Ein schmelzender Eisberg am 19. Juli 2007 vor der Insel Ammassalik in Ostgronland. Nach dem dramatischen Gipfel auf der indonesischen Ferieninsel Bali vor einem Jahr haben die Verhandlungen ueber einen neuen globalen Klimapakt längst die Mühen der Ebene erreicht. Im polnischen Posen (Poznan) versuchen Experten aus aller Welt ab Montag (1.12.) erste Pfloecke einzurammen, um den hoch komplizierten Vertrag bis Ende 2009 fertig zu bekommen.

Strategien und Maßnahmen für klimafreundliches Verhalten


1.4.2014
Die privaten Haushalte können ihre Treibhausgasemissionen erheblich verringern. Wo setzt die Politik an, um klimafreundliches Verhalten zu unterstützen? Mit welchen Instrumenten werden beim Privatverbraucher nachhaltige Verhaltensmuster gefördert, die weniger Emissionen verursachen?

Energiesparbirne hängt an einer Stuckrosette.Mit einfachen Mitteln, z.B. mit einer Energiespar- oder LED-Birne, kann jeder zum Klimaschutz beitragen (© Theelectriclowrider / Photocase)

Einführung



Wenn wir heizen, essen, einkaufen, elektrische Geräte verwenden und mit Verkehrsmitteln unterwegs sind, entstehen durch unser Handeln in den meisten Fällen auch Treibhausgas-Emissionen: Sie sind die Ursache für die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung. Die Höhe der von uns als Verbraucher verursachten Treibhausgas-Emissionen ist stark davon abhängig, auf welche Art und Weise wir heizen, wie sparsam die elektrischen Geräte und Leuchtmittel sind, die wir verwenden, was wir essen und einkaufen und mit welchen Verkehrsmitteln wir uns fortbewegen. Wir können also zu einem bedeutenden Anteil beeinflussen, wie hoch die durch uns entstehenden Treibhausgas-Emissionen ausfallen. Veränderungen in unserem Verhalten können dazu beitragen, bedeutende Mengen an Treibhausgas-Emissionen einzusparen: Fahren wir mit dem Fahrrad zum Bäcker oder mit dem Auto? Kaufen wir biologisch angebautes Obst und Gemüse aus der Region, das grade Saison hat, oder Produkte, die eingeflogen und aufwändig gekühlt werden müssen? Kaufen wir einen alten, energieintensiven Kühlschrank oder ein besonders effizientes, energiesparendes Modell? Dass die Haushalte einen wichtige Anteil an der Senkung der Emissionen in Deutschland haben, hat auch die Politik erkannt und versucht, dieses CO2-Einsparpotenzial mit unterschiedlichen Maßnahmen und Strategien zu fördern.

Energieverbrauch und CO2-Emissionen privater Haushalte



Die Höhe des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen privater Haushalte wird einerseits durch das individuelle Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher und andererseits durch sozioökonomische Rahmenbedingungen beeinflusst. Hierzu zählen die Entwicklung der durchschnittlichen Haushaltsgröße und Wohnfläche, die wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes, warme und kalte Wintern, Preisentwicklungen für Heizöl und Kraftstoff sowie langjährigen Emissionstrends, wie einem veränderten Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung.

Anteile der Sektoren am Endenergieverbrauch. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/
Der Anteil der Privathaushalte am Endenergieverbrauch in Deutschland lag 2011 nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) bei 25,1 Prozent und belief sich auf eine Größenordnung von rund 2.195 Petajoule bzw. 609 Milliarden Kilowattstunden. Dabei wurden 66 Prozent der Energie für das Heizen der Wohnung verbraucht, 16 Prozent für Warmwasser und sieben Prozent für sonstige Prozesswärme, wodurch mit 88 Prozent der Großteil des Energieeinsatzes in Privathaushalten für die Bereitstellung von Wärmeenergie anfällt. Fünf Prozent des Energieverbrauchs entfallen auf Kühl- und Kälteanwendungen, vier Prozent auf Informations- und Kommunikationstechnologien, zwei Prozent auf Beleuchtung und weniger als ein Prozent auf sonstige Elektrogeräte.

Die Energieeffizienz der privaten Haushalte, also der sparsamere Energieeinsatz bei gleichbleibendem Nutzen, hat sich seit 1990 um rund ein Fünftel verbessert. Dennoch liegt der Jahresdurchschnittswert der Effizienzsteigerung mit einem Prozent deutlich unter den Effizienzzuwächsen der anderen Sektoren. Im Bereich der privaten Haushalte sind damit noch hohe Effizienzpotenziale vorhanden.

