Was können wir tun?
Klimaschutzmaßnahmen für Verbraucher
Nicht nur die großen Industrieanlagen sind schuld an steigenden Treibhausgasemissionen. Auch der Einzelne trägt mit seinem Verhalten zum Klimawandel bei. Mit einfachen Mitteln, etwa das Fahrrad statt das Auto zu nehmen, trägt jeder zum Klimaschutz bei.
Mit einfachen Mitteln z.B. einer Energiesparbirne kann jeder zum Klimaschutz beitragen. (© photocase)Einführung
Das Thema Klimawandel ist in der Öffentlichkeit angekommen. Die Medien berichten sowohl über politische Aktivitäten zur Treibhausgas- reduzierung als auch darüber, welche Rolle die Verbraucher spielen und welche Auswirkungen sie auf die Klimaerwärmung haben. Laut Erhebungen des Umweltbundesamtes lag 2004 der Anteil der CO2-Emissionen aus privaten Haushalten an den CO2-Emissionen bei knapp 23 Prozent; das waren rund 200 Millionen Tonnen. Wie kommt dieser beachtliche Anteil zustande?
Bei den Haushalten spielt der Energieverbrauch eine entscheidende Rolle. Am gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland hatten die Haushalte 2005 einen Anteil von 29 Prozent. Dieser Energieverbrauch setzt sich zusammen u.a. aus: Energie für Wärme, zum Kühlen und Waschen, für die Beleuchtung und für alle elektrischen Haushaltsgeräte. Der Anteil der Haushalte wird sich auf Grund weiterer Entwicklungen noch erhöhen. Die Wohnfläche pro Person sowie die Anzahl der Singlehaushalte steigt in Deutschland, daraus resultiert ein höherer Energiebedarf. Gleichzeitig nimmt die Zahl an Haushalts- und Elektrogeräten zu. So gehören heute DVD-Player, Computer, Geschirrspülmaschinen schon fast zur Grundausstattung eines durchschnittlichen Haushalts. Besonders problematisch ist, dass viele Elektrogeräte nicht mehr vom Stromnetz getrennt werden, sondern über die Stand-by-Funktion weiter laufen. Auch die Mobilität nimmt zu: Immer mehr Haushalte besitzen ein Auto, weitere Wege werden zurückgelegt, und das Auto wird häufiger genutzt.
Jeder einzelne Haushalte verbraucht viele Ressourcen und Energie und trägt dadurch zum Treibhauseffekt bei. Jedoch können Haushalte auf der anderen Seite entscheidend ihre CO2-Bilanz beeinflussen und zu einer Reduzierung der Emissionen beitragen. Das bedeutet keinesfalls, dass sich der Lebensstandard verschlechtert und weitere Einbußen in Kauf genommen werden müssen. Einsparungen können zum Großteil über verhaltensbedingte und organisatorische Maßnahmen bewirkt werden. Nach Berechnungen können die derzeitigen knapp zehn Tonnen CO2-Emissionen, die pro Person und Jahr in Deutschland in die Atmosphäre abgegeben werden (im Vergleich: EU-25 ca. acht, USA knapp 20 Tonnen nach der OECD 2003), mit einem effizienten Lebensstil auf fünf Tonnen vermindert werden.
Die Frage, die sich Verbraucher bei diesen Zahlen oft stellen: Was kann der Einzelne tun? Welche Maßnahmen im Alltag in den Haushalten tragen zur Reduzierung der CO2-Emissionen bei? Die wichtigsten Bereiche im Haushalt, in denen sich CO2 sparen lässt, sind: Ernährung, Bauen, Wohnen und Mobilität.
| So viel kosten Leerlaufverluste | ||
| in kWh/Jahr1 | in Euro/Jahr2 | |
| Röhren-TV neu | 7 | 1,26 |
| Röhren-TV alt | 40 | 7,20 |
| Set-Top-Box | 40 | 7,20 |
| Video/DVD-Rekorder (neu) | 40 | 7,20 |
| Video (alt)3 | 125 | 22,50 |
| 3 Radios | 34 | 6,12 |
| Hifi-Anlage | 67 | 12,6 |
| PC mit Monitor und Drucker | 134 | 24,12 |
| DSL-Router mit WLAN4 | 80 | 14,40 |
| 2 Handy-Ladegeräte | 31 | 5,58 |
| Telefon schnurlos (Ladeschale) | 16 | 2,88 |
| Anrufbeantworter | 24 | 4,32 |
| Fax-Gerät5 | 34 | 6,12 |
| Elektrische Zahnbürste | 32 | 5,76 |
| Kaffee-Espresso-Automat6 | 310 | 55,80 |
| Waschmaschine | 44 | 7,92 |
| Boiler (Untertischgerät) | 120 | 21,60 |
| Gesamt | 1.178 | 212,04 |
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1)Bei 20-24 Std. Stand-by pro Tag an 365 Tagen, Daten: Deutsche Energieagentur (dena), Stiftung Warentest; 2) Bei einem Strompreis von 20 Cent/kWh 3) Normalverbrauch angegeben, da normalerweise in Betrieb, solange nicht abgeschaltet wird 4) Daten: uba; 5) Daten: No-Energy, 6) Inklusive Warmhaltefunktion. |
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| Quelle: Öko-Institut 2007 | ||
Diese Verhaltensänderungen wirken sich günstig auf den Klimaschutz aus:
Ernährung
Die Lebensmittelproduktion und unser Ernährungsverhalten tragen aus verschiedenen Gründen zum Anstieg der Treibhausgase bei. Für die Herstellung, den Transport und die Lagerung von Lebensmitteln wird viel Energie verwendet; je ferner das Herkunftsland desto höher ist automatisch die Energieaufwendung. Für die landwirtschaftliche Produktion werden Wälder gerodet und Düngemittel verwendet. Das bedeutet zum einen, dass die CO2-Speicherkapazität der Wälder abnimmt und durch den Düngereinsatz Lachgas an die Atmosphäre abgegeben wird. Relevant ist insbesondere auch die Viehzucht. Die tierischen Verdauungsprozesse setzen Methan frei und die Konzentration der Treibhausgase steigt.
