DFB verbietet seinen Vereinen Damenfußball
Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza
4.9.2007
DFB-Präsident Peco Bauwens bei der Übergabe der Meisterschale 1953 an Kaiserlauten. 1955 verbietet der DFB seinen Vereinen den Frauenfußball. (Foto: AP) (© AP)Dr. Hubert Claessen, langjähriges DFB-Vorstandsmitglied, ist im Juli 1955 als Delegierter in Berlin dabei und beschreibt den männerbündlerisch-konservativen "Korps-Geist" der Delegierten und ihr "ästhetisches Empfinden": "Das war schon eine schwere Sünde, dass die Mädchen da mit einem wackeligen Busen übers Feld liefen und dann auch noch gegen den Ball traten oder sich gegenseitig foulten. Nach Vorstellungen der alten Herren war das unmöglich. Man wollte einfach keine Damenfußballabteilungen und keine Damenwettbewerbe, weil man sagte, das ist kein Sport, der sich für Frauen eignet, weil der Körper der Frau für den Kampfsport – denn Fußball wurde immer noch als Kampfsport angesehen – weder physisch noch seelisch geeignet ist".(Dr. Hubert Claessen, Interview 1999).
Das Treten ist männlich, das Nicht-Treten weiblich"
"Die biologistischen und medizinischen Argumente der DFB-Riege werden von nicht wenigen Medizinern schon damals bestritten. Aber es gibt von Seiten der Medizin und Psychologie auch deftige Argumentationshilfen, die die männliche Sicht der Dinge scheinbar wissenschaftlich untermauern. Der bekannte Psychologe Fred J.J. Buytendijk bringt 1953 eine Studie über das Fussballspiel heraus, die an Geschlechterdiskrimierung kaum zu überbieten ist: "Der Fuß bedeutet aber /.../ treten – eine bestimmte Form der Aggression und eine bestimme Verhaltensweise zum eigenen Körper, Grund und Anlaß für eine demonstrative Männlichkeit und die dazu erforderliche unerbittliche Härte, die manche Rohheit nennen. /../ Im Fußballspiel zeigt sich in spielender Form das Grundschema der männlichen Neigungen und der Wert der männlichen Welt. /.../ Das Fussballspiel als Spielform ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit. Es ist noch nie gelungen, Frauen Fußball spielen zu lassen. /.../ Das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob darum Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nicht-Treten weiblich." (F.J.J. Buytendijk, 1953. S. 25/26)
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