Ein schmelzender Eisberg am 19. Juli 2007 vor der Insel Ammassalik in Ostgronland. Nach dem dramatischen Gipfel auf der indonesischen Ferieninsel Bali vor einem Jahr haben die Verhandlungen ueber einen neuen globalen Klimapakt längst die Mühen der Ebene erreicht. Im polnischen Posen (Poznan) versuchen Experten aus aller Welt ab Montag (1.12.) erste Pfloecke einzurammen, um den hoch komplizierten Vertrag bis Ende 2009 fertig zu bekommen.

Bauen und Wohnen im 21. Jahrhundert

Oder: das Loch in der Wand


2.12.2013
Die Reduzierung des Energieverbrauchs beim Wohnen ist ein wichtiger Baustein für die Einhaltung der Klimaschutzziele und zur Kostenersparnis. Welche Einsparmöglichkeiten gibt es? Und wie werden sie gefördert?

Eine Solarsiedlung in Gelsenkirchen.Mit gutem Beispiel voran: Diese Energiespar-Häuser in Gelsenkirchen könnten ein Vorbild werden. (© AP)

Einleitung



Paul traf den Ball aus einer eleganten Drehung mit dem Vollspann. Der Ball flog direkt auf die frisch renovierte Gebäudefassade im Hinterhof der Altbausiedlung zu. Eine Schrecksekunde. Vor Wochen bereits, als die Baugerüste noch standen und die Handwerker die starke Dämmung an das Gebäude auftrugen, bohrte Paul einen Schraubenzieher heimlich in das weiche Styropor. Er wusste, dass der Ball ein hässliches Loch in der Wand hinterlassen würde.

Paul lebt in Hamburg in einem frisch renovierten Mehrfamilienhaus aus der Gründerzeit. Viel hatte sich in den letzten Jahren im Viertel getan. Durch die konstant hohen Energiepreise, den hohen Modernisierungsbedarf in den Wohnungen und der enormen Wechselrate von Mieterinnen und Mietern im Gebäude entschloss sich die lokale Wohnungsgesellschaft endlich, ihren Wohnungsbestand zu modernisieren und auch Energiegesichtspunkte stark zu berücksichtigen. Ein ganzes Quartier wurde so Gegenstand umfassender Modernisierungen. Ein Modellfall.

Ein Beispiel: Eines der Mehrfamilienhäuser konnte allein mit einer zusätzlichen Dämmung und dem Einbau einer Holzheizungsanlage von einem Energiebedarf von über 270 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr auf 34 Kilowattstunden reduziert werden, also eine Reduktion um fast 90 Prozent. Eine Förderung des Bundes deckte dabei ungefähr die Mehrkosten ab, die bei der Umsetzung energetisch anspruchsvoller Maßnahmen entstehen. Aber auch einzelne kleinere Maßnahmen in anderen Gebäuden haben den Bedarf deutlich gesenkt. Allein mit einer kostengünstigen Dämmung des Kellerbodens (10-15 Prozent) und des Daches (20-25 Prozent) lassen sich deutliche Einsparungen erzielen. Doch nur die integrierten Gesamtkonzepte ermöglichten deutlich höhere Einsparungen und somit Kostenentlastungen für die Bewohner.

Viele kleine Schritte ...



Energiehaushalte einzelnStruktur des Energieverbrauchs im privaten Haushaltsbereich 2010. Quelle: AGEB (2011) (© bpb)
... verändern das Gesicht der Welt. Für den kleinteiligen Gebäudebereich gilt dies buchstäblich auch unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes. Einige Zahlen hierzu: In Deutschland existieren zurzeit 39,7 Millionen Wohnungen in fast 18 Millionen Gebäuden, 50 Prozent dieser Wohnungen befinden sich in Mehrfamilienhäusern, 60 Prozent der Wohnfläche befindet sich in Ein- und Zweifamilienhäusern, sowie Reihenhäusern. Und: ca. drei Viertel der Gebäude wurden vor 1979 und damit vor der Verabschiedung der ersten Wärmeschutzverordnung gebaut. Gerade die Gruppe der Gebäude, die beim Bau noch keinerlei energetischer Vorgaben unterlagen, weisen ohnehin einen sehr hohen Modernisierungsbedarf auf. Eine auch unter energetischen Gesichtspunkten durchgeführte Modernisierung wäre gerade bei diesen Gebäuden sehr wirtschaftlich.