Die CO2-Emissionen der privaten Haushalte in Deutschland lagen nach Berechnungen des statistischen Bundesamtes im Jahr 2009 bei rund 618 Millionen Tonnen, also etwa 7,5 Tonnen CO2 pro Einwohner. Im Vergleich zum Jahr 2000 sind die CO2-Emissionen um etwa 5 Prozent zurückgegangen. Besonders hohe CO2-Emissionen entstehen durch die Verbrennung fossiler Energieträger für die Stromgewinnung. Hier hat der Anstieg des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung (von 6,4 Prozent im Jahr 2000 auf 16,3 Prozent im Jahr 2009) einen Beitrag zum Rückgang der Emissionen geleistet.

Strategien und Maßnahmen für Haushalte und Verbraucher



Klimafreundlich zu leben, muss nicht zwangsläufig schwierig sein oder große Entbehrungen bedeuten. Häufig ist klimafreundliches Verhalten sogar mit Vorteilen verbunden: Ein alter Kühlschrank mag in der Anschaffung billiger sein als ein neuer. Auf ein paar Jahre hochgerechnet, kostet ein alter Kühlschrank aber deutlich mehr als ein neuer Kühlschrank, da die Energiekosten höher ausfallen als bei einem energieeffizienten, modernen Gerät. In einer energiesanierten Wohnung können erhebliche Heizkosten eingespart werden. Fahrradfahren spart im Vergleich zum Autofahren nicht nur Geld, sondern hält auch fit und man tut etwas für die eigene Gesundheit.

Um sich klimafreundlich verhalten zu können, müssen jedoch die hierfür erforderlichen Voraussetzungen gegeben sein, z.B. hinsichtlich der Infrastruktur. So werden das Fahrrad oder der öffentliche Verkehr nur dann von den Menschen als vertretbare Alternative zum Auto wahrgenommen, wenn ein gutes Radwege- und Liniennetz des öffentlichen Verkehrs vorhanden sind. Finanzielle Anreize erleichtern klimafreundliche Entscheidungen. Die energetische Sanierung eines Eigenheims ist zum Beispiel für viele nur dann möglich, wenn Sie finanzielle Unterstützung bei den Anfangsinvestitionen erhalten, etwa durch günstige Kreditkonditionen oder Förderprogramme. Zudem werden wir unser Verhalten umso eher verändern, je mehr wir über die Zusammenhänge zwischen unserem Verhalten und Klimaschutz wissen und die Vorteile von klimafreundlichem Verhalten kennen.

Hier setzt die Politik an, die mit unterschiedlichen Strategien und Maßnahmen das Ziel verfolgt, die CO2-Emissionen der Haushalte zu reduzieren und emissionsarme Lebensstile zu fördern. Information und Beratung sollen Wissenslücken schließen und das Bewusstsein der Verbraucher für Fragen der Nachhaltigkeit sensibilisieren; Kommunikation soll zu klimafreundlichem Verhalten motivieren, beispielsweise durch Mitmachaktionen wie bei der Fahrradkampagne Stadtradeln des Klima-Bündnisses. Preissignale, beispielsweise durch die CO2-basierte Kfz-Steuer, und Förderprogramme zählen zu den fiskalischen Instrumenten, mit denen finanzielle Anreize für klimafreundliches Handeln gesetzt werden. Regulierungen zielen darauf ab, klimafreundliches Verhalten der Verbraucher durch ordnungspolitische Vorgaben herbeizuführen. Gesetzliche Mindeststandards richten sich an Hersteller und beeinflussen das Verbraucherverhalten als angebotsseitiges Instrument. Und auch infrastrukturelle Investitionen, wie etwa der Ausbau des Radwegenetzes, sollen zu Verhaltensänderung beitragen. Am wirksamsten kann das Verhalten der Verbraucher verändert werden, wenn mehrere dieser Maßnahmen miteinander kombiniert werden:

Klimapolitische Maßnahmen für Haushalte und Verbraucher sind auf unterschiedlichen politischen Ebenen angesiedelt. Viele Politiken in Deutschland, die auf klimafreundlichen Konsum abzielen, haben ihren Ursprung auf EU-Ebene. So kennzeichnet das EU-Bio-Logo entsprechend einer EU-Verordnung alle verpackten, ökologisch erzeugten Lebensmittel, die in einem EU-Mitgliedstaat hergestellt wurden. Weiterhin setzt die Bundesregierung Richtlinien, die von der Europäischen Union vorgegeben werden, in nationale Gesetzgebung um, wie beim EU-Label für energiesparende Haushaltsgeräte und dem Pkw-Label. Zahlreiche weitere Programme und Initiativen gibt es auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Auf kommunaler Ebene können Bürgerinnen und Bürger leichter direkt und zielgruppenspezifisch angesprochen werden, etwa über Programme für Mieter, Hauseigentümer oder einkommensschwache Haushalte einer Stadt.

