Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.
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Deutschland


5.12.2005
Als Gastgeber automatisch qualifiziert, suchte Deutschland in Testspielen eine Antwort auf die Frage nach der WM-Form, zuletzt mit durchwachsenem Erfolg. Trotzdem schaut die Mannschaft unter der Leitung von Jürgen Klinsmann optimistisch auf das Turnier im eigenen Land.

Flagge der Bundesrepublik DeutschlandFlagge der Bundesrepublik Deutschland (© Public Domain)
Sagt Franz Beckenbauer zu Bundeskanzlerin Merkel : "Wir Fußballer und ihr Politiker haben ja vieles gemeinsam hierzulande". Sagt Frau Merkel : "Sie meinen die Hingabe, die Ausdauer und den Teamgeist." – "Nein, ich meine die hohen Gehälter, die schlechten Umfragewerte und die Schwarzgeldaffären".
Witzeleien und Cartoons wie diese machten zuletzt verstärkt die Runde im Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Denn das Warten auf den Anpfiff am 9. Juni zog sich zäh wie Leder. Für den Bundesbürger war es ein ständiger Gefühlswechsel: Einerseits die Vorfreude reinsten Herzens auf das Turnier der 32 weltbesten Nationalmannschaften, andererseits die vielen Ärgernisse, deren Ursache in erster Linie in den merkantilen Auflagen des machtbewußten Welt-Fußballverbandes FIFA liegt.

Aber auch die Leute vom deutschen WM-Organisationskomitee waren permanent beleidigt, wenn Warentester, Verbraucherschützer oder Ticket-Inhaber angesichts unbelehrbarer Fußball-Funktionäre ihr Heil durch Flucht in die Öffentlichkeit oder vor ordentliche Gerichte suchten. Dort wurde, zur allgemeinen Freude der Fußballfans, raffsüchtigen Markenschützern der FIFA und wenig kooperativen DFB-Funktionären mehrfach Grenzen aufgezeigt. Selbst ein leibhaftiger ehemaliger Bundesinnenminister wurde widerlegt, der prophezeit hatte, im Internet ersteigerte Eintrittskarten könne sich der Käufer "an die Wand nageln". Erst der öffentliche Druck und das greifbare Risiko einer prozessualen Niederlage für die WM-Organisatoren führte zur Installation einer offiziellen Ticket-Tauschbörse durch das WM-OK.

Deutscher Heimerfolg und ein Drama in Oranje



Seit 1930 wird im Vier-Jahres-Turnus ein Fußball-Weltmeister ausgespielt, bei bislang 17 WM-Turnieren haben sechsmal die Gastgeber am Ende obsiegt : 1930 in Uruguay, 1934 in Italien, 1966 in England, 1978 in Argentinien, 1998 in Frankreich und, nicht zu vergessen, die Deutschen im Jahre 1974. Dabei hatte die Favoritenbürde bei den großartigen Holländern mit ihrem genialen Spielmacher Johann Cruyff gelegen. Sie waren nach Meinung der Beobachter das beste aller Teams, auch im Endspiel. Eine brillante, homogene Mannschaft, der der ganz große Erfolg verwehrt blieb. Ein "Drama in Oranje". Die Deutschen waren schwer ins Turnier gestartet und hatten sich erst später zur Idealbesetzung zusammengefunden. Dazu verholfen hatte auch die Niederlage beim 0:1 in Hamburg im ersten und einzigen Länderspiel gegen die DDR. Es war eine Blamage, die Kräfte freisetzte. Franz Beckenbauer, Libero und Kapitän, übernahm das Kommando und setzte sich mit seinen personellen Vorstellungen auch bei Bundestrainer Helmut Schön durch. Sepp Maier, Georg Schwarzenbeck, Berti Vogts, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Rainer Bonhof, Uli Hoeneß, Wolfgang Overath, Jürgen Grabowski, Gerd Müller und Bernd Hölzenbein – so lautete die Weltmeister-Formation. Es war eine herausragende Generation deutscher Fußballer, die sich zwei Jahre zuvor bereits – mit dem Mönchengladbacher Regisseur Günter Netzer, aber insgesamt in ähnlicher Formation - die Europameisterschaft geholt hatte. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Anfang der 70er Jahre war das Beste, was Deutschland jemals international aufs Feld führen konnte, eine ideale Mischung aus Technikern und Kämpfern, die es seither nie wieder gegeben hat.

Warum aber, so fragen Berufsoptimisten im Land der 18. Fußball-WM, sollte sich im Jahr 2006 ein Heimsieg nicht wiederholen können? Zugegeben, die Mannschaft von Jürgen Klinsmann ist von der Papierform nicht stärker als allerhöchstens fürs Viertelfinale einzuschätzen. Und auch der Mythos der Deutschen von der "typischen Turnier-Mannschaft", die im Verlauf der Bewährung zu einer ungeahnten Form aufläuft, ist angeknackst.