Energieverbrauchsektoren einzelnEndenergieverbrauch nach Sektoren 2010. Quelle: AGEB (2011) (© bpb)
Gegenwärtig fallen knapp 30 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland in privaten Haushalten an, wovon der Bereitstellung der Raumwärme knapp drei Viertel zukommen, inklusive der Warmwasserversorgung sogar 86 Prozent. Der Stromverbrauch macht mit ca. 10 Prozent (Beleuchtung, Informationstechnologien, mechanische Energie sowie sonstige Prozesskälte) einen weiteren wichtigen Anteil des Energieverbrauchs aus. Die Energiesparpotenziale in bundesdeutschen Haushalten sind enorm und längst nicht durchweg erschlossen. Aktuelle Studien gehen bspw. davon aus, dass sich der Energieverbrauch für die Beheizung des deutschen Gebäudebestandes bis 2030 um fast 40 Prozent reduzieren lässt. Die Treibhausgasemissionen würden in diesem Fall sogar um rund 44 Prozent sinken.

Auch beim Stromverbrauch lassen sich deutliche Energieeinsparungen erzielen, wie die folgenden Beispiele zeigen:
  • Von den etwa 60 Millionen Kühl- und Gefriergeräten in deutschen Haushalten sind knapp 30 Millionen mindestens 10 Jahre alt. Würden diese alle durch hoch effiziente Geräte ersetzt, könnten pro Jahr ca. acht Terawattstunden eingespart werden, das entspricht fünf Millionen Tonnen CO2. Bei Ausnutzung dieses Einsparpotenzials werden die privaten Haushalte jährlich um über 1,4 Milliarden Euro entlastet.

  • Seit September 2012 dürfen in der EU keine Standard-Glühlampen mehr in den Handel gebracht werden. Dennoch existieren in deutschen Haushalten und Unternehmen millionenfach energieineffiziente Glühlampen, die nur einen Bruchteil des eingesetzten Stroms in Licht umwandeln, während rund 95 Prozent als Wärmeenergie ungenutzt verloren gehen. Ein Umstieg auf energieeffiziente Energiesparlampen und LED-Lampen verringert den Stromverbrauch um 80 bzw. 90 Prozent und ist damit nicht nur aus Sicht des Klimaschutzes sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich. Selbst die Anschaffungskosten von heute noch teuren LED-Lampen (ca. 30 Euro) amortisieren sich bereits nach weniger als drei Jahren durch eine mittlere Energiekosteneinsparung von rund 22 Euro pro Jahr

  • Viele Elektrogeräte verbrauchen im Bereitschafts- sowie teilweise auch im Aus-Zustand Strom. Der Strombedarf von elektrischen Geräten im Leerlaufbetrieb ("stand-by") beträgt bei einem deutschen Haushalte mit durchschnittlicher Ausstattung rund 440 Kilowattstunden pro Jahr. Allein durch die konsequente Nutzung manuell abschaltbarer Steckerleisten ließe sich der Stromverbrauch auf 125 Kilowattstunden reduzieren. Werden automatisch abschaltbare Steckerleisten verwendet, verringert sich der Stromverbrauch weiter auf nur noch 43 Kilowattstunden pro Jahr – eine Einsparung von 90 Prozent

Staatliche Förderung



Die Bundesregierung hat mit ihrem Energiekonzept vom September 2010 den Rahmen für das Gelingen der Energiewende in Deutschland gesetzt. Das Konzept setzt u.a. das Ziel, den Wärmeverbrauch im Gebäudebestand kontinuierlich zu senken, um so bis 2050 zu einem nahezu klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland zu gelangen. Um dieses Ziel zu erreichen, bieten Bund, Länder und Kommunen ein breites Spektrum an Maßnahmen und Förderinstrumenten an. Die Klimaschutzkampagne der Bundesregierung bietet z.B. über die Plattform von CO2Online (www.co2online.de) umfassende Informationsangebote zu Möglichkeiten, sein Gebäude energetisch zu modernisieren.