Im folgenden werden beispielhafte Maßnahmen vorgestellt, die in den Bereichen Energie und Konsum, Bauen und Wohnen und Mobilität ansetzen.

Energie und Konsum



Die Erhöhung der Energieeffizienz in Haushalten ist ein wichtiger Ansatzpunkt für die Klimapolitik, von der auch Haushalte profitiere können: Haushalte mit alten Elektrogeräten verbrauchen doppelt so viel Strom wie Haushalte mit energieeffizienten Geräten. Nach Berechnungen von Stiftung Warentest lassen sich in einem 3- bis 4-Personen-Haushalt mit energiesparenden Geräten rund 400 Euro pro Jahr einsparen.

EU-Energieeffizienzlabel

Bestimmte Elektrogeräte müssen nach der EU-Richtlinie 2010/30/EU in ganz Europa mit der Energieverbrauchskennzeichnung, dem so genannten EU-Energieeffizienzlabel, gekennzeichnet werden. Das EU-Label beinhaltet Informationen zum Energieverbrauch und je nach Gerät zusätzlichen Gebrauchseigenschaften wie Leistung, Wasserverbrauch oder Lautstärke. Ziel des EU-Labels ist es, eine Orientierungshilfe für die Verbraucher anzubieten und damit den Absatz energieeffizienter Elektrogeräte zu fördern. Gleichzeitig stellt es einen Anreiz für Hersteller dar, energieeffiziente Produkte zu entwickeln. Entsprechend der EU-Ökodesign-Richtlinie müssen Elektrogeräte zudem bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich ihrer Energieeffizienz erfüllen.

Ein Energielabel mit Ausweisung der Energieeffizienklassen.Ein Energielabel mit Ausweisung der Energieeffizienklassen. (© picture-alliance/dpa)
Das EU-Energieeffizienzlabel gibt es unter anderem für Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühl- und Gefriergeräte, Elektrobacköfen, Fernseher (seit 2011) und Staubsauger (seit 2014). Die Geräte sind in verschiedene Energieeffizienzklassen eingeteilt – von A (niedriger Energieverbrauch) bis G (sehr hoher Verbrauch). Aufgrund von Effizienzverbesserungen ist die höchste Effizienzklasse mittlerweile für einzelne Produkte bis A+++ erweitert worden. Diese uneinheitliche Handhabung und Ausweitung der Effizienzklasse A wird von Umwelt- und Verbraucherschützern kritisiert, weil so mehr Produkte der höchsten Effizienzklasse zugeordnet werden können.

EcoTopTen

EcoTopTen ist eine Verbraucherinformationskampagne des Öko-Instituts, die im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie im Rahmen des EU-Programms "Intelligent Energy Europe"gefördert wird. Mit EcoTopTen werden in zehn Produktfeldern – u.a. Wohnen, mobil sein, Essen und Trinken, Kleidung, Informieren und Kommunizieren, Geld anlegen – diejenigen Produkte vorgestellt, die ökologisch und preislich zu den empfehlenswerten Produkten für den Verbraucher zählen.

Initiativen und Kampagnen

Initiativen, Kampagnen und Internetauftritte sollen Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Energiereduktion im Haushalt unterstützen. Die Angebote umfassen Informationsbroschüren mit Tipps zum Energiesparen, Datenbanken mit energieeffizienten Haushaltsgeräten, Informationen zu Fördermöglichkeiten, Energiespar-Filme oder -Apps und Mitmachaktionen wie beispielsweise Energiesparmeisterschaften. Initiativen sind beispielsweise die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte Initiative "EnergieEffizienz" der Deutschen Energie-Agentur (dena) mit der Internetplattform www.stromeffizienz.de, die vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Kampagne "Klima sucht Schutz" (www.klima-sucht-schutz.de) oder die Stromsparinitiative des Bundesumweltministeriums (www.die-stromsparinitiative.de).

