Ein schmelzender Eisberg am 19. Juli 2007 vor der Insel Ammassalik in Ostgronland. Nach dem dramatischen Gipfel auf der indonesischen Ferieninsel Bali vor einem Jahr haben die Verhandlungen ueber einen neuen globalen Klimapakt längst die Mühen der Ebene erreicht. Im polnischen Posen (Poznan) versuchen Experten aus aller Welt ab Montag (1.12.) erste Pfloecke einzurammen, um den hoch komplizierten Vertrag bis Ende 2009 fertig zu bekommen.

Materialeffizienz


27.6.2014
Wir konsumieren immer neue Produkte, die Rohstoffe dafür liefert meist die Natur. Doch die Rohstoffe der Erde sind endlich und ihre Förderung kann dem Ökosystem schaden. Materialeffizienz kann dazu beitragen, dieses Problem zu lösen. Doch was ist das überhaupt?

Gebrauchte Kaffee-Kapseln aus Aluminium. Die Materialeffizienz von Kaffeemachinen mit Kapsel-Technik ist sehr gering.Gebrauchte Kaffee-Kapseln aus Aluminium. Die Materialeffizienz von Kaffeemachinen mit Kapsel-Technik ist sehr gering. (© picture-alliance/dpa)

Was ist Materialeffizienz?



Die Verknappung der natürlichen Rohstoffe und das verschärfte Bewusstsein für Umweltbelange führen dazu, dass zunehmend in Produktion und beim Konsum auf den effizienten Einsatz von Material geachtet wird. Der Begriff Effizienz ist bekannt aus der ökonomischen, aus der "monetären" Welt und heißt so viel wie den Nutzen für den eingesetzten Aufwand maximieren – oder eben den Aufwand für einen vorgegebenen Nutzen minimieren.

Bei Materialeffizienz geht es nicht um die monetäre, sondern um die materielle Welt, um Förderung und Verarbeitung von Rohstoffen und deren Folgen. Der Nutzen wird dabei nicht in Frage gestellt. Es geht also nicht darum, wie viel produziert oder konsumiert werden darf, sondern um die Frage, wie und mit welchem Materialaufwand produziert wird.

Materialeffizienz beschreibt somit das Verhältnis zwischen Materialaufwand (Verbrauch) und dem Nutzen. Produkte können bei gleichem Nutzen einen ganz unterschiedlichen Materialverbrauch haben: So reicht der Filter einer Filter-Kaffeemaschine für die Zubereitung von bis zu zehn Tassen. Bei einer Kapsel-Maschine hingegen fällt eine Aluminium-Kapsel pro Tasse an. Die herkömmliche Filter-Maschine verbraucht folglich bei gleichem Nutzen weniger Material und ist damit materialeffizienter.

Die Verringerung der Materialmenge reicht dabei nicht immer aus. Es kommt auch auf die Art des Materials an. Denn, wie beim Beispiel der Kaffeemaschinen auch, müssen der Natur für die Herstellung mancher Materialien besonders viele Rohstoffe entnommen werden - auch wenn sie nur in geringen Mengen eingesetzt werden. So zum Beispiel für Edelmetalle, die sich nicht nur in Schmuck, sondern auch in Elektronikprodukten finden. In einem handelsüblichen Handy stecken nur 0,034 g Gold, jedoch müssen für den Abbau des Goldes mindestens 100 kg Erde und Gestein bewegt werden. Bei der weiteren Verarbeitung fallen außerdem große Mengen toxischer Substanzen wie Quecksilber oder Zyanid an, um das Gold vom übrigen Gestein zu trennen. Nicht außer Acht zu lassen sind auch die Arbeitsbedingungen: Gerade in Entwicklungsländern werden Rohstoffe unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen abgebaut, bei niedrigen Löhnen. Daher gilt es, nicht nur das Endprodukt zu betrachten, sondern einen Schritt weiter zu gehen und auch die Rohstoffgewinnung, die Aufbereitung und die Weiterverarbeitung, also die gesamte Wertschöpfungskette miteinzubeziehen.

