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Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Flurin Clalüna

Schweiz

Persönlichkeiten des Schweizer Fußball

Hansruedi Hasler, Technischer Direktor des SFV

Die Erfolge der Schweizer Juniorenauswahlen, die in den letzten Jahren Europa weit für Aufsehen sorgten, will Hasler nicht auf seine Person beziehen. Er spricht in der Regel in der Mehrzahl, vom Team, das für den Aufschwung verantwortlich sei. Hasler spielte einst beim FC Biel in der Nationalliga A, daneben arbeitete er nebenamtlich als Trainer. Das Angebot als Profi-Chefcoach schlug er aus, weil er sein Studium an der Universität Bern mit einer Dissertation über Erziehungswissenschaften abschliessen wollte. Als ihm 1994 Marcel Mathier, damals Präsident des SFV, den Job als Technischer Direktor anbot, willigte Hasler ein. Köbi Kuhn, als ehemaliger Coach des U-21-Teams einst der Untergebene Haslers, sagt über ihn: "Wie groß soll das Kompliment für Hasler sein? Es ist ganz einfach: Er ist der Baumeister des Erfolges."

Köbi Kuhn, Schweizer Nationaltrainer

Als Kuhn im Oktober 2003 seinen 60. Geburtstag feierte, blickte er in eine einzigartige Stadionkulisse, die ihm ein Lied für ihn sang. 2:0 hatte das Schweizer Nationalteam in Basel gegen Irland gewonnen; jetzt besaß es die Gewissheit, erst zum zweiten Mal nach 1996 an eine EM-Endrunde fahren zu können. Es war auch Kuhns ganz persönlicher Triumph nach einem Start als Nationaltrainer, der von Misstönen begleitet gewesen war. Die Boulevardzeitung "Blick" hatte am Vortag des entscheidenden Irland-Spiels geschrieben, Kuhn spiele um seinen Job. Seither ist er unbestritten.

In den 60er und 70er Jahren zählte Kuhn zu den besten Mittelfeldspielern, die die Schweiz je hatte. Die Zeitung "Sport" schrieb einmal, er habe "Honig an den Füssen". 64 Mal spielte er für das Nationalteam, mit seinem Stammklub, dem FC Zürich, dem er ein Fußballerleben lang treu blieb, gewann er sechs Mal den Meistertitel und fünf Mal den Cup. 1966 nahm er an der WM in England teil. Seine Trainerkarriere begann als Interimscoach beim FC Zürich, wo er die abgelösten Max Merkel und Hans Kordric ersetzte. Ende der 80er Jahre erwarb Kuhn das Trainerdiplom und übernahm 1991 seinen ersten Posten als Juniorentrainer und Technischer Leiter des FCZ. Nach fünfjähriger Tätigkeit in der Nachwuchsabteilung des Schweizerischen Fußballverbandes wurde Kuhn 2001 zum Cheftrainer der A-Nationalmannschaft ernannt. Die Landesauswahl hatte damals eine dornenvolle Strecke von knapp sechsjähriger Dauer hinter sich, während deren sich fünf Trainer (Jorge, Fringer, Gress, Zaugg, Trossero) mit wechselhaftem Geschick am Steuer versuchten, ohne wieder auf den Erfolgskurs ihres Vorgängers Roy Hodgson (1992 bis Ende 1995) einzuschwenken. Zu retten war für den Zürcher in der Qualifikation für die WM 2002 nicht mehr viel. Niederlagen gegen die Jugoslawen und die Russen blieben unvermeidlich, aber die Handschrift des neuen Coachs ließ sich früh erkennen. Mit der Qualifikation für die Euro 2004 und die WM 2006 bestätigte Kuhn das Vertrauen, das in ihn gesetzt worden war.

Mit seiner Frau wohnt Kuhn immer noch im gleichen Quartier in Zürich, in der gleichen Mietwohnung wie schon seit vielen Jahren. Seine Zurückhaltung und Bescheidenheit, die er auch auf die Mannschaft zu übertragen versucht, sind seine Charaktermerkmale. Kuhn ist ein atypischer Fußballtrainer in der heutigen Zeit, ein Wertkonservativer mit Idealen und klaren Vorstellungen. Das Erstaunliche ist, dass ihn seine jungen, teils hedonistischen Spieler verstehen und schätzen.