Hinweise für Verbraucher:
- Besser frische Lebensmittel anstelle von tiefgefrorenen kaufen. Für die Produktion von tiefgefrorenen Lebensmitteln wird das Zehnfache an Energie benötigt. Darüber hinaus verbraucht ein eigener Gefrierschrank im Vergleich zu einem Gefrierfach sehr viel mehr Energie.
- Regionale und saisonale Lebensmittel zeichnen sich durch kurze Transportwege und durch geringe Lagerung aus. Produkte von örtlichen, saisonalen Bauernmärkten reduzieren den Energiebedarf für den Anbau und den Transport um ein Fünftel.
- Weniger Fleisch essen. Methan ist neben CO2 das zweite Gas, das signifikant für den Treibhauseffekt verantwortlich ist. An dem Ausstoß von Methan sind vor allem Kühe beteiligt. Das Gras, das sie in ihren Mehrfachmägen verdauen, lässt Methan entstehen. Die Reduzierung des Fleischkonsums um ein Kilogramm im Monat, bedeutet eine Einsparung von Ressourcen und Fläche um den Faktor zehn.
Wohnen:
Im Bereich Wohnen haben Verbraucher unterschiedliche Optionen, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Sie können durch Wärmedämmung und durch den Einbau einer effektiveren Heizanlage einen Beitrag leisten und durch Verhaltensänderungen sowohl bei der Nutzung von Produkten als auch durch eine Umstellung ihres Lebensstils. Durch die Dämmung von Hauswänden, Decken und Böden können bis zu 900 Kilogramm CO2 pro Jahr eingespart werden, und, wenn die Temperatur in der Wohnung/im Haus um ein Grad Celsius vermindert wird, sind es 300 Kilogramm. Durch Kühlschränke und Waschmaschinen der Energieeffizienz A++ sowie weiterer effizienter Geräte kann den Stromverbrauch von Haushalten um etwa sechs Prozent, das wären umgerechnet sieben Milliarden Kilowattstunden, reduziert werden. Die Einsparungen tragen zu einer nachhaltigeren CO2-Bilanz bei und Verbraucher können zusätzlich Geld sparen.
Hinweise für Verbraucher
- Wärmedämmung stellt einen wichtigen Beitrag dar, um den Wärmeverlust zu reduzieren. Der Anteil der verlorenen Wärme durch Wände, Dach und Boden liegt bei mehr als 50 Prozent des Gesamtwärmeverlustes aus. Auch schlecht schließende und wenig isolierte Fenster und Türen können mit bis zu 45 Prozent an dem Wärmeverlust beitragen. Die Energieeinsparungen eines gedämmten Hauses können bei bis zu 50 Prozent liegen.
- Das Ausschalten von nicht benötigten Lampen kann im Jahr zur Einsparung von 60 Euro und etwa 400 Kilogramm CO2-Emissionen beitragen. Mit der Nutzung von nur einer Energiesparlampe (Effizienzklasse A) werden im Jahr 22 Kilogramm CO2-Emissionen vermieden. Zusätzlich halten diese teureren Lampen in Vergleich zu "normalen" Glühbirnen um bis zu zehnmal länger.
- Kühl- und Gefrierschrank verbrauchen neben Herd und anderen Wärmequellen wesentlich mehr Energie. Der Energieverbrauch kann bei besonders warmen Raumtemperaturen von 30 bis 35 Grad Celsius fast doppelt so hoch sein. Einen sehr hohen Verbrauch haben auch Trockner. Wird die Wäsche sechs Monate an der Luft getrocknet können etwa 320 Kilogramm CO2 im Jahr vermieden werden.