Zubereitung eines Filterkaffees in einer Kaffeebar im Projektraum "Supermarkt" in Berlin, Wedding.Ressourceneffizient im Alltag: Wiederverwendbare Kaffefilter sparen nicht nur Verpackungsmaterial, sondern auch Energie. (© picture alliance / ZB)
Verbreiteter als Materialeffizienz ist der Begriff der Energieeffizienz. Man kennt ihn im Rahmen der Diskussionen um den Einsatz von Energiesparlampen oder den Stromverbrauch von Kühlschränken. Fasst man die Material- und die Energieeffizienz zusammen, so bezeichnet man diese umfassende Herangehensweise als Ressourceneffizienz. Alle eingesetzten Ressourcen, egal ob in Form von Energie oder Material, werden so berücksichtigt.

Herausforderungen und Chancen



Im Jahr 2050 sollen über neun Milliarden Menschen auf der Erde leben und konsumieren. Sie wollen nicht nur ihre Grundbedürfnisse befriedigen, sondern streben nach materiellem Wohlstand, möchten ein Handy, einen Fernseher und ein Auto - so wie es heute in Industrienationen üblich ist. Dies würde noch deutlich mehr Ressourcen erfordern, als wir der Erde bereits derzeit entnehmen. Ohne eine Steigerung der Materialeffizienz ist das kaum möglich, wie die zunehmenden Preisschwankungen auf den Energie- und Rohstoffmärkten und die Rohstoffverknappung bereits heute deutlich machen.

Um die Materialeffizienz zu steigern, müssen neue Technologien entwickelt und umgesetzt werden. Auch sind Veränderungen in Organisationen, in den Arbeitsroutinen, Planungsabläufen und Denkmustern erforderlich. Doch wenn es gelingt, Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch voneinander zu trennen (zu entkoppeln), lohnt sich die Anstrengung: für die Unternehmen, die bares Geld sparen, für die Umwelt, die weniger belastet wird, und für all die Menschen, denen so ein gewisses Maß an Wohlstand und Lebensqualität ermöglicht wird.

Materialeffizienz in Unternehmen



Für die meisten Unternehmen hat der Einsatz an Materialien eine wesentlich größere ökonomische Bedeutung als der Verbrauch an Energie (Ausnahmen bilden Industrien, die überdurchschnittlich große Energiemengen benötigen, z.B. die Aluminiumindustrie). Knapp die Hälfte der Ausgaben können dem Materialverbrauch zugeschrieben werden, dagegen nur rund zwei Prozent dem Energieverbrauch. Einsparungen an Materialien würden somit auch zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Durch einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen werden zusätzlich die Rohstoffsicherheit erhöht und die Umweltbelastungen verringert.

Geht man noch einen Schritt weiter, können durch neue Nutzungsmodelle ("Nutzen statt Besitzen") die Rohstoffe am Ende der Nutzungsphase der Produkte wieder zum Unternehmen zurückgelangen. Wer möchte schon wirklich eine Waschmaschine besitzen? Dem Großteil der Menschen ist nur das Ergebnis wichtig: saubere Wäsche. Ob die Maschine nach ihrer Lebensdauer vom Hersteller zurückgenommen und so die Maschine weiterverwendet oder deren Rohstoffe wiederverwertet werden können, schränkt den Nutzer in keiner Weise ein. Für das Unternehmen lassen sich so hingegen wichtige Rohstoffe wieder und wieder nutzen.

Jedoch gibt es auch Optimierungsmaßnahmen, die sich mit weniger Aufwand umsetzen lassen und dennoch einen positiven Einfluss auf die Materialeffizienz haben:
  • Reduktion von Ressourcenverlusten durch Verbesserung bzw. Sicherung der Qualität (Verminderung von Ausschuss)
  • Optimierung der Produktionsprozesse, z. B. durch die Reduzierung von Verschnitt
  • Optimierung der Konstruktion, ressourcenschonendes Produktdesign (z. B. Leichtbau, leichtere Produkte)
  • Verstärktes Werkstoffrecycling
  • Bessere Auslastung von Geräten, Anlagen und Spezialmaschinen
  • Optimierung der Nutzungsphase von Produkten, ermöglichen längerer Nutzungszyklen
Hierbei ist wichtig, nicht nur einzelne Prozesse zu optimieren, sondern stets das große Ganze im Blick zu haben. Um alle Potenziale ausschöpfen zu können, muss die gesamte Wertschöpfungskette, vom Rohstoffabbau bis zur Entsorgung, berücksichtigt werden. In der Praxis ist es jedoch häufig schwierig, den gesamten Wertschöpfungsprozess zu überblicken. Außerdem erfordert dies eine intensive Zusammenarbeit und Kooperation zwischen allen beteiligten Akteuren. Häufig wird auch das Risiko gescheut, in bestehende Produktionsprozesse einzugreifen und diese gegen materialeffizientere Verfahren zu ersetzen.

