Gladbach Fans auf der voll besetzten Tribüne des Bökelbergstadions am 2. Mai 1965
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Der lange Weg zum Profi

Geschichte der Bundesliga


11.2.2016
Warum beschritt Deutschland bei der Professionalisierung des Fußballs einen Sonderweg? Welche Vereine konkurrierten neben dem FC Bayern um die Spitze? Wie veränderte die Strahlkraft Italiens den deutschen Fußball und wie wurde Fußball zu dem, was er heute ist?

Der Dortmunder Lothar Emmerich (vorn) bejubelt das erste Tor der Bundesliga-Geschichte. Geschossen hat es Timo Konietzka (hinten) nach nur 58 Sekunden im Spiel Werder Bremen gegen Borussia Dortmund im Bremer Weserstadion.Der Dortmunder Lothar Emmerich (vorn) bejubelt das erste Tor der Bundesliga-Geschichte. Geschossen hat es Timo Konietzka (hinten) nach nur 58 Sekunden im Spiel Werder Bremen gegen Borussia Dortmund im Bremer Weserstadion. (© picture-alliance/dpa)


Am 28. Juli 1962 um 17.45 Uhr war es endlich so weit: Im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle votieren die Delegierten des außerordentlichen DFB-Bundestags mit deutlicher Mehrheit für die Einführung einer "zentralen Spielklasse mit Lizenzspielern unter Leitung des DFB", genannt "Bundesliga". Im "Hammelsprung"[1] stimmten 103 Delegierte mit "Ja", 26 mit "Nein".

Deutschland war ein Nachzügler. Die DFB-Führung hatte sich jahrzehntelang gegen eine Nationalliga gewehrt, auch weil diese ohne eine Legalisierung des Profifußballs nicht zu realisieren war. Nationalliga und Profifußball waren so zwei Seiten ein und derselben Medaille. Außerdem bedeute eine Nationalliga eine Kräfteverschiebung zugunsten der großen Vereine.

Nachzügler Bundesliga - Gründungsjahr der Profiligen in Europa (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/


Vorgeschichte



Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich der Fußball in Deutschland zu einem einträglichen Zuschauersport entwickelt. In den Jahren 1920 bis 1933 pilgerten im Schnitt 43.787 Zuschauer zu den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft, zehnmal mehr als vor dem Krieg. Bei Auftritten der Nationalmannschaft wurden durchschnittlich 36.533 Zuschauer begrüßt – gegenüber 9.635 Zuschauern in den Jahren 1908 bis 1914[2]. Mit den Zuschauermassen wuchsen auch die Einnahmen der Klubs und Verbände. Aber die Spieler durften daran nicht partizipieren. Der DFB verbot ihnen, aus ihren Fähigkeiten Kapital zu schlagen. 1920 erließ der DFB ein Amateurstatut.

Quellentext

Amateurstatut des DFB

Wir bekämpfen das Berufsspielertum aus ethischen Gründen. (...) Es wäre ein Frevel an unsrer deutschen Jugend, wollten wir das Berufsspielertum in Deutschland auch nur im Geringsten begünstigen.

Quelle: Amateurstatut des DFB 1920, zitiert nach Grüne 2007



Verstöße wurden nun mit aller Härte verfolgt. Zu den ersten Opfern der Jagd auf Profis gehörte der spätere Bundestrainer Sepp Herberger. Ende 1921 war der Mannheimer Herberger vom "Arbeiterverein" SV Waldhof zu Phoenix 07 Mannheim gewechselt und hatte dabei 10.000 Mark kassiert. Allerdings hielt sein neuer Klub die Zusage einer Trainerausbildung nicht ein. So gelang es dem Mäzen Max Rath, den jungen Nationalspieler zum "bürgerlichen" VfR Mannheim zu locken. Die erbosten Phoenix-Funktionäre erstatteten nun beim Verband Selbstanzeige wegen der verbotenen Geldzahlung. Obwohl Herberger die 10.000 Mark zurückgab, erklärte ihn der DFB zum Berufsspieler und verhängte eine lebenslange Sperre. Am 26. März 1922 wurde die drastische Strafe in einer Berufungsverhandlung auf ein Jahr reduziert.