Ausleihbare Strommessgeräte für Bürgerinnen und Bürger und Schulklassen

In Zusammenarbeit mit Bibliotheken und der No-Energy-Stiftung für Klimaschutz und Ressourceneffizienz stellt das Umweltbundesamt mehr als 1.000 Energiesparpakete zur lokalen Ausleihe in Bibliotheken zur Verfügung. Die Energiesparpakete beinhalten ein Strommessgerät, mit dem der Stromverbrauch im Haushalt gemessen und die Betriebskosten für Haushaltsgeräte ermittelt werden können. "Stromfresser" und unnötige Leerläufe können so erkannt und mit dem neu gewonnenen Wissen über den Stromverbrauch im eigenen Haushalt Energie eingespart werden. Auch Schulen können sich über die Initiative Stromsparpakete für den Schulunterricht ausleihen:

Blauer Engel

Das Umweltzeichen "Der Blaue Engel" wurde 1978 durch das Bundesministerium des Innern und den für Umweltschutz zuständigen Ministerien der Länder ins Leben gerufen. Es zeichnet seither umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen nach definierten Kriterien aus. Es wird von der Jury-Umweltzeichen, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, dem Umweltbundesamt und dem RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung vergeben. Seit 2009 kennzeichnet der Blaue Engel besonders energieeffiziente und klimafreundliche Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Espressomaschinen und Wasserkocher mit dem Zusatz „schützt das Klima“ im Logo. Dieses zeigt an, dass es sich um Geräte mit einem deutlich geringeren Energieverbrauch im Vergleich zu konventionellen Produkten handelt. Seit 2013 werden weiterhin umweltfreundliche Mobilitätsangebote, die einen Pkw-Besitz ersetzen können, gekennzeichnet.

Bauen und Wohnen



Verteilung des Endenergieverbrauchs im Sektor Haushalt nach Anwendungsbereichen 2011. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/
Mit einem Anteil von 66 Prozent fällt der Großteil des Energieeinsatzes in Haushalten für Raumwärme an. Ziel politischer Maßnahmen im Gebäudebereich ist es, einerseits den Wärmeverbrauch im Gebäudebestand zu verringern und andererseits den energetischen Standard bei Neubauten zu verbessern. Einsparungen im Gebäudebereich können etwa durch eine verbesserte Dämmung der Hauswände, wirksam isolierende Fenster und effiziente Heiztechnologien erreicht werden. Um dies zu fördern, führen Bund, Länder und Kommunen eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen und Förderprogramme durch, wie beispielsweise Informationen und Beratungsangebote (z.B. www.klima-sucht-schutz.de, www.co2online.de), finanzielle Anreize für energetische Sanierungsmaßnahmen (z.B. KfW-Förderprogramme) oder individuelle Energiesparberatungen vor Ort.

Energieausweise

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) als Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie schreibt neben Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden auch die Einführung von Ausweisen über die Energieeffizienz vor. Mit den Energieausweisen, die bei Vermietung oder Verkauf einer Wohnung oder eines Hauses vorgelegt werden müssen, können der energetische Zustand und die zu erwartenden Heizkosten von Gebäuden über eine Farbskala von grün bis rot bewertet werden. Der Energieausweis soll einerseits die Wahl einer energieeffizienten Immobilie fördern und andererseits einen Anreiz zur Gebäudemodernisierung darstellen.

Mobilität



Umweltpolitische Maßnahmen im Verkehrsbereich zielen darauf ab, Verkehr zu vermeiden, auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu verlagern oder technisch und organisatorisch zu optimieren. Diese drei grundlegenden Strategien beinhalten allesamt verhaltensrelevante Aspekte, für welche von der Politik Anreize zur Verhaltensänderung gesetzt werden.

Verbrauchskennzeichnung für Pkw

In Umsetzung der EU-Richtlinie 99/94/EG müssen Hersteller und Händler von Pkws seit 2004 Angaben zu Kraftstoff- bzw. Stromverbrauch und CO2-Emissionen sowie die daraus resultierenden Kosten für Kraftstoff und die CO2-basierte Kfz-Steuer bereitstellen. Dies erfolgt seit 2011 über ein Label mit einer farbigen Skala wie beim Energielabel, von A+ (sehr effizient) bis G (wenig effizient). Mit der Verbrauchskennzeichnung sollen Pkw-Käufer angeregt werden, verbrauchsärmere Pkw zu kaufen; zudem soll ein Anreiz für die Entwicklung effizienter Fahrzeuge gesetzt werden. Von Umweltverbänden wird kritisiert, dass für die Zuordnung zu einer Effizienzklasse das Gewicht eines Fahrzeugs als Bezugsgröße herangezogen wird, wodurch ein schweres Fahrzeug mit hohem CO2-Ausstoß eine bessere Einstufung erhalten kann als ein leichter Pkw mit geringem CO2-Ausstoß.