- Geräte befinden sich oft in einer Art Leerlauf und sind nicht richtig vom Stromnetz getrennt (Stand-by). Untersuchungen haben ergeben, dass für ganz Deutschland 18 Terawattstunden (TWh), das sind drei Prozent der gesamten Stromerzeugung, für Leerlauf- und Bereitschaftszeiten erzeugt werden müssen. Die Verwendung von Steckleisten mit einem Schalter zum Ausschalten kann hier Abhilfe schaffen.
- Weiterhin spart man durch den Wechsel in einem Jahr bis zu 1930 Kilogramm CO2.
Mobilität:
Der motorisierte Individualverkehr ist der Bereich des Verkehrs, der die meisten CO2-Emissionen freisetzt. Ein Problem sind zudem die Wachstumsraten. Durch technische Innovationen und Maßnahmen, wie beispielsweise effizientere Motoren, geringere Motorenleistung und auch Leichtbauweise können heute schon große Einsparpotenziale in diesem Bereich erzielt werden. Im Durchschnitt werden mit jedem Liter Kraftstoff, der in einem Automotor verbrannt wird, mehr als 2,5 Kilogramm CO2 freigesetzt.
Hinweise für Verbraucher
- Fahrgemeinschaften bilden oder möglichst viele Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Rad fahren. Etwa die Hälfte der Wege, die meistens zurückgelegt werden, sind in der Regel nicht länger als fünf Kilometer lang. Der Spritverbrauch eines Pkw jedoch ist gerade in den ersten drei Kilometern sehr hoch. Nach dem Start verbraucht ein Mittelklassewagen 30 bis 40 Liter auf 100 Kilometer. Nach einem Kilometer liegt der Verbrauch noch bei 20 Liter und erst ab Kilometer vier hat der Motor seinen optimalen Wirkungsgrad erreicht.
- Beim Autokauf auf die CO2-Emissionen des PKWs achten. Die Hersteller sind verpflichtet, diese Angabe bei Neuwagen sichtbar am Fahrzeug angebracht zu machen. Da die CO2-Emissionen in einem direkten Zusammenhang zum Verbrauch des Pkw stehen, kann damit auch der Spritverbrauch und somit Kosten gesenkt werden.
- Durch die regelmäßige Überprüfung des Reifendrucks kann der Spritverbrauch um bis zu fünf Prozent gesenkt werden. Zusätzlich kann der Spritverbrauch reduziert werden, wenn kein unnötiges Gewicht (beispielsweise Dachgepäckträger) mittransportiert wird; 100 Kilogramm Mehrgewicht können in einem Mittelklasse-Auto den Verbrauch um 0,7 Liter auf 100 km Kilometer erhöhen. Beim Fahrradtransport können je nach Tempo mehrere Liter gespart werden. Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen werden durch Luftwiderstand und zusätzliches Gewicht um bis zu zehn Prozent erhöht.
- Flugreisen möglichst vermeiden und Alternativen nutzen oder über Anbieter wie atmosfair (www.atmosfair.de), die verursachten Klimagase über die Finanzierung von Klimaschutzprojekten neutralisieren. Die Emissionen für einen Hin- und Rückflug Berlin-Mallorca betragen 860 Kilogramm CO2. Nach atmosfair wird diese Menge CO2 für 21 Euro in einem Klimaschutzprojekt eingespart.
- Auf Autobahnen Tempo 100 anstelle von 130 km/h fahren. Bei einem Mittelklasse-Wagen können pro 100 Kilometer etwa sechs Liter eingespart werden. Bei Tempo 100 statt 160 beträgt die Einsparung sogar bis zu zehn Liter. Zusätzlich trägt auch eine konstante, gemäßigte Geschwindigkeit im Gegensatz zum häufigen Abbremsen und Beschleunigen zur Reduzierung bei und damit zur CO2-Verminderung.
Fazit
Der Klimaschutz muss (auch) beim Einzelnen beginnen. Gerade verschiedene Alltagspraktiken wie das Abschalten der Stand-by-Funktion von technischen Geräten haben im Zusammenhang mit dem derzeitigen Energieverbrauch eine hohe Relevanz und wirken sich immens auf das Klima aus. Meistens sind die damit verbundenen notwendigen Verhaltensänderungen recht gering. Noch besteht Zeit zum Handeln und jeder Beitrag zählt. Das Weitersagen der hier aufgelisteten Beispiele und Hinweise an Freunde und Bekannte ist bereits ein erster wichtiger Schritt.
Literatur, Quellen und Links
www.ecotopten.de
www.nachhaltige-produkte.de
www.blauer-engel.de
Die Zeit. Zeit Wissen (2007): Dieses Heft rettet die Welt. Nr. 2/2007, S. 23.
Latif, Mojib (2007): Bringen wir das Klima aus dem Takt? Hintergründe und Prognosen, Frankfurt am Main.
Wager, Hermann-Josef (2007): Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts? Der Wettlauf um die Lagerstätten, Frankfurt am Main.
Die Verbraucher Initiative e.V. (2007): »Einkaufsführer Klimafreundliche einkaufen (PDF)«
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