Die Bundesregierung gibt zudem im Rahmen von Förderprogrammen finanzielle Anreize zur Beschleunigung der energetischen Gebäudesanierung auf Gebäude- und Quartiersebene. Hier stehen in den Jahren 2012 bis 2014 jährlich 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Mittel stehen Haus- und Wohnungseigentümern im Zuge der aufgelegten KfW-Förderporgramme zur Verfügung. Weiterhin soll ein Sanierungsfahrplan erarbeitet werden, der Wege aufzeigen soll, wie existierende Modernisierungshemmnisse abgebaut werden können, um Bestandsgebäude ab 2020 im Zuge bestehender Sanierungszyklen energieeffizient zu sanieren. Der Bund engagiert sich darüber hinaus in der Förderung sogenannter Energiesparberatungen vor Ort, die von zertifizierten BeraterInnen durchgeführt werden, um private Investitionen im Wohngebäudebestand zur Senkung des Energieverbrauchs auszulösen.

Einsparpotenzial eines Einfamilienhauses, Quelle: Wuppertal Institut, basierend auf dena 2007: Energie@homeEinsparpotenzial eines Einfamilienhauses, Quelle: Wuppertal Institut, basierend auf dena 2007: Energie@home
Trotz des Ziels, den Energieverbrauch der Gebäude möglichst weit zu verringert, wird im Altbau, noch mehr als im Neubau, ein Restenergiebedarf möglichst klimafreundlich zu decken sein. Auch hier fördert die Bundesregierung durch das sogenannte Marktanreizprogramm die Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärmeerzeugung. Die Bundesmaßnahmen werden ergänzt u.a. durch ein reichhaltigesvielfältiges Informations- und Beratungsangebot von Kommunen, Ländern, Verbraucherzentralen und Energieversorgern, so gibt es sowohl unabhängige als auch produktgebundene Angebote und Dienstleistungen.

Auch im Neubaubereich ist seit einigen Jahren viel in Bewegung. Mit der Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2001 wurden die energetischen Anforderungen von Neubauten (und zu sanierenden Altbauten) sukzessive erhöht. Gegenüber der ersten Wärmeschutzverordnung aus dem Jahr 1977 sank der durch die derzeit geltenden EnEV 2009 vorgegebene spezifische Heizenergiebedarf auf weniger als 40 Prozent der damaligen Vorgaben. Dennoch bleiben die rechtlichen Vorgaben zumeist deutlich hinter den technischen Möglichkeiten zurück.

Dabei führt das Zusammenspiel aus EnEV und dem im Jahr 2009 eingeführten Erneuerbaren-Energien Wärmegesetzes (EE-WärmeG) nicht nur zu anspruchsvolleren Dämmstandards, sondern verpflichtet Eigentümer auch zur Verwendung von erneuerbaren Energieträgen bei der Wärmebereitstellung (je nach Energieträger zwischen 15 und 50 Prozent). Langfristiges Ziel der Bundesregierung ist es, ab 2020 Neubauten nur noch „klimaneutral“ zu errichten.

Hemmnisse auf dem Weg zum klimaneutralen Bauen und Wohnen



Alle diese Maßnahmen sollen auch in Zukunft dazu beitragen, dass der Energieverbrauch und die Emissionen aus der Heizwärme in Deutschland deutlich gesenkt werden können. Allerdings beträgt die Sanierungsrate, d.h. der Anteil der Gebäude die jährlich energetisch vollständig saniert werden, lediglich 1,1 Prozent, was deutlich unter dem Zielwert der Bundesregierung von zwei Prozent liegt. Ein klimaneutrales Wohnen bis 2050 wird so nicht zu erreichen sein.

Die staatliche Förderung sowie politische Strategien vergessen häufig, dass Gebäude mehr sind als die Summe einzelner Bauteile. Die isolierte Betrachtung eines Gebäudes und die Reduzierung seiner Qualität auf dessen energetischen Zustand wird dem Gebäude nicht gerecht. Es sind vielmehr Orte des Lebens, der Begegnung und des Wohlfühlens. Die Frage ob und wie sehr das Gebäude zu einer hohen Lebensqualität beiträgt, ist zudem nicht nur vom Gebäude selbst, sondern vom umgebenden Umfeld abhängig.