Die Weimarer Jahre und der Kampf der "Entartung"



Die gesamten Weimarer Jahre (1918 bis 1933) über tobte im deutschen Fußball ein Streit zwischen beinharten Verfechtern eines reinen Amateursports und Befürwortern des Profifußballs oder zumindest einer liberaleren Auslegung der harschen Amateurbestimmungen. Dabei war die Entwicklung zum Profisport nicht wirklich zu verhindern. Mit dem Interesse stiegen die Erwartungen. Um diese zu befriedigen, musste mehr und besser trainiert werden, was aber bei voller Berufstätigkeit und ohne die Anleitung durch professionelle Fußballtrainer nicht möglich war. So mussten Lohnausfälle kompensiert werden, und eine Reihe von Kickern ging nur einer "Scheintätigkeit" nach.

Um die eigene Mannschaft gegenüber den Konkurrenten zu stärken, sah man sich bei anderen Vereinen nach guten Spielern um. Diese wurden mit üppigen Handgeldern, der Vermittlung attraktiver Arbeitsplätze oder Geschäftsübernahmen, der Bereitstellung von Wohnungen und deren Einrichtung sowie Auflauf- und Siegprämien gelockt. Die Kulturpessimisten an der Spitze des DFB betrachteten diese Entwicklung mit Grauen. Weder konnten sie sich mit dem Gedanken des Sports als Unterhaltung anfreunden noch mit dem Wettkampf, den sie in ähnlicher Weise kritisierten und diffamierten wie die konservativen Turner.

Das undatierte Foto zeigt einen Torwart in Aktion während eines Fußballspiels in den 1920er Jahren.Das undatierte Foto zeigt einen Torwart in Aktion während eines Fußballspiels in den 1920er Jahren. (© picture alliance / Ullstein Bild )


Der DFB sieht in der Professionalisierung ein Zeichen für den nationalen Untergang

Für Felix Linnemann, seit 1925 Präsident des DFB, war der Professionalismus "ein untrügliches Zeichen des Niederganges eines Volkes", weshalb bereits Symptome, die auf einen "Übergangsprozeß (...) zum Berufssport" hinwiesen, "mit allen Kräften zu (...) bekämpfen" seien[3]. Der Gruppe um den DFB-Vorsitzenden Linnemann stand eine Reihe von Klubs gegenüber, die der Auffassung waren, dass eine weitere Qualitätsverbesserung die Legalisierung des Profifußballs erfordere. Diese Klubs erkannten und akzeptierten, dass der Fußball nicht nur der Körperertüchtigung diente, sondern – wie die enormen Zuschauermassen bewiesen – auch der Unterhaltung. Und dass er seine Faszination auch aus der Konkurrenz bezog.

Ambitionierte Klubs – wie in Süddeutschland der FC Bayern München und der 1. FC Nürnberg – waren ganz auf den sportlichen Wettbewerb ausgerichtet und empfanden die Ideologisierung und politische Instrumentalisierung des Fußballs als hinderlich für die eigene Entwicklung. Als der FC Bayern in der Saison 1925/26 Süddeutscher Meister wurde, waren seine Akteure zumindest "halbe Profis". Ein Stammspieler konnte monatlich bis zu 150 Mark verdienen. Mitte der 1920er-Jahre betrug der Monatsverdienst eines Arbeiters in München etwa 200 Mark. Mithilfe des Fußballs ließ sich dieser also nahezu verdoppeln.

Im Februar 1925 beschloss der Vorstand des DFB auf einer Sitzung in Hannover die Ablehnung des Profisports "für alle Zukunft" und schränkte den Spielverkehr mit ausländischen Profiteams stark ein, um "dem Kampf um die Reinhaltung des deutschen Fußballs sichtbaren Ausdruck zu verleihen. (...) Der DFB ist und bleibt ein reiner Amateurverband"[4]. Ausländische Kicker, die in Deutschland spielen wollten, mussten nun zunächst eine einjährige Strafe absitzen, "um unerwünschte Elemente fernzuhalten"[5]. Anfang der 1920er-Jahre hatten einige Ungarn den deutschen Fußball bereichert, so unter anderem der "Fußballgott" Alfred Schaffer, der beim 1. FC Nürnberg anheuerte und sich für seine Dienste gut bezahlen ließ.

Die "Hannoveraner Beschlüsse" schwächen die Nationalelf

Die Folge der sogenannten "Hannoveraner Beschlüsse" war eine zehnmonatige Länderspielpause und eine Schwächung der Nationalelf, das liebste Kind des DFB und seiner Regionalverbände. Guido von Mengden, Funktionär des Westdeutschen Spielverbandes (WSV), wo die härtesten Verfechter des Amateursports saßen, war es egal.

