauf zurückgeführt werden, dass Schweden eine offene Politik der Gleichberechtigung betreibt. Alle legalen Migranten, die mindestens ein Jahr lang in Schweden leben, oder von denen angenommen wird, dass sie mindestens solange im Land bleiben, haben denselben Zugang zum Gesundheitswesen, zur Sozialversicherung und anderen wohlfahrtsstaatlichen Leistungen wie schwedische Staatsangehörige – und zwar unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Aufenthaltsgrund.[4] Es gibt zudem Bestrebungen, die Präsenz von Einwanderern und ihren Nachkommen im öffentlichen Leben zu erhöhen, um so die Offenheit der multikulturellen Gesellschaft zu demonstrieren. Dies trifft nicht zuletzt auf viele Mainstream-Medien, das öffentlich-rechtliche Fernsehen, politische Parteien und die Regierung zu. In der aktuellen Regierung, die aus einer Minderheitskoalition der Sozialdemokratischen Partei und der Grünen besteht, gibt es mehrere Minister mit Migrationshintergrund.[5]

Im europäischen Vergleich nimmt Schweden viele Flüchtlinge auf und bemüht sich aktiv um neue Arbeitsmigranten, ungeachtet ihrer Bildungsabschlüsse und Qualifikationen. Jüngst hat das schwedische Parlament Gesetze verabschiedet, die zirkuläre Migration fördern sollen, und sich damit verpflichtet, Mobilität nach und aus Schweden zu erleichtern.[6]

Das Länderprofil widmet sich zunächst historischen Entwicklungen der Migration nach und aus Schweden. Dem folgt ein Überblick über aktuelle Entwicklungen der Einwanderung. Anschließend geht der Beitrag auf die Einwanderungspolitik ein, wobei ein Schwerpunkt auf Arbeitsmigration und Ansätzen zur zirkulären Migration liegt. Die genannten Kapitel münden in (statistische) Informationen zur Einwandererbevölkerung und die Frage, wie Einwanderer in die Mehrheitsgesellschaft integriert werden können – ein Thema, das auch eng mit den Möglichkeiten zum Erwerb der Staatsangehörigkeit zusammenhängt. Daraufhin befasst sich das Länderprofil mit der Zuwanderung von Asylsuchenden und Flüchtlingen nach Schweden, wobei auch ein Blick auf die Asylpolitik des Landes geworfen wird, und irregulärer Migration. Schließlich werden zukünftige Herausforderungen im Hinblick auf die Einwanderung nach Schweden diskutiert.

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Info

Schweden

Hauptstadt: Stockholm
Sprachen: Schwedisch (sowie die anerkannten Minderheitensprachen Finnisch, Tornedalfinnisch, Romani, Samisch und Jiddisch)
Fläche: 447.435 km2
Bevölkerungszahl (mai 2015): 9.784.445
Bevölkerungsdichte (2014): 24 Einwohner pro km2
Bevölkerungswachstum (2014): 1,08 %
Anteil der im Ausland Geborenen an der Gesamtbevölkerung (2014): 16,5 %
Erwerbsbeteiligungsquote (2014): 66,2 % (15- bis 74-Jährige)
Anteil der im Ausland Geborenen an der Erwerbsbevölkerung (2014): 16,7 % (15 bis 74-Jährige)
Arbeitslosenquote: 7,9 % (2014), 8,0 % (2013), 8,0 % (2012), 7,8 % (2011), 8,6 % (2010)
Religionen: 64,6 % Evangelisch-lutherisch, 35,4 % andere oder ohne Bekenntnis

Quellen: Statistiska Centralbyrån [Schwedische Statistikbehörde], Eurostat (Arbeitslosenquote), Church of Sweden (Religionen).


Dieser Text ist Teil des Länderprofils Schweden.


Fußnoten

1.
Quelle: Schwedische Statistikbehörde (Statistiska Centralbyrån).
2.
Regeringskansliet (2014).
3.
Im Juni 2015 waren rund 6,5 Prozent der in Schweden geborenen Bevölkerung arbeitslos. In der im Ausland geborenen Bevölkerung lag die Arbeitslosigkeit bei 17,4 Prozent. Quelle: Schwedische Statistikbehörde.
4.
Migrationsverket (2014).
5.
http://www.government.se/government-of-sweden/ (Zugriff: 24.8.2015).
6.
European Commission/European Migration Network (2015), S. 72.
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Autor: Bernd Parusel für bpb.de
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