Wie geschichtete Zwiebelschalen umgeben ein Gebäude die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die sowohl das unmittelbare Umfeld eines Gebäudes betreffen (z.B. Qualität des Quartiers, Erreichbarkeit von bzw. Belästigung durch Verkehrsinfrastruktur etc.) als auch den Stadtraum, in den ein Haus eingebettet ist. Wie entwickelt sich z.B. der Wohnungsmarkt in einer Stadt oder Region? Von welchen demografischen, sozialen und sozial-ökonomischen Entwicklungen ist oder wird eine Stadt bzw. eine Region betroffen? Wie verhält es sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung? Diese Fragen, d.h. die ihnen innewohnenden Trendentwicklungen sind jedoch bislang kaum bzw. nur unzureichend durch Politik und staatliche Förderung berücksichtigt worden bzw. können nicht berücksichigt werden. Einige Beispiele:

Demographischer Wandel und Lebensstile

Unsere Gesellschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig älter geworden. Dieser Trend wird sich auch zukünftig fortsetzen, was aus energetischer Sicht Herausforderungen birgt. Zum einen sind ältere Menschen meist weniger mobil und bleiben häufig nach dem Auszug der eigenen Kinder in den angestammten Wohnungen und Wohnhäusern. Die nun überdimensionierten Wohnungen und Wohnhäuser verursachen bei steigenden Energiekosten nicht nur unnötig hohe Betriebskosten, sondern verhindern auch, das die finanziellen Mittel stattdessen in die energetische Sanierung investiert werden. Zum anderen, scheuen ältere Menschen zumeist Investitionen in die Gebäudesubstanz, sondern überlassen diesen Schritt entweder den jeweiligen Erben oder den späteren KäuferInnen.

Auch die Lebens- und Wohnbedürfnisse derer, die heute und künftig in diesen Häusern leben, unterliegen Veränderungen: Vermutlich wird sich der Trend zu immer kleineren (energieintensiveren) Haushalten bei gleichzeitiger Zunahme der Pro-Kopf Wohnflächenbedarfs in Deutschland weiter fortsetzen. Weiterhin hat sich die Ausstattung der Haushalte mit Elektrogeräten in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert: TV-Geräte, Blue-Ray Player, Stereoanlagen, Computer etc. sind heute in fast jedem Haushalt, häufig sogar mehrfach, zu finden und erhöhen trotz effizienter Technologien den Stromverbrauch.

Wohnungs- und Immobilienmärkte

Die Wohnungs- und Immobilienmärkte in Deutschland sind äußerst heterogen. Ein prachtvolles Gebäude der Gründerzeit mit modernisierungsbedürftiger Bausubstanz kann z.B. in Köln oder München reißenden Absatz finden, wohingegen das Gebäude gleichen Typs in Frankfurt/Oder oder Hagen kaum AbnehmerInnen finden wird. Mangelnde (aber auch zu große) Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt wirkt sich jedoch negativ auf die Modernisierungsbereitschaft aus. Auch sozio-kulturelle und sozial-räumliche Unterschiede sind wichtige Faktoren: Welche Lebensqualität besitzt das umgebende Quartier? Welche soziale Zusammensetzung und welche Infrastruktur hat es? Lohnt sich wirklich eine Modernisierung eines Gebäudes, wenn die GebäudeeigentümerInnen aus der Nachbarschaft nicht „mitziehen“?

Insbesondere im Mietwohnungsbau profitieren unter gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht die investierenden EigentümerInnen oder Wohnungsgesellschaften von den erzielten Einsparungen und haben daher wenig Anreize zur Investition. Stattdessen profitieren deren MieterInnen durch die Senkung der energiebedingten Nebenkosten. So ist z.B. im sozialen Wohnungsbau für Wohnungsgesellschaften der Weg (bisher noch) versperrt, über Investitionen in die energetische Modernisierung (Verringerung der Nebenkosten für die MieterInnen) eine moderate Erhöhung der Wohnungsmiete (sog. 1. Miete) umzusetzen und den Prozess für die MieterInnen zumindest kostenneutral zu gestalten.

Die Höhe der Investitionskosten und die teilweise langen Amortisationszeiträume halten viele Gebäude-EigentümerInnen ab, Investitionen an ihren Gebäuden vorzunehmen. Zudem liegen wichtige Ursachen auch in bestehenden Informationsdefiziten z.B. über Fördermöglichkeiten. Ebenso lassen sich bei Marktakteuren in der energetischen Gebäudemodernisierung (z.B. Handwerk, Architekten) weiterhin Informationsdefizite erkennen. Und: der Zeitraum zwischen Investition und Ertrag gilt ebenso als ein zentrales Hindernis für die Gebäudesanierung.