Zitat

Guido von Mengden, Funktionär des Westdeutschen Spielverbandes (WSV)

Besser, zehn Millionen Deutsche sind waschechte Sportsleute und unsere Nationalelf verliert gegen die halbe Welt, als zehn Millionen schauen nur zu, wie die deutsche Profi-Über-Ober-Extraklasse die ganze Welt verprügelt.

Zitiert nach Heinrich 2000, S. 89



Bayern München kontra DFB



Die großen Klubs liefen gegen die "Hannoveraner Beschlüsse" Sturm, insbesondere in Süddeutschland, wo man sich gerne und häufig mit den Profiklubs aus Wien, Budapest und Prag gemessen hatte – auch im Sinne der Verbesserung der Qualität des eigenen Fußballs. Das schwache Abschneiden der deutschen Nationalelf beim olympischen Fußballturnier 1928 gab dem Bayern Präsident Kurt Landauer recht.

Zitat

Kurt Landauer, 1927

Das fehlt dem deutschen Fußballsport am allermeisten, die Konkurrenz aus dem Ausland! Durch diese Spiele würden wir neue Anregungen bekommen, da könnten die Spieler aller Klassen lernen. So aber treiben wir die allerschlimmste Inzucht, die verderblich werden muß. Uns fehlt der internationale Maßstab vollständig, wir glauben, so stark zu sein, um mit den Elitemannschaften aller Nationen den Kampf mit Erfolg aufnehmen zu können.

Wir glauben es, den Beweis können wir nicht erbringen, weil uns die Möglichkeit hierzu fehlt. Darum endlich fort mit dem unsinnigen Spielverbot.

Quelle: Club Nachrichten des FC Bayern e.V. München, Nr. 3, März 1927



Die Mannschaft des FC Bayern München im Jahr 1928Die Mannschaft des FC Bayern München im Jahr 1928 (© picture-alliance/dpa)


Zitat

Kurt Landauer, 1929

Wer gibt dem Deutschen Fußball-Bund das Recht, Spiele mit Professionalismusmannschaften überhaupt nicht zu genehmigen? Wir Süddeutsche sind gerade mit unseren östlichen Nachbarn sportlich aufs engste verbunden gewesen, (...)diese Spiele gehörten immer mit zu den schönsten und lehrreichsten. (...) Die Spieler aus Budapest, Prag und Wien sind genau die anständigen Sportler geblieben, die sie immer waren, sich mit ihnen zu messen, ist für den deutschen Fußballsport eine Lebensnotwendigkeit. Denn dass der deutsche, speziell der süddeutsche Fußballsport in den letzen Jahren stagniert, ist erwiesen.

Quelle: Club Nachrichten des FC Bayern München e.V., Nr. 10, Oktober 1939



Im August 1930 wurden 14 Spieler des FC Schalke 04, darunter Fritz Szepan und Ernst Kuzorra, vom WSV zu Berufsspielern erklärt und damit für den Spielbetrieb des DFB gesperrt. Die Schalker reagierten, indem sie ihrerseits eine Reihe von Konkurrenten wegen Berufsspielertums anzeigten, so unter anderem den FC Bayern München. Diese Gegenaktion und eine Solidaritätswelle mit den Schalkern führten dazu, dass die Sperren nach und nach aufgehoben wurden, bis die "Knappen" am 1. Juni 1931 in einem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf wieder in Galabesetzung auflaufen konnten – gefeiert von 70.000 in der offiziell nur 40.000 Zuschauer fassenden Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn[6].

Die Debatte um das Berufsspielertum spaltet den deutschen Fußball

Gegen Ende der Weimarer Republik stand der deutsche Fußball am Rande einer Spaltung. Im September 1930 erteilte der in Dresden tagende DFB-Bundestag der Einführung des Berufsspielertums erneut eine Absage. Im November 1930 kamen Vertreter der großen Vereine in Eisenach zusammen und einigten sich auf einen Plan für eine eigenständige "Professionalismus-Reichsliga".