Materialeffizienz als Aufgabe der Politik



Vor dem oben skizzierten Hintergrund der wirtschaftlichen Bedeutung des Themas Material- und Ressourceneffizienz gibt es sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene zahlreiche Initiativen, Förderprogramme und Netzwerke. Sie richten sich vorrangig an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Beispielhaft für Anlaufstellen zur Beratung und Förderung von KMU in Bezug auf Ressourceneffizienz seien an dieser Stelle die Effizienz-Agentur NRW (EFA) und die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea) genannt. Unterstützungs- und Beteiligungsmöglichkeiten in diesem Kontext bieten Netzwerke wie das PIUS-Netzwerk (vgl. www.pius-info.de) oder auch das Netzwerk Ressourceneffizienz (vgl. http://www.netzwerk-ressourceneffizienz.de). Seit April 2013 gibt es zusätzlich einen neuen Förderschwerpunkt des Umweltministeriums (BMU) "Materialeffizienz in der Produktion".

Trotz vorhandener Technologien und verschiedener Förderansätze ist es bisher nicht gelungen, Materialeffizienz mit ihrem gesamten Potential umfassend zu nutzen. Es gibt vielfältige Barrieren und Hindernisse, die eine breite Umsetzung verhindern. Oft fehlen Anreize für Konsumenten, ein materialeffizientes Produkt zu erwerben oder es als solches überhaupt zu erkennen. Weiterhin sind die höheren Anfangsinvestitionen für Unternehmen ein großes Hindernis. Andere Barrieren sind fehlende oder widersprüchliche Informationen oder das Festhalten an alten Gewohnheiten. Materialeffizienz erfordert oft ein komplexes Zusammenwirken von Unternehmern, Mitarbeitern und Konsumenten. Es sollten daher Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden, um diese Barrieren zu überwinden.

Für den Bereich der Energieeffizienz haben sowohl die Bundesregierung als auch die EU Ziele formuliert und Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Energieeffizienz voranzubringen. So sind mit der EU-Energieeffizienz-Richtlinie (2012/27/EU) zahlreiche Energieeffizienzaktivitäten aufgeführt, die von den EU-Mitgliedstaaten umgesetzt werden sollen bzw. müssen, um das EU-Ziel der Steigerung der Energieeffizienz um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 zu erreichen.

Umfangreichere Informationen, finanzielle Förderungen und steuerliche Vorteile für materialeffiziente Produkte und Unternehmen, Grenzwerte für Materialverbräuche oder die Einführung von EU-weiten Labels sind auch für den Materialeffizienzbereich ausbaufähig bzw. wünschenswert.

Die Hemmnisse, die einer deutlichen Steigerung der Materialeffizienz entgegen stehen, können nur durch eine intelligente Kombination verschiedener Politikinstrumente und Maßnahmen überwunden werden. Ein Richtungswechsel wird nur stattfinden, wenn neben Technologien und Organisationsstrukturen auch das Bewusstsein für die Relevanz dieser Thematik weiter wächst. Daher sollte das Thema Materialeffizienz auch in Schulen, Universitäten und anderen Bildungsinstitutionen etabliert werden.

Literatur



Schmidt-Bleek, F. (2007): Nutzen wir die Erde richtig.

Liedtke, C.; Busch, T. (2005): Materialeffizienz: Potentiale bewerten, Innovationen fördern, Beschäftigung sichern.



 

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