Energiearmut



Die Energiekosten sind weltweit wie auch in Deutschland in den letzten Jahren z.T. dramatisch gestiegen. Die Preise für Heizöl sind für Privatkunden zwischen 2007 und 2012 um fast 50 Prozent gestiegen. Der Strompreis für Haushaltskunden stieg im selben Zeitraum um fast 30 Prozent. Diese Preissteigerungen haben in Deutschland zu einer Gruppe von Gebäude-EigentümerInnen geführt, die nicht in der finanziellen Lage ist, entweder aus Eigenmitteln oder gar Krediten energiesparende Investitionen vorzunehmeni. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen befragte 2012 alle 110 in NRW tätigen Grundversorger. Drei Viertel der 58 antwortenden Unternehmen wiesen auf zunehmende Probleme rund um Energieschulden bis hin zu Stromsperren hin.

Auch mit zunehmenden sozialen Ungleichheiten werden sich Klimaschutzmaßnahmen in Zukunft wesentlich stärker befassen müssen. Die Lebensbedürfnisse aller sozialen Gruppen spiegeln sich in deren Energieverbrauch wider. An diese Menschen müssen zukünftig jeweils spezifische Maßnahmen adressiert werden. Die verfügbaren empirischen Studien ergeben allerdings ein sehr uneinheitliches und sehr widersprüchliches Bild: Auf der einen Seite zeigt sich, dass der Energiekonsum mit dem Einkommen steigt. Auf der anderen Seite ist die Rolle von Indikatoren wie Bildung, Alter, Haushaltsgröße und Eigentumsverhältnisse sehr heterogen.

In Deutschland kann man beispielsweise sehen, dass Wohneigentum dazu führt, dass Energiesparen ein präsenteres Thema ist als bei Familien, die kein Wohneigentum haben (können). Auch zeigt sich, dass die Transparenz der Kosten des Energieverbrauchs z.B. über eine Verbrauchskennzeichnung auf elektrischen Geräten energiesparendes Verhalten begünstigt. Aber auch dies ist nicht pauschal über alle sozialen Gruppen hinweg gültig: Ältere Menschen sind zwar im Vergleich zu jüngeren Menschen weniger umweltbewusst, haben jedoch eher die finanziellen Mittel, sich energiesparende Geräte zu kaufen.

Fazit



Liegt der Schlüssel hin zum klimaneutralen Bauen und Wohnen wirklich allein in der Politik? Ist etwa allein mit Politik die zunehmende Technisierung unseres Alltags einzugrenzen, die sich weiter vollziehende Diffusion energieintensiver Haushalts- und Unterhaltungsgeräte oder der Energieverbrauch unserer Gebäude? Wissen wir z.B. Bescheid über den intensiven Energieverbrauch eines Flachbildschirms oder unserer kleinen Alltagsverschönerer, der iPods, Handys, Nintendos und Laptops, der Power-Mikrowellen, Kühlschränken und elektrischen Zahnbürsten dieser Welt? Wissen wir, welche Geräte kontinuierlich Strom ziehen, also so genannte Stand By-Verluste haben, obwohl wir sie eigentlich ausgeschaltet meinen? Und: Wissen wir wirklich um die kostengünstigen und wirtschaftlichen Einsparmöglichkeiten in unseren Wohnungen und Häusern?

Gerade die globale Perspektive zeigt uns doch, dass der Energie- und Ressourcenverbrauch der industrialisierten Länder weltweit begrenzt ist und der energie- und ressourcenintensive Lebensstil in den Industrienationen nicht übertragen werden kann. Es droht, dass mit der Beibehaltung unserer energieintensiven Lebensbedürfnisse und unseres Ressourcen verschwendenden Lebensstils auch unsere anspruchsvollen Klimaziele nicht erreicht werden. Dieses ist jedoch dringend notwendig, um die Wirkungen des globalen Klimawandels einzudämmen.

... und Paul?



Paul hatte Glück. Sein kraftvoller Volleyschuss hinterließ nicht das klaffendes Loch in der sanierten Häuserwand, sondern traf den Rahmen der eingebauten Dreifach-Passivhausverglasung der Wohnung des Hausmeisters. Die ist stabil und das Donnerwetter des Hausmeisters war Paul gerne bereit auf sich zu nehmen. Es war ja nichts passiert.

Literatur



AGEB (2011): Anwendungsbilanzen für die Endenergiesektoren in Deutschland in den Jahren 2009 und 2010. Studie beauftragt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Projektnummer: 23/11. Berlin.

Keller, M. (2012): Energiestandards von Gebäuden. In: Ryll, C. (Ed.), Nachhaltiges Bauen: Energieeinsparverordnung 2012 (EnEV), Praxis-Check Architektur. Ausgabe 3-4. Seite 36–45.



 

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