Die Drohung zeigte Wirkung: Im Oktober 1932 gab der DFB-Bundestag in Wiesbaden grünes Licht für die Legalisierung des Berufsfußballs. Eine endgültige Beschlussfassung sollte auf dem folgenden Verbandstreffen im Mai 1933 erfolgen. Unabhängig hiervon gründete am 19. November 1932 Albert Bauer, ein Funktionär von Wacker München und entschiedener Befürworter des Profifußballs, einen Süddeutschen Verband für Berufsfußballspiele. Bauer bemühte sich um die Genehmigung für die Veranstaltung von Profispielen in städtischen Stadien. Der DFB drohte den Städten, sie nicht länger bei der Vergabe von Länderspielen zu berücksichtigen, sofern sie in ihren Arenen Bauers Kicker spielen ließen. Doch die Drohung verpuffte. Der Deutsche Städtetag empfahl den Kommunen, ihre öffentlichen Anlagen für die Profis zu öffnen. In München erklärte das Stadtamt für Leibesübungen, es werde die Forderungen des DFB künftig ignorieren[7].

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler. In den folgenden Monaten wurde der deutsche Sport "neugeordnet", und DFB-Boss Felix Linnemann nutzte das "Führerprinzip", um das Rad der Geschichte zurückzudrehen[8]. Im September 1933 erließ der DFB neue Amateurbestimmungen, die de facto die Rückkehr zum Statut von 1920 bedeuteten. Der deutsche Fußball verharrte auf einem Sonderweg, den er später auch in die im Zweiten Weltkrieg besetzten und annektierten Gebiete exportierte[9].

Einführung der Gauliga



1935: Hertha BSC ist Gaumeister1935: Hertha BSC ist Gaumeister (© picture-alliance/dpa)


Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatte man die Gauligen[10] eingeführt. Diese bewirkten eine gewisse Leistungskonzentration[11], allerdings unterhalb eines Niveaus, das eine Legalisierung des Berufsfußballs erforderlich gemacht hätte. Gleichzeitig betrieb man den Aufbau eines breit angelegten, zentral gesteuerten Ausbildungssystems. Ein stark angewachsener Trainerstab im Reich und in den Gauen wurde mit der Aufgabe betraut, aus Amateuren Weltklassespieler zu formen. Das Ziel dieser Bemühungen lautete: Aufbau einer starken Nationalelf – aber ohne Professionalisierung des Klubfußballs. Diese Politik manifestierte sich unter anderem in der drastischen Zunahme von Länderspielen, von 4,8 pro Jahr im Zeitraum von 1920 bis 1932 auf 10,6 in den Jahren 1933 bis 1942[12].

Der deutsche Sonderweg - Nationalspieler bleiben "Staatsamateure"

Was die Nationalmannschaft anbetraf, so nahm es der DFB mit seinen Amateurbestimmungen nicht so eng. Die Nationalspieler waren gewissermaßen "Staatsamateure". Vor der WM 1934 erhielten die Kandidaten von Reichstrainer Dr. Otto Nerz großzügige Freistellungen seitens ihrer Arbeitgeber, das Thema Lohnersatz bereitete keine Probleme. Das DFB-Team wurde in Italien Dritter, nachdem man im "kleinen Finale" Österreichs Profis mit 3 zu 2 besiegt hatte. Daheim ließ man sich als "Amateur-Weltmeister" feiern[13]. Über die gesamte Strecke von zwölf Jahren Diktatur betrachtet, führte der "deutsche Sonderweg" aber kaum zu Erfolgen. Beim olympischen Fußballturnier 1936, wo offiziell nur Amateure am Start waren, schied der selbsternannte "Amateur-Weltmeister" Deutschland nach einer 0-zu-2-Niederlage gegen den "Underdog" Norwegen vorzeitig aus. Bei der WM 1938 scheiterte ein aus Deutschen und Österreichern gemischtes Team bereits am ersten Gegner Schweiz.

Hitler-Gruß der deutschen Fußballnationalmannschaft am 16.11.1941 im Stadion in Dresden. Das Spiel gegen Dänemark endet 1:1 unentschieden.Hitler-Gruß der deutschen Fußballnationalmannschaft am 16.11.1941 im Stadion in Dresden. Das Spiel gegen Dänemark endet 1:1 unentschieden. (© picture-alliance)


Vom Amateur zum Vertragsspieler



Der Prozess der Modernisierung und Liberalisierung, des Anschlusses an die allgemeinen Entwicklungen im europäischen und globalen Fußball fand erst nach dem Zweiten Weltkrieg eine Fortsetzung. Allerdings erfolgte der Weg in die Moderne zunächst im Schneckentempo. Zwar kam es bereits im September 1945 im Süden Deutschlands zur Gründung einer Oberliga, die eine weitere Leistungskonzentration bedeutete und ohne ein gewisses Maß an Berufsspielertum nicht funktionieren konnte. Weshalb die 16 anwesenden Vereine auch einstimmig beschlossen, den Amateurstandpunkt fallen zu lassen.