Kfz-Steuer auf CO2-Basis

Zum 1. Juli 2009 wurde die Bemessungsgrundlage der Kfz-Steuer für Neufahrzeuge geändert, so dass seitdem auch die CO2-Emissionen eines Fahrzeugs Einfluss auf die Kfz-Steuer haben. Seit 2014 liegt der steuerfreie CO2-Grenzwert bei 95 Gramm je Kilometer. Jedes Gramm CO2 oberhalb dieses Grenzwertes kostet 2 Euro zusätzlich. Momentan liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoß der deutschen Neuwagenflotte bei etwa 142 Gramm pro Kilometer. Für ein Auto mit diesem Ausstoß müsste ein CO2-Steuerzuschlag von 94 Euro pro Jahr gezahlt werden. Durch die Umstellung der Kfz-Steuer soll erreicht werden, dass der CO2-Ausstoß von Pkw in die Kaufentscheidung der Verbraucher einfließt.

Weitere ökonomische Instrumente zur Steuerung des Verkehrs über den Preis sind etwa die Erhebung von Park- oder Straßennutzungsgebühren oder die ökologische Steuerreform von 1999 (umgangssprachlich Ökosteuer), die über die Erhöhung der Mineralölsteuer und Einführung einer Stromsteuer Anreize zu energiesparendem Verhalten setzt.

Kampagnen und Initiativen für die Nutzung umweltverträglicher Verkehrsmittel

In den vergangenen Jahren wurden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene vermehrt Kampagnen zur Nutzung umweltverträglicher Verkehrsmittel durchgeführt. Aktionen wie Poster- und Plakatwerbung, Reparaturservice für das Fahrrad, Radfahrkursen für Kinder, Ältere oder Personen mit Migrationshintergrund, Probetickets für den öffentlichen Verkehr für Neubürgerinnen und Neubürger, Informationsmaterialien und Mitmachveranstaltungen sollen zu einer verstärkten Nutzung der Verkehrsträger des so genannten Umweltverbundes beitragen.

Fazit



Die CO2-Einsparpotenziale der deutschen Haushalte sind hoch und stellen eine wichtige Stellschraube für mehr Klimaschutz dar. Die Politik fördert dieses Einsparpotenzial mit unterschiedlichen Strategien und Maßnahmen. Am häufigsten werden dabei Informations- und Beratungsangebote für Verbraucherinnen und Verbraucher eingesetzt. Aber auch preisliche Signale wie die Öko- und Kfz-Steuer werden angewendet, um eine Lenkungswirkung im Verbraucherverhalten zu erzielen.

In vielen Fällen ist mehr Klimaschutz mit Vorteilen für die Verbraucher verbunden. Viele Klimaschutzmaßnahmen bieten Trendpotenzial, wie etwa Carsharing oder das Wohnen in Passiv- oder Plusenergiehäusern. Dennoch sind die Beharrungskräfte hoch und Veränderungen der Alltagspraktiken schwierig und langwierig. Inwiefern politische Maßnahmen für Verbraucherinnen und Verbraucher ausreichend sind, um der Notwendigkeit der Treibhausgas-Reduktion gerecht zu werden und die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, bleibt fraglich. Um die CO2-Einsparpotenziale der deutschen Haushalte auszuschöpfen, wird die Politik nicht ohne gesetzliche Vorgaben und restriktive Maßnahmen auskommen.


Literatur, Quellen und Links



ecotopten
www.nachhaltige-produkte.de
www.blauer-engel.de

Umweltbundesamt (UBA) (2013): Energiesparen im Haushalt. Bonn. Umweltbundesamt


Umweltbundesamt (UBA) (2010): Klimaneutral leben: Verbraucher starten durch beim Klimaschutz. Dessau-Roßlau.

Öko-Institut (2010): CO2-Einsparpotenziale für Verbraucher. Freiburg/Darmstadt/Berlin. Abrufbar unter: CO2-Einsparpotenziale für Verbraucher



 

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