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Rasenstück mit Sonderbriefmarke zur Fußball WM 2006 in Deutschland. Auf der Briefmarke ist das Maskottchen Goleo im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu sehen.

5.12.2005 | Von:
Flurin Clalüna

Schweiz

Persönlichkeiten des Schweizer Fußball II

Johann Vogel, Captain der Schweizer Nationalmannschaft

Der 29-jährige Captain ist abgesehen vom routinierten Goalie Pascal Zuberbühler (35) der erfahrenste Spieler des Teams. Lange Zeit als "Alibifussballer, der nur Querpässe spielt", im Verruf, arbeitet Vogel seit dem Transfer zur AC Milan im Sommer 2005 konsequent an der Verbesserung seiner Reputation. In der Nationalmannschaft ist er aufgrund seiner Ruhe und Stilsicherheit unverzichtbar.

Vogel begann 1984 beim FC Meyrin in der Nähe Genfs mit dem Fussball. Im jungen Alter von 15 Jahren wechselte er zum Grasshopper-Club nach Zürich, im Juli 1992 erhielt er erstmals die Möglichkeit, sich in der Nationalliga A zu präsentieren – als jüngster Debütant überhaupt. Sein damaliger Trainer Christian Gross, heute Coach beim FC Basel, sagte über den 19-Jährigen, er sei "ein Teenager mit dem Verhalten eines 30-Jährigen." Nachdem der Westschweizer mit dem GC drei Schweizer Meistertitel errungen hatte, wechselte er im Sommer 1999 zum PSV Eindhoven. Nach einer überragenden Saison 2004/05 und insgesamt sechs Jahren in Eindhoven nahm Vogel das überraschende Angebot der AC Milan an. In einem Interview mit dem "Sportmagazin" sagte Vogel: "Meine Karriere verlief bisher perfekt. Es ging immer aufwärts, sportlich wie finanziell." Nach schwierigen Monaten in Mailand, ohne viel Einsatzzeit, begann sich der Mittelfeldspieler im Januar 2006 im Kampf um einen Platz im Kader allmählich zu behaupten.

Tranquillo Barnetta, die Verkörperung des Jugendstils

Der 20-jährige Ostschweizer verkörpert mit seiner Bescheidenheit und dem Streben nach Erfolg den Prototyp des Schweizer Fußballers Kuhnscher Prägung. Er sei immer der Kleinste und der Dünnste gewesen, erinnert sich sein Bruder Sandro, wenn er an die gemeinsame Zeit beim FC Rotmonten in der Ostschweiz denkt. Der Vater erkannte das Talent des jüngeren Sohnes rasch und meldete ihn zum Probetraining beim FC St. Gallen. Mit dem Europameistertitel der Unter-17-Jährigen in Dänemark begann der steile Karrierenanstieg Barnettas – "der Durchbruch", wie der Vater analysiert. In Kopenhagen am EM-Turnier war auch ein Scout von Bayer Leverkusen zugegen. Zunächst beendete Barnetta jedoch die Lehre und spielte weiterhin für St. Gallen, erst ab Sommer 2004 stand er bei Bayer unter Vertrag. Zunächst sollte er bei Hannover 96 Erfahrungen in der Bundesliga sammeln. Früher als geplant und trotz einem Kreuzbandriss im Oktober 2004 in seinem zweiten Länderspiel (gegen Israel), wurde Barnetta zu Leverkusen zurückgeholt, wo er sich inzwischen unter Trainer Skibbe zu einem wertvollen Spieler entwickelt hat.

Alexander Frei, der Torgarant

Am 24. März 2001 gab Frei gegen Jugoslawien sein Debüt in der Schweizer A-Nationalmannschaft. Nur vier Tage später lief er gegen Luxemburg erstmals von Beginn an auf und erzielte drei Treffer zum 5:0-Sieg. Der Stürmer ist der Torgarant des Schweizer Teams. In 42 Länderspielen erzielte er inzwischen 23 Treffer. Bei der erfolgreichen EM-Qualifikation 2004 sorgte er für positive Schlagzeilen. Negativer Höhepunkt sollte derweil die "Spuck-Affäre" gegen Steven Gerrard im EM-Vorrundenspiel gegen England werden. Im Januar 2003 wechselte Frei nach Stationen in der Schweiz (Basel, Thun, Luzern, Servette) trotz anderen Offerten zu Stade Rennes in die französische Ligue 1. Der VfB Stuttgart hätte den Schweizer erst im Sommer verpflichten wollen. Überraschend ließ ihn ausgerechnet Trainer Vahid Halilhodzic, der ihn von einem Wechsel in die Bretagne überzeugte, sehr schnell fallen, verbannte Frei auf die Ersatzbank oder auf die Tribüne, so dass dieser kurz davor war, die Stadt schnell wieder zu verlassen und bereits seine Wohnung gekündigt hatte. "Als Schweizer bekommst du hier so viel Anerkennung wie jemand von den Fidschi-Inseln", sagte er dem "Sportmagazin". Nach einem Gespräch im Familienkreis entschied er sich, im Norden Frankreichs zu bleiben. Die Geduld lohnte sich: 2005 wurde Frei Torschützenkönig in Frankreich (20 Tore in 32 Partien).