Im Süden führt eine Fußball-Profi-Tagung 1947 den "Vertragsspieler" ein

Für Gustav Sackmann, einem der Mitbegründer, ging die Oberliga aber noch nicht weit genug. Wie schon in den Jahren der Weimarer Republik wurde auch über vom Verband unabhängige Profiligen nachgedacht. An einigen Orten gründeten "Fußballunternehmer" eigene Profiklubs. So zum Beispiel in Kassel, wo der Traditionsklub Hessen Kassel drei Spieler hinauswarf, die sich dem Profiklub Rapid Kassel angeschlossen hatten[14]. Sackmann und Albert Bauer, der bereits Anfang der 1930er-Jahre eine Profiliga gründen wollte (siehe oben), planten für den 1. September 1948 den Start einer Profiliga. Das Grundgehalt der Spieler sollte 200 D-Mark brutto betragen. Angeblich hatte man bereits 40 Klubs und 500 Spieler gewonnen und ein Betriebskapital von 25.000 D-Mark zur Verfügung[15]. Am Ende setzten sich aber die gemäßigteren Vertreter des süddeutschen Fußballs durch. Im Dezember 1947 fand im Süden eine "erste deutsche Fußball-Profi-Tagung" statt, einberufen von den Verantwortlichen der Oberliga Süd. Am 1. August 1948 beschlossen Süddeutschlands Oberligavereine die Einführung des "Vertragsspielers" mit der Saison 1948/49[16]. Als Vorbild diente das Vertragsspielerstatut der Schweiz.

Der Westen und Norddeutschland gründen Oberligen und legalisieren Vertragsspieler

Bald machten es die anderen Regionen der späteren Bundesrepublik den Süddeutschen nach. Mit der Saison 1947/48 wurde auch im Westen und in Norddeutschland in Oberligen gespielt – und im Juli 1949 wurde auch hier der Vertragsspieler legalisiert. Berlin folgte mit der Saison 1950/51. Der Vertragsspieler blieb aber zunächst nur ein Kompromiss zwischen zwei Epochen beziehungsweise eine Modifizierung des "deutschen Sonderwegs". Er war kein lupenreiner Amateur mehr, aber auch kein richtiger Profi. So hieß es im Paragraf 3, Absatz 1 des Vertragsspielerstatuts einschränkend: "Der Spieler muss einen Beruf ausüben." Die monatlichen Gehälter durften zunächst 160 D-Mark, später 320 und 400 D-Mark (1958) nicht überschreiten – was aber häufig genug nicht eingehalten wurde. Die Fußballer waren zwar noch keine Profis, genossen aber durchaus schon gewisse Privilegien, wozu auch Reisen ins Ausland gehörten.

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Fußnoten

1.
Mit „Hammelsprung“ wird ein bestimmtes Abstimmungsverfahren im Bundestag bezeichnet. In der Regel stimmen die Abgeordnete durch Handzeichen oder Aufstehen ab. Besteht Zweifel über das Ergebnis, kommt der „Hammelsprung“ zum Einsatz. Dazu verlassen die Abgeordneten den Plenarsaal und betreten ihn wieder durch eine von drei Türen, die jeweils für Ja, Nein oder Enthaltung stehen. Schriftführer zählen sie dabei laut. Quelle: Bundestag.de
2.
vgl. Grüne 2003, Schulze-Marmeling 2007
3.
zitiert nach Oswald 2008, S. 117
4.
zitiert nach Heinrich 2000, S. 84
5.
zitiert nach Grüne 2007, S. 46
6.
vgl. Gehrmann 1988
7.
vgl. Schulze-Marmeling 2011; Oswald 2008
8.
vgl. Oswald 2008
9.
vgl. Oswald 2002
10.
"Gau" gleich Region beziehungsweise Verwaltungseinheit während des Nationalsozialismus
11.
statt über 500 gab es in der Saison 1933/34 nun "nur" noch 133 Erstligisten
12.
Im Zeitraum von 1950 bis 1963 sank die Zahl der Länderspiele dann auf 6,3 pro Jahr, trotz dreier WM-Teilnahmen; vgl. Schulze-Marmeling 2007.
13.
vgl. Grüne 2007a
14.
vgl. Skrentny 1993
15.
Skrentny 1993
16.
vgl. Skrentny 1993; Grüne